Am 1. Jänner 2026 rückt Wien erneut ins Zentrum einer Debatte, die für viele Haushalte in Österreich unmittelbare Bedeutung hat: leistbares, sozial-ökologisches Wohnen. Der traditionsreiche Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch zeichnet in der Kategorie „Sozial-ökologisches Wohnen und Zusammenleben“ den Band „Soziales Wohnen in Wien. Ein transdisziplinärer Dialog“ aus. Hinter dem Titel steht mehr als ein Buch: ein Blick in die Werkstatt eines einzigartigen Wiener Modells, das Stadtentwicklung, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz verbindet. Für Leserinnen und Leser in Österreich ist das relevant, weil sich an Wien exemplarisch zeigt, wie Wohnpolitik konkrete Lebensrealitäten verändert – vom Mietniveau über die Nachbarschaft bis zur Energieeffizienz. Die Auszeichnung setzt damit ein Signal: Die Zukunft des Wohnens wird an der Schnittstelle von Architektur, Planung, Sozialwissenschaften und Verwaltung entschieden – und Wien spielt dabei eine zentrale Rolle. Diese Entscheidung berührt nicht nur Fachkreise, sondern auch Mieterinnen und Mieter, Planerinnen und Planer sowie politische Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger im ganzen Land.
Bruno-Kreisky-Preis und „Soziales Wohnen in Wien“: Bedeutung für Österreich
Der Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch würdigt seit Jahren Beiträge, die den gesellschaftspolitischen Diskurs fundiert weiterentwickeln. Seit 2022 ergänzt die Kategorie „Sozial-ökologisches Wohnen und Zusammenleben“ die Preislandschaft – eine Kooperation des Karl-Renner-Instituts mit dem Verein für Wohnbauförderung. Für 2025 geht diese Auszeichnung an den Sammelband „Soziales Wohnen in Wien. Ein transdisziplinärer Dialog“, herausgegeben von Judith M. Lehner, Bernadette Krejs, Simon Güntner und Michael Obrist. Laut der offiziellen Aussendung zeigt das Werk, wie das Wiener Modell als integrierte Stadtentwicklung funktioniert: räumliche Qualität, soziale Gerechtigkeit und institutionelle Steuerung werden zusammengedacht. Die Publikation richtet sich an Wissenschafterinnen und Wissenschafter, Studierende, Praktikerinnen und Praktiker in Planung und Verwaltung sowie an politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, die sich mit der Geschichte, Gegenwart und Zukunft des sozialen Wohnens in Wien beschäftigen. Quelle: SPÖ Pressedienst, OTS.
Der prämiierte Zugang: Analyse und Praxis verzahnt
Die Jury hebt hervor, dass der Band die historische Stärke des Wiener Systems reflektiert und zugleich Innovations- und Zukunftspotenziale in Hinblick auf Leistbarkeit, soziale Durchmischung und Nachhaltigkeit herausarbeitet. Der Bogen reicht von Kosten und Qualität über Nachbarschaft und soziale Beziehungen bis hin zu Klima- und Nachhaltigkeitsanforderungen im Wohnbau. Dadurch wird deutlich: Soziales Wohnen in Wien ist nicht nur ein Gebäudetyp, sondern ein Governance-Modell, das Finanzierungsinstrumente, Bodenpolitik und Baukultur bündelt – mit spürbaren Folgen für den Alltag vieler Menschen.
Fachbegriffe verständlich erklärt
Soziales Wohnen
Soziales Wohnen bezeichnet politisch gesteuerte Wohnangebote, die dauerhaft leistbar und qualitätsvoll sein sollen. In Wien umfasst das Gemeindebauten, geförderte Genossenschaftswohnungen und Instrumente, die Mietpreise dämpfen und soziale Standards sichern. Der Zugang ist typischerweise an Kriterien wie Einkommen, Haushaltsgröße und Aufenthaltsstatus gebunden. Ziel ist nicht nur günstiger Wohnraum, sondern auch soziale Stabilität und Chancengleichheit. Ein zentrales Merkmal ist die langfristige Gemeinnützigkeit: Überschüsse werden reinvestiert, nicht ausgeschüttet. Damit unterscheidet sich soziales Wohnen klar von rein marktorientierten Modellen.
Wohnbauförderung
Wohnbauförderung ist ein Bündel aus finanziellen Instrumenten von Bund und Ländern, das Bau, Sanierung und Erwerb von Wohnraum unterstützt. In der Praxis sind das etwa zinsgünstige Darlehen, nicht rückzahlbare Zuschüsse oder Annuitätenzuschüsse, die laufende Kreditraten senken. Förderungen sind an Auflagen wie energetische Standards, maximale Baukosten oder Mietzinsobergrenzen gebunden. In Wien flankiert die Wohnbauförderung die Arbeit gemeinnütziger Bauträger: Sie ermöglicht Qualitätsansprüche (Energieeffizienz, Freiräume, soziale Infrastruktur) und garantiert zugleich kalkulierbare Mieten. So entsteht eine verlässliche Pipeline an Projekten, die den Markt stabilisiert.
Bodenpolitik
Bodenpolitik beschreibt die strategische Steuerung von Grund und Boden durch öffentliche Hand und Regelwerke, um Stadtentwicklungsziele zu erreichen. Dazu zählen Vorkaufsrechte, Widmungspolitik, städtische Liegenschaftsreserven und Instrumente wie der geförderte Wohnbau-Anteil in neuen Stadtteilen. In wachsenden Städten ist Boden die knappste Ressource. Wien nutzt u. a. Widmungsmodelle, um einen Anteil leistbarer Wohnungen zu sichern. Ziel ist, Bodenspekulation zu dämpfen, Preisspitzen abzufedern und leistbare Mieten über den Lebenszyklus eines Gebäudes zu sichern. Bodenpolitik wirkt langfristig – sie setzt Rahmen, in denen sozial-ökologische Wohnqualität entstehen kann.
Sanfte Stadterneuerung
Sanfte Stadterneuerung steht für die Modernisierung des Bestands mit sozialer Rücksichtnahme. Statt flächiger Abrisse werden Häuser und Grätzel Schritt für Schritt thermisch, technisch und sozial erneuert – bei möglichst geringem Verdrängungsdruck für bestehende Mieterinnen und Mieter. In Wien wurde das seit den 1980er-Jahren systematisch aufgebaut: Beratungsstellen, Förderungen, Mieterschutz und Quartiersmanagement greifen ineinander. Die Verbindung aus behutsamer Baukultur, Energieeffizienz und sozialer Begleitung hat internationale Beachtung gefunden. Sie gilt als Gegenmodell zu kurzfristigen Aufwertungsstrategien, die Mieten stark erhöhen.
Soziale Durchmischung
Soziale Durchmischung meint die angestrebte Vielfalt an Einkommen, Lebensstilen und Altersgruppen in einem Wohngebiet. In Wien wird sie seit Jahrzehnten als Leitprinzip verfolgt: geförderte und freifinanzierte Wohnungen, verschiedene Wohnungsgrößen und unterschiedliche Belegungsmodelle sollen Segregation verhindern. Praktisch zeigt sich das etwa in neuen Stadtteilen, wo Projekte verschiedener Bauträger nebeneinander entstehen und Gemeinschaftsräume das Miteinander fördern. Ziel ist, stabile Nachbarschaften zu schaffen, in denen Bildungs-, Arbeits- und Gesundheitschancen nicht vom Grätzel abhängen.
Gemeinnützige Bauvereinigung (GBV)
Gemeinnützige Bauvereinigungen sind nicht gewinnorientierte Bauträger, die leistbaren Wohnraum entwickeln, verwalten und bewirtschaften. Ihr Handeln unterliegt strengen gesetzlichen Regeln, etwa der Reinvestitionspflicht von Überschüssen und der Begrenzung von Dividenden. GBVs arbeiten häufig mit Wohnbauförderungsmitteln und verpflichten sich zu Qualitäts- und Mietobergrenzen. In Wien tragen sie wesentlich zur Versorgung mit sozialem Wohnraum bei – sowohl im Neubau als auch in der Sanierung. Ihre langfristige Orientierung ermöglicht stabile Mieten über Jahrzehnte, was Haushalten Planungssicherheit gibt.
Transdisziplinärer Dialog
Ein transdisziplinärer Dialog bringt unterschiedliche Wissensbereiche – Architektur, Stadtplanung, Sozialwissenschaften, Verwaltung, Bewohnerschaft – in einen gemeinsamen, lösungsorientierten Prozess. Anders als interdisziplinär, wo Disziplinen nebeneinander arbeiten, wird hier systematisch zusammengeführt: Fragestellungen werden gemeinsam formuliert, Methoden ausgetauscht und Ergebnisse in praxistaugliche Konzepte übersetzt. Beim sozialen Wohnen bedeutet das, dass Planerinnen und Planer, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Energieexpertinnen und Energieexperten sowie Behörden früh miteinander sprechen, um Gebäude, Freiräume, Mobilität und soziale Infrastruktur als Ganzes zu denken.
Erdgeschosszone und Sharing-Praktiken
Die Erdgeschosszone bezeichnet den Übergang zwischen öffentlichem Raum und Wohnhaus: Lokale, Werkstätten, Gemeinschaftsräume, Kinderbetreuung, Fahrradabstellplätze. Sharing-Praktiken nutzen diesen Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten und geteilte Ressourcen, etwa Werkzeugaustausch, Paketstationen oder flexible Arbeitsräume. In dicht besiedelten Gebieten erhöhen gut gestaltete Erdgeschosseinheiten die Lebensqualität und beleben Straßenräume. Für soziales, klimafreundliches Wohnen sind sie ein Hebel: geteilte Infrastruktur spart Fläche, Energie und Kosten und stärkt gleichzeitig Nachbarschaften.
Großwohnsiedlung
Großwohnsiedlungen sind Siedlungen mit hoher Zahl an Wohneinheiten, meist in mehreren Bauabschnitten und über größere Flächen. Entstanden oft in Wachstumsphasen, stehen sie heute vor der Aufgabe, bauliche und soziale Qualitäten an neue Anforderungen anzupassen: Energie, Mobilität, Freiräume, soziale Angebote. „Weiterbauen“ bedeutet, Bestehendes aufzuwerten statt abzureißen: Nachverdichtung mit Augenmaß, bessere Erschließung, neue Gemeinschaftsräume, Photovoltaik und Grünstrukturen. Für viele Städte sind Großwohnsiedlungen ein Schlüssel zur Erreichung von Klimazielen und zur Sicherung leistbarer Mieten.
Genossenschaftswohnung und Mietzinsbildung
Genossenschaftswohnungen werden von Wohnbaugenossenschaften errichtet und verwaltet. Haushalte bringen meist einen Finanzierungsbeitrag (Eigenmittel) ein und zahlen eine monatliche Miete. Die Mietzinsbildung beruht auf Kosten, nicht auf Marktpreisen: Bau- und Finanzierungskosten, Verwaltung, Instandhaltung und Rücklagen bestimmen die Miete. Überschüsse fließen in Renovierungen oder neue Projekte. Diese Kostenmiete sorgt für Transparenz und Stabilität – im Unterschied zu frei vermieteten Wohnungen, wo Mieten stärker von Nachfrage und Lage abhängen. In Wien ergänzt dieses Modell die Gemeindewohnungen und erweitert das leistbare Angebot.
Historischer Kontext: Von „Rotes Wien“ bis Sanierungsoffensive
Die Wurzeln des sozialen Wohnens in Wien reichen in die Zeit des „Roten Wien“ der 1920er-Jahre zurück. Damals reagierte die Stadt auf Wohnungsnot und schlechte hygienische Bedingungen mit einer groß angelegten Gemeindebau-Offensive. Prägende Anlagen wie der Karl-Marx-Hof setzten neue Standards bei Licht, Luft, Grün und Infrastruktur im Grätzel. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Wohnversorgung weiter ausgebaut; in den 1970er- und 1980er-Jahren etablierte Wien die Sanfte Stadterneuerung als Gegenmodell zu Abriss und Verdrängung. Damit entstand ein differenziertes System: Neubau, Bestandserneuerung, Mieterschutz und Förderung wurden strategisch verknüpft. In den 2000er- und 2010er-Jahren rückten Energieeffizienz, Klimaschutz und soziale Durchmischung stärker in den Fokus. Programme zur thermischen Sanierung, zur Erhöhung von Grünanteilen und zur verbesserten Mobilität (Öffis, Radwege, Carsharing) ergänzten klassische Förderschienen. Heute gilt das Wiener Modell international als Referenz dafür, wie Städte leistbares Wohnen, Klimaziele und soziale Stabilität gleichzeitig verfolgen können. Hintergrundinformationen finden sich u. a. bei der Stadt Wien (wien.gv.at/wohnen) sowie in Dokumentationen zur IBA_Wien 2022, die den Anspruch „Neues soziales Wohnen“ programmatisch aufgearbeitet hat.
Zahlen und Fakten: Ein Blick auf den Wohnungsbestand
Für das Verständnis des Wiener Modells sind Größenordnungen wesentlich. Laut veröffentlichten Informationen der Stadt Wien und einschlägiger Übersichten leben mehr als die Hälfte der Wiener Bevölkerung in Gemeindewohnungen oder geförderten Wohnungen. Die Stadt verfügt über einen großen Bestand an Gemeindebauten, ergänzt durch Wohnungen gemeinnütziger Bauträger. Diese Strukturen stabilisieren den Markt, weil sie langfristig planbare Mieten sichern und damit Preisspitzen dämpfen. Öffentliche Quellen: Stadt Wien – Wohnen (wien.gv.at/wohnen/leistbares-wohnen.html), Informationen zu Gemeindewohnungen (wien.gv.at/wohnen/gemeindewohnung) sowie die Gemeinnützigen im Überblick (gbv.at). Diese Seiten erläutern Bestände, Förderlogiken und Zugangswege. Aus rechtlichen Gründen verzichten wir hier bewusst auf Zahlenangaben, die über öffentlich zugängliche Quellen hinausgehen, und verweisen auf die verlinkten aktualisierten Datentabellen der Stadt Wien und der Gemeinnützigen. Wichtig ist der Trend: Der große Anteil an dauerhaft leistbaren Wohnungen wirkt preisdämpfend, fördert soziale Durchmischung und erleichtert klimagerechte Sanierungen im Bestand.
Vergleich: Wien und die Bundesländer, Deutschland, Schweiz
Innerösterreichisch unterscheiden sich Strategien und Instrumente. Vorarlberg gilt mit starker Baukultur und Holzbau-Kompetenz als Vorreiter bei qualitätsvoller, ökologischer Ausführung; Salzburg setzt akzentuiert auf Wohnbauförderung mit strengen Kriterien; Niederösterreich arbeitet mit aktiver Bodenpolitik in wachsenden Umlandgemeinden. Wien fällt durch die Kombination aus großem kommunalem Bestand, mächtigen Gemeinnützigen, aktiver Widmungspolitik und sozialer Infrastruktur auf. Dieses Zusammenspiel ermöglicht eine längerfristige Mietstabilität, die in Städten mit geringem öffentlichen Bestand schwerer zu erreichen ist.
Im deutschen Kontext zeigt der Rückgang des Sozialwohnungsbestands in vielen Städten, wie wichtig dauerhafte Bindungen sind: Auslaufende Bindungsfristen und starke Nachfrage haben in Metropolen die Mieten erhöht, trotz neuer Förderprogramme. Wien dient hier oft als Kontrastmodell, weil Bindungen und Gemeinnützigkeit langfristiger angelegt sind. In der Schweiz, insbesondere in Zürich, sichern starke Wohnbaugenossenschaften und kommunale Voten (z. B. Quoten für gemeinnützigen Wohnraum) beachtliche leistbare Segmente. Allerdings unterscheiden sich rechtliche Rahmen und Finanzierungsinstrumente. Der gemeinsame Nenner: Ohne aktive öffentliche Steuerung ist leistbares, klimaorientiertes Wohnen kaum flächendeckend sicherzustellen.
Konkreter Bürger-Impact: Was bedeutet das für Haushalte?
Für Mieterinnen und Mieter zählt am Ende, was an der Wohnungstür ankommt: leistbare Miete, gute Raumqualität, niedrige Energiekosten, eine funktionierende Nachbarschaft. Das Wiener System setzt an mehreren Stellen an. Erstens stabilisieren Kostenmieten im geförderten Segment Budgets von Haushalten mit mittleren und geringeren Einkommen. Zweitens sichern Qualitätskriterien der Förderung – etwa energetische Standards, Gemeinschaftsflächen oder barrierearme Zugänge – die Alltagstauglichkeit. Drittens verringern Sanierungen die Heizkosten und verbessern das Wohnklima. Viertens fördern Gemeinschaftsräume, Höfe und Erdgeschossnutzungen soziale Kontakte, was insbesondere für Familien mit Kindern und für ältere Menschen wichtig ist.
Beispiele: Eine junge Familie, die in eine geförderte Genossenschaftswohnung zieht, profitiert von transparenten Kosten und planbaren Mieten. Eine Seniorin im sanierten Gemeindebau spürt die thermische Erneuerung in Form stabilerer Raumtemperaturen und geringerer Betriebskosten. Studierende in einem gemischten Quartier haben kurze Wege zu Öffis und geteilten Räumen, was Mobilitätskosten und Wohnfläche pro Kopf reduziert. Diese Mikroeffekte addieren sich: Wer Wohnkosten, Energie, Wege und Alltagsorganisation zusammendenkt, spart nicht nur Geld, sondern gewinnt Lebensqualität. Zugleich stärkt das Modell die Resilienz: In Krisenzeiten wirken stabile Mieten und funktionierende Nachbarschaften wie Stoßdämpfer.
Shortlist 2025: Ein thematischer Querschnitt
Die Jury-Shortlist zeigt, welche Themen aktuell prägen. Quelle: OTS.
- Caroline Dietlmeier / Stefan Gruhne / Simon Pytlik / Mascha Zach: „Wohnen weiterbauen. Großwohnsiedlungen in die Zukunft bringen“, herausgegeben von Andreas Hild und Andreas Müsseler (Gebr. Mann Verlag, 2025).
- Mara Haas / Christian Peer / Dominik Wagner / Paul Hahnenkamp: „Sharing: Possible! Praktiken des Teilens in der städtischen Erdgeschosszone“ (transcript Verlag, 2025).
- Katharina Kirsch-Soriano da Silva / Judith M. Lehner / Simon Güntner (Hrsg.): „Sanfte Stadterneuerung Revisited. Wiener Handlungsstrategien für den Bestand“ (JOVIS Verlag, 2025).
- Barbara Nothegger: „Sieben Stock Dorf. Wohnexperimente für eine bessere Zukunft“ (Residenz Verlag, 2025).
Hintergründe und Einordnung: Warum die Auszeichnung zählt
Preise setzen Diskursmarker. In diesem Fall lenkt die Jury Aufmerksamkeit auf die Verzahnung von wissenschaftlicher Analyse und praktischer Umsetzungslogik – und zwar im Herzen eines Systems, das in Österreichs Hauptstadt seit Jahrzehnten skaliert wird. Indem ein Sammelband als transdisziplinärer Dialog angelegt ist, werden Wissenssilos aufgebrochen. Für die österreichische Debatte ist das relevant, weil ähnliche Herausforderungen – leistbares Wohnen, Klimawandelanpassung, soziale Teilhabe – auch in Linz, Graz, Salzburg oder Innsbruck drängen. Der Transfer gelingt besser, wenn die Mechanismen des Erfolgs (und die Grenzen) transparent werden: Kostenstrukturen, Förderlogiken, Governance, Beteiligung, Qualitätssicherung.
Zukunftsperspektiven: Was kommt auf Wien und Österreich zu?
Die nächsten Jahre stehen im Zeichen dreier Aufgaben. Erstens die Dekarbonisierung des Bestands: Heizen, Kühlen, Strom – Gebäude müssen klimafit werden. Das erfordert Investitionen in Dämmung, Photovoltaik, erneuerbare Wärme und smarte Gebäudetechnik. Förderprogramme und Belegungsmodelle sollten so abgestimmt werden, dass Mieterinnen und Mieter von Einsparungen direkt profitieren. Zweitens die Leistbarkeit: Zinsen, Baukosten und Bodenpreise haben die Spielräume verengt. Planungssicherheit entsteht durch verlässliche Förderkulissen, langfristige Bindungen und transparente Mietzinsbildung. Drittens die Qualität der Quartiere: Grüne Freiräume, soziale Infrastruktur, Erdgeschossbelebung und Mobilitätsangebote entscheiden über Alltagstauglichkeit. Wien hat hier Vorteile, weil viele Instrumente bereits etabliert sind. Gleichzeitig gilt: Der Bestand ist groß und divers – Lösungen müssen vom Gründerzeithaus bis zur Großsiedlung passgenau sein. International wird der Blick auf Wien bleiben, wenn es gelingt, Sanierungstempo, Klimawirkung und Mietstabilität zu vereinen.
Rechtlicher Rahmen und Medienethik
Die Berichterstattung folgt den Grundsätzen des österreichischen Medienrechts und den Richtlinien des Presserats: nachvollziehbare Quellen, keine unbelegten Behauptungen, klare Trennung von Information und Meinung. Alle hier genannten Fakten zum Preis und zur Shortlist beruhen auf der offiziellen Aussendung des SPÖ Pressedienstes (OTS). Kontextangaben zum Wiener Wohnsystem verweisen auf öffentlich zugängliche Seiten der Stadt Wien und der Gemeinnützigen. Wo Daten je nach Quelle variieren oder laufend aktualisiert werden, verlinken wir auf die Primärseiten, um die aktuellsten Zahlen zugänglich zu machen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Offizielle Presseaussendung: SPÖ Pressedienst, OTS
- Stadt Wien – Wohnen: wien.gv.at/wohnen
- Leistbares Wohnen in Wien: wien.gv.at/wohnen/leistbares-wohnen.html
- Gemeindewohnungen: wien.gv.at/wohnen/gemeindewohnung
- Gemeinnützige Bauvereinigungen: gbv.at
Fazit: Ein Signal für leistbares, klimafittes Wohnen
Die Auszeichnung für „Soziales Wohnen in Wien“ ist mehr als ein Preis. Sie lenkt den Blick auf ein System, das leistbare Mieten, soziale Durchmischung und Klimaschutz zusammenbringt – und damit den Alltag hunderttausender Menschen prägt. Für Österreich ist das ein Arbeitsauftrag: Wohnbauförderung, Bodenpolitik und Gemeinnützigkeit müssen so zusammenspielen, dass Qualität und Leistbarkeit langfristig gesichert bleiben. Leserinnen und Leser, die sich vertiefend informieren möchten, finden die Originalaussendung und weiterführende Hintergrundseiten verlinkt. Welche Erfahrungen machen Sie mit gefördertem Wohnen in Ihrem Bundesland? Schreiben Sie uns und teilen Sie Beispiele aus Ihrem Grätzel – denn gute Wohnpolitik entsteht im Dialog von Praxis und Wissen.






