Biomasse-Wärmenetze ausgezeichnet: Österreich im Fokus

Redaktion

Österreich setzt auf Biomasse-Wärmenetze: Am 2026-02-03 wurden Vorzeigeanlagen und das Qualitätsprogramm QM Heizwerke ausgezeichnet – für sichere, erneuerbare Wärme. Die feierliche Würdigung in Graz macht sichtbar, was in Gemeinden bereits spürbar ist: Regionale Wärmeversorgung wird effizienter, klimafreundlicher und verlässlicher. Hinter den Auszeichnungen stehen Pionierbetriebe, die mit smarten Technologien, konsequentem Qualitätsmanagement und regionalen Ressourcen zeigen, wie Energiewende vor Ort gelingt. Für Haushalte und Betriebe bedeutet das mehr Versorgungssicherheit, planbare Kosten und echte Alternativen zu fossilen Brennstoffen. Die Details der Programme, Projekte und Perspektiven sind für Österreichs Energiezukunft entscheidend – und sie betreffen Bewohnerinnen und Bewohner ebenso wie Kommunen, Planerinnen und Planer sowie Betreiberinnen und Betreiber.

Auszeichnung für Biomasse-Wärmenetze in Österreich

Im Rahmen der 8. Mitteleuropäischen Biomassekonferenz CEBC2026 Ende Jänner 2026 in Graz zeichnete Umwelt- und Klimaminister Norbert Totschnig gemeinsam mit dem Programm-Management von klimaaktiv Heizwerke und Wärmenetze Pionierbetriebe sowie vorbildliche Nahwärmeanlagen aus. Prämiert wurden Projekte, die erneuerbare Energieträger effizient nutzen, ein schlüssiges Gesamtkonzept vorlegen und die anspruchsvollen Qualitätsanforderungen von klimaaktiv nachweislich erfüllen. Die Auszeichnung unterstreicht den österreichweiten Anspruch, Wärmeversorgung auf eine klimafitte, wirtschaftliche und zuverlässige Basis zu stellen.

Minister Norbert Totschnig betonte dabei, dass effiziente Lösungen auf Basis erneuerbarer Energieträger die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern rasch und nachhaltig verringern. Die ausgezeichneten Projekte zeigen, wie Biomasse-Heizwerke und Nahwärmeprojekte erfolgreich betrieben werden und regionale Ressourcen verantwortungsvoll zum Einsatz kommen. Der Beitrag zum Klimaschutz, die Stärkung der Versorgungssicherheit und die Erhöhung der regionalen Wertschöpfung sind zentrale Motive dieser Vorzeigebeispiele.

Das dazugehörige Qualitätsmanagementsystem QM Heizwerke, ein österreichweites Programm des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK), wurde in Zusammenarbeit mit der internationalen Arbeitsgemeinschaft QM Holzheizwerke entwickelt. Christian Fink, Geschäftsführer von AEE INTEC, hob in diesem Zusammenhang hervor, dass QM Heizwerke für verlässliche Planung, professionellen Betrieb und kontinuierliche technologische Weiterentwicklung steht. Es unterstützt Know-how-Transfer und Vernetzung in der Branche – eine Voraussetzung für nachhaltige Wärmeversorgung. Die offizielle Pressemitteilung des BMLUK ist hier abrufbar: OTS-Presseaussendung.

Fachbegriffe einfach erklärt

Biomasse

Biomasse ist ein Sammelbegriff für organische, nachwachsende Rohstoffe wie Holz, landwirtschaftliche Reststoffe oder biogene Abfälle, die energetisch genutzt werden. In der Wärmeversorgung bedeutet das meist Holzhackschnitzel, Pellets oder Scheitholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Biomasse speichert Sonnenenergie in Form von chemisch gebundenem Kohlenstoff. Bei der Verbrennung wird diese Energie als Wärme frei. Entscheidend ist eine nachhaltige Herkunft, kurze Transportwege und ein effizienter Anlagenbetrieb. So lassen sich Emissionen reduzieren und regionale Kreisläufe stärken, etwa durch Nutzung von Waldpflegeholz oder Sägeresten.

Nahwärme

Nahwärme bezeichnet die Wärmeversorgung eines Ortes oder Quartiers durch ein zentrales Heizwerk, das seine Energie über ein isoliertes Rohrnetz an mehrere Gebäude liefert. Anders als bei Einzellösungen benötigen Haushalte und Betriebe keinen eigenen Heizkessel, sondern beziehen Wärme bedarfsorientiert aus dem Netz. Der Vorteil liegt in hoher Effizienz, professioneller Betriebsführung, guter Abgasreinigung und der Möglichkeit, verschiedene erneuerbare Quellen zu kombinieren. Nahwärme reduziert Investitionsrisiken für Einzelne, schafft Platz in Gebäuden und ermöglicht eine schrittweise Netzerweiterung entlang realer Nachfrage.

Fernwärme

Fernwärme ist dem Prinzip nach mit Nahwärme verwandt, jedoch meist größer dimensioniert und oft städtisch geprägt, mit längeren Trassen und noch mehr Anschlussnehmerinnen und Anschlussnehmern. Auch hier liefert ein zentrales oder mehrere gekoppelte Heizwerke Wärme an viele Abnehmerinnen und Abnehmer. Der Mix der Wärmequellen kann Biomasse, industrielle Abwärme, Großwärmepumpen, Solarthermie oder auch Spitzenlastkessel umfassen. Fernwärmesysteme profitieren von Skaleneffekten, die eine besonders effiziente Erzeugung und Netzsteuerung ermöglichen, benötigen aber sorgfältige Planung, um Netzverluste, Engpässe und Lastspitzen gut zu managen.

QM Heizwerke

QM Heizwerke ist ein Qualitätsmanagementsystem für Heizwerke und Wärmenetze, das Standards für Planung, Bau, Betrieb und Monitoring definiert. Es umfasst strukturierte Prozesse, definierte Kennzahlen und systematische Dokumentation, damit Anlagen dauerhaft effizient, sicher und wirtschaftlich laufen. Für Betreiberinnen und Betreiber bedeutet das klare Vorgaben für Auslegung, Hydraulik, Regelungstechnik, Brennstoffqualität und Wartung. Für Kundinnen und Kunden heißt es verlässliche Wärmeversorgung und transparente Qualität. In Österreich ist die Teilnahme ab 10 Wärmeabnehmern und ab 800 MWh jährlich verkaufter Wärme im Rahmen der Umweltförderung verpflichtend, was die Verbreitung der Standards sichert.

Pufferspeicher

Ein Pufferspeicher ist ein großer, gut gedämmter Warmwasserspeicher, der wie ein Akku für Wärme funktioniert. Er nimmt überschüssige Wärme aus dem Heizwerk auf und gibt sie zeitversetzt wieder ab, wenn der Bedarf steigt. So kann der Kessel gleichmäßiger und effizienter laufen, was Brennstoff spart und Emissionen senkt. In Netzen mit schwankender Nachfrage, etwa zwischen Tag und Nacht oder zwischen Sommer und Winter, stabilisiert ein Pufferspeicher das System. In ausgezeichneten Projekten wurden Speicher mit hunderten Kubikmetern Fassungsvermögen eingesetzt, um Einbindung und Regelung zu optimieren.

CO-Lambda-Verbrennungsregelung

Die CO-Lambda-Verbrennungsregelung ist eine fortschrittliche Steuerungstechnik für Biomassekessel. Sie überwacht kontinuierlich den Sauerstoffgehalt (Lambda) im Abgas und regelt die Luftzufuhr so, dass der Verbrennungsprozess vollständig und emissionsarm abläuft. Gleichzeitig wird der Kohlenmonoxidanteil (CO) überwacht, um unvollständige Verbrennung zu vermeiden. Für Laien: Es ist wie ein Tempomat für den Kessel, der Brennstoff, Luft und Abgas so aufeinander abstimmt, dass möglichst viel Wärme mit möglichst wenig Schadstoffen entsteht. Das spart Holz, reduziert Ruß und verbessert die Energieeffizienz nachhaltig.

Solarthermie

Solarthermie nutzt Sonnenenergie nicht zur Stromerzeugung, sondern zur direkten Wärmeerzeugung. Kollektoren auf Dächern oder Freiflächen erwärmen eine Trägerflüssigkeit, die die Wärme in einen Speicher oder direkt in das Wärmenetz einspeist. In Kombination mit Biomasse ist Solarthermie ideal, um Sommerlasten zu decken und Biomassekessel in der warmen Jahreszeit zu entlasten. Das erhöht die Lebensdauer der Kessel, verringert Wartungsaufwand und verbessert die Jahresbilanz der Anlage. Großflächige Kollektorfelder können in Nah- und Fernwärmenetzen erhebliche Beiträge leisten, insbesondere bei gutem Speichermanagement.

Netzverluste

Netzverluste sind jene Anteile der erzeugten Wärme, die auf dem Weg vom Heizwerk zum Gebäude verloren gehen, meist durch ungewollte Wärmeabgabe über Rohrleitungen. Sie hängen von Dämmqualität, Leitungslänge, Erdverlegung, Betriebstemperaturen und Hydraulik ab. Ein gutes Qualitätsmanagement senkt diese Verluste, zum Beispiel durch optimierte Vorlauftemperaturen, bessere Isolierung und kluge Netzführung. Laut Programmangaben konnten die Netzverluste seit Einführung der QM-Standards in Österreich um rund 30 Prozent reduziert werden. Das bedeutet: Mehr erzeugte Wärme kommt bei den Menschen an, und die Kosten pro Kilowattstunde sinken.

Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft beschreibt ein Wirtschaftsmodell, in dem Rohstoffe möglichst lange im Kreislauf gehalten, wiederverwendet, recycelt oder als Nebenprodukt sinnvoll genutzt werden. In Biomasse-Heizwerken zeigt sich das etwa an der Aufbereitung von Holzaschen als Bodenzuschlagsstoff in der Landwirtschaft. So werden Nährstoffe zurückgeführt, Abfallmengen gesenkt und regionale Wertschöpfungsketten geschlossen. Wichtig ist eine hochwertige Sortierung, Qualitätskontrolle und rechtliche Konformität, damit aus einem Nebenprodukt ein nützliches Inputmaterial wird. Das spart Ressourcen, Geld und Emissionen.

Historische Entwicklung: Vom Pionierprojekt zur flächigen Lösung

Die heutige Dichte an Biomasse-Heizwerken und Nahwärmenetzen in Österreich ist das Ergebnis einer Entwicklung über mehrere Jahrzehnte. In vielen ländlichen Regionen entstanden ab den 1990er Jahren erste Pionieranlagen, oft getragen von Genossenschaften, Gemeinden und engagierten Forstbetrieben. Der Gedanke war naheliegend: Wo Holz als regionaler Rohstoff verfügbar ist, kann Wärme lokal, unabhängig und bezahlbar erzeugt werden. Mit steigenden Anforderungen an Luftreinhaltung und Effizienz wurde die Technik professioneller: moderne Rostfeuerungen, Filtertechnik, optimierte Hydraulik und digitale Regelungssysteme hielten Einzug. Parallel dazu etablierten sich Förderprogramme, Beratungsangebote und Qualitätssicherung.

Ein Meilenstein war die systematische Verankerung des Qualitätsmanagements für Heizwerke und Wärmenetze. Mit QM Heizwerke wurden Standards geschaffen, die von der Planung über den Bau bis zum Betrieb reichen. Diese Orientierungshilfen senken das Risiko technischer Fehlentscheidungen, verbessern die Wirtschaftlichkeit und geben Betreiberinnen und Betreibern klare Werkzeuge für Monitoring und Optimierung. Die Verbindung aus Förderpolitik, regionaler Holzlogistik, wachsendem Know-how und einem stabilen Qualitätsrahmen hat die Nahwärme zu einem festen Bestandteil der heimischen Wärmeversorgung gemacht. Heute profitieren nicht mehr nur einzelne Gemeinden, sondern ganze Regionen von verlässlicher, klimafreundlicher Wärme aus der Nähe.

Zahlen und Fakten: Der Status quo in Österreich

Nach Angaben aus dem Programmumfeld sind in Österreich aktuell über 2.500 Biomasse-Heizwerke in Betrieb. Diese liefern jährlich mehr als 10 Milliarden Kilowattstunden Wärme und versorgen damit hochgerechnet rund 130.000 Kundinnen und Kunden mit klimafreundlicher Nahwärme. In der Datenbank von QM Heizwerke sind bereits mehr als 2.100 Projekte erfasst. Die konsequente Anwendung von Qualitätsstandards hat sich deutlich gelohnt: Seit Einführung des Systems wurden die Netzverluste um rund 30 Prozent reduziert. Die Teilnahme am QM-Programm ist im Rahmen der Umweltförderung für Anlagen mit mindestens 10 Wärmeabnehmerinnen und -abnehmern und ab 800 MWh jährlich verkaufter Wärme verpflichtend. Das sorgt für breite Verbindlichkeit und Vergleichbarkeit.

Diese Kennzahlen belegen zwei Dinge: Erstens ist Biomasse als erneuerbarer Wärmeträger in Österreich flächig vorhanden und organisatorisch gut verankert. Zweitens wirken Struktur und Qualität. Denn weniger Verluste bedeuten mehr nutzbare Wärme pro erzeugter Kilowattstunde, stabilere Wärmepreise und sinkende Betriebskosten. Für Gemeinden heißt das: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann der Netzausbau planbar erfolgen, und Kundenanschlüsse lassen sich wirtschaftlich darstellen. Für die Forstwirtschaft entstehen verlässliche Abnahmestrukturen, die Pflegeholz und Reststoffe sinnvoll verwerten.

Vergleich: Bundesländer, Deutschland und Schweiz

Österreichs Bundesländer unterscheiden sich in Topografie, Forstflächen, Siedlungsstruktur und industrieller Prägung. Waldreiche Regionen wie die Steiermark, Salzburg oder Tirol verfügen traditionell über eine starke Basis für Holz-Biomasse. Dort sind Genossenschaften und kommunale Betreiberinnen und Betreiber häufig, die kurze Transportwege und regionale Wertschöpfung nutzen. In urbaneren Räumen mit dichter Bebauung dominieren größere Wärmenetze, oft mit einem Mix aus Quellen. Wichtig ist überall die lokale Abstimmung: vom geeigneten Standort über ausreichende Brennstofflogistik bis zur Netzhydraulik.

Im Vergleich zu Deutschland zeigt sich eine ähnliche Richtung: Nah- und Fernwärme werden als Hebel für klimafreundliche Wärmeversorgung gesehen, mit wachsendem Anteil erneuerbarer Komponenten. Deutschland hat große städtische Fernwärmesysteme, die zunehmend Dekarbonisierungsstrategien verfolgen, etwa durch Biomasse, Großwärmepumpen oder Abwärme. In der Schweiz wiederum hat Holzenergie traditionell einen starken Stellenwert, flankiert von hohen Effizienzanforderungen und strengen Luftreinhaltevorgaben. Österreich bewegt sich in diesem DACH-Vergleich mit einer ausgeprägten Praxisnähe: viele mittelgroße Netze, engagierte Genossenschaften und eine starke Verankerung von Qualitätsmanagement. Der gemeinsame Nenner: Professionalisierung, Transparenz und Technologie-Mix.

Bürgerinnen und Bürger: Konkrete Auswirkungen im Alltag

Was bedeutet die Auszeichnung von Biomasse-Wärmenetzen für Menschen vor Ort? Zunächst einmal verlässliche, planbare Wärme. Wer an ein Nahwärmenetz angeschlossen ist, muss keinen eigenen Kessel betreiben, keine Brennstofflieferungen organisieren und keine Abgasgrenzwerte im eigenen Keller im Blick behalten. Wartung, Optimierung und Emissionskontrolle übernimmt das Heizwerk. Das schlägt sich in höherem Komfort nieder und reduziert Störanfälligkeit in der Heizsaison. Zudem können Haushalte und Betriebe die Heizungsumstellung besser kalkulieren, weil Netzbetreiberinnen und -betreiber Investitionen bündeln und langfristige Verträge anbieten.

Für Gemeinden eröffnet Nahwärme die Chance, Klimaziele konkret zu erreichen, ohne jede Liegenschaft einzeln sanieren oder versorgen zu müssen. Kommunale Gebäude, Schulen, Kindergärten, Pflegeheime und Betriebe können gebündelt angeschlossen werden. Das verbessert die Auslastung des Netzes und schafft Skaleneffekte. Für die lokale Wirtschaft entstehen Aufträge in Planung, Bau, Regelungstechnik, Tiefbau und Wartung. Land- und Forstwirtschaft profitieren, wenn Reststoffe sinnvoll eingesetzt und Aschenkreisläufe etabliert werden. Wo Solarthermie eingebunden ist, sinkt im Sommer der Biomasseeinsatz. Das reduziert Betriebsstunden und senkt Wartungslasten, ohne die Warmwasserversorgung zu gefährden.

Nicht zuletzt hat die Qualitätsorientierung einen direkten Effekt auf den Geldbeutel: Wenn Netzverluste sinken und die Anlagentechnik effizienter wird, können Wärmepreise stabiler bleiben. Transparente Qualitätskriterien schaffen Vertrauen und bieten Kundinnen und Kunden Vergleichbarkeit. Für Mieterinnen und Mieter sind transparente Heizkostenabrechnungen in Netzen oft leichter nachvollziehbar als individuelle Brennstoffrechnungen. Für Eigentümerinnen und Eigentümer reduziert sich das technische Risiko, weil zentrale Profis für Betrieb und Modernisierung verantwortlich sind.

Die prämierten Projekte im Überblick

  • Nahwärme Fernitz GmbH (Steiermark): Seit 2007 in Betrieb, zählt die Anlage zu den frühen Biomasse-Nahwärmenetzen in Österreich. Sie setzt auf regionale Hackschnitzel, konsequente Erweiterung und Optimierung. Dazu gehört ein rund 200 m³ großer Pufferspeicher sowie der frühe Einsatz einer besonders emissionsarmen CO-Lambda-Verbrennungsregelung. Ergebnis: stabile Versorgung und beispielhafte Betriebsführung.
  • nah Wärme St. Ruprecht GmbH (Steiermark): Die 2001 gegründete Gesellschaft kombiniert Biomasse mit Groß-Solarthermie und zeigt sektorübergreifende Lösungen. Seit 2019 wird das Netz in den Sommermonaten überwiegend durch eine etwa 2.000 m² große thermische Solaranlage sowie insgesamt etwa 240 m³ Pufferspeicher versorgt – nahezu ohne Biomassekessel. Das schont Ressourcen und reduziert Betriebslasten.
  • Hackschnitzel- und Heizgenossenschaft Maria Alm eGen (Salzburg): Seit 1993 versorgt die Anlage den Zentralort Maria Alm inklusive Hotels und Betriebe. Ein Spezialfokus liegt auf der Verwertung der Holzasche als Bodenzuschlagsstoff durch mehr als 30 Landwirte der Umgebung. Mit Investitionen in Sortierung und Abfüllung setzt die Genossenschaft Maßstäbe für Kreislaufwirtschaft und regionale Nährstoffkreisläufe.
  • Biomasse – Verarbeitungs- und Heizgenossenschaft Sillian – Hochpustertal reg.Gen.m.b.H. und Regionalenergie Osttirol reg.Gen.m.b.H. (Tirol): Seit 1998 werden Sillian und Heinfels mit Fernwärme aus Brennstoffen der Mitgliedsbetriebe und forstwirtschaftlicher Betriebe der Umgebung versorgt. Nach umfassender Revitalisierung und einer partnerschaftlichen Betriebsübernahme liegt der Fokus auf weiteren Optimierungen zur langfristigen Sicherung eines nachhaltigen Anlagenbetriebs.

Eine Fotogalerie zur Auszeichnungsveranstaltung findet sich auf der Webseite von klimaaktiv: Bildergalerie.

Qualitätsmanagement als Motor: Was QM Heizwerke leistet

Das Programm klimaaktiv Heizwerke und Wärmenetze wird seit 2014 von AEE – Institut für Nachhaltige Technologien (AEE INTEC) im Auftrag des BMLUK geleitet. Kernelemente sind die Begleitung und Weiterbildung von Qualitätsbeauftragten, Planerinnen und Planern sowie Betreiberinnen und Betreibern, die Weiterentwicklung des QM-Systems, die Qualitätssicherung sowie Know-how-Transfer und Vernetzung aller Beteiligten. Die Teilnahmevorgaben im Rahmen der Umweltförderung sorgen dafür, dass Standards breit wirken und kontinuierlich verbessert werden. Mehr Informationen bietet die Programmseite: qm-heizwerke.at.

Die Wirkung ist messbar: Über 2.100 Projekte sind in der Datenbank erfasst, und die dokumentierten Netzverluste konnten seit Einführung der QM-Standards um rund 30 Prozent gesenkt werden. Das zeigt, dass strukturierte Prozesse, Transparenz und klares Monitoring im Alltag echter Anlagen einen Unterschied machen. Es ist der Schritt von der Einzellösung hin zu einem lernenden System, in dem gute Praxis reproduzierbar wird und Fehlerquoten sinken.

Stimmen aus dem Programm und der Politik

Christian Fink, Geschäftsführer von AEE INTEC, unterstreicht, dass QM Heizwerke für effiziente Planung und professionellen Betrieb sorgt und gleichzeitig die kontinuierliche Weiterentwicklung der Technologien unterstützt. Vernetzung und Wissensaustausch in der Branche seien zentrale Erfolgsfaktoren. Aus politischer Sicht betont Minister Norbert Totschnig die Rolle erneuerbarer Wärme als Schlüssel, um die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu minimieren und regionale Wertschöpfung zu erhöhen. Diese Botschaften decken sich: Qualität, Effizienz und Kooperation sind die tragenden Säulen.

Links und Hintergründe

Wer tiefer einsteigen möchte, findet fundierte Informationen direkt bei den Programmen: klimaaktiv.at bündelt das Wissensangebot zu Energiesparen, klimafitten Gebäuden, erneuerbaren Energieträgern, umweltfreundlicher Mobilität und Klimakommunikation. Speziell zu Heizwerken und Wärmenetzen liefert qm-heizwerke.at Einblicke in Qualitätskriterien, Prozesse und Schulungsangebote. Die offizielle Quelle dieser Meldung ist die Presseinformation des BMLUK: ots.at.

Ausblick: Zukunft der Biomasse-Wärmenetze

Die nächsten Jahre werden von drei Entwicklungen geprägt: Erstens der intelligente Mix der Technologien. Biomasse bleibt Rückgrat vieler Netze, doch Solarthermie, Großwärmepumpen und Abwärmequellen werden je nach Standort stärker integriert. Pufferspeicher und digitale Regelungen verbinden die Quellen über das Jahr hinweg, um Spitzen abzufedern und niedrige Temperaturen zu ermöglichen. Zweitens die noch stärkere Qualitätssicherung. Monitoring, datenbasierte Optimierung und Weiterbildung sichern Effizienzgewinne und machen Wärmenetze robuster gegenüber Preis- und Nachfrageschwankungen. Drittens der sozialverträgliche Ausbau. Nur wenn Anschluss, Tarifgestaltung und Transparenz stimmen, entsteht breite Akzeptanz bei Bürgerinnen und Bürgern, Betrieben und Gemeinden.

Wesentlich wird sein, die Stärken der Regionen zu nutzen: Wo Waldpflegeholz anfällt, ist Biomasse naheliegend, wo Solarflächen verfügbar sind, bietet sich saisonale Entlastung an. In dichten Siedlungsräumen punkten Netze mit Flexibilität, während in alpinen Lagen kurze Versorgungswege und lokale Logistik zählen. Österreich verfügt über funktionierende Strukturen, Förderlogik und Qualitätsmanagement – die Auszeichnung der Vorreiterinnen und Vorreiter bestätigt das. Bleibt der Fokus auf Effizienz, koordiniertem Ausbau und Wissensaustausch, kann erneuerbare Wärme weiter skaliert werden, ohne an Verlässlichkeit einzubüßen.

Fazit: Was jetzt zu tun ist

Die Auszeichnung der Biomasse-Wärmenetze am 2026-02-03 ist mehr als eine Würdigung. Sie ist ein Arbeitsauftrag: Qualität sichern, Netze intelligent erweitern, Bürgerinnen und Bürger mitnehmen und regionale Ressourcen verantwortungsvoll nutzen. Die Zahlen belegen, dass Österreich auf einem belastbaren Fundament steht: über 2.500 Biomasse-Heizwerke, mehr als 2.100 QM-Projekte, sinkende Netzverluste und verlässliche Versorgung für rund 130.000 Kundinnen und Kunden. Entscheidend bleibt, dass gute Praxis zum Standard wird – über alle Bundesländer hinweg und im Zusammenspiel mit anderen erneuerbaren Quellen. Wer mehr wissen möchte, findet vertiefende Informationen bei klimaaktiv, im QM-Programm unter qm-heizwerke.at sowie in der Quelle des BMLUK. Welche Gemeinde ist als Nächstes bereit, die Chance eines erneuerbaren Wärmenetzes zu nutzen?