Öffentliche Gebäude: GLOBAL 2000 kritisiert Sanierungstempo

Redaktion

Am 2026-01-29 zeigt eine GLOBAL 2000-Studie: Österreichs öffentliche Gebäude hinken bei Sanierung und Energieeffizienz hinterher, viele heizen fossil. Was auf den ersten Blick wie ein technisches Detail wirkt, hat reale Folgen für Schulen, Krankenhäuser und Amtsgebäude in allen Bundesländern. Die neue Auswertung legt offen, wie groß die Lücke zwischen politischen Zielen und der gelebten Praxis ist. Sie zeigt auch, wo die öffentliche Hand bei der Klimaneutralität tatsächlich steht und warum das bisherige Tempo nicht ausreichen wird. Für Österreich ist das mehr als eine Umweltfrage: Es geht um Versorgungssicherheit, leistbare Energiekosten, regionale Wertschöpfung und Glaubwürdigkeit gegenüber Bürgerinnen und Bürgern. Heute steht fest, dass die kommenden Monate darüber entscheiden, ob die Politik das Ruder herumreißen kann – oder ob ein wichtiges Versprechen auf der Strecke bleibt.

Öffentliche Gebäude in Österreich: Sanierung, Energieeffizienz und fossile Heizungen

Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat auf Basis von Anfragen nach dem Umweltinformationsgesetz erstmals umfassende Daten zu Gebäuden im öffentlichen Eigentum veröffentlicht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Ein Drittel der Bundesgebäude heizt weiterhin mit fossilen Öl- oder Gasheizungen. Nur 5 % der öffentlichen Gebäude erreichen gute Energiestandards, also Energieeffizienzklasse A oder besser. Mehr als die Hälfte der Gebäudeflächen liegt maximal auf Klasse C und gilt daher als sanierungsbedürftig. Bei der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) ist gar mehr als ein Drittel der Gebäude in den Klassen D oder schlechter eingestuft – also akut renovierungsbedürftig. Auch Unternehmen im öffentlichen Eigentum zeigen ein ähnliches Muster: Die ÖBB beheizt über die Hälfte ihrer Gebäude mit fossilen Brennstoffen, bei der ASFINAG sind es fast 40 %.

Der politische Anspruch ist klar: Laut nationalem Energie- und Klimaplan (NEKP) sollen alle öffentlichen Gebäude bis 2027 frei von fossiler Energie sein. Die Studie deutet jedoch darauf hin, dass ein klarer Umstiegsplan fehlt und das Ziel ohne zusätzliche Maßnahmen kaum erreichbar ist. Der Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000, Johannes Wahlmüller, fordert daher beschleunigte Sanierungen und die Umrüstung auf nachhaltige Heizsysteme. Seine Botschaft: Der Staat muss Vorbild sein und zeigen, dass die Energiewende machbar ist. Genau diese Vorbildwirkung steht derzeit auf dem Prüfstand.

Was die Studie von GLOBAL 2000 zeigt

Die wesentlichen Befunde lassen sich in drei Punkten zusammenfassen. Erstens: Die Abhängigkeit von fossilen Heizsystemen ist im öffentlichen Gebäudebestand weiterhin hoch. Zweitens: Der energetische Zustand vieler Gebäude ist ausbaufähig – die große Mehrheit verfehlt ein hohes Effizienzniveau. Drittens: Es fehlt eine sichtbare, verlässliche Planung, wie der gesetzlich und politisch angekündigte Ausstieg bis 2027 gelingen soll. Besonders deutlich werden die Unterschiede zwischen den Bundesländern: Tirol beheizt mehr als die Hälfte seiner öffentlichen Gebäude fossil, während Kärnten fast vollständig aus fossiler Energie ausgestiegen ist. Diese Spanne zeigt, dass der Fortschritt stark von regionalen Strategien, verfügbaren Alternativen wie Fernwärme oder Wärmepumpen und von verwaltungsinternen Prioritäten abhängt.

Fachbegriffe verständlich erklärt

Energieeffizienzklasse

Die Energieeffizienzklasse ist eine standardisierte Einstufung, die beschreibt, wie viel Energie ein Gebäude für Heizung, Kühlung, Warmwasser und Lüftung benötigt. Sie reicht in der Regel von A (sehr effizient) bis G (sehr ineffizient). Eine hohe Klasse bedeutet niedrigen Energieverbrauch pro Quadratmeter und damit geringere laufende Kosten sowie weniger Treibhausgasemissionen. Für Laien ist wichtig: Die Klasse spiegelt nicht nur die Dämmung wider, sondern das gesamte Zusammenspiel aus Gebäudehülle, Fenstern, Haustechnik und Nutzerverhalten. In öffentlichen Gebäuden entscheidet die Effizienzklasse mit darüber, ob Energiekosten Budgets belasten, ob Räume im Winter warm und im Sommer nicht überhitzt sind und wie gut der Staat seine Klimaziele erreicht. Wenn nur 5 % der Gebäude Klasse A oder besser erreichen, heißt das, dass der Großteil deutlich mehr Energie benötigt als technisch und wirtschaftlich heute möglich wäre.

Fossile Heizungen

Fossile Heizungen sind Systeme, die Energie aus endlichen Rohstoffen wie Erdöl oder Erdgas gewinnen. Häufige Beispiele sind Ölheizkessel oder Gasthermen. Beim Verbrennen entstehen CO2 und andere Emissionen, die das Klima erwärmen und teilweise die Luftqualität beeinträchtigen. Für Laien ist entscheidend: Fossile Anlagen sind oft mit Preisschwankungen auf den Weltmärkten verbunden und machen Haushalte wie öffentliche Träger anfällig für Kostenanstiege. Der Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme – etwa Wärmepumpen, Biomasseheizungen oder Fernwärme mit hohem erneuerbaren Anteil – reduziert Emissionen und kann langfristig planbarere Betriebskosten schaffen. Dass ein Drittel der Bundesgebäude noch fossil heizt, zeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist, um Klimaneutralität zu erreichen und gleichzeitig Budgets zu entlasten.

Klimaneutralität

Klimaneutralität bedeutet, dass netto keine zusätzlichen Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Emissionen, die weiterhin anfallen, müssen durch Einsparungen, erneuerbare Energieträger oder Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden. Für den Gebäudesektor heißt das: möglichst wenig Energie verbrauchen und diese aus sauberen Quellen decken. Der Staat hat sich vorgenommen, beim Pfad zur Klimaneutralität eine Vorbildrolle einzunehmen. Das betrifft die Gestaltung von Ausschreibungen, die Vergabe öffentlicher Mittel, die Sanierung bestehender Gebäude und den Neubau. Wird dieses Ziel verfehlt, leidet nicht nur die Klimabilanz, sondern auch die Glaubwürdigkeit politischer Versprechen. Klimaneutralität ist daher kein abstrakter Begriff, sondern ein konkreter Handlungsauftrag an Betreiberinnen und Betreiber öffentlicher Infrastruktur.

Umweltinformationsgesetz

Das Umweltinformationsgesetz (UIG) räumt Bürgerinnen und Bürgern sowie Organisationen das Recht ein, Auskünfte über umweltrelevante Daten von Behörden zu erhalten. Dazu zählen Emissionen, Energieverbrauch, Sanierungspläne und Zuständigkeiten. Für Laien heißt das: Informationen darüber, wie effizient oder ineffizient öffentliche Gebäude sind, müssen grundsätzlich zugänglich gemacht werden. GLOBAL 2000 hat die in der Studie verwendeten Daten über UIG-Anfragen erhoben und damit eine Datengrundlage geschaffen, die bisher fehlte. Transparenz ist Voraussetzung für Kontrolle: Erst wenn Zahlen öffentlich sind, können Zivilgesellschaft, Medien und Politik Fortschritte oder Stillstand bewerten und daraus Maßnahmen ableiten.

Bundesimmobiliengesellschaft (BIG)

Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) ist eine zentrale Eigentümerin und Verwalterin vieler öffentlicher Gebäude des Bundes, wie Schulen, Universitäten und Amtsgebäude. Wenn mehr als ein Drittel der BIG-Objekte in Energieeffizienzklassen D oder schlechter fällt, bedeutet das hohen Sanierungsbedarf in zentralen Bereichen der Bildungs- und Verwaltungsinfrastruktur. Für Laien wichtig: Die BIG verwaltet große Flächen und hat daher Hebel, die Energieeffizienz des öffentlichen Sektors spürbar zu verbessern. Sanierungsprogramme, intelligente Gebäudetechnik und die Umstellung der Wärmeerzeugung können Betriebskosten senken, den Komfort erhöhen und Emissionen reduzieren. Die Herausforderung liegt in Finanzierung, Bauabläufen und der Priorisierung im Bestand.

3 %-Sanierungsquote der öffentlichen Hand

Die EU gibt vor, dass jährlich 3 % der öffentlichen Gebäudeflächen saniert werden müssen. Diese Vorgabe zielt darauf ab, den Bestand schrittweise zu modernisieren, ohne die Budgets zu überlasten. Für Laien erklärt: Würde die öffentliche Hand jedes Jahr drei von hundert Quadratmetern ihrer Gebäude auf ein höheres Effizienzniveau bringen, wäre der Großteil in absehbarer Zeit energetisch solide. In der Praxis scheitert das oft an Planungsressourcen, Vergaben, Baukapazitäten und der Koordination zwischen Bund und Ländern. Laut Studie ist diese Quote derzeit nicht erfüllbar. Dadurch schiebt sich ein Sanierungsstau vor uns her, der später teurer und organisatorisch schwieriger zu bewältigen ist.

Historische Entwicklung und Kontext

Österreichs Gebäudepolitik ist seit Jahren durch das Spannungsfeld von Klimazielen, Kosten und Zuständigkeiten geprägt. Während die großen klima- und energiepolitischen Leitplanken auf europäischer Ebene gesetzt werden, liegt die Umsetzung in Österreich zu einem guten Teil bei Bund, Ländern und Gemeinden. Schon lange ist bekannt, dass Gebäude ein wesentlicher Hebel für Emissionsreduktionen und Energieeinsparungen sind. Eine hohe Energieeffizienz senkt Betriebskosten und erhöht den Komfort; sie steigert den Wert der Gebäude und schützt vor Energiepreisrisiken. Dennoch zeigen Sanierungsraten in der Vergangenheit, dass der praktische Fortschritt hinter den politischen Ambitionen zurückgeblieben ist.

Ein Grund dafür ist die komplexe Eigentümerstruktur: Viele öffentliche Gebäude sind im Besitz unterschiedlicher Körperschaften und Unternehmen, was Koordination und Priorisierung erschwert. Hinzu kommen Budgetzyklen, die oft kurzfristig disponiert werden, während Sanierungen langfristig geplant sein wollen. Auch die Verfügbarkeit von Fachkräften am Bau, von Planerinnen und Planern sowie die Auslastung in der Bauwirtschaft beeinflussen, wie rasch Projekte umgesetzt werden können. Parallel dazu haben sich technische Standards und Erwartungen an Komfort und Klimaschutz weiterentwickelt. Heute ist klar, dass ein umfassender Modernisierungspfad nötig ist, der von der Dämmung über Fenster, Lüftung, erneuerbare Heizsysteme bis zur intelligenten Steuerung reicht. Die vorliegende Studie von GLOBAL 2000 reiht sich in diesen Kontext ein und liefert eine Datengrundlage, die politische Ankündigungen an der Realität misst.

Vergleiche: Bundesländer, Deutschland, Schweiz

Innerösterreichisch zeigt die Studie deutliche Unterschiede: Tirol weist bei öffentlichen Gebäuden den höchsten Anteil fossiler Heizungen auf, während Kärnten nahezu vollständig aus fossiler Energie ausgestiegen ist. Das illustriert, wie stark lokale Gegebenheiten und Strategien wirken. In Regionen mit gut ausgebauter, erneuerbar gespeister Fernwärme gelingt der Umstieg schneller. Wo solche Infrastrukturen fehlen, müssen Alternativen wie Wärmepumpen und hybride Systeme aufgebaut werden, was Zeit, Planung und Investitionen erfordert. Auch Förderkulissen und verwaltungsinterne Ziele variieren und prägen das Tempo.

Der Blick nach Deutschland zeigt, dass der öffentliche Sektor dort ebenfalls im Spannungsfeld von Sanierungszielen, Haushaltsrahmen und rechtlichen Vorgaben agiert. Mit Regelwerken für Gebäudeenergie und kommunalen Wärmeplanungen versucht man, den Umstieg zu strukturieren. Konkrete Zahlen für Deutschland werden in der vorliegenden Quelle nicht ausgewiesen, doch die Parallelen sind offensichtlich: Überall dort, wo Koordination, Finanzierung und klare Prioritäten zusammenkommen, gelingen Modernisierungsschritte schneller. Fehlen diese Bausteine, stockt der Fortschritt.

In der Schweiz werden kantonale Energie- und Gebäudestandards koordiniert und aufeinander abgestimmt. Auch hier ist der öffentliche Gebäudebestand ein Hebel für Effizienz und erneuerbare Wärme. Der Vergleich macht deutlich: Es braucht verlässliche Leitplanken, stabile Budgets, qualifizierte Planungen und Ausbaupfade für erneuerbare Wärme. Österreich steht damit nicht allein vor der Aufgabe, seinen öffentlichen Gebäudebestand zukunftstauglich zu machen. Entscheidend ist, wie konsequent Bund und Länder gemeinsame Meilensteine setzen und kontrollieren.

Bürger-Impact: Was das für den Alltag bedeutet

Die Ergebnisse sind keine abstrakte Statistik. Sie betreffen den Alltag von Bürgerinnen und Bürgern direkt. Ein sanierungsbedürftiges Schulgebäude kann im Winter höhere Heizkosten verursachen, die Budgets belasten und am Ende Mittel binden, die für Ausstattung oder pädagogische Angebote fehlen. In Krankenhäusern entscheidet eine moderne Gebäudetechnik mit über das Raumklima, Hygieneanforderungen und den Energieverbrauch rund um die Uhr. In Amtsgebäuden beeinflussen Temperaturstabilität und Luftqualität die Arbeitsbedingungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie die Aufenthaltsqualität für Besucherinnen und Besucher.

Ein Beispiel: Wird ein Rathaus von einer alten Ölheizung auf eine Wärmepumpe mit Photovoltaik am Dach und einem Speicher im Keller umgestellt, sinken langfristig die Betriebskosten, und die Abhängigkeit von volatilen Brennstoffpreisen nimmt ab. Gleichzeitig verbessert sich die CO2-Bilanz. Ein anderes Beispiel betrifft Wohngebäude im öffentlichen Eigentum: Eine umfassende thermische Sanierung mit Dämmung, neuen Fenstern und moderner Regeltechnik sorgt dafür, dass weniger Energie verloren geht und die Wohnungen im Sommer nicht überhitzen. Solche Maßnahmen fördern leistbares Wohnen, stabilisieren Nebenkosten und tragen zu sozialer Fairness bei.

Für Pendlerinnen und Pendler sind Unternehmen im öffentlichen Eigentum wie ÖBB und ASFINAG relevant: Wenn Gebäude, Werkstätten und Betriebsanlagen energieeffizienter werden und erneuerbar heizen, sinken die laufenden Kosten dieser Unternehmen langfristig. Das kann Spielräume schaffen, um Investitionen in Servicequalität und Infrastruktur zu finanzieren. Kurz gesagt: Der Sanierungsfortschritt in öffentlichen Gebäuden hat spürbare Auswirkungen auf Lebensqualität, Kosten und Klimaschutz – quer durch Österreich.

Zahlen und Fakten im Überblick

  • Ein Drittel der Bundesgebäude im öffentlichen Eigentum heizt mit fossilen Öl- oder Gasheizungen. Das zeigt eine hohe Abhängigkeit von Brennstoffen, deren Preise schwanken und deren Emissionen den Klimazielen entgegenstehen.
  • Nur 5 % der öffentlichen Gebäude erreichen Energieeffizienzklasse A oder besser. Das bedeutet, dass 95 % des Bestands energetisch deutlich unter dem technisch möglichen Niveau liegen.
  • Mehr als die Hälfte der Gebäudeflächen befindet sich maximal in Effizienzklasse C und gilt als sanierungsbedürftig. Hier bestehen erhebliche Potenziale, durch Dämmung, Fenster, Lüftung und effiziente Haustechnik Energie einzusparen.
  • Bei der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) sind mehr als ein Drittel der Gebäude in den Klassen D oder schlechter. Das verweist auf einen akuten Sanierungsstau in zentralen öffentlichen Einrichtungen.
  • ÖBB: Mehr als die Hälfte der Gebäude wird mit fossilen Brennstoffen beheizt. ASFINAG: fast 40 % fossile Heizungen. Auch öffentliche Unternehmen müssen ihren Umstieg beschleunigen.
  • EU-Vorgabe: Jährlich sollen 3 % der öffentlichen Gebäudefläche saniert werden. Laut Studie ist dieses Ziel mit der aktuellen Praxis nicht erreichbar.

Diese Befunde deuten auf eine deutliche Lücke zwischen Ziel und Realität hin. Wenn das NEKP vorsieht, dass öffentliche Gebäude bis 2027 frei von fossiler Energie sein sollen, sind ab heute pro Jahr erhebliche Umrüstungen zu bewältigen. Rechnet man die verbleibenden Jahre, wird klar: Jeder verlorene Monat erhöht den Druck. Gleichzeitig schafft jede frühzeitige Sanierung Mehrwert – sie senkt Emissionen, spart Energie ein und verringert das Risiko künftiger Preissteigerungen. Die Zahlen sprechen daher eine doppelte Sprache: Sie zeigen Nachholbedarf, machen aber auch das Potenzial sichtbar.

Stimmen aus der Studie

Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000, kritisiert die aktuelle Entwicklung deutlich. Er betont, die Bundesregierung komme ihrem Versprechen, auf dem Weg zur Klimaneutralität als Vorbild voranzugehen, nicht nach. Er fordert Bund und Länder auf, das Sanierungstempo zu erhöhen und nachhaltige Heizsysteme konsequent einzusetzen. Außerdem weist er darauf hin, dass ohne ernsthafte Bemühungen das Ziel, bis 2027 alle öffentlichen Gebäude aus fossiler Energie herauszuführen, verfehlt wird. Sein abschließender Appell: Ein gut sanierter öffentlicher Gebäudebestand, betrieben mit erneuerbaren Energien, stärke die regionale Wirtschaft, schaffe Arbeitsplätze und zeige, dass die Energiewende alle betrifft. Diese Aussagen entstammen der genannten Quelle und fassen den Kern der Kritik zusammen.

Warum die Umsetzung stockt – und was hilft

Der Sanierungsstau entsteht nicht zufällig. Öffentliche Bauträger müssen Planungs- und Vergabeschritte einhalten, Fachkräfte koordinieren, Gebäude im laufenden Betrieb modernisieren und Budgets absichern. Gerade bei Schulen, Spitälern und Sicherheitsinfrastruktur sind Zeitfenster knapp und Umbauten komplex. Erschwerend kommt hinzu, dass Energiepreise, Förderbedingungen und Materialkosten schwanken können, was Planungen verunsichert. Auch die Vielfalt der Bestände – von historischen Gebäuden bis zu Zweckbauten der 1970er- und 1980er-Jahre – verlangt maßgeschneiderte Lösungen.

Erfolgsfaktoren sind klar benennbar: Eine belastbare Prioritätenliste auf Basis von Energieaudits, eine Bündelung von Baupaketen für Skaleneffekte, standardisierte Planungs- und Ausschreibungsprozesse, langfristige Budgetlinien und die enge Verzahnung mit regionalen Wärmeplänen. Wo Fernwärme mit hohem erneuerbaren Anteil verfügbar ist, ist der Anschluss oft der schnellste Weg. Wo das nicht der Fall ist, braucht es Wärmepumpen, Abwärmenutzung, Solarthermie, Photovoltaik und gegebenenfalls Biomasse mit strengem Nachhaltigkeitsrahmen. Digitale Energiemanagementsysteme helfen, Erfolge messbar zu machen und Betriebskosten zu senken.

Zukunftsperspektive: Was bis 2027 realistisch ist

Die Studie macht deutlich, dass Österreich ohne zusätzliche Maßnahmen die selbst gesetzte Marke – fossile Freiheit im öffentlichen Gebäudebestand bis 2027 – verfehlen dürfte. Realistisch ist ein Szenario, in dem Bund und Länder kurzfristig einen abgestimmten Fahrplan vorlegen: mit klaren Prioritäten (zuerst große Emittenten, dann der breite Bestand), verbindlichen Meilensteinen pro Quartal und einer transparenten Fortschrittsmessung. Parallel sollte die 3 %-Sanierungsquote in echte Bauleistungen übersetzt werden. Das setzt Planungskapazitäten in Verwaltungen und bei der BIG voraus, ebenso wie die Zusammenarbeit mit den öffentlichen Unternehmen ÖBB und ASFINAG.

Darüber hinaus wird entscheidend sein, wie rasch erneuerbare Wärmenetze wachsen und wo Wärmepumpen wirtschaftlich einsetzbar sind. Ein realistischer Pfad könnte darin bestehen, zunächst die „Low-Hanging Fruits“ – Gebäude mit hohem Verbrauch und günstigen Umrüstbedingungen – zügig umzusetzen. Danach folgen anspruchsvollere Projekte mit komplexer Statik oder Denkmalschutz. Gelingt es, erfolgreiche Beispiele sichtbar zu machen, kann das den Umstieg beschleunigen. So entsteht ein Momentum, das über 2027 hinaus trägt und die Glaubwürdigkeit klima- und energiepolitischer Ziele stärkt. Ohne diesen Impuls droht hingegen ein Aufschub, der später teurer wird und die Klimabilanz belastet.

Praxisleitfaden: Was Träger jetzt konkret tun können

  • Energieaudits aktualisieren: Präzise Verbrauchsdaten, Lastprofile und Effizienzpotenziale für jedes Objekt erfassen.
  • Priorisierung nach Wirkung: Zuerst Gebäude mit hoher Fläche, schlechtem Effizienzniveau oder fossiler Monostruktur sanieren.
  • Standardisierte Ausschreibungen: Wiederkehrende Maßnahmen (Fenster, Dämmung, Regeltechnik) bündeln, um Kostenvorteile zu heben.
  • Technologiemix festlegen: Fernwärme nutzen, wo erneuerbar; sonst Wärmepumpen, Solarthermie, PV und Abwärme.
  • Monitoring einführen: Digitale Systeme zur laufenden Steuerung, Transparenz und Erfolgskontrolle einsetzen.
  • Kommunikation stärken: Nutzerinnen und Nutzer einbinden, Schulungen anbieten, Verhalten optimieren.

Transparenz und Kontrolle

Die Erhebung der Daten über das Umweltinformationsgesetz ist ein wichtiger Schritt. Damit werden Zustände sichtbar, die bislang oft nur intern aktenkundig waren. Transparenz schafft die Grundlage dafür, Fortschritte zu messen, öffentliche Gelder treffsicher zu vergeben und Verantwortlichkeiten zu klären. Sie hilft auch, gute Beispiele zu verbreiten und voneinander zu lernen. Wenn Kärnten nahezu fossilfrei ist, dann lohnt es sich, Prozesse, Technikpfade und Entscheidungslogiken dorthin zu übertragen, wo der Umstieg noch stockt. Ebenso gilt: Wer die 3 %-Sanierungsquote ernst nimmt, sollte jährlich öffentlich berichten, welche Flächen auf welches Effizienzniveau gehoben wurden und welche Emissionen dadurch vermieden werden.

Fazit: Ein Weckruf mit konkreten Ansatzpunkten

Die Zahlen von GLOBAL 2000 sind ein Weckruf. Ein Drittel fossile Heizungen in Bundesgebäuden, nur 5 % in Top-Effizienz – das passt nicht zu den Zielen der Klimaneutralität und zu den Chancen, die Sanierungen für Budgets, Komfort und regionale Wertschöpfung bieten. Gleichzeitig liefern die Daten eine klare Handlungsagenda: priorisieren, planen, finanzieren, umsetzen und transparent berichten. Wo Bundesländer vorangehen, zeigt sich, dass der Ausstieg aus fossilen Heizungen machbar ist. Wo er stockt, braucht es jetzt entschlossene Entscheidungen, damit 2027 nicht zur verpassten Chance wird.

Wie erleben Sie den Zustand öffentlicher Gebäude in Ihrer Gemeinde? Teilen Sie Beobachtungen, Beispiele und Fragen – denn nur mit Transparenz und Beteiligung gelingt der Wandel. Weiterführende Informationen, die zitierten Zahlen und die vollständige Presseunterlage finden Sie bei GLOBAL 2000 und auf der offiziellen OTS-Seite.

Quellen und weiterführende Links