Wien: Grüner Fünf-Punkte-Plan für leistbaren Wohnraum

Redaktion

Am 12.01.2026 präsentieren die Grünen Wien einen Fünf-Punkte-Plan für leistbaren Wohnraum und warnen vor Verknappung durch sinkende Neuwidmungen und umgewidmete Fördermittel. Die Debatte betrifft direkt die Lebensrealität vieler Wienerinnen und Wiener: Mieten, Verfügbarkeit und Qualität des Wohnens. Gleichzeitig geht es um Prioritäten im Budget und um Weichenstellungen, die in einer wachsenden Stadt jahrelang nachwirken. Die Kernaussage ist klar, die Details sind umkämpft: Wie schafft Wien in den kommenden Jahren ausreichend leistbaren Wohnraum, ohne ökologische Ziele aus den Augen zu verlieren? Und welche Rolle spielen dabei Wohnbauförderung, Widmung und Gemeindebau? Die Aktualität ist hoch: Bereits morgen, Dienstag, will die Grüne Fraktion im Landtag eine Reihe von Anträgen einbringen. Für die Stadt, in der sozialer Wohnbau historisch verankert ist, steht mehr auf dem Spiel als eine Budgetzahl – es geht um Planbarkeit für Mieterinnen und Mieter, Bauträgerinnen und Bauträger sowie um das Vertrauen in eine Wohnpolitik, die sowohl soziale als auch klimarelevante Ziele verbindet.

Wien ringt um leistbaren Wohnraum: Was die Grünen fordern

Laut der Presseinformation der Grünen Wien, abrufbar über die Plattform OTS der Stadt Wien – Kommunikation und Medien (KOM), besteht akuter Handlungsbedarf beim Ausbau von leistbarem Wohnraum. Kritisiert wird ein Rückgang bei Neuwidmungen für sozialen Wohnbau und die Zweckentfremdung von Wohnbaufördermitteln für das allgemeine Budget. Aus Sicht der Grünen gefährdet dies die Leistbarkeit des Wohnens in einer wachsenden Stadt. Im Zentrum steht ein Fünf-Punkte-Plan, der die Angebotsseite stärken, Leerstände mobilisieren und die Energie- und Klimaziele mit sozialer Entlastung verbinden soll.

Die fünf Punkte im Überblick

  • Widmungsvorrang für sozialen Wohnbau bei Neuwidmungen
  • 25.000 gemeinnützig geförderte Wohnungen bis 2030
  • 10.000 zusätzliche Gemeindebauwohnungen bis 2030
  • Leerstands- und Freizeitwohnsitzabgabe zur Mobilisierung von mindestens 15.000 leerstehenden Wohnungen
  • Ausnahmslose Zweckwidmung der Wohnbauförderbeiträge für sozialen Wohnbau und höhere Schlagzahl beim Programm ‚Raus aus Gas‘

Als politische Stimmen aus der Quelle werden unter anderem Peter Kraus und Gregor Prack zitiert. Kraus warnt vor Wohnungsmangel als Treiber der Teuerung, Prack kritisiert die Erhöhung von Beiträgen zur Wohnbauförderung, wenn diese anschließend nicht dem Wohnbau zugute kommen. Diese Positionen markieren den Konflikt zwischen budgetären Spielräumen und der wohnpolitischen Versorgungssicherheit.

Zahlen und Fakten aus der Quelle – Einordnung

  • Neuwidmungen: Seit 2020 sei die Zahl der gewidmeten Wohnungen von 42.000 auf 26.000 gefallen (Angaben der Grünen Wien). Das deutet auf eine sinkende Pipeline künftiger Projekte hin, die mittelfristig das Angebot an leistbarem Wohnraum beeinflusst.
  • Gemeindebau: Von 5.500 geplanten neuen Gemeindewohnungen sei ein Viertel fertig (Angaben der Grünen). Damit wären rund 1.375 Einheiten fertiggestellt, die restlichen rund 4.125 noch ausständig. Für die Stabilisierung des Bestands wird ein jährlicher Zubau von mindestens 2.000 Einheiten gefordert.
  • Wohnbauförderung: 329 Millionen Euro aus der Wohnbauförderung sollen heuer ins allgemeine Budget fließen (Angabe aus der Quelle). Aus Sicht der Grünen schwächt das die Förderkulisse für gemeinnützige und kommunale Projekte.
  • Leerstandsmobilisierung: Eine Leerstands- und Freizeitwohnsitzabgabe soll mindestens 15.000 Wohnungen aktivieren. Die Wirkung hängt dabei von der konkreten Ausgestaltung und der rechtlichen Umsetzbarkeit ab.
  • Ausbauziele: 25.000 geförderte plus 10.000 Gemeindebauwohnungen bis 2030 summieren sich auf 35.000 zusätzliche Einheiten. Je nach Startpunkt entspräche das grob 5.800 bis 7.000 Einheiten pro Jahr, um die Zielmarke rechtzeitig zu erreichen.

Diese Zahlen stammen aus der zitierten Quelle und bilden den Ausgangspunkt der Debatte. Sie sind politisch gesetzt und bedürfen in der weiteren Landtagsdiskussion konkreter Umsetzungspläne, Flächenstrategien und Förderdesigns.

Fachbegriffe verständlich erklärt

Leistbarer Wohnraum

Leistbarer Wohnraum bezeichnet Wohnungen, deren Kosten in einem angemessenen Verhältnis zum Einkommen stehen. Dahinter steckt die einfache Idee, dass Mieterinnen und Mieter nicht durch Miet- und Betriebskosten übermäßig finanziell belastet werden. In der Praxis bedeutet das: Haushalte sollen sich eine sichere, gut angebundene Wohnung leisten können, ohne an anderen Grundbedürfnissen sparen zu müssen. In Österreich wird leistbarer Wohnraum typischerweise durch gemeinnützige Bauträgerinnen und Bauträger, kommunale Anbieter und Förderinstrumente wie Zinsstützungen, Baukostenbeiträge oder Grundstückspolitik ermöglicht. Neben dem Preis zählen auch Lage, Energieeffizienz, Größe und Qualität zu den Faktoren, die die reale Leistbarkeit im Alltag beeinflussen.

Wohnbauförderung

Die Wohnbauförderung ist ein Sammelbegriff für finanzielle Unterstützungen, mit denen Länder und Städte Bau, Sanierung und Erwerb von Wohnungen erleichtern. Sie kann in Form von Zuschüssen, Darlehen, Zinsstützungen oder steuerlichen Erleichterungen erfolgen und richtet sich häufig an gemeinnützige Bauträgerinnen und Bauträger sowie an Haushalte mit bestimmten Einkommensgrenzen. Ziel ist es, die Errichtung von leistbarem Wohnraum planbar zu machen und Preissteigerungen am Markt abzufedern. Wenn Wohnbaufördermittel nicht für den Wohnbau verwendet werden, spricht man politisch von Zweckentfremdung. Das muss rechtlich und budgetär differenziert werden: Formal kann eine Umschichtung zulässig sein, wohnpolitisch schwächt sie aber die Förderkulisse, die für langfristige Projekte entscheidend ist.

Widmung und Widmungsvorrang

Unter Widmung versteht man die rechtliche Festlegung, wie Grundstücke genutzt werden dürfen – etwa als Bauland, Grünland oder Betriebsgebiet. Ein Widmungsvorrang für sozialen Wohnbau bedeutet, dass bei neuen Widmungen oder Umwidmungen gezielt Flächen für geförderte oder kommunale Projekte reserviert werden. Das ist eine steuernde Maßnahme, mit der die Stadt sicherstellen kann, dass in wachsenden Vierteln leistbarer Wohnraum entsteht und nicht nur hochpreisige Angebote. Neuwidmungen entscheiden über die Entwicklung der nächsten Jahre: Ohne ausreichende Flächenbereitstellung stocken Projekte, Baukosten steigen relativ, und Verzögerungen verschärfen die Angebotsknappheit. Ein klarer Vorrang schafft Planbarkeit für Bauträgerinnen und Bauträger sowie Transparenz für die Bevölkerung.

Gemeindebau

Gemeindebau meint Wohnungen, die im Eigentum der Stadt stehen und zu sozial verträglichen Mieten vergeben werden. Wien ist historisch für seine Gemeindebauten bekannt, die seit den 1920er-Jahren das Stadtbild und den sozialen Ausgleich prägen. Der Gemeindebau hat eine dämpfende Wirkung auf den Gesamtmarkt, weil er verlässliche Alternativen zu rein privatwirtschaftlichen Mieten bietet. Gleichzeitig ist der Neubau von Gemeindewohnungen ein Instrument, um in wachsenden Bezirken leistbaren Wohnraum zu sichern, Wartezeiten zu verkürzen und soziale Durchmischung zu fördern. Entscheidend sind regelmäßige Bautranches, verlässliche Budgets und Grundstücke in gut angebundenen Lagen, damit die Wirkung über den gesamten Wohnungsmarkt spürbar wird.

Zweckentfremdung von Wohnbaufördermitteln

Als Zweckentfremdung wird in der politischen Debatte bezeichnet, wenn Beiträge zur Wohnbauförderung nicht im Wohnbau landen, sondern in andere Budgetposten fließen. Rechtlich kann eine solche Umschichtung – je nach Gesetzeslage – erlaubt sein, politisch ist sie jedoch umstritten. Befürworterinnen und Befürworter verweisen auf flexible Haushaltssteuerung in Krisenzeiten. Kritikerinnen und Kritiker argumentieren, dass ohne stabile Förderkulisse Projekte verschoben oder gestrichen werden, die dringend leistbaren Wohnraum schaffen würden. In einem angespannten Markt kann jeder ausbleibende Baujahrgang die Angebotsknappheit verstärken und damit mittelbar auch die Mietpreise beeinflussen.

Leerstandsabgabe und Freizeitwohnsitzabgabe

Eine Leerstandsabgabe ist eine Abgabe auf dauerhaft ungenutzte Wohnungen. Ziel ist, Eigentümerinnen und Eigentümer zu motivieren, leer stehenden Wohnraum zu vermieten oder zu veräußern, damit er dem regulären Markt zur Verfügung steht. Eine Freizeitwohnsitzabgabe knüpft an Wohnungen an, die primär als Zweit- oder Ferienwohnsitz genutzt werden. Beides sind Lenkungsinstrumente: Sie sollen Wohnraum in Städten mit hoher Nachfrage mobilisieren, ohne in Eigentumsrechte unverhältnismäßig einzugreifen. Die rechtliche Ausgestaltung ist komplex und erfordert klare Definitionen, Ausnahmen (etwa bei Sanierung) und transparente Vollzugsregeln, um sozial verträglich und administrativ praktikabel zu sein.

Programm ‚Raus aus Gas‘

‚Raus aus Gas‘ steht für den systematischen Umstieg von Gasheizungen auf erneuerbare oder hocheffiziente Heizsysteme. In Städten bedeutet dies typischerweise den Ausbau von Fernwärme, Wärmepumpenlösungen oder hybriden Systemen sowie die Sanierung der Gebäudehülle. Für leistbaren Wohnraum ist das relevant, weil Energiekosten und Energiearmut direkte Bestandteile der Wohnkosten sind. Eine höhere Schlagzahl bei Umstellungen kann Langfristkosten senken, Emissionen reduzieren und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen mindern. Entscheidend ist die soziale Flankierung: Förderungen, abgestufte Sanierungspläne und klare Information, damit Mieterinnen und Mieter nicht kurzfristig finanziell überfordert werden.

Historischer Kontext: Vom Roten Wien zur heutigen Herausforderung

Wien hat eine lange Tradition des sozialen Wohnens. Bereits im sogenannten Roten Wien der 1920er-Jahre wurden großmaßstäbliche Gemeindebauten errichtet, die Wohn- und Lebensqualität für breite Bevölkerungsschichten sichern sollten. Diese Ära prägte ein Verständnis von Wohnen als öffentlicher Daseinsvorsorge. Über Jahrzehnte entstand damit ein Bestand, der den Markt bis heute prägt und teils dämpfend auf Mietpreisentwicklungen wirkt. Später wurde die Rolle gemeinnütziger Bauträgerinnen und Bauträger, die nicht gewinnorientiert agieren und Überschüsse reinvestieren, weiter gestärkt. Dieser Mix – Gemeindebau, Gemeinnützigkeit und Förderinstrumente – schuf eine robuste Struktur, die vielen Haushalten Zugang zu leistbarem Wohnraum eröffnete.

Mit dem Wachstum der Stadt, veränderten Haushaltsstrukturen und gestiegenen Bau- sowie Finanzierungskosten erhöhten sich jedoch die Anforderungen. Während Energiestandards und Klimaziele die Qualität heben, verteuern sie kurzfristig Projekte. Gleichzeitig benötigt die Stadt Flächen, Planungs- und Genehmigungstempo und eine verlässliche Förderkulisse. Kommt es zu Lücken bei Neuwidmungen oder zu Förderpausen, entstehen Verzögerungen, die sich erst Jahre später im Angebot niederschlagen. Genau hier setzt die aktuelle Debatte an: Die Grünen Wien interpretieren aktuelle Zahlen als Warnsignal, dass die Pipeline neuer Projekte für leistbaren Wohnraum zu dünn wird, wenn Widmungsvorrang und Fördermittel nicht konsequent ausgerichtet sind.

Vergleich: Österreichische Länder, Deutschland, Schweiz

Innerhalb Österreichs unterscheiden sich die Instrumente nach Bundesland. Gemeinsam ist den meisten Ländern eine starke Rolle der Wohnbauförderung und der Gemeinnützigkeit. Unterschiede zeigen sich bei Raumordnung, Dichtevorgaben und der Frage, wie streng Freizeitwohnsitze reguliert werden. Besonders in alpinen Regionen gelten oft engere Regeln für Zweitwohnsitze, um lokale Märkte zu schützen. Wien wiederum setzt traditionell stark auf Gemeindebau, Widmungskategorien und die Kooperation mit gemeinnützigen Bauträgerinnen und Bauträgern, um leistbaren Wohnraum in städtischen Lagen zu sichern.

In Deutschland wird die Wohnungsfrage ebenfalls intensiv diskutiert. Die Spannweite reicht von sozialem Wohnungsbau über mietpreisgebundene Segmente bis hin zu Stadtentwicklungsverträgen. Der Versuch eines landesrechtlichen Mietendeckels in Berlin wurde vom Bundesverfassungsgericht aufgehoben, was die Bedeutung des richtigen rechtlichen Rahmens unterstreicht. Viele Städte suchen Wege, Bauland zu mobilisieren, Planungsverfahren zu beschleunigen und soziale Quoten in neuen Quartieren abzusichern.

Die Schweiz setzt – je nach Kanton und Gemeinde – auf starke lokale Spielräume. Genossenschaften haben eine gewichtige Rolle, und bundesrechtliche Leitplanken wie die Zweitwohnungsinitiative setzen in touristisch geprägten Orten Grenzen für Zweitwohnungen. Für Wien lässt sich daraus lernen: Eine Kombination aus klaren Quoten, gezielter Bodenpolitik, Förderung der Gemeinnützigkeit und Anreizen gegen Leerstand kann langfristig wirksam sein, wenn sie verlässlich und transparent umgesetzt wird.

Was bedeutet das für Bürgerinnen und Bürger?

Leistbarer Wohnraum ist nicht nur ein politisches Schlagwort, sondern Alltag: Es entscheidet, ob junge Menschen die erste Wohnung finden, ob Familien in der Nähe von Betreuung und Arbeit leben und ob Seniorinnen und Senioren barrierefrei wohnen können. Wenn Neuwidmungen ausbleiben, werden Projekte später fertig, der Druck auf Bestandsmieten steigt und Wartezeiten verlängern sich. Eine konsequente Widmungspolitik kann dem entgegenwirken, indem sie vorausschauend Flächen für sozialen Wohnbau sichert und so Planbarkeit schafft. Für Mieterinnen und Mieter bedeutet das langfristig mehr Auswahl und stabilere Preise.

Die vorgeschlagene Leerstandsabgabe kann zusätzlichen leistbaren Wohnraum mobilisieren, sofern sie klar definiert und fair vollzogen wird. Praktisch heißt das: Wohnungen, die nicht genutzt werden, kommen – idealerweise nach Sanierung – auf den Markt. Das erhöht das Angebot, gerade in begehrten Bezirken, und kann kurzfristige Entlastungen bringen. Für Eigentümerinnen und Eigentümer ist wichtig, dass Ausnahmen transparent geregelt sind, etwa bei laufenden Umbauten oder familiären Übergangsphasen.

Die ausnahmslose Zweckwidmung der Wohnbauförderung würde die Förderkulisse stabilisieren. Für Bauträgerinnen und Bauträger ist das ein Signal: Projekte können geplant, finanziert und umgesetzt werden, ohne in späten Phasen ins Wanken zu geraten. Für die Stadt wiederum schafft es eine verlässliche Pipeline, die den Gesamtmarkt glättet. In Kombination mit ‚Raus aus Gas‘ ergeben sich Chancen, die Betriebskosten durch effizientere Heizsysteme und bessere Gebäudehülle zu senken. Das hilft besonders Haushalten mit geringem Einkommen, die von Energiekostensteigerungen überproportional betroffen sind.

Vertiefte Analyse: Angebot, Zeit und Budget

Der Kern der aktuellen Diskussion ist ein zeitlicher: Wohnen reagiert träge. Was heute nicht gewidmet wird, fehlt in drei bis fünf Jahren. Die in der Quelle genannten Zahlen – Rückgang von 42.000 auf 26.000 gewidmete Einheiten – lassen sich als Warnsignal interpretieren, dass die Angebotspipeline dünner wird. Gleichzeitig ist die Bauwirtschaft zyklisch: Höhere Zinsen, Baukosten und Lieferengpässe verzögern Projekte oder machen sie neu zu rechnen. Ein stabiler Förderpfad mindert diese Unsicherheiten. Deshalb ist die Auseinandersetzung um die 329 Millionen Euro nicht nur eine Haushaltsdebatte, sondern eine Frage der Marktnavigation: Können Projekte trotz volatiler Rahmenbedingungen starten?

Die Zielmarke von 35.000 zusätzlichen Einheiten bis 2030 ist ambitioniert, aber strukturierbar. Entscheidend sind jährliche Tranchen, transparente Vergabekriterien, Bebauungsdichte im Einklang mit Infrastruktur und Klimazielen sowie ausreichend Personal in Planung, Genehmigung und Bauaufsicht. Je früher Flächen festgelegt werden, desto eher lassen sich auch soziale und ökologische Qualitätsstandards in die Quartiersentwicklung einweben – von der Kindergartenversorgung bis zu Grünräumen und Mobilitätsangeboten.

Politische Positionen aus der Quelle

Die Grünen Wien verorten das Problem in Untätigkeit bei Neuwidmungen und kritisieren die Umschichtung von Wohnbaufördermitteln. Peter Kraus warnt, Wohnungsmangel sei gefährlich für die Leistbarkeit. Gregor Prack fordert, Beiträge nur für den sozialen Wohnbau zu verwenden und jährlich mindestens 2.000 neue Gemeindewohnungen zu bauen, um den Anteil stabil zu halten. Diese Aussagen bilden eine klare Linie: Priorisierung des sozialen Wohnens, Stärkung gemeinnütziger Strukturen und fiskalische Verlässlichkeit. Die Gegenseite der Diskussion – etwa die Rechtfertigung budgetärer Umschichtungen oder alternative Wege zur Angebotssteigerung – wird im Rahmen des Landtages zu diskutieren sein. Fest steht: Die Frage nach leistbarem Wohnraum bleibt eine der zentralen sozialen Fragen der Stadtentwicklung.

Zukunftsperspektiven: Was bis 2030 realistisch ist

Bis 2030 stehen mehrere Pfade offen. Erstens kann ein Widmungsvorrang für sozialen Wohnbau in neuen Entwicklungsgebieten klare Signale setzen: Wo neue Quartiere entstehen, sichern Quoten und städtebauliche Verträge einen substanziellen Anteil leistbaren Wohnraums. Zweitens braucht es eine verlässliche, überjährig planbare Wohnbauförderung. Das ermöglicht Bündelung von Bauvergaben, Skaleneffekte und eine straffere Taktung der Bauabschnitte. Drittens ist die Mobilisierung von Leerstand ein rasch wirksamer Hebel, wenn die Abgabe zielgenau gestaltet wird. Viertens sind Klimaziele nicht Nebenbedingung, sondern Kostenfaktor: Eine beschleunigte Umstellung im Sinne von ‚Raus aus Gas‘ senkt Betriebskosten, erhöht den Komfort und verbessert die CO₂-Bilanz.

Realistisch ist ein Mix: laufende Sanierungen, Nachverdichtung an gut erschlossenen Standorten, Neubau im öffentlichen und gemeinnützigen Segment sowie rechtliche Instrumente gegen spekulativen Leerstand. Transparente Kommunikation ist dabei zentral. Für Mieterinnen und Mieter zählen am Ende drei Dinge: Verfügbarkeit, Leistbarkeit und Qualität. Gelingen diese Bausteine, stabilisiert sich der Markt, Wartezeiten sinken, und die Stadt kann ihre Tradition eines starken sozialen Wohnsektors fortschreiben.

Weiterdenken: Qualität, Klima, Quartier

Leistbarer Wohnraum ist mehr als ein Mietpreis. Quartiersqualität – Wege zu Öffis, Schulen, medizinischer Versorgung, Nahversorgung, Grünflächen – macht den Unterschied zwischen scheinbar günstiger und tatsächlich leistbarer Wohnung. Ein Projekt, das Energie spart, Gemeinschaftsräume bietet und kurze Wege ermöglicht, reduziert langfristig Kosten im Alltag. Hier treffen Stadtplanung, soziale Zielsetzungen und Klimapolitik aufeinander. Je früher diese Dimensionen integriert werden, desto robuster und leistbarer werden die Ergebnisse für die Bevölkerung.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Quelle der Zitate und Zahlen: Stadt Wien – Kommunikation und Medien (KOM) über OTS, ‚Grüne Wien befürchten Verknappung von Wohnraum und präsentieren Fünf-Punkte-Plan für leistbaren Wohnraum‘. Abrufbar unter ots.at.
  • Allgemeine Informationen zu Wohnen in Wien: wien.gv.at (offizielle Stadt-Website).
  • Hinweis: Alle im Artikel analysierten Zahlen beruhen auf der genannten Quelle. Eine parlamentarische Beratung im Landtag ist für den 13.01.2026 angekündigt.

Fazit: Was jetzt zählt

Wien steht vor einer Weichenstellung. Leistbarer Wohnraum bleibt das soziale Rückgrat der Stadt. Die von den Grünen Wien vorgelegten fünf Maßnahmen adressieren die Hebel, die kurzfristig und langfristig wirken: Flächen sichern, Förderkulisse stabilisieren, Leerstand mobilisieren, kommunale und gemeinnützige Projekte ausbauen und Energiekosten senken. Offen ist, welche Kombination der Landtag mitträgt und wie rasch die Umsetzung erfolgt. Für die Menschen in Wien zählt das Ergebnis: mehr leistbarer Wohnraum, planbare Kosten, gute Quartiere.

Bleiben Sie dran: Folgen Sie den Beratungen im Landtag und informieren Sie sich über mögliche Antragsbeschlüsse und Zeitpläne. Wer sich konkret orientieren will, findet weiterführende Informationen und Anlaufstellen auf der Website der Stadt Wien. Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit Wohnungssuche, Wartelisten und Sanierungen mit: Welche Schritte würden Ihnen am meisten helfen, leistbaren Wohnraum zu finden oder zu halten?