Wiens Grüngürtel: Lückenschluss stärkt Süden Wiens

Redaktion

Am 4. April 2026 wird in Wien eine Weichenstellung sichtbar, die weit über eine lokale Grünflächen-Meldung hinausgeht. Der südliche Lückenschluss im Grüngürtel Wien rückt näher – getragen von einer ungewöhnlich breit aufgestellten Kooperation zwischen drei Wiener Bezirken und fünf Umlandgemeinden. Für die österreichische Hauptstadt bedeutet das nicht nur mehr Erholung im Alltag, sondern auch ein Plus an Klimaschutz, klug vernetzter Mobilität und regionaler Zusammenarbeit. Im Fokus stehen zusammenhängende Freiräume von der Liesing über den 2024 geschaffenen Tangentenpark bis hin zum Hauptbahnhof. Und doch steckt hinter dieser nüchtern klingenden Nachricht eine stille Veränderung: Wo Wien wächst, wächst nun auch der Freiraum mit – verlässlich, abgestimmt und vorausschauend. Was die Stadt, die Region und vor allem die Bürgerinnen und Bürger konkret davon haben, was der Landschaftsbogen 5plus3 verspricht, und warum Vergangenheit und Zukunft des Grüngürtels enger verbunden sind, als es scheint, zeigt dieser Überblick.

Grüngürtel Wien: Lückenschluss und Kooperation 5plus3

Der Landschaftsbogen 5plus3 bündelt die Kräfte der Wiener Bezirke Favoriten, Simmering und Liesing sowie der Umlandgemeinden Schwechat, Lanzendorf, Leopoldsdorf, Hennersdorf und Vösendorf. Ziel ist es, den Grünraum an der südlichen Stadtgrenze dauerhaft zu sichern und als zusammenhängenden Raum zu entwickeln. Das Konzept betrachtet unterschiedliche Nutzungen – vom Naturraum über Freizeit und Naherholung bis hin zur Landwirtschaft – nicht als Gegensätze, sondern als Anliegen, die vor Ort klug austariert werden müssen. Die offizielle Ankündigung der Stadt Wien ist über die Plattform der Austria Presse Agentur abrufbar; zur Originalmeldung führt der Link hier. Bilder liefert der rk-Fotoservice der Stadt Wien.

Planungsstadträtin Ulli Sima betont die strategische Bedeutung: „Der Erhalt von Grünraum ist Teil unseres Stadtentwicklungsplans, dem Wien-Plan, und bestimmt die Planungen der Stadt Wien auch über die Grenzen der Stadt hinaus.“ Der Schulterschluss mit niederösterreichischen Gemeinden sichere Naherholung und Grünflächen als Erbe für die nächste Generation. Diese Haltung prägt die gesamte Initiative: Statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen entsteht ein Portfolio an Projekten, das in Summe die Lücke schließt, Verbindungen schafft und Qualitäten hebt.

Fachbegriff erklärt: Grüngürtel

Der Begriff Grüngürtel bezeichnet zusammenhängende, meist ring- oder bogenförmig angeordnete Freiräume rund um eine Stadt. In Wien erfüllt der Grüngürtel mehrere Funktionen zugleich: Er dient als Erholungsraum, als Puffer gegen sommerliche Hitzeinseln, als Kaltluftschneise, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen und als Raum für Landwirtschaft. Für Laien lässt sich das so zusammenfassen: Ein Grüngürtel ist das atmende Freiraumsystem einer Stadt. Er bremst die Zersiedelung, ermöglicht Freizeit im Grünen nahe am Wohnort und verbindet Stadt und Umland über Wege, Wiesen, Auen und Parks. Seine Stärke liegt im Netzcharakter: Einzelne grüne Perlen entfalten erst als Kette ihre volle Wirkung.

Fachbegriff erklärt: Flächenwidmungs- und Bebauungsplan

Der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan ist das juristische Rückgrat der Stadtentwicklung. Laien können ihn sich als verbindliche Landkarte der Nutzung vorstellen: Er legt fest, wo gebaut werden darf, wo Parks entstehen, wie hoch Gebäude sein können, und welche Flächen dauerhaft Freiraum bleiben. Für Projekte wie den Lückenschluss im Süden Wiens ist er zentral, weil er aus einer Idee rechtsverbindliche Wirklichkeit macht. Erst der Beschluss sichert, dass ein geplanter Quartiersfreiraum – wie im Gebiet Weichseltalweg – tatsächlich vom Norden bis nach Süden durchgrünte Verbindungen ausbilden kann. So entsteht Planungssicherheit für Anrainerinnen und Anrainer, Landwirtschaft und Stadt gleichermaßen.

Fachbegriff erklärt: Renaturierung

Renaturierung meint die Rückführung eines Gewässers oder Landschaftsteils in einen möglichst naturnahen Zustand. Entlang der Liesing bedeutet das etwa, Uferbereiche ökologisch aufzuwerten, künstliche Verbauungen zurückzunehmen und Räume zu schaffen, in denen Pflanzen und Tiere wieder stabile Lebensbedingungen vorfinden. Für die Öffentlichkeit wird Renaturierung oft spürbar durch neue Aufenthaltsbereiche am Wasser, schattige Bänke, kiesige Trittsteine und naturnah gestaltete Wege. Für das Stadtklima ist sie ein Gewinn, weil Gewässer wie natürliche Klimaanlagen wirken. Für Hochwasserschutz kann sie langfristig ebenfalls positive Effekte entfalten, indem Retentionsräume geschaffen oder erhalten werden.

Fachbegriff erklärt: Durchzugsverkehr

Durchzugsverkehr bezeichnet Kfz-Verkehr, der eine Siedlung nur durchfährt, ohne dort Ziel oder Quelle zu haben. Für Betroffene bedeutet er Lärm, Abgase, Unsicherheit im Straßenraum und verlorene Aufenthaltsqualität. Das Konzept im Süden Wiens sieht genau hier ansetzende Maßnahmen vor, etwa die Unterbindung des Kfz-Transitverkehrs im Bereich des Verschiebebahnhofs in Favoriten. Für Laien heißt das: Straßenräume werden so organisiert, dass Schleichrouten unattraktiv werden und Ziele für den Fuß- und Radverkehr leichter und sicherer erreichbar sind. Die Entlastung schafft Raum für Bäume, Bänke und sichere Querungen – wichtige Bausteine lebenswerter Grätzl.

Fachbegriff erklärt: Naherholungsachse und ‚Perlenkette‘

Eine Naherholungsachse ist eine durchgängige Route, die verschiedene Erholungsräume miteinander verbindet – entlang eines Flusses, durch Parks oder über landwirtschaftliche Wege. Die im Konzept erwähnte ‚Perlenkette‘ an der Liesing beschreibt die Idee, mehrere attraktive Aufenthaltsflächen wie Perlen an einer Schnur zu reihen. Laien merken sich: Nicht jede Grünfläche muss alles können; entscheidend ist, dass jede Perle eine Stärke ausspielt – Schatten, Spiel, Naturbeobachtung, Sport – und dass man sie zu Fuß oder mit dem Rad bequem erreicht. So entsteht ein ganzer Tag im Grünen, ohne dafür weit fahren zu müssen.

Fachbegriff erklärt: Quartiersfreiraum

Quartiersfreiraum umfasst die öffentlichen, grünen Räume eines Stadtviertels: Parks, Plätze, Wegeverbindungen, Spiel- und Aufenthaltsbereiche. Er ist die Bühne des Alltagslebens – dort, wo Kinder spielen, ältere Menschen spazieren, Nachbarschaften sich treffen, und Pendlerinnen sowie Pendler ins Rad kommen. Ein gut geplanter Quartiersfreiraum ist nicht Beiwerk, sondern Grundversorgung: Er kühlt im Sommer, fördert Bewegung, stärkt soziale Kontakte und erhöht den Wert des gesamten Stadtteils. Im Weichseltalweg-Gebiet wird ein solcher Nord-Süd-Freiraum nach dem Beschluss des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans gezielt entwickelt.

Fachbegriff erklärt: Biosphärenpark und Nationalpark

Ein Biosphärenpark – wie der Biosphärenpark Wienerwald – ist ein von der UNESCO anerkanntes Modellgebiet, in dem Schutz der Biodiversität, nachhaltige Nutzung und Forschung miteinander verbunden werden. Ein Nationalpark – wie der Nationalpark Donau-Auen – stellt naturbelassene Landschaften besonders streng unter Schutz und macht Naturerleben für die Öffentlichkeit möglich. Beide sind in der Ostregion prägende Großgrünräume. Für Laien heißt das: Sie sind die großen grünen Ankerpunkte, an die sich lokale Grünzüge wie der Grüngürtel Wien anlehnen können. Wer mehr dazu wissen will, findet Informationen beim Biosphärenpark Wienerwald und beim Nationalpark Donau-Auen.

Fachbegriff erklärt: Regionalpark

Ein Regionalpark ist kein Freizeitpark, sondern ein über Gemeinde- und Landesgrenzen hinweg gedachtes Freiraumkonzept. Es koordiniert Landschaftspflege, Erholung, Landwirtschaft und ökologische Vernetzung in einer ganzen Teilregion. Beispielhaft ist der Regionalpark DreiAnger an der nordöstlichen Stadtgrenze: Er zeigt, wie Wien, Niederösterreich und eine Umlandgemeinde gemeinsam an einem Landschaftsband planen und es Schritt für Schritt aufwerten. Für Laien bedeutet das: Ein Regionalpark ist ein Werkzeug für Zusammenarbeit – er sorgt dafür, dass Wege, Wiesen, Wälder und Wasserläufe nicht an einer Gemeindegrenze enden, sondern sinnvoll weitergeführt werden.

Historische Entwicklung: Vom Wald- und Wiesengürtel bis heute

Die Idee des Grüngürtels ist in Wien über ein Jahrhundert alt. 1905 legte der Beschluss des Wiener Wald- und Wiesengürtels die Basis für den Schutz wertvoller Grünräume in und um die Stadt. Damals ging es vor allem darum, Naturflächen vor der fortschreitenden Bebauung zu bewahren und den Bewohnerinnen und Bewohnern Erholungsräume zugänglich zu machen. In den Jahrzehnten danach hat sich die Stadt verändert: Sie wuchs, ihre Funktionen wurden komplexer, und mit dem Wachstum stiegen auch die Anforderungen an Freiräume. Rund 100 Jahre später wurden weitere übergeordnete Landschaftsräume als Teil des Grünraumsystems ausgewiesen. Diese Entwicklung markierte einen Übergang: vom reinen Schutz einzelner Flächen hin zum Denken in Netzen und Achsen – also zu einem System, in dem Grünräume nicht nur nebeneinander bestehen, sondern funktional miteinander verbunden werden.

In den vergangenen Jahren intensivierte Wien die grenzüberschreitende Kooperation mit Niederösterreich, um die Großgrünräume gemeinsam zu stärken. Der Biosphärenpark Wienerwald und der Nationalpark Donau-Auen sind prominente Beispiele dieser Zusammenarbeit. Zugleich kamen neue Formate hinzu, etwa der Regionalpark DreiAnger, der als räumliche Klammer Grünraumthemen über Bezirks- und Landesgrenzen hinweg bündelt. Der nun anvisierte Lückenschluss im Süden schließt an diese Linie an: Er verbindet die historischen Grundlagen des Wald- und Wiesengürtels mit den heutigen Anforderungen an Klimaanpassung, Mobilität und Lebensqualität – ein Brückenschlag zwischen Tradition und Zukunft.

Zahlen und Fakten aus dem Konzept

  • Neuer Stadtteil in Rothneusiedl: Geplant ist ein Pionier-Stadtteil für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel für über 20.000 Bewohnerinnen und Bewohner. Das zeigt die Dimension der Entwicklung und erklärt, warum Alltagsverbindungen, Radwege und Freiraumqualität bereits jetzt durchdacht werden müssen.
  • 25 Hektar öffentlicher Grünraum: In Rothneusiedl sollen im Zuge der Entwicklung 25 ha öffentliche Grünflächen entstehen, die allen zur Verfügung stehen. Das ist ein deutliches Bekenntnis, den Siedlungszuwachs mit Freiraumwachstum zu koppeln.
  • Perlenkette an der Liesing: Entlang der Liesing werden Aufenthaltsflächen und Renaturierungsschritte zu einer Naherholungsachse zusammengeführt. Kurzfristige Maßnahmen stärken diese Achse bereits jetzt und erhöhen die Nutzbarkeit im Alltag.
  • Weichseltalweg als Quartiersfreiraum: Nach dem Beschluss des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans soll hier ein großzügiger Freiraum von Nord nach Süd entstehen – eine wichtige grüne Rückgratachse für das Quartier.
  • Schwerpunkt Mobilität: Die Vernetzung von Radrouten und die Verbesserung der Alltagsverbindungen stehen im Konzept im Vordergrund. Im Bereich des Verschiebebahnhofs Favoriten soll der Kfz-Transitverkehr unterbunden werden, um Fuß- und Radverkehr zu fördern.
  • Licht und Sicherheit: Für Schwechat sind Maßnahmen zur besseren Beleuchtung am Radweg vorgesehen. Gut ausgeleuchtete Wege erhöhen die Nutzbarkeit am frühen Morgen und in den Abendstunden – ein Plus an Sicherheit und Komfort.
  • Bewusstseinsbildung: Themenwege und Themenspaziergänge sollen Nutzerinnen und Nutzer sensibilisieren, insbesondere für die Anliegen der Landwirtschaft. Das stärkt das Verständnis für Erntezeiten, Weidebetrieb und Rücksichtnahme auf Feldwege.

Diese Zahlen und Maßnahmen stammen aus der offiziellen Ankündigung der Stadt Wien und bilden den Rahmen, in dem die Umsetzung nun schrittweise erfolgen kann.

Bürgerinnen und Bürger im Fokus: Konkrete Auswirkungen

Für Anrainerinnen und Anrainer in Favoriten, Simmering, Liesing und den Umlandgemeinden bedeutet der Lückenschluss spürbare Verbesserungen im Alltag. Wer mit dem Rad zur Arbeit fährt, profitiert von besser vernetzten Routen und sicheren, attraktiven Verbindungen. Die geplante Beleuchtung in Schwechat verlängert den nutzbaren Zeitraum für Pendlerinnen und Pendler, die im Dunkeln unterwegs sind. Für Familien bringen neue Aufenthaltsflächen entlang der Liesing niedrigschwellige Freizeitmöglichkeiten: ein kurzer Abstecher ans Wasser nach dem Kindergarten, ein Picknick am Wochenende, ein barrierearmer Spaziergang für Großeltern.

Besonders relevant ist die Reduktion des Durchzugsverkehrs rund um den Verschiebebahnhof in Favoriten. Sie stärkt die Aufenthaltsqualität – weniger Lärm, sauberere Luft, breitere Wege – und verbessert die Sicherheit an Kreuzungen und Querungen. Landwirtschaftlich geprägte Bereiche wie der ‚Goldberg‘ werden als Erholungsraum aufgewertet, ohne ihre Funktion für die Produktion zu verlieren. Themenwege erklären, warum ein Feld zur Erntezeit nicht betreten werden sollte oder wie eine Streuobstwiese gepflegt wird. Damit entstehen nicht nur neue Ziele, sondern auch neues Verständnis: Freizeit und Landwirtschaft passen zusammen, wenn Regeln transparent und Wege eindeutig sind.

Wer künftig in Rothneusiedl wohnt, wird 25 ha öffentlichen Grünraum in unmittelbarer Nähe haben. Das ist für die Hitzebelastung in heißen Sommern wichtig, weil Bäume Schatten spenden und Böden Wasser speichern. Für Kinder bedeutet es Platz zum Spielen; für Ältere bedeutet es Ruhezonen und sanfte Bewegung; für Berufstätige bedeutet es die schnelle Laufrunde oder eine sichere Radverbindung als Teil des Arbeitswegs. Zusammen ergibt sich eine Alltagsqualität, die nicht vom Auto abhängig ist.

Vergleich: Österreichische Bundesländer, Deutschland, Schweiz

Vergleicht man den Ansatz des Grüngürtels im Süden Wiens mit Strategien in anderen Teilen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz, zeigt sich ein roter Faden: Entscheidend ist die regionale Kooperation. In Österreich arbeiten Städte und Umlandgemeinden zunehmend in Freiraum- und Mobilitätsfragen zusammen – der Landschaftsbogen 5plus3 gehört zu diesen Formaten. Solche regionalen Allianzen sorgen dafür, dass Wege, Wasserläufe und Landschaftsbänder nicht an Verwaltungsgrenzen enden.

In Deutschland sind großräumige Grünzüge rund um Metropolen – etwa grüne Korridore und Landschaftsringe – seit Jahren zentrale Bausteine der Stadtentwicklung. Sie verbinden Naherholung, Biodiversität und aktiven Klimaschutz, besonders entlang renaturierter Flüsse. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das ähnlich wie in Wien: sichere Radverbindungen, attraktive Ufer, klare Lenkung des Kfz-Verkehrs. In der Schweiz verankert das Raumplanungssystem stark die haushälterische Bodennutzung: Siedlungsgrenzen, Grünverbindungen und hochwertige Erholungsräume in Stadtnähe werden als Gesamtstrategie verstanden. Der Wiener Ansatz reiht sich in diese europäische Linie ein, setzt aber einen regionaltypischen Akzent: die enge Verschränkung mit Landwirtschaft und die Abstimmung zwischen Wien und Niederösterreich.

Kooperation sichtbar machen: Projekte und Kettenreaktionen

Die ‚Perlenkette‘ an der Liesing, die geplanten Verbesserungen am Radweg in Schwechat, die neue Erholungsachse vom Tangentenpark zum Hauptbahnhof und die verkehrsorganisatorischen Maßnahmen am Verschiebebahnhof sind Bausteine eines größeren Bildes: Sie machen die Zusammenarbeit erlebbar. Die Erfahrung zeigt, dass ein sicherer Weg oft weitere positive Effekte nach sich zieht: Wenn mehr Menschen zu Fuß oder per Rad unterwegs sind, belebt das öffentliche Räume, fördert lokale Nahversorgung und senkt Verkehrslärm. So entstehen Kettenreaktionen, die das gemeinsame Freiraumsystem stabilisieren.

Stimmen aus der Stadt: Planung mit Weitblick

Planungsstadträtin Ulli Sima hebt hervor: „Der Schulterschluss von Wiener Bezirken und niederösterreichischen Gemeinden ist besonders wertvoll, da der Erhalt von Grünflächen und Naherholung das Erbe an die nächste Generation ist.“ Diese Einschätzung ordnet die aktuellen Schritte in einen langfristigen Rahmen ein: Der Wien-Plan setzt auf grenzübergreifendes Denken – Freiräume werden dort gesichert, wo sie die größte Wirkung für Klima, Mobilität und Lebensqualität entfalten.

Zusammenspiel von Landwirtschaft und Erholung

Das Konzept zeigt, dass Landwirtschaft und Naherholung ein produktives Duo bilden können. Kooperationsprojekte – etwa eine Streuobstwiese in Lanzendorf in Zusammenarbeit mit einer karitativen Organisation – schaffen Mehrwert über Gemeindegrenzen hinweg. Für die Bevölkerung wird das Verhältnis zur Landwirtschaft greifbar: Blühzeiten, Erntefenster, Bodenschutz und Wegetikette sind keine abstrakten Begriffe mehr, sondern Themen, die sich auf Themenwegen konkret erleben lassen. Diese Verknüpfung ist entscheidend, weil die Grünräume im Süden Wiens stark landwirtschaftlich geprägt sind. Aufklärung verhindert Konflikte – und bringt Wertschätzung für regionale Produktion.

Projektlandschaft im Süden: Von der Liesing bis Rothneusiedl

Der südliche Lückenschluss funktioniert wie ein Mosaik. Entlang der Liesing entstehen neue Aufenthaltsbereiche und renaturierte Uferzonen. Über den Tangentenpark, der 2024 geschaffen wurde, schlägt die Erholungsachse eine Brücke Richtung Hauptbahnhof. Im Norden und Süden verzahnen sich künftige Quartiersfreiräume zu einem grünen Grundgerüst, das Alltagswege kurz und sicher macht. Gleichzeitig werden Kfz-Transitströme zurückgedrängt, damit die Naherholung in landwirtschaftlich geprägten Bereichen wie dem ‚Goldberg‘ nicht von Durchfahrt belastet wird. Für die Umsetzung dieser Mosaiksteine gilt: Viele kleine Schritte summieren sich zu einer großen Wirkung.

Zukunftsperspektive: Klimaanpassung, Mobilität, Governance

Mit dem erwarteten Bevölkerungswachstum in Wien und dem Umland steigt der Druck auf Boden, Wege und Freiräume. Der Lückenschluss im Süden adressiert diese Herausforderung vorausschauend. Erstens: Klimaanpassung. 25 ha zusätzliche, öffentlich zugängliche Grünflächen in Rothneusiedl und renaturierte Uferbereiche an der Liesing verbessern Mikroklima und Wasserrückhalt. Bäume kühlen, Böden speichern, Schatten reduziert Hitzestress – ein Gesundheitsplus für alle Generationen. Zweitens: Alltagsmobilität. Die Vernetzung der Radwege, bessere Beleuchtung und die Unterbindung des Kfz-Transitverkehrs an neuralgischen Punkten senken Barrieren für aktive Mobilität. Das reduziert Emissionen dort, wo sie entstehen, und sorgt für leise, sichere Wege.

Drittens: Governance. Der Landschaftsbogen 5plus3 zeigt, dass nachhaltige Freiraumentwicklung nur gelingt, wenn Bezirke und Gemeinden über Grenzen hinweg planen. Die Erfahrung aus dem Regionalpark DreiAnger belegt, dass solche Kooperationen tragfähig sind. Für die nächsten Jahre ist zu erwarten, dass die ‚Perlenkette‘ entlang der Liesing weiterwächst, dass Quartiersfreiräume in neuen Stadtteilen verbindlich umgesetzt werden und dass die Kombination aus Lenkungsmaßnahmen im Verkehr und Sensibilisierung für Landwirtschaft Konflikte niedrig hält. Daraus entsteht ein lernendes System: Projekte werden evaluiert, angepasst, und in Etappen erweitert – bis der Grüngürtel nicht nur geschlossen, sondern in seiner Qualität spürbar gesteigert ist.

Orientierung und weiterführende Informationen

Alle hier beschriebenen Inhalte basieren auf der offiziellen Aussendung der Stadt Wien – Kommunikation und Medien (KOM). Die vollständige Quelle ist unter diesem Link abrufbar. Bildmaterial stellt der rk-Fotoservice bereit. Hintergrundwissen zu den großen Schutzgebieten in der Ostregion bieten der Biosphärenpark Wienerwald und der Nationalpark Donau-Auen.

Worauf es jetzt ankommt

  • Zusammenhängende Freiräume sichern: Der Grüngürtel Wien entfaltet seine volle Wirkung, wenn Lücken geschlossen werden.
  • Alltagsmobilität stärken: Beleuchtete, sichere Rad- und Fußwege machen den Unterschied – besonders an Knotenpunkten.
  • Landwirtschaft respektieren: Themenwege und Information halten Erholung und Produktion im Gleichgewicht.
  • Rechtliche Absicherung: Flächenwidmungs- und Bebauungspläne übersetzen Visionen in Verbindlichkeit.

Schluss: Was der Süden Wiens jetzt gewinnt

Der südliche Lückenschluss im Grüngürtel Wien ist mehr als ein grüner Farbtupfer auf der Stadtkarte. Er ist ein Signal, dass Wachstum und Lebensqualität gemeinsam gedacht werden. Die Perlenkette an der Liesing, 25 ha öffentlicher Grünraum in Rothneusiedl, sichere Alltagsverbindungen für Rad- und Fußverkehr, weniger Durchzugsverkehr und eine Landwirtschaft, die mit der Erholung in Balance bleibt – all das ergibt ein stimmiges Bild. Es zeigt, wie Wien gemeinsam mit dem Umland den Druck des Wachstums in Qualität umwandelt.

Wer heute wissen will, wie eine Großstadt Freiraum, Klimaschutz und Mobilität in Einklang bringt, sollte den Süden Wiens in den nächsten Jahren genau beobachten. Informieren Sie sich über den Stand der Projekte in der offiziellen Aussendung und beim rk-Fotoservice. Welche Station der ‚Perlenkette‘ wäre für Ihren Alltag am wertvollsten – der schattige Uferplatz, die schnelle Radverbindung oder die leise Gasse ohne Durchzugsverkehr? Ihre Antwort zeigt, wo der Grüngürtel als Nächstes besonders stark wirken kann.