Am 2026-04-28 richtet sich der Blick in Österreich auf das Kreditgeschäft: Laut aktueller Umfrage der Oesterreichischen Nationalbank verschiebt sich die Dynamik deutlich. Unternehmen fragen nach einer Phase steigender Investitionen zwar noch Kredite nach, doch geopolitische Risiken aus dem Nahen und Mittleren Osten bremsen die Erwartungen für das zweite Quartal. Gleichzeitig ziehen private Wohnbaukredite an, getragen vom spürbar niedrigeren Zinsniveau. Für viele Haushalte und Betriebe stellt sich damit die zentrale Frage, wie stabil der Trend bleibt und wie stark Banken ihre Angebotsbedingungen anpassen. Was bedeutet das alles für Investitionen, Bauvorhaben und die regionale Entwicklung in Österreichs Bundesländern
Kreditgeschäft in Österreich 2026: Lage, Trends und Bedeutung
Nach dem herausfordernden Zinsanstieg der Jahre 2022 und 2023 ist das Kreditgeschäft in Österreich wieder in Bewegung geraten. Die aktuelle vierteljährliche Umfrage der Oesterreichischen Nationalbank unter führenden heimischen Banken zeigt: Im ersten Quartal 2026 blieb die Kreditnachfrage der Unternehmen hoch, angetrieben durch eine fortgesetzte Investitionstätigkeit seit 2025. Für das zweite Quartal 2026 trüben jedoch die vermehrten geopolitischen Risiken den Ausblick. Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten sorgt für Unsicherheit, höhere Preise und damit für Zurückhaltung bei längerfristigen Investitionen. Parallel dazu gewinnt die Nachfrage der privaten Haushalte nach Wohnbaukrediten weiter an Tempo, vor allem dank der gesunkenen Zinsen nach den Leitzinssenkungen im Euroraum.
Die OeNB verweist auf eine Besonderheit der aktuellen Lage: Während Unternehmen vermehrt auf kurzfristige Kredite setzen, um Liquidität und laufenden Betrieb abzusichern, bleiben langfristige Finanzierungen schwieriger planbar. Banken passen ihre Vergaberichtlinien punktuell an, etwa durch intensivere Prüfungen von Lieferketten und Energiepreisabhängigkeiten sowie durch das Meiden von Engagements mit direktem Bezug zur Kriegsregion. Gleichzeitig führen Wettbewerb und ein differenziertes Risikobild dazu, dass die Margen für standardmäßig besicherte, nicht überdurchschnittlich riskante Unternehmenskredite zuletzt gesunken sind.
Quelle, Datenlage und Relevanz für Österreich
Die Ergebnisse stammen aus der Bank Lending Survey für Österreich, erhoben von Mitte März bis Anfang April 2026. Als Quelle dient die Oesterreichische Nationalbank. Die vollständige Presseaussendung ist über die Austria Presse Agentur abrufbar. Ein ausführlicher Bericht folgt in der Reihe OeNB Reports. Weiterführende Informationen und Daten bietet die OeNB auf einer Themenseite zur Umfrage. Die Ergebnisse für den Euroraum werden ergänzend durch die Europäische Zentralbank publiziert.
- OTS-Presseaussendung der OeNB: Pressemitteilung
- OeNB Reports: Publikationsreihe
- OeNB-Umfrage zum Kreditgeschäft: Themenseite
- EZB Bank Lending Survey: Euroraum-Ergebnisse
Fachbegriffe verständlich erklärt
Leitzins
Der Leitzins ist der zentrale Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank refinanzieren können. Sinkt der Leitzins, wird es für Banken günstiger, sich Geld zu leihen, was in der Regel zu niedrigeren Kreditzinsen für Unternehmen und Haushalte führt. Steigt der Leitzins, verteuern sich Kredite und die Nachfrage kann zurückgehen. Zwischen Juni 2024 und Juni 2025 hat die EZB den Leitzins schrittweise von 4 Prozent auf 2 Prozent gesenkt. Diese Bewegung wirkt zeitversetzt in die Realwirtschaft, weil bestehende Verträge, Risikoprüfungen und bankinterne Preisstrategien Anpassungszeit benötigen. Für Wohnbaukredite kann ein niedrigerer Leitzins bedeuten, dass neue Darlehen leichter finanzierbar sind und mehr Haushalte sich ihren Wohntraum leisten können. Für Unternehmen beeinflusst er die Kalkulation von Investitionen und die Auswahl zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung.
Kreditmarge
Die Kreditmarge ist die Differenz zwischen den Refinanzierungskosten der Bank und dem Zinssatz, den Kundinnen und Kunden für ihren Kredit bezahlen. Sie spiegelt Risiko, Wettbewerb und Kosten der Bank wider. Wenn Wettbewerb zwischen Banken intensiver wird, können die Margen unter Druck geraten, insbesondere bei standardisierten, solide besicherten Krediten. Laut OeNB-Umfrage wurden im ersten Quartal 2026 die Margen für nicht überdurchschnittlich riskante Unternehmenskredite erneut gesenkt. Das heißt, Betriebe mit solider Bonität profitieren von günstigeren Konditionen, während riskantere Projekte weiterhin strenger bepreist und geprüft werden. Die Marge ist somit ein zentrales Stellrad, über das Banken sowohl Marktanteile als auch ihr Risikoprofil steuern.
Kreditzyklus
Der Kreditzyklus beschreibt die wellenförmige Entwicklung der Kreditvergabe über die Zeit. In Expansionsphasen wachsen Nachfrage und Angebot, getrieben von niedrigen Zinsen, optimistischen Erwartungen und hoher Investitionsbereitschaft. In Abschwungphasen bremsen Unsicherheit, steigende Zinsen oder strengere Regulierung die Kreditvergabe. Für Österreich nennt die OeNB die Jahre bis Mitte 2022 als Periode einer besonders expansiven Kreditentwicklung. Der Höhepunkt im Wohnbau lag 2021 mit durchschnittlich 2,1 Milliarden Euro pro Monat an neuen Krediten. Nach einer Delle im Jahr 2024 hat sich die Neukreditvergabe 2025 deutlich erholt. Der Kreditzyklus ist nicht nur eine Zinsfrage, sondern hängt von Erwartungen, Einkommen, Baukosten, Immobilienpreisen und globalen Risiken ab. Aktuell setzt die geopolitische Lage einen Dämpfer bei langfristigen Unternehmenskrediten.
Liquidität
Liquidität bedeutet in diesem Zusammenhang kurzfristig verfügbare Mittel, mit denen Unternehmen ihren laufenden Betrieb bezahlen, etwa Löhne, Lieferantenrechnungen und Energie. Wenn Preise steigen oder Lieferketten haken, benötigen Unternehmen oft mehr Liquidität, um Zwischenfinanzierungen zu überbrücken. Laut OeNB-Umfrage wird die Nachfrage nach kurzfristigen Krediten im zweiten Quartal 2026 zunehmen, während langfristige Finanzierungen zurückgehen dürften. Kurzfristige Liquiditätskredite sind ein Puffer gegen Unsicherheit. Sie ersetzen keine Investitionen, halten aber Produktion, Dienstleistung und Handel am Laufen. Für Banken sind sie ein Indikator für erhöhte Vorsicht auf Unternehmensseite und zugleich ein Zeichen, dass der laufende Betrieb gesichert werden soll, bis sich die Lage stabilisiert.
Kreditangebotspolitik
Die Kreditangebotspolitik umfasst alle internen Regeln, Risikolimits und Prüfprozesse, nach denen Banken Kredite vergeben. Seit 2022 ist diese Politik laut OeNB bei Unternehmenskrediten laufend verschärft worden, etwa wegen der allgemeinen Wirtschaftslage und der Kreditwürdigkeit von Unternehmen. Neu hinzugekommen sind gezielte Anpassungen aufgrund des Krieges im Nahen und Mittleren Osten. Dazu zählen die Vermeidung von Finanzierungen mit direktem Bezug zur Kriegsregion und genauere Analysen von Abhängigkeiten bei Energie und Lieferketten. Laut Umfrage ergaben sich daraus keine generellen weiteren Verschärfungen für alle Unternehmen. Vielmehr handelt es sich um punktuelle, risikoorientierte Anpassungen. Das ist wichtig, um reale Risiken zu adressieren, ohne die Kreditversorgung breit zu drosseln.
Wohnbaukredit
Ein Wohnbaukredit ist ein langfristiges Darlehen für den Bau, Kauf oder die Sanierung von Wohnimmobilien. In Österreich sind die Kreditraten häufig an variable oder gemischte Zinsmodelle gebunden, sodass Leitzinsänderungen Einfluss auf die leistbare monatliche Rate haben können. Nach einem historischen Tief der Nachfrage im Jahr 2024 hat sich die Wohnbaukreditnachfrage seit dem ersten Halbjahr 2024 stetig erholt, mit deutlichen Zuwächsen in 2025. 2025 wurden im Jahresdurchschnitt 1,4 Milliarden Euro pro Monat an neuen Wohnbaukrediten vergeben. Das sind fast 50 Prozent mehr als 2024. Gleichzeitig blieb die Vergabe unter dem Hoch von 2021. Für 2026 wird laut OeNB eine Fortsetzung der Erholung erwartet, ohne Rückkehr zur Dynamik der früheren Niedrigzinsphase bis Mitte 2022.
Zahlen, Fakten und Einordnung
Die Kernaussagen der OeNB-Umfrage zur Kreditlage in Österreich lassen sich wie folgt zusammenfassen und einordnen:
- Unternehmenskredite: Nachfrage im ersten Quartal 2026 abermals gestiegen, getragen von verstärkten Investitionen seit 2025. Für das zweite Quartal 2026 erwarten Banken jedoch einen Rückgang, vor allem bei langfristigen Finanzierungen. Kurzfristige Kredite dürften stärker nachgefragt werden.
- Ursachen: Unsicherheit und höhere Preise infolge des Krieges im Nahen und Mittleren Osten. Unternehmen agieren vorsichtiger bei Investitionen mit langem Horizont und sichern gleichzeitig Liquidität im Tagesgeschäft.
- Angebot: Seit 2022 angespanntes Risikoumfeld bei Unternehmenskrediten. Punktuelle Anpassungen der Vergaberichtlinien mit Fokus auf Energie- und Lieferkettenrisiken. Keine generellen weiteren Verschärfungen aufgrund des Krieges.
- Margen: Für nicht überdurchschnittlich riskante Unternehmenskredite wurden die Margen im ersten Quartal 2026 erneut gesenkt, insbesondere wegen intensiveren Wettbewerbs zwischen den Banken.
- Wohnbaukredite: Anhaltende Erholung seit dem ersten Halbjahr 2024. 2025 im Durchschnitt 1,4 Milliarden Euro pro Monat an neuen Wohnbaukrediten, fast 50 Prozent mehr als 2024. 2017 und 2018 lagen die Werte bei rund 1,5 Milliarden Euro, 2021 bei 2,1 Milliarden Euro.
- Zinsen: Von Juni 2024 bis Juni 2025 Senkung des EZB-Leitzinses von 4 auf 2 Prozent. Diese Entwicklung wirkt stützend auf die Kreditnachfrage der privaten Haushalte.
Diese Zahlen zeichnen ein ausgewogenes Bild: Unternehmen stehen am Scheidepunkt zwischen fortgesetzter Erholung und vorsichtigem Abwarten, während private Haushalte die Zinswende schon spürbar nutzen. Die Signale der Banken deuten auf robuste Wohnbauaktivität hin, jedoch ohne Anspruch auf eine Rückkehr zur Hochphase der Jahre bis Mitte 2022.
Historischer Kontext: Von der Niedrigzinsphase zum Wendepunkt
Österreich erlebte in den Jahren vor 2022 eine ausgedehnte Niedrigzinsphase. Kredite waren günstig, die Investitionsbereitschaft hoch, Immobilienmärkte entwickelten sich dynamisch. In dieser Zeit wuchsen die Wohnbaukredite besonders kräftig. 2021 erreichte die Neukreditvergabe an private Haushalte für Wohnbau im Durchschnitt 2,1 Milliarden Euro pro Monat. Das Umfeld änderte sich mit dem globalen Inflationsschub und der notwendigen geldpolitischen Straffung im Euroraum. Kredite verteuerten sich, Baukosten stiegen, Unsicherheit nahm zu. 2024 markierte für viele Haushalte und Bauprojekte ein Tiefpunkt der Nachfrage.
Ab Mitte 2024 setzte eine spürbare Wende ein. Die EZB begann, den Leitzins in Schritten von 4 auf 2 Prozent zu senken. Mit zeitlicher Verzögerung zeigte sich die Entlastung in Österreichs Kreditstatistiken. 2025 zog die Neukreditvergabe für Wohnbau merklich an, auf durchschnittlich 1,4 Milliarden Euro pro Monat. Das lag zwar noch unter den Spitzenwerten früherer Jahre, signalisierte aber eine robuste Erholung. Auf Unternehmensseite stützte die sich verbessernde Konjunktur seit 2025 neue Investitionen. Viele Betriebe nutzten Kredite für Ersatzbeschaffungen, Digitalisierung und Effizienzsteigerungen. Die Banken reagierten mit Wettbewerb um Kundinnen und Kunden, was sich in sinkenden Margen für solide Engagements niederschlug.
Gleichzeitig blieben die Jahre 2022 und 2023 im Gedächtnis: Verschärfte Risikobewertungen, volatile Energiepreise und empfindliche Lieferketten machten vorsichtig. Der aktuelle geopolitische Schock aus dem Nahen und Mittleren Osten wirkt wie ein Test der Resilienz. Er trifft ein System, das sich gerade aufhellte, und lenkt den Fokus erneut auf das Management von Unsicherheiten. Dennoch zeigen die Umfrageergebnisse, dass es keine flächendeckende Verschärfung des Kreditangebots gibt. Das spricht für eine differenzierte, risikobasierte Kreditpolitik und für eine Wirtschaft, die gelernt hat, mit Störungen umzugehen.
Vergleich: Österreichs Bundesländer, Deutschland und die Schweiz
Österreichs Kreditlandschaft ist regional vielfältig. In großstädtischen Räumen wie Wien dominieren Eigentumswohnungen und Sanierungsprojekte, während in vielen Regionen der Bundesländer Ein- und Zweifamilienhäuser eine größere Rolle spielen. Diese Unterschiede beeinflussen die Nachfrage nach Wohnbaukrediten und die Gestaltung von Finanzierungen. In tourismusgeprägten Regionen entstehen zusätzliche Impulse durch Zweitwohnsitze und gewerbliche Investitionen in Beherbergung und Infrastruktur. Die jüngste Erholung der Wohnbaukredite dürfte in Märkten mit stabiler Nachfrage und guter Beschäftigungslage besonders deutlich spürbar sein, während Regionen mit strukturellen Herausforderungen langsamer anziehen können. Einheitlich bleibt jedoch der Einfluss der Zinsen: Die Senkung des Leitzinses stützt österreichweit die Leistbarkeit neuer Finanzierungen.
Im Vergleich zu Deutschland zeigt sich ein ähnlicher Grundmechanismus: Zinsrückgänge beleben die Nachfrage, während Unsicherheit Investitionen mit langen Zeithorizonten bremst. Die Ausgestaltung der Kreditprüfung kann länderspezifisch variieren, etwa bei Standards zur Haushaltsrechnung, bei Eigenmittelanforderungen oder bei internen Risikomodellen der Banken. Grundsätzlich bleibt der Euroraum-Leitzins für beide Länder der wichtigste Taktgeber. Unterschiede ergeben sich eher aus Marktstruktur, Wettbewerb und regionalen Immobilienmärkten, weniger aus dem grundlegenden Zinsumfeld.
Die Schweiz bewegt sich außerhalb des Euroraums mit eigener Geldpolitik. Kreditstandards und Marktgepflogenheiten unterscheiden sich in Details, etwa bei Laufzeiten, Amortisationsregeln und Eigenmittelquoten. Auch dort gilt: Unsicherheit dämpft langfristige Unternehmensinvestitionen, während sinkende Zinsen und stabile Einkommen die Wohnbaufinanzierung unterstützen. Ein übergreifender Befund lautet daher: Längere Planungszeiträume reagieren sensibler auf Risiko, kurzfristige Liquiditätsbedarfe werden im Zweifel vorgezogen. Das österreichische Bild mit stärkerer Nachfrage nach kurzfristigen Unternehmenskrediten und robuster Wohnbaukreditnachfrage ist damit gut erklärbar und keine nationale Ausnahme.
Was bedeutet das für Bürgerinnen und Bürger sowie Betriebe
Für private Haushalte, die über den Kauf einer Wohnung oder den Bau eines Hauses nachdenken, ist das aktuelle Umfeld zwiespältig, aber tendenziell günstiger als noch 2024. Die Zinsen sind niedriger, die Banken vergeben wieder mehr neue Wohnbaukredite, und der Wettbewerb führt zu attraktiven Konditionen für solide Vorhaben. Wer über geregeltes Einkommen, ausreichend Eigenmittel und eine realistische Kostenplanung verfügt, hat bessere Chancen, eine passende Finanzierung zu erhalten. Wichtig bleibt die sorgfältige Prüfung der individuellen Tragfähigkeit, inklusive Reserven für unvorhergesehene Ausgaben und mögliche Zinsanpassungen in der Zukunft.
Für Unternehmen unterscheiden sich die Signale je nach Zeithorizont der Projekte. Wer Ersatzinvestitionen, Effizienzmaßnahmen oder Lagerbestände finanzieren muss, findet im kurzfristigen Segment voraussichtlich ausreichend Angebot. Langfristige, kapitallastige Projekte sollten intensiver auf Risiken geprüft werden. Dazu zählen Lieferkettenabhängigkeiten, Energiepreisrisiken und potenzielle Verzögerungen durch geopolitische Entwicklungen. Aus Sicht von Geschäftsführungen kann es sinnvoll sein, Investitionen in Etappen zu planen, flexible Kreditlinien zu sichern und gegebenenfalls Covenants so zu gestalten, dass Spielräume bei temporären Störungen bestehen bleiben.
Konkrete Beispiele zeigen die Spannbreite: Ein mittelständischer Maschinenbauer in Oberösterreich kann eine kurzfristige Betriebsmittellinie nutzen, um Vorfinanzierungen für Exportaufträge zu stemmen, während er einen großen Erweiterungsbau erst dann anstößt, wenn Materialpreise und Lieferzeiten klarer kalkulierbar sind. Eine Familie in Niederösterreich prüft dank niedrigerer Zinsen erneut ein Sanierungsdarlehen, nachdem 2024 das Budget zu knapp war. In Wien kalkuliert ein Bauträger zwar weiterhin vorsichtig, erkennt aber durch wieder bessere Finanzierungsbedingungen der Endkundinnen und Endkunden steigende Reservierungszahlen. Solche Einzelfälle sind natürlich unterschiedlich, doch sie illustrieren den gesamtösterreichischen Trend.
Vertiefte Analyse der Zahlen
Die OeNB nennt für 2025 einen Monatsdurchschnitt von 1,4 Milliarden Euro an neuen Wohnbaukrediten. Gegenüber 2024 entspricht das fast 50 Prozent Wachstum. Diese Zahl belegt die deutliche Reaktion der Haushalte auf die Zinswende. Gleichzeitig liegt der Vergleich mit 2017 und 2018, als rund 1,5 Milliarden Euro pro Monat vergeben wurden, nahe: Das aktuelle Niveau bewegt sich knapp darunter, trotz niedrigerer Kreditzinsen in den damaligen Jahren. Der Blick auf 2021 mit 2,1 Milliarden Euro pro Monat macht klar, dass die Hochphase vorerst nicht erreicht wird. So entsteht ein Bild der Normalisierung: kräftige Erholung, aber keine Überhitzung.
Für Unternehmenskredite bedeuten die gemeldeten sinkenden Margen bei nicht überdurchschnittlich riskanten Fällen, dass Wettbewerb und Differenzierung wieder stärker wirken. Unternehmen mit solider Bonität profitieren von günstigeren Konditionen, während riskoreiche Projekte unverändert streng bewertet werden. Zugleich verlagert sich die Nachfrage hin zu kurzfristigen Linien und Betriebsmittelkrediten. In Summe bleibt die Kreditversorgung funktional, jedoch vorsichtiger bei langfristigen Engagements. Diese Mischung erklärt, warum kein pauschales Zuschnüren der Kreditkanäle zu beobachten ist, obwohl die geopolitische Unsicherheit hoch bleibt.
Regelwerke, Transparenz und Konsumentenschutz
Österreichs Banken unterliegen klaren Regeln und Aufsicht. Für Haushalte ist Transparenz über Gesamtkosten, Zinsbindungen, Tilgungspläne und Nebenkosten entscheidend. Eine sorgfältige Bonitätsprüfung schützt beide Seiten: die Kreditnehmenden vor Überforderung und die Bank vor Ausfällen. Die aktuellen OeNB-Ergebnisse zeigen, dass die Nachfrage der privaten Haushalte solide ist und nicht von den direkten Auswirkungen des Krieges im Nahen und Mittleren Osten geprägt scheint. Damit steht die individuelle Haushaltsrechnung weiterhin im Zentrum. Für Unternehmen vorausgesetzt ist eine klare Darstellung der Projektziele, Cashflows und Risiken. Je belastbarer die Annahmen, desto planbarer die Konditionen.
Ausblick: Szenarien für das zweite Halbjahr 2026
Die unmittelbare Perspektive ist von zwei Kräften bestimmt. Erstens wirken die Leitzinssenkungen weiter entlastend. Der Rückenwind für private Wohnbaukredite dürfte anhalten, solange die Zinsen niedrig bleiben und die Einkommenslage stabil ist. Zweitens bestimmen geopolitische Risiken die Risikoneigung von Unternehmen. Sollte sich die Lage im Nahen und Mittleren Osten beruhigen oder klarer einordnen lassen, könnten aufgeschobene Investitionen wieder an Fahrt aufnehmen. Bleibt die Unsicherheit hoch, dürfte die Nachfrage nach langfristigen Unternehmenskrediten gedämpft, jene nach kurzfristiger Liquidität erhöht bleiben.
Für den Jahresverlauf 2026 ist in Österreich daher ein moderates Basisszenario plausibel: stabile bis leicht steigende Wohnbaukreditvergabe ohne Rückkehr zur Hochgeschwindigkeit der Vorjahre mit Niedrigstzinsen und eine abwartende Haltung bei großvolumigen Unternehmensinvestitionen. Banken werden ihre Kreditangebotspolitik selektiv anpassen, wo Risiken es erfordern, gleichzeitig aber wettbewerbsfähig bleiben. Die bisher gemeldeten Margenrückgänge bei risikoarmen Engagements sprechen dafür, dass sich der Wettbewerb um gute Kundinnen und Kunden fortsetzen kann.
Für Haushalte bedeutet das: Finanzierungen bleiben grundsätzlich möglich, wenn Eigenmittel, Einkommen und Projektumfang zusammenpassen. Für Unternehmen gilt: Eine solide Vorbereitung, Szenariorechnungen und flexible Strukturen erhöhen die Erfolgschancen. In beiden Fällen hilft eine offene Kommunikation mit der Hausbank, um Konditionen und Laufzeiten auf den realen Bedarf abzustimmen.
Weiterführende Links und Service
- OeNB-Presseaussendung über die aktuelle Umfrage: Zur Meldung
- Bericht in der Reihe OeNB Reports: Zur Publikation
- Daten und Methodik der Bank Lending Survey in Österreich: Informationen
- Ergebnisse für den Euroraum bei der EZB: Zum Überblick
Schlussgedanken und Handlungsoptionen
Österreichs Kreditgeschäft steht im Frühjahr 2026 auf zwei Beinen. Auf der einen Seite bremst der geopolitische Gegenwind langfristige Vorhaben von Unternehmen. Auf der anderen Seite treibt das niedrigere Zinsniveau die Wohnbaukredite voran. Die OeNB-Ergebnisse mahnen zur Differenzierung: gezielte Anpassungen im Kreditangebot statt pauschaler Verschärfung, Wettbewerb um stabile Kundinnen und Kunden sowie ein wachsames Auge auf Energie- und Lieferkettenrisiken. Wer jetzt plant, sollte Sorgfalt über Eile stellen, Reserven einplanen und realistische Szenarien durchrechnen.
Für Leserinnen und Leser, die eine Finanzierung anstreben, lohnt es sich, Angebote zu vergleichen, die Eigenmittelsituation zu prüfen und Finanzierungsmöglichkeiten mit der Hausbank oder unabhängigen Beraterinnen und Beratern durchzugehen. Für Betriebe empfiehlt sich, kurzfristige Liquidität zu sichern und langfristige Projekte mit Blick auf Risiken und mögliche Etappierungen zu strukturieren. Wie schätzen Sie die Lage ein und welche Fragen haben Sie zur Finanzierung in Ihrem Bundesland Schreiben Sie uns und nutzen Sie die verlinkten Ressourcen der OeNB für vertiefende Informationen.






