23. März 2026: Österreichische Exzellenz im nachhaltig Bauen zeigt in Nantes, wie Low-Tech, Holz-Hybridbau und Abwärmenutzung IT-Standorte zukunftsfit machen. Ein Projekt, das die Kriterien des Austrian Green Planet Building Awards in der Praxis vereint und österreichisches Planungs-Know-how international sichtbar macht. Für Österreich ist das mehr als eine Auszeichnung: Es ist ein Signal, dass nachhaltiges Bauen mit vernünftigen Mitteln, klaren Standards und langfristigem Denken funktioniert. Der AGPB Award rückt die Verbindung von Architektur, Energieeffizienz und Biodiversität in den Mittelpunkt – und liefert Anknüpfungspunkte für Unternehmen, Kommunen und Bildungseinrichtungen hierzulande. Das Maison de l’innovation in Nantes beweist, dass sich Komfort, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz nicht ausschließen. Und es zeigt, wie sich IT-Infrastruktur als Energiequelle nutzen lässt – mit Vorteilen für Betriebskosten, Raumklima und Umwelt. Diese Geschichte ist hochaktuell und relevant für Österreichs Bau- und Immobilienwirtschaft, die vor ähnlichen Aufgaben steht.
Nachhaltig Bauen im Praxischeck: Das AGPB-Projekt in Nantes
Das Maison de l’innovation in Nantes, Frankreich, wurde von Baumschlager Eberle Architekten entworfen und als IT-Kompetenzzentrum mit attraktiven Arbeitsbedingungen und einem Low-Tech-Energiekonzept realisiert. Der Holz-Hybridbau tritt selbstbewusst in einen historischen Kontext und setzt auf Langlebigkeit, flexible Nutzung sowie klare, nutzungsneutrale Grundrisse. Entscheidende Technikprinzipien sind eine energieeffiziente Gebäudehülle, passive Kühlung, Nachtlüftung und Deckenventilatoren. Damit kann auf eine konventionelle Klimaanlage verzichtet werden. Die in Serverräumen anfallende Abwärme deckt 75 Prozent des Heizbedarfs. Für Spitzenlasten ist das Gebäude an ein lokales Fernwärmenetz aus 100 Prozent Biomasse angeschlossen. Ein Biodiversitätskonzept mit Urban Agriculture, einer Honigwiese am Dach und Nistplätzen verbindet ökologische Mehrwerte mit Aufenthaltsqualität. Die Auszeichnung mit dem Austrian Green Planet Building (AGPB) Award würdigt genau diese Verbindung aus Energieeffizienz und Versorgung durch erneuerbare Energien. Der Award überträgt Zielsetzungen und Kriterien der nationalen Klimaschutzinitiative klima aktiv auf internationale Projekte und zeichnet die im Ausland erbrachten Leistungen österreichischer Planungsbüros, Consultants, Bauunternehmen und Produktionsbetriebe aus. AGPB ist eine Initiative des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus sowie von ADVANTAGE AUSTRIA. Projektmaterial ist unter agpb.at/maisondelinnovation.htm abrufbar.
Fachbegriffe verständlich erklärt: Holz-Hybridbau
Ein Holz-Hybridbau kombiniert tragende oder aussteifende Bauteile aus Holz mit anderen Materialien wie Stahl oder Beton. Die Hybridbauweise nutzt die jeweiligen Stärken der Materialien: Holz punktet mit einem geringen ökologischen Fußabdruck, guter Wärmedämmung und angenehmem Raumklima, während Beton oder Stahl dort eingesetzt werden, wo hohe Druckfestigkeit, Schallschutz oder große Spannweiten gefordert sind. Für Laien heißt das: Man profitiert von der Behaglichkeit und Klimaverträglichkeit von Holz, ohne bei Stabilität und Dauerhaftigkeit Abstriche zu machen. Gleichzeitig ermöglicht der modulare Aufbau oft eine schnellere Montage und damit kürzere Bauzeiten.
Fachbegriffe verständlich erklärt: Energieeffiziente Gebäudehülle
Die Gebäudehülle umfasst alle Bauteile, die Innen- von Außenraum trennen: Fassade, Fenster, Dach und Boden. Eine energieeffiziente Hülle minimiert Wärmeverluste im Winter und schützt vor Überhitzung im Sommer. Das gelingt durch gute Dämmung, luftdichte Ausführung, wärmebrückenarme Details und hochwertige Verglasungen. Für Personen ohne Fachwissen: Eine gute Hülle wirkt wie eine hochwertige Thermosflasche für das Gebäude. Sie hält die gewünschte Temperatur mit wenig zusätzlicher Energie und erhöht den Komfort, weil Zugluft und kalte Oberflächen reduziert werden.
Fachbegriffe verständlich erklärt: Passive Kühlung
Passive Kühlung meint Maßnahmen, die ohne energieintensive Kälteanlagen auskommen. Dazu zählen Verschattung, thermische Masse (also Bauteile, die Wärme puffern), nächtliche Auskühlung, Querlüftung, effiziente Grundrisse und Begrünung. Für Laien: Statt die warme Luft mit Strom hungrig herunterzukühlen, sorgt die Gebäudegestaltung dafür, dass Räume gar nicht erst überhitzen. Das spart Betriebskosten, reduziert Wartungsaufwand und macht Gebäude auch in Hitzewellen robuster.
Fachbegriffe verständlich erklärt: Nachtlüftung
Nachtlüftung nutzt die kühleren Außenlufttemperaturen in der Nacht, um die in den Bauteilen gespeicherte Wärme aus dem Gebäude zu entfernen. Das kann natürlich (über Fensteröffnungen) oder mechanisch unterstützt erfolgen. Wichtig ist die Sicherheit und Steuerung: Öffnungen werden so geplant, dass sie auch unbeaufsichtigt funktionieren. Für Laien: Das Haus atmet nachts durch, kühlt aus und startet am Morgen mit angenehmeren Temperaturen, wodurch tagsüber weniger Kühlbedarf entsteht.
Fachbegriffe verständlich erklärt: Deckenventilatoren
Deckenventilatoren sorgen nicht für aktive Kühlung der Luft, sondern für einen Luftstrom, der die gefühlte Temperatur um einige Grad senken kann. Dieser Windchill-Effekt verbessert die Behaglichkeit und erlaubt höhere Raumtemperaturen, ohne dass sich Personen unwohl fühlen. Für Nicht-Fachleute: Ein Ventilator verbraucht deutlich weniger Strom als eine Klimaanlage und kann bei guter Planung das Raumklima erheblich verbessern, insbesondere in Kombination mit Verschattung und Nachtkühlung.
Fachbegriffe verständlich erklärt: Abwärmenutzung aus Serverräumen
Server erzeugen im Betrieb Wärme. Statt diese Wärme ungenutzt abzuführen, wird sie mittels Wärmetauschern oder Wärmepumpen zurückgewonnen und für die Heizung genutzt. Beim Projekt in Nantes deckt die Abwärme 75 Prozent des Heizbedarfs. Für Laien: Was sonst als Abfall galt, wird hier zur kostenlosen Heizung. Das senkt Energiekosten und reduziert Emissionen, weil weniger externe Wärmequellen nötig sind.
Fachbegriffe verständlich erklärt: Fernwärme aus 100 Prozent Biomasse
Fernwärme versorgt Gebäude über ein Leitungsnetz mit Wärme aus zentralen Anlagen. Wenn diese Wärme zu 100 Prozent aus Biomasse stammt, wird sie aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen, etwa aus Holzresten. Für Verständnis ohne Technikjargon: Statt individueller Heizkessel im Haus gibt es eine große, effiziente Heizzentrale. Kommt deren Energie aus Biomasse, können fossile Brennstoffe ersetzt und regionale Wertschöpfung gestärkt werden. Gleichzeitig ist die Spitzenlast-Absicherung im Winter zuverlässig gewährleistet.
Fachbegriffe verständlich erklärt: Nutzungsneutrale Grundrisse
Nutzungsneutrale Grundrisse sind so geplant, dass sie sich ohne große Eingriffe an wechselnde Anforderungen anpassen lassen, etwa an Einzel- und Teamarbeit, Labors oder Ausbildung. Flexible Raumtiefen, modulare Trennwände und ausreichend Installationszonen sind typische Merkmale. Für Laien: Räume wachsen mit ihren Aufgaben. Umbauten kosten weniger, es fällt weniger Abfall an, und das Gebäude kann viel länger wirtschaftlich genutzt werden.
Fachbegriffe verständlich erklärt: Urban Agriculture
Urban Agriculture beschreibt die landwirtschaftliche Nutzung in der Stadt – auf Dächern, Fassaden, Innenhöfen oder Freiflächen. Das reicht von Kräuterbeeten bis zu bienenfreundlichen Wiesen. Für Nicht-Fachleute: Grünflächen am Gebäude fördern Artenvielfalt, kühlen an heißen Tagen, speichern Regenwasser und schaffen Aufenthaltsqualität. Wenn Mitarbeitende am Dachgarten ernten oder Bienen Nahrung finden, entstehen ökologischer Nutzen und soziale Identifikation zugleich.
Fachbegriffe verständlich erklärt: Biodiversitätskonzept
Ein Biodiversitätskonzept bündelt Maßnahmen, die Vielfalt von Pflanzen und Tieren zu fördern. Dazu gehören heimische Pflanzen, Nistplätze für Vögel und Insekten, strukturreiche Grünflächen und der Verzicht auf Pestizide. Für Laien: Gebäude und Freiräume werden so gestaltet, dass Natur nicht verdrängt, sondern integriert wird. Das stärkt Ökosysteme, verbessert das Mikroklima und steigert die Lebensqualität.
Historische Entwicklung: Vom Energiesparen zur resilienten Bauwende
Die Entwicklung hin zu nachhaltig Bauen verlief in Europa über mehrere Etappen. Zunächst standen Energiesparen und Dämmung im Fokus, etwa in Reaktion auf Energiekrisen und steigende Heizkosten. In den 1990er- und 2000er-Jahren sorgten Passivhausprinzipien, hochwertige Gebäudehüllen und effiziente Haustechnik für erhebliche Fortschritte. In Österreich prägten qualitätsgesicherte Standards wie die Kriterien der klima aktiv-Initiative die Branche und boten Planerinnen und Planern, Bauträgerinnen und Bauträgern sowie Kommunen klare Leitplanken. Schrittweise wurde der Blick erweitert: Neben reiner Effizienz kamen Sommerkomfort, Nutzerfreundlichkeit und die Reduktion von Betriebs- und Lebenszykluskosten hinzu. Die Materialwahl rückte ins Zentrum – insbesondere Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, Rezyklate und kreislauffähige Konstruktionen. Gleichzeitig gewann die Integration erneuerbarer Energien an Fahrt, von Solarenergie über Wärmepumpen bis hin zu Biomasse-Fernwärme. Heute setzt sich ein robustes, Low-Tech-orientiertes Verständnis durch: Technik dort, wo sie nötig und wartbar ist; Architektur und Bauphysik als erste Linie der Energieoptimierung; Grün- und Freiraum als Teil der Klimaanpassung. Projekte wie das Maison de l’innovation veranschaulichen, wie diese Elemente ineinandergreifen. Die Besonderheit: Ein IT-Standort nutzt konsequent seine Abwärme, kombiniert dies mit einer exzellenten Gebäudehülle, verzichtet auf konventionelle Klimatisierung und verankert Biodiversität – ein evolutionärer Schritt von der reinen Effizienz hin zur ganzheitlichen, resilienten Bauwende.
Vergleiche: Österreichs Bundesländer, Deutschland und Schweiz
Innerhalb Österreichs zeigt sich eine breite Basis für nachhaltig Bauen, die jedoch regional unterschiedliche Schwerpunkte setzt. In Vorarlberg haben Holzbaukultur und qualitätsvolle Architektur eine lange Tradition, was Innovationen im Holz-Hybridbau beschleunigt. Die Steiermark fördert seit Jahren Forschung und industrielle Holzkompetenz; Wien kombiniert dichte, gemischt genutzte Stadtquartiere mit Klimaanpassung, etwa durch Begrünung, Beschattung und Fernwärmeausbau. Oberösterreich und Salzburg treiben energieeffiziente Gebäude im Bildungs- und Gesundheitsbereich voran, während Tirols alpiner Kontext robuste, wintertaugliche Lösungen erfordert. Diese Vielfalt bietet ein fruchtbares Umfeld, in dem Konzepte wie in Nantes – Low-Tech-Kühlstrategien, Abwärmenutzung aus IT und flexible Grundrisse – auf österreichische Anforderungen übertragbar sind.
Deutschland setzt mit anspruchsvollen Energieeffizienzstandards und einer starken Holzbau-Industrie ähnliche Akzente. Zahlreiche Kommunen verankern Sommerkomfort, Photovoltaik-Pflichten und Quartierslösungen in Ausschreibungen. Die Schweiz wiederum ist für ihre stringente Qualitätssicherung bekannt; Labels und kantonale Vorgaben fördern Lebenszyklus-Denken, präzise Planung und hohe Ausführungsqualität. Gemeinsam ist allen drei Ländern der Trend, Gebäudetechnik zu vereinfachen, Nutzerkomfort zu priorisieren und Klimaanpassung – Stichwort Hitzeschutz – als Pflicht zu begreifen. Das nanteser Beispiel trifft damit einen Nerv: Es zeigt, wie sich Büro- und IT-Infrastrukturen als Energiequelle nutzen lassen, wobei erneuerbare Netze (Biomasse-Fernwärme) Spitzen abdecken. Für österreichische Städte mit gut ausgebauter Fernwärme, etwa in Wien, Linz oder Graz, ist das besonders anschlussfähig.
Bürger-Impact: Was das für Österreich konkret bedeutet
Für Beschäftigte in Büros und IT-Zentren bedeutet der Low-Tech-Ansatz mehr Behaglichkeit bei weniger Technikabhängigkeit. Deckenventilatoren und Nachtlüftung erzeugen ein angenehmes Raumklima, ohne Zugerscheinungen oder Geräuschbelastung klassischer Klimaanlagen. Nutzungsneutrale Grundrisse erlauben es Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, Arbeitswelten flexibel mitzugestalten – von konzentrierter Einzelarbeit bis zu kollaborativen Zonen. Das erhöht die Aufenthaltsqualität und kann Flächen effizienter machen, was sich positiv auf Mieten und Betriebskosten auswirken kann.
Für Kommunen und öffentliche Auftraggeberinnen und Auftraggeber liefert das Projekt ein belastbares Konzept, wie sich IT-Infrastruktur klug integrieren lässt. Wo Serverräume vorhanden sind – in Schulen, Hochschulen, Gesundheits- oder Verwaltungsbauten – kann Abwärme genutzt und mit erneuerbaren Netzen kombiniert werden. Das senkt den Energiebezug von außen, macht Quartiere resilienter gegen Preis- und Versorgungsschwankungen und reduziert Emissionen. Die Biodiversitätsmaßnahmen – Honigwiese und Nistplätze – zeigen, dass Bauwerke zugleich Lernorte für Umweltbildung und Bausteine gegen urbane Überhitzung sein können.
Für die österreichische Bau- und Immobilienwirtschaft eröffnen sich Export- und Innovationschancen. Planungsbüros, Consultants, Bauunternehmen sowie Herstellerinnen und Hersteller aus Österreich werden durch Auszeichnungen wie den AGPB Award international sichtbarer. Das stärkt Referenzen, erleichtert Markteintritte und schafft Aufträge, von denen auch regionale Zuliefererinnen und Zulieferer profitieren. Gleichzeitig lassen sich Erkenntnisse zurück nach Österreich holen: Welche Low-Tech-Lösungen funktionieren besonders gut? Wie lässt sich Serverabwärme in gemischt genutzten Gebäuden skalieren? Welche Biodiversitätsmodule erhöhen Akzeptanz im Quartier? Antworten darauf helfen, heimische Projekte schneller, kostensicherer und ökologischer umzusetzen.
Zahlen und Fakten: Einordnung der verfügbaren Angaben
Die Quelle nennt mehrere präzise Eckdaten, die für die Bewertung zentral sind:
- Abwärmenutzung: 75 Prozent des Heizbedarfs werden durch Serverabwärme gedeckt.
- Klimatisierung: Verzicht auf eine konventionelle Klimaanlage durch passive Kühlung, Nachtlüftung und Deckenventilatoren.
- Fernwärme: Spitzenlasten werden durch ein lokales Fernwärmenetz aus 100 Prozent Biomasse abgedeckt.
- Biodiversität: Urban Agriculture, Honigwiese am Dach und Nistplätze als Teil eines umfassenden Konzepts.
Was bedeuten diese Angaben praktisch? Erstens, die 75-Prozent-Deckung durch Abwärme verschieben das Heizsystem von externer Zufuhr hin zu interner Rückgewinnung. Das kann Betriebskosten senken, weil die „Quelle“ – die IT – ohnehin vorhanden ist. Zweitens, der Verzicht auf eine konventionelle Klimaanlage reduziert Stromspitzen im Sommer und Wartungskosten. Passive Maßnahmen sind robust, benötigen weniger Ersatzteile und sind bei Stromausfällen weniger kritisch. Drittens, Biomasse-Fernwärme als Spitzenlast-Absicherung macht das System wintertauglich und planbar. Viertens, Biodiversitätsmaßnahmen stiften ökologische Dienste: Sie fördern Bestäubung, kühlen die Umgebung durch Verdunstung und binden Nutzerinnen und Nutzer emotional an den Ort.
Zur Veranschaulichung, ohne Anspruch auf konkrete Projektzahlen: Angenommen, ein Bürogebäude hätte einen jährlichen Heizwärmebedarf von 100 MWh. Wenn 75 MWh aus Serverabwärme stammen, muss die Fernwärme lediglich 25 MWh als Spitzenlast beisteuern. Bei typischen Energiepreisen und steigender Kohlenstoffbepreisung ist das ein deutlicher Vorteil. Ein ähnlicher Plausibilitätscheck gilt für die Kühlung: Wird durch Verschattung, Nachtlüftung und Ventilatoren der Bedarf an aktiver Kälte weitgehend vermieden, sinken Jahresstromverbrauch und Lastspitzen. Das entlastet Netze, reduziert die Dimensionierung von Technikräumen und schafft Freiraum für flexible Nutzung. Solche Rechenbeispiele illustrieren den Hebel der genannten Maßnahmen, ohne spezifische, nicht vorliegende Projektdaten zu unterstellen.
Zukunftsperspektive: Low-Tech, zirkulär und klimafit
Die Richtung ist klar: nachhaltig Bauen wird erwachsener, robuster und alltagsnäher. Drei Linien zeichnen sich ab. Erstens, Low-Tech-Strategien werden zum Standard, vor allem, wenn Sommerkomfort und Hitzeschutz an Bedeutung gewinnen. Gebäude, die wie das nanteser Beispiel ohne konventionelle Klimaanlage auskommen, sind widerstandsfähiger und wirtschaftlich kalkulierbarer. Zweitens, zirkuläres Bauen mit Holz-Hybridstrukturen und demontagefreundlichen Verbindungen erleichtert spätere Anpassungen, Reparaturen und Wiederverwendung. Langlebigkeit und nutzungsneutrale Grundrisse werden zur Versicherung gegen technologische und organisatorische Veränderungen. Drittens, die Kopplung von digitalen Infrastrukturen und Energiekreisläufen – Stichwort Abwärmenutzung aus IT – erschließt neue Quellen für erneuerbare Wärme. Je dichter und smarter ein Campus ist, desto eher lassen sich interne Energieflüsse optimieren.
Für Österreich heißt das: Wer heute Büro-, Bildungs- oder Gesundheitsbauten plant, sollte Abwärmepotenziale systematisch erfassen, Low-Tech-Kühlstrategien in den Entwurf integrieren und Biodiversität als messbaren Projektteil verankern. Förder- und Qualitätsprogramme – wie in der Quelle beschrieben – liefern dafür belastbare Kriterien. Gleichzeitig ist die Einbindung in erneuerbare Netze (Fernwärme und -kälte, wo verfügbar) ein wichtiger Baustein. Die Kombination aus architektonischer Qualität, klaren Standards und pragmatischer Technik wird zu einem Wettbewerbsvorteil für Planerinnen und Planer sowie Bauunternehmen aus Österreich – im Inland und international.
Hintergründe zum AGPB Award
Der Austrian Green Planet Building (AGPB) Award rückt Energieeffizienz und erneuerbare Versorgung ins Zentrum und überträgt die Zielsetzungen und Kriterien der nationalen Klimaschutzinitiative klima aktiv ins internationale Umfeld. Ausgezeichnet werden im Ausland erbrachte Leistungen österreichischer Planungsbüros, Consultants, Bauunternehmen und Herstellerinnen sowie Hersteller. Trägerinnen und Träger der Initiative sind das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus sowie ADVANTAGE AUSTRIA. Mit dem Projekt in Nantes wird sichtbar, wie österreichische Kompetenz im nachhaltig Bauen global Wirkung entfalten kann.
Praxisleitfaden: Was Bauherrinnen und Bauherren jetzt prüfen sollten
- Abwärmepotenziale erfassen: Gibt es Server-, Kühl- oder Prozesswärme, die nutzbar ist?
- Sommerkomfort planerisch lösen: Verschattung, Nachtlüftung, Speicherfähigkeit, Ventilatoren.
- Gebäudehülle priorisieren: Dämmung, Luftdichtheit, wärmebrückenarme Details, hochwertige Fenster.
- Nutzungsneutralität sicherstellen: Flexible Grundrisse, modulare Trennwände, ausreichende Installationsräume.
- Biodiversität integrieren: Dachbegrünung, Honigwiese, Nistplätze, heimische Bepflanzung.
- Erneuerbare Netze nutzen: Anbindung an Fernwärme/-kälte, wo verfügbar, und vertragliche Spitzenlastregelung.
- Lebenszykluskosten bewerten: Investition, Betrieb, Wartung, Rückbau – frühzeitig bilanziell betrachten.
Schluss: Österreichische Chancen nutzen, Wissen teilen
Das Maison de l’innovation in Nantes zeigt, wie nachhaltig Bauen in der Praxis funktioniert: Eine starke Hülle, kluge Low-Tech-Kühlung, erneuerbare Spitzenlastversorgung und ein Biodiversitätskonzept, das echten Mehrwert schafft. Für Österreich liefert die AGPB-Auszeichnung ein doppeltes Signal: heimische Kompetenz ist international gefragt, und die Erfolgsrezepte sind anschlussfähig für Projekte hierzulande. Wer in Büro- und IT-Infrastrukturen investiert, sollte Abwärme, Sommerkomfort und flexible Grundrisse als Pflichtprogramm verstehen. So werden Gebäude langlebig, wirtschaftlich und klimafit.
Wie kann Ihre Organisation Serverabwärme nutzen? Welche Low-Tech-Maßnahmen lassen sich in Ihren Bestandsgebäuden nachrüsten? Teilen Sie Erfahrungen und Beispiele – denn die Bauwende gelingt, wenn Wissen zirkuliert. Weiterführende Informationen, Projektmaterial und die vollständige Presseaussendung finden Sie unter den folgenden Links.
Quellen und weiterführende Links
- Quelle: pulswerk GmbH, Originalmeldung auf OTS: ots.at/presseaussendung/OTS_20260323_OTS0096
- Projektmaterial (Beschreibung, Fotos, Grafiken, Video, Factsheet, Pressetext): agpb.at/maisondelinnovation.htm






