Niederösterreich startet am 9. Jänner 2026 ein Forschungsprojekt, das historische Hochwasser mit Hilfe der Bevölkerung systematisch dokumentiert. Die Initiative knüpft an die Erfahrungen der Flut im September 2024 an und richtet den Blick auf die lange Vergangenheit unserer Flüsse. Wer in St. Pölten, an der Donau, an der Ybbs oder an kleineren Bächen lebt, weiß: Wasser prägt das Land. Doch wie oft und wie heftig kam es früher zu Überschwemmungen? Und was lässt sich daraus für Raumplanung, Vorsorge und Schutzmaßnahmen lernen? Genau hier setzt das Projekt an – mit einem Ansatz, der Wissenschaft und lokales Wissen zusammenbringt und dadurch neue Stärke entfaltet.
Historische Hochwasser in Niederösterreich: Citizen Science als Schlüssel
Die Grundlage für das Vorhaben ist eine einfache, aber folgenreiche Erkenntnis: Systematische Pegelaufzeichnungen existieren in Österreich erst seit dem späten 19. Jahrhundert. Alles, was davor geschah, ist in der Regel nur über Spuren in der Landschaft, über Einträge in Pfarr- und Gemeindechroniken oder über alte Dokumente in privaten Schubladen greifbar. Unter der Leitung von Gertrud Haidvogl vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) werden diese Spuren jetzt aktiv gesucht, gesichert und wissenschaftlich ausgewertet. Das Land Niederösterreich unterstützt das Projekt mit 54.500 Euro. Die Leitfrage: Wie verändern sich Häufigkeit, räumliche Verteilung und Intensität extremer Hochwässer über Jahrhunderte – und was bedeutet das für die Zukunft?
Wissenschaftslandesrat LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf bringt den Nutzen auf den Punkt: „Die Hochwasserkatastrophe im September 2024 hat uns schmerzhaft vor Augen geführt, dass Extremereignisse keine abstrakte Gefahr sind, sondern reale Bedrohungen für unsere Gemeinden. Umso wichtiger ist es, aus der Vergangenheit und für die Zukunft zu lernen. Die Dokumentation historischer Hochwässer liefert uns dabei wertvolle Erkenntnisse, die helfen, Niederösterreich noch besser auf zukünftige Hochwasser vorzubereiten. Besonders begrüße ich, dass die Bevölkerung aktiv in dieses Projekt eingebunden wird – denn die Verbindung aus wissenschaftlicher Expertise und der Erfahrung der Menschen vor Ort liefert bessere Ergebnisse und damit besseren Schutz.“
Worum es konkret geht
Im Zentrum stehen historische Quellen, die außerhalb moderner Messnetze entstanden sind: Hochwassermarken an Kirchen, Brücken und Wohnhäusern, Chroniken in Pfarren und Gemeinden sowie private Aufzeichnungen, Fotos und Notizen. Ein besonderer Fokus liegt auf Gemeinden, die von der Flut im September 2024 betroffen waren. Die jüngsten Ereignisse sollen damit in einen historischen Rahmen gestellt werden – um besser beantworten zu können, ob ein Ereignis tatsächlich einmalig war oder zu einem wiederkehrenden Muster gehört.
Die Ergebnisse werden in einer öffentlich zugänglichen Online-Datenbank aufbereitet. Über eine eigens vorbereitete Topothek – ein digitales Archiv für lokale Geschichte – und weitere Datenbanken können Bürgerinnen und Bürger eigene Funde melden, verorten und mit Fotos dokumentieren. In der Vorbereitungsphase richtet das Team der BOKU dafür die technischen Systeme ein und erstellt verständliche Leitfäden, damit Einträge vergleichbar und wissenschaftlich verwertbar sind. Interessierte können sich ab sofort melden: [email protected].
Fachbegriffe verständlich erklärt
Hochwassermarken: Eine Hochwassermarke ist eine sichtbare Spur oder ein bewusst gesetztes Zeichen, das die maximale Wasserhöhe eines vergangenen Hochwassers an einem bestimmten Ort dokumentiert. Sie findet sich oft als eingemeißelte Linie in Stein, als Metallplakette an Brückenpfeilern oder als Inschrift an Hausmauern. Weil es für frühere Jahrhunderte keine durchgängigen Messreihen gibt, werden solche Marken zu zentralen Datenpunkten: Sie zeigen, wie hoch das Wasser stand, verknüpfen Ort und Zeitpunkt und lassen sich mit heutigen Geländehöhen vergleichen. Richtig dokumentiert – mit Koordinate, Foto, Datum der Anbringung und Quelle – verwandeln sich diese Zeugnisse in wertvolle Bausteine für die Rekonstruktion von Flutereignissen.
Pegelaufzeichnungen: Pegelaufzeichnungen sind fortlaufende Messungen des Wasserstandes an Flüssen und Seen. Sie werden an Pegelstationen erhoben, die meist einen festen Nullpunkt haben und Veränderungen millimetergenau protokollieren. In Österreich begann der flächendeckende Ausbau solcher Stationen im späten 19. Jahrhundert. Der Vorteil: Pegeldaten liefern eine zeitlich dichte, objektive Grundlage, mit der sich Trends, Saisonalitäten und Extremwerte analysieren lassen. Der Nachteil für die Forschung zu historischen Ereignissen: Für frühere Jahrhunderte fehlen diese Reihen. Deshalb werden Pegelaufzeichnungen heute mit historischen Quellen verknüpft, um ein möglichst langes Bild der Hochwasserentwicklung zu erhalten.
Citizen Science: Citizen Science beschreibt die systematische Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an wissenschaftlichen Projekten. Laien forschen dabei nicht nebenbei, sondern nach klaren Richtlinien, die eine verlässliche Datenerhebung ermöglichen. Im vorliegenden Projekt geht es insbesondere um das Suchen, Fotografieren und Beschreiben von Hochwassermarken, um das Melden von Hinweisen aus Chroniken sowie um das Georeferenzieren solcher Funde. Citizen Science erweitert die Reichweite der Forschung, erschließt private Sammlungen, senkt Barrieren und schafft einen Austausch: Menschen vor Ort teilen ihr Wissen, Forschende liefern Methoden, prüfen die Qualität und machen Ergebnisse offen zugänglich. So entsteht Mehrwert für alle.
Topothek: Eine Topothek ist ein webbasiertes, lokal verankertes Archiv, in dem historische Materialien – Fotos, Dokumente, Pläne, Objekte – strukturiert gesammelt, beschrieben und für die Öffentlichkeit aufbereitet werden. Gemeinden, Vereine und Engagierte nutzen Topotheken, um Alltagsgeschichte sichtbar zu machen. Für das Hochwasser-Projekt bietet die Topothek zwei Vorteile: Erstens lassen sich Funde einfach hochladen, verschlagworten und mit Orten verknüpfen. Zweitens bleibt die Herkunft der Stücke nachvollziehbar, was für die spätere wissenschaftliche Auswertung entscheidend ist. Je besser Metadaten wie Entstehungszeit, Urheberin oder Urheber und Fundort gepflegt sind, desto belastbarer werden die historischen Schlussfolgerungen.
Raumplanung im Hochwasserschutz: Raumplanung im Hochwasserschutz bezeichnet Entscheidungen der öffentlichen Hand, wo gebaut, wie verdichtet und welche Flächen freigehalten werden. Sie ist ein zentrales Instrument, um Risiken zu steuern: Wer sensible Infrastruktur nicht in bekannte Überschwemmungszonen setzt, reduziert Schadenspotenzial schon im Vorfeld. Historische Hochwasserdaten liefern dabei die lange Perspektive: Sie zeigen, wo Wasser in der Vergangenheit ausgetreten ist, wie weit es reichte und welche Geländekanten entscheidend waren. Damit ergänzt historische Dokumentation die heutigen Gefahrenzonenpläne und hilft, Fehleinschätzungen zu vermeiden, die entstehen können, wenn man nur wenige Jahrzehnte an Beobachtungen berücksichtigt.
Risikokommunikation: Risikokommunikation umfasst den Austausch von Informationen zwischen Behörden, Wissenschaft, Einsatzorganisationen sowie Bürgerinnen und Bürgern über mögliche Gefahren, ihre Eintrittswahrscheinlichkeit und geeignete Vorsorge. Beim Thema Hochwasser bedeutet das: verständliche Karten, klare Handlungsempfehlungen und ehrliche Einschätzungen der Unsicherheiten. Historische Daten spielen dabei eine doppelte Rolle. Sie machen Risiken anschaulich – etwa durch Bilder von Markierungen an vertrauten Gebäuden – und sie stärken das Vertrauen, weil Entscheidungen nachvollziehbar begründet werden. Wer versteht, warum ein Damm erhöht oder ein Bauverbot erlassen wird, akzeptiert Maßnahmen eher und handelt im Ernstfall schneller.
Historische Entwicklung: Von der Marke am Stein zur offenen Datenbank
Der Umgang mit Hochwasser in Österreich hat sich über Jahrhunderte gewandelt. In früheren Zeiten, als es keine flächendeckenden Messnetze gab, blieb die Erinnerung an große Fluten vor allem in Erzählungen, in Chroniken und in Markierungen aus Stein lebendig. Gemeinschaften prägten Ereignisse in ihr Gedächtnis ein, indem sie die maximale Wasserhöhe an Kirchen, Rathäusern oder Brücken festhielten. Diese Zeichen erfüllten zwei Funktionen: Sie mahnten künftige Generationen zur Vorsicht und sie strukturierten die eigene Erfahrung am Ort.
Mit der Industrialisierung und der Ausweitung staatlicher Infrastruktur entstanden im 19. Jahrhundert Pegelnetze, Wasserbauämter und rechtliche Grundlagen, die Hochwasserschutz als öffentliche Aufgabe definierten. Flüsse wurden reguliert, Auen verbaut, Dämme errichtet – eine Phase, in der der Fokus stark auf technischer Beherrschung lag. Im 20. Jahrhundert setzte sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass wasserwirtschaftlicher Schutz nicht allein aus Deichen und Mauern besteht, sondern eine Kombination aus Vorsorge, Raumplanung, natürlichem Rückhalt und technischer Sicherung braucht. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte – mit mehreren großen Niederschlagsereignissen in verschiedenen Regionen – haben diese Sicht bestärkt.
Heute tritt mit Citizen Science eine neue Ebene hinzu: Die digitale Welt macht lokale Quellen auffindbar und verknüpfbar. Durch die systematische Sammlung historischer Hochwassermarken und Einträge entsteht eine Datenbasis mit großer zeitlicher Tiefe. Sie ergänzt moderne Messreihen und Klimamodelle und schafft eine Brücke zwischen persönlicher Erinnerung und wissenschaftlicher Analyse. Genau hier setzt das niederösterreichische Projekt an, indem es das Wissen vieler zusammenführt und qualitativ prüfbar macht.
Vergleich: Niederösterreich, andere Bundesländer und der Blick über die Grenze
Österreichweit arbeiten Bundesländer mit unterschiedlichen Schwerpunkten an Hochwasservorsorge. Niederösterreich ist dabei in einer besonderen Rolle: Die Donau, große Zubringer wie Traisen, Ybbs, Kamp oder March sowie zahlreiche kleinere Einzugsgebiete treffen hier auf dichte Siedlungsräume. Die Idee, historische Hochwassermarken systematisch zu erfassen und öffentlich zugänglich zu machen, bindet die Bevölkerung früh ein und schafft Bewusstsein – ein Ansatz, der das technische Arsenal sinnvoll erweitert.
Andere Bundesländer setzen ebenfalls auf Beteiligung, etwa bei lokalen Geschichtsinitiativen oder bei Informationskampagnen zur Gefahrenzonenplanung. Der Unterschied in Niederösterreich liegt in der gezielten Verknüpfung mit wissenschaftlicher Auswertung durch die BOKU und der Konzentration auf mehrere Jahrhunderte vor der Messära. Dadurch entsteht ein Mehrwert für Gemeinden, die mit sehr unterschiedlichen Flusstypen leben – von alpinen Bächen bis zu großen Strömen.
In Deutschland gibt es lange Traditionen der Flutmarken, etwa an Rhein und Elbe. Digitale Archive machen diese Spuren zunehmend sichtbar. Die Schweiz verfolgt eine stark integrale Risikoperspektive, in der Raumplanung, natürliche Retentionsräume und Schutzbauten zusammengeführt werden. Was Niederösterreich nun stark ausspielt, ist die strukturierte Öffnung in Richtung Bürgerinnen und Bürger: Wer vor Ort Markierungen findet, kann sie dokumentieren und damit zur Evidenz beitragen. Der internationale Vergleich zeigt: Die Verbindung aus lokalem Gedächtnis, digitaler Erfassung und wissenschaftlicher Qualitätssicherung ist ein zukunftsfähiger Weg.
Konkreter Nutzen für Bürgerinnen und Bürger
Für die Menschen vor Ort ist die Teilnahme an diesem Projekt mehr als ein Ehrenamt. Sie bringt unmittelbare Vorteile für Sicherheit, Planen und Entscheiden:
- Alltagswissen wird sichtbar: Wer alte Marken oder Chroniken kennt, kann dieses Wissen teilen. So gehen Hinweise nicht verloren, wenn Gebäude modernisiert oder Archive umstrukturiert werden.
- Planung wird nachvollziehbarer: Historische Einträge ergänzen moderne Gefahrenzonen. Gemeinden können präziser erklären, weshalb ein Bauvorhaben angepasst werden muss.
- Haushalte treffen bessere Vorsorge: Wer erkennt, dass das eigene Haus in der Vergangenheit betroffen war, investiert eher in mobile Schutzsysteme, Rückstauklappen oder Notfallpläne.
- Bildung und Identität: Schulen, Vereine und Feuerwehren können die Funde in Projekte einbinden und so Wissen über Generationen weitergeben.
Ein praktisches Beispiel: Eine Hochwassermarke an einer Pfarrkirche zeigt, dass das Wasser vor 150 Jahren noch 40 Zentimeter höher stand als bei einem jüngeren Ereignis, an das sich viele erinnern. Wird diese Marke sauber fotografiert, mit Koordinate versehen und in der Datenbank abgelegt, kann die Gemeinde das in ihren Informationsmaterialien nutzen. Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer sehen, dass die reale Bandbreite größer ist als erwartet – und passen ihre Schutzmaßnahmen an.
Auch für Einsatzorganisationen liefert die Sammlung Mehrwert. Historische Spuren deuten auf kritische Engstellen hin: enge Brücken, niedrige Durchlässe oder Senken, in denen Wasser stehen bleibt. Wenn solche Hinweise in Karten einfließen, verbessern sie die Vorbereitung auf künftige Lagen – unabhängig davon, ob die nächste Flut in fünf oder in fünfzehn Jahren kommt.
Zahlen und Fakten aus dem Projektkontext
Das Land Niederösterreich stellt für die Startphase 54.500 Euro bereit. Dieser Betrag sichert den Aufbau der technischen Infrastruktur, die Erarbeitung klarer Leitfäden für Freiwillige sowie die wissenschaftliche Qualitätssicherung. Im Fokus stehen mehrere Jahrhunderte vor dem flächendeckenden Aufbau von Pegelstationen im späten 19. Jahrhundert. Genau diese Zeitspanne ist für die Einschätzung seltener Extremereignisse entscheidend: Je länger die Reihe, desto belastbarer sind Aussagen über Wiederkehrintervalle und Intensitäten.
Die Datengrundlage speist sich aus unterschiedlichen Quellentypen – von eingemeißelten Hochwassermarken über Chronikeinträge bis zu privaten Dokumenten. Für die Auswertung werden Fundort, Höhe, Datum der Marke (sofern vorhanden), Quelle der Information und Fotodokumentation standardisiert erfasst. Die offene Online-Datenbank ermöglicht, Einträge zu durchsuchen, nach Flüssen oder Gemeinden zu filtern und Entwicklungen im Zeitverlauf zu betrachten. Daraus entstehen Karten und Zeitachsen, die den Blick auf die lange Geschichte der Überschwemmungen konkret machen.
Warum ist das relevant? Weil sich aus der Verbindung von historischen Spuren und modernen Messreihen robuste Aussagen ableiten lassen: etwa, wie oft bestimmte Uferbereiche betroffen waren, wie hoch das Wasser am jeweiligen Ort stand und ob sich die räumliche Verteilung der Überflutungen verändert hat. Diese Faktenlage stärkt Planung, Bau und Kommunikation – und sie erhöht die Akzeptanz für Schutzmaßnahmen, die auf nachprüfbaren Daten beruhen.
So machen Sie mit: Schritt für Schritt
- In Ihrer Gemeinde umsehen: Gibt es an Brücken, Kirchen, Schulen oder alten Gasthäusern Markierungen? Achten Sie auf Linien, Inschriften, Metallplaketten und Jahreszahlen.
- Fund dokumentieren: Machen Sie ein Foto mit Maßstab (z. B. Meterstab oder Zollstock), notieren Sie die genaue Adresse oder Koordinate und beschreiben Sie die Position am Gebäude.
- Kontext hinzufügen: Gibt es Hinweise in Pfarr- oder Gemeindechroniken? Fragen Sie bei Archiven, Vereinen oder älteren Bewohnerinnen und Bewohnern nach.
- Eintragen: Nutzen Sie die vorgesehene Topothek beziehungsweise die Online-Datenbank und laden Sie Ihre Funde hoch. Bei Fragen: [email protected].
- Qualität sichern: Prüfen Sie Lesbarkeit, Datum und Plausibilität. Je genauer die Angaben, desto besser die Auswertung.
Stimmen aus dem Projekt
Projektleiterin Gertrud Haidvogl betont den Mehrwert der Kooperation: „Das Projekt bietet die großartige Möglichkeit, historische Hochwasserereignisse in Niederösterreich systematisch aufzuarbeiten. Durch die Kooperation mit der Bevölkerung werden neue und für die Wissenschaft nicht so leicht auffindbare oder zugängliche Quellen verfügbar. Über den Austausch mit Personen vor Ort lassen sich zudem Informationen zu früheren Praktiken im Umgang mit Überschwemmungen erheben.“
LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf unterstreicht die strategische Bedeutung: „Durch die Verbindung von wissenschaftlicher Expertise und lokalem Wissen leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung effektiver Hochwasserschutzstrategien, die auf langfristigen Daten und historischen Erfahrungen basieren.“
Wie historische Daten heutige Entscheidungen verbessern
Politische und fachliche Entscheidungen müssen nachvollziehbar, verhältnismäßig und wirksam sein. Historische Hochwasserdaten tragen dazu bei, weil sie die Bandbreite möglicher Wasserstände am Ort konkret zeigen. Wenn eine Gemeinde begründet, warum bestimmte Flächen freigehalten, warum ein Damm erhöht oder warum Einfamilienhäuser mit Auflagen versehen werden, stützt sie sich idealerweise auf langjährige Evidenz. Das verringert Rechtsunsicherheiten, erleichtert Genehmigungsverfahren und fördert die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Planerinnen und Planern sowie Bürgerinnen und Bürgern.
Auch im Bildungsbereich entfaltet die Sammlung Wirkung: Schulen können Projekttage rund um die lokale Topothek gestalten, Vereine Exkursionen zu historischen Marken organisieren. So wandert Wissen nicht nur in Datenbanken, sondern bleibt lebendig – in Köpfen und in der Landschaft, die uns täglich umgibt.
Zukunftsperspektive: Was die nächsten Jahre bringen könnten
Mit dem systematischen Aufbau einer historischen Hochwasserdatenbank legt Niederösterreich einen Grundstein, der weit über die aktuelle Legislaturperiode hinausreicht. Die Daten werden mit jedem Fund wertvoller, weil sich Muster klarer abzeichnen. In Verbindung mit modernen Messreihen und Modellierungen entsteht ein Instrument, das Risiken differenziert beleuchtet: Manche Orte zeigen eine Häufung starker Ereignisse, andere sind nur bei sehr seltenen Lagen betroffen. Diese Unterschiede sind entscheidend für kluge Prioritäten – bei Schutzbauten, bei natürlichem Rückhalt, bei der Raumplanung.
Im Kontext des Klimawandels gewinnt die lange Perspektive zusätzlich an Bedeutung. Fachleute gehen davon aus, dass Extremereignisse in Teilen Europas zunehmen oder sich in ihrer Saisonalität verschieben können. Historische Daten helfen, die natürliche Variabilität besser zu verstehen und Trends einzuordnen, ohne aus einzelnen Ereignissen vorschnelle Schlüsse zu ziehen. In den nächsten Jahren ist zu erwarten, dass die Datenbank als Referenz in Genehmigungsverfahren, Förderprogrammen und Gemeindestrategien herangezogen wird. Für Forscherinnen und Forscher an Universitäten und Fachhochschulen eröffnet sie neue Fragestellungen – etwa zur Wechselwirkung von Flussregulierung, Landnutzung und Schadensentwicklung über lange Zeiträume.
Entscheidend bleibt die Qualität der Einträge. Deshalb werden Leitfäden, Schulungen und einfache Werkzeuge bereitgestellt, die die Mitarbeit niedrigschwellig und zugleich verlässlich machen. Mit jeder verifizierten Marke, mit jeder sauber dokumentierten Chronik wächst der Nutzen – für Gemeinden, für Einsatzorganisationen, für Planerinnen und Planer und letztlich für alle, die in Flussnähe leben und arbeiten.
Weiterführende Informationen und Teilnahme
Das Projektteam der BOKU Wien bereitet derzeit Topothek und Datenbanken vor und erstellt die Guidelines für Citizen Scientists. Wer mitmachen oder Informationen teilen möchte, kann sich bereits jetzt melden: [email protected]. Weitere Kontaktmöglichkeit laut Aussendung: DI Jürgen Maier, Pressesprecher von LH-Stv. Dr. Stephan Pernkopf, Telefon +43 2742 9005 – 12704, Mobiltelefon +43 676 812 15283, E-Mail: [email protected].
Offizielle Quelle und Details zur Ankündigung finden Sie beim Amt der Niederösterreichischen Landesregierung über die Austria Presse Agentur: OTS-Aussendung vom 9. Jänner 2026. Hintergrundinformationen zur Universitätsseite: Universität für Bodenkultur Wien (BOKU).
Fazit und Ausblick
Das neue niederösterreichische Forschungsprojekt verbindet, was zusammengehört: historische Erfahrung, moderne Wissenschaft und bürgerschaftliches Engagement. Es schafft eine belastbare Basis für Entscheidungen, die heute getroffen werden müssen, deren Wirkung aber Jahrzehnte reicht. Die Sammlung und Auswertung von Hochwassermarken, Chroniken und privaten Dokumenten hilft Gemeinden, Risiken richtig einzuschätzen, und unterstützt Bürgerinnen und Bürger dabei, klügere Vorsorge zu treffen.
Machen Sie mit, wenn Sie Spuren vergangener Hochwasser kennen – jede Marke, jedes Foto, jeder Chronikeintrag kann ein fehlendes Puzzleteil sein. Teilen Sie Ihre Hinweise mit dem Projektteam und tragen Sie dazu bei, Niederösterreich widerstandsfähiger zu machen. Weitere Informationen und die offizielle Ankündigung finden Sie hier: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung via OTS. So wächst aus vielen einzelnen Spuren ein Bild, das schützt, erklärt und verbindet.






