Einwegpfand in Österreich: 81,5% Rückgabe nach einem Jahr

Redaktion

Nach einem Jahr zieht Österreich Bilanz: Das Einwegpfand zeigt starke Effekte für Umwelt und Handel. Am 28. Jänner 2026 steht fest, dass die erste Jahresauswertung für die österreichische Öffentlichkeit mehr ist als eine Momentaufnahme. Sie markiert einen Wendepunkt in der Abfallpolitik und in der praktischen Umsetzung von Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig ist sie ein Prüfstein: Schafft das Land den nächsten Sprung Richtung europäischer Zielmarken? Und was bedeutet das konkret für Konsumentinnen und Konsumenten, für den Handel und für die Gemeinden im Alltag? Die Antworten sind differenziert, aber die Richtung ist klar – und verweist bereits auf die nächsten Ausbauschritte, die politisch und organisatorisch anstehen.

Einwegpfand in Österreich: Bilanz und Bedeutung

Die offizielle Ein-Jahres-Bilanz des Einwegpfandsystems, die über den Grünen Klub im Parlament kommuniziert wurde, kommt zu einem klaren Zwischenergebnis: Eine Sammelquote von 81,5 Prozent im ersten Jahr verweist auf eine breite Akzeptanz der neuen Rückgabepraxis. Der Umweltsprecher der Grünen, Lukas Hammer, sieht darin einen Beleg für wirksame Umweltpolitik und ordnet das Pfandsystem als zentralen Baustein der Kreislaufwirtschaft ein. Er verweist zugleich auf das politische Ringen, das der Einführung vorausging, und auf die nächsten Zielmarken – insbesondere die 90 Prozent Sammelquote, die bis 2027 erreicht werden sollen. Die Quelle der Ein-Jahres-Bilanz ist öffentlich zugänglich und kann von Leserinnen und Lesern nachvollzogen werden (OTS-Meldung).

Was bedeutet diese Zahl von 81,5 Prozent in der Praxis? Vor allem eines: Der weitaus größte Teil der bepfandeten Einweggetränkeverpackungen kehrt nach Gebrauch wieder an definierte Sammelpunkte zurück und kann stofflich verwertet werden. Für Einwegkunststoffe wie PET-Flaschen ist das ein zentraler Schritt, um hochwertige Rezyklate zu gewinnen und den Anteil an Neuplastik zu senken. Das reduziert Abfall, verringert die Vermüllung in der Umwelt und stabilisiert langfristig die Versorgung mit Sekundärrohstoffen.

Fachbegriffe verständlich erklärt

Einwegpfand: Das Einwegpfand ist ein zusätzlich erhobener Betrag auf Einweggetränkeverpackungen, der beim Kauf mitbezahlt und bei der Rückgabe der leeren Verpackung wieder ausbezahlt wird. Es handelt sich dabei nicht um eine Steuer, sondern um ein Anreizsystem, das die Rückführung der Verpackungen in den Kreislauf fördern soll. Wichtig ist: Erst die Kombination aus finanzieller Motivation, klaren Rückgabemöglichkeiten und einheitlicher Kennzeichnung macht das System für alle Beteiligten einfach nutzbar. So wird aus einem vermeintlich kleinen Betrag ein starkes Lenkungsinstrument, das die Sammelquote spürbar erhöht und die Qualität des Recyclingstroms verbessert.

Kreislaufwirtschaft: Unter Kreislaufwirtschaft versteht man ein Wirtschaftsmodell, in dem Produkte, Materialien und Ressourcen so lange wie möglich im Umlauf bleiben. Anstelle eines linearen Systems – produzieren, nutzen, entsorgen – werden Werkstoffe nach der Nutzung wiederaufbereitet und erneut eingesetzt. Das Ziel ist es, Abfall zu vermeiden, Rohstoffeffizienz zu steigern und die Umweltbelastung zu senken. Beim Einwegpfand zeigt sich Kreislaufwirtschaft konkret: Aus einer gebrauchten PET-Flasche wird nach der Sammlung und Aufbereitung wieder eine neue Flasche. Voraussetzung dafür sind saubere Stoffströme, die durch getrennte Sammlung und hohe Rücklaufquoten erreicht werden.

Sammelquote: Die Sammelquote gibt an, welcher Anteil der in Verkehr gebrachten bepfandeten Einwegverpackungen tatsächlich zurückgegeben wird. Eine hohe Sammelquote bedeutet nicht nur, dass weniger Verpackungen in Restmüll oder Umwelt landen. Sie ist auch ein Qualitätsindikator für das System: Je höher die Quote, desto effizienter kann recycelt werden, weil größere, sauberere Mengen zur Verfügung stehen. Für die europäische Politik ist die Sammelquote ein zentraler Steuerungsparameter, um Fortschritte messbar zu machen und Zielwerte – etwa 90 Prozent bei Kunststoffflaschen – zu kontrollieren.

Rückgabeautomat: Rückgabeautomaten sind Geräte im Handel, die leere, bepfandete Einwegverpackungen identifizieren, annehmen und erfassen. Sie lesen Barcodes oder spezielle Pfandkennzeichnungen, prüfen den Zustand der Verpackung und verbuchen die Rückgabe, woraufhin der Pfandbetrag gutgeschrieben oder ausbezahlt wird. Moderne Geräte sind so konzipiert, dass sie eine hohe Durchsatzleistung haben, Verunreinigungen minimieren und Fehlwürfe reduzieren. Für die Akzeptanz im Alltag sind Bedienbarkeit, Störungsarmut und eine gute Einbindung in die Filiallogistik entscheidend.

Barrierefreiheit (bei Rückgabestellen): Barrierefreiheit bedeutet, dass Rückgabestellen und Automaten von möglichst vielen Menschen ohne zusätzliche Hürden benutzt werden können. Das betrifft die Höhe und Erreichbarkeit der Einwurföffnungen, die Bedienoberfläche, die Beschilderung und die räumliche Zugänglichkeit. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, für ältere Personen oder für Eltern mit Kinderwagen können kleine Gestaltungsmängel große Hindernisse sein. Deshalb spielt Barrierefreiheit in der Weiterentwicklung des Pfandsystems eine wichtige Rolle. Es geht um Technik, aber auch um die Aufstellung im Geschäft, um Beleuchtung sowie um klare, leicht verständliche Hinweise.

Pfandsystem: Ein Pfandsystem ist die organisatorische und rechtliche Gesamtheit aus Pfandbetrag, Kennzeichnung, Logistik, IT-Abrechnung und den Verträgen zwischen den beteiligten Akteuren. Dazu zählen Hersteller und Abfüller, der Groß- und Einzelhandel, Systembetreiber, Entsorger sowie Recyclingspezialisten. Ein gut funktionierendes Pfandsystem koordiniert diese Abläufe so, dass Rückgabe für Konsumentinnen und Konsumenten einfach ist und die gesammelten Verpackungen in hoher Qualität dort ankommen, wo sie sortiert und wiederverwertet werden.

Erweiterte Herstellerverantwortung (EHV): Die erweiterte Herstellerverantwortung, international als Extended Producer Responsibility (EPR) bekannt, verpflichtet Unternehmen, Verantwortung für ihre Produkte über den Verkaufszeitpunkt hinaus zu übernehmen. Im Verpackungsbereich heißt das: Hersteller und Inverkehrbringer müssen sicherstellen, dass ihre Verpackungen gesammelt, sortiert und recycelt werden. Das Pfand ist dabei ein Instrument, mit dem diese Verantwortung greifbar wird. Es verankert die Kosten- und Logiklast dort, wo die Verpackung entsteht, und sorgt zugleich dafür, dass die Nutzung für Konsumentinnen und Konsumenten attraktiv bleibt.

Historische Entwicklung: Von der Debatte zur Umsetzung

Die Einführung des Einwegpfands in Österreich ist das Ergebnis eines langen politischen und gesellschaftlichen Prozesses. Während Nachbarländer wie Deutschland bereits seit den 2000er-Jahren Erfahrungen mit einem Einwegpfand aufbauen konnten, setzte Österreich zunächst stärker auf getrennte Sammlung im Gelben Sack, auf Altstoffsammelzentren und auf Mehrweginitiativen. Mit der weiter wachsenden Menge an Einwegverpackungen und den europäischen Zielvorgaben rückte jedoch die Frage nach wirksameren Instrumenten in den Vordergrund.

Politisch wurde darüber kontrovers diskutiert. Die Befürworterinnen und Befürworter argumentierten mit der hohen Wirksamkeit in anderen Ländern, mit saubereren Stoffströmen und mit einem sichtbaren Lenkungseffekt für das Konsumverhalten. Skeptische Stimmen verwiesen auf Investitionskosten, Platzbedarf im Handel und auf den zusätzlichen Aufwand in der Logistik. Einen entscheidenden Schub brachte die europäische Einwegkunststoff-Richtlinie (Richtlinie (EU) 2019/904), die für Kunststoffgetränkeflaschen eine getrennte Sammelquote von 77 Prozent bis 2025 und 90 Prozent bis 2029 vorsieht. Der Text ist öffentlich zugänglich und kann im Amtsblatt nachgelesen werden (EUR-Lex).

In Österreich fiel die politische Grundsatzentscheidung zur Einführung eines Einwegpfandsystems mit Blick auf diese EU-Vorgaben und die nationalen Kreislaufwirtschaftsziele. Nach vorbereitenden Arbeiten und Abstimmungen mit Handel, Abfüllern und der Entsorgungsbranche startete das System, sodass die nun vorliegende Jahresbilanz gezogen werden konnte. Dass die öffentliche Kommunikation dieser Bilanz – etwa durch den Grünen Klub im Parlament – auch die politische Genese betont, ist nachvollziehbar: Die Einführung war umkämpft, und die heutige Funktionsfähigkeit ist das Ergebnis vieler Detailentscheidungen, von der Kennzeichnung über die IT-Schnittstellen bis hin zur logistischen Rücknahme in Stadt und Land.

Zahlen und Fakten: 81,5 Prozent als starker Start

Die angegebene Sammelquote von 81,5 Prozent im ersten Jahr ist im europäischen Vergleich ein guter Wert für eine Systemanlaufphase. Gerade in den ersten Monaten braucht es Gewöhnung, Aufbau von Geräten und Prozessen sowie Kommunikation. Gleichzeitig ist der Abstand zur Zielmarke von 90 Prozent klein genug, um realistisch zu sein, und groß genug, um weitere Maßnahmen zu rechtfertigen. Zentrale Stellschrauben sind die flächendeckende Verfügbarkeit von Rückgabestellen, gut sichtbare Informationen im Handel und eine verlässliche Abrechnung, die das Vertrauen in das System stärkt.

Aus analytischer Sicht bedeuten 81,5 Prozent: Von zehn bepfandeten Flaschen kehren mehr als acht in den Kreislauf zurück. Das reduziert den Anteil, der über Restmüll, öffentliche Körbe oder – im schlechtesten Fall – über Littering entsorgt wird. Die Qualität des Rezyklats steigt, weil die getrennte Sammlung Verschmutzungen verringert. Diese Effekte sind nicht linear: Jeder zusätzliche Prozentpunkt bei der Sammelquote erhöht die Menge an hochwertigem Material, das für neue Flaschen eingesetzt werden kann, unverhältnismäßig stark, weil Grenzverluste – etwa durch Fehlwürfe – sinken.

International zeigen Systeme mit hohen Rücklaufquoten, dass sich die Anfangskosten über Effizienzgewinne, geringere Entsorgungslasten und hochwertige Sekundärrohstoffe mittelfristig amortisieren. Auch für Österreich ist davon auszugehen, zumal die Infrastrukturen im Handel etabliert und die Logistikrouten optimiert werden. Entscheidend bleibt, dass die Kommunikation – etwa über Kennzeichnung und Pfandhinweise – konsistent und verständlich bleibt.

Österreich im Bundesländer-Vergleich: Dichte, Wege und Gewohnheiten

Das Pfandsystem gilt bundesweit, aber die Rahmenbedingungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern. In Wien profitieren viele Menschen von einer hohen Dichte an Rückgabestellen im fußläufigen Umfeld. Die Wege sind kurz, und die Rückgabe lässt sich leicht in den Einkauf integrieren. In ländlichen Regionen der Steiermark, in Kärnten oder im Burgenland sind die Wege oft länger, dafür bündeln größere Filialen die Rückgabe in effizienter Form. Für Pendlerinnen und Pendler in Niederösterreich und Oberösterreich spielt die Rückgabe an Knotenpunkten – etwa bei Einkaufszentren – eine wichtige Rolle.

Solche Unterschiede sind typisch und lassen sich mit gezielter Feinsteuerung adressieren. Dazu zählen längere Öffnungszeiten einzelner Rückgabestellen, zusätzliche Automaten an hoch frequentierten Standorten und temporäre Informationskampagnen, die lokale Gewohnheiten berücksichtigen. Im Tourismusland Tirol wiederum stellt sich die Frage nach saisonalen Spitzen: Wintersportdestinationen verzeichnen zeitweise ein Vielfaches an Konsum – hier helfen temporär verstärkte Logistik und klare Hinweise in mehreren Sprachen.

Deutschland und die Schweiz: Einordnung im D-A-CH-Vergleich

Der Blick nach Deutschland zeigt, wohin die Reise gehen kann: Das dortige Einwegpfandsystem ist seit Jahren etabliert und erreicht nach Angaben des Umweltbundesamts sehr hohe Rücklaufquoten von rund 98 Prozent. Die breite Abdeckung im Handel, die klare Pfandkennzeichnung und die Routine im Alltag bilden die Basis. Deutschland hat die Einwegpfandpflicht seit den 2000er-Jahren schrittweise ausgeweitet; heute ist die Rückgabe vielerorts ein fester Bestandteil des Wocheneinkaufs. Diese Erfahrung legt nahe, dass Österreich – ausgehend von 81,5 Prozent – das Ziel von 90 Prozent mit einer Mischung aus Infrastruktur, Information und laufender Optimierung erreichen kann. Eine thematische Übersicht bietet das Umweltbundesamt (Umweltbundesamt).

Die Schweiz verfolgt einen anderen Ansatz: Dort existiert kein flächendeckendes verpflichtendes Einwegpfand auf PET-Flaschen. Stattdessen stützt sich die Sammlung auf ein freiwilliges System, das über Branchenlösungen und landesweite Sammelstellen organisiert ist. Die Sammelquoten sind respektabel und liegen seit Jahren deutlich über der in der Verordnung verankerten Mindestschwelle, ab der ein Pfand verpflichtend eingeführt werden müsste. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) stellt die rechtlichen Grundlagen und die Entwicklung der Sammelquoten öffentlich dar (BAFU). Der Vergleich zeigt: Pflichtpfandsysteme erzielen tendenziell höhere Rücklaufquoten und stabilere Materialqualitäten, freiwillige Systeme können mit breiter Beteiligung und kluger Logistik jedoch ebenfalls solide Ergebnisse erreichen.

Bürger-Impact: Was ändert sich im Alltag?

Für Konsumentinnen und Konsumenten ist das Einwegpfand in der Praxis einfach: Beim Kauf wird ein kleiner Zusatzbetrag pro bepfandeter Flasche mitbezahlt. Die leere Verpackung wird später in einer Rückgabestelle oder an einem Rückgabeautomaten abgegeben, der Betrag wird gutgeschrieben oder ausgezahlt. Drei konkrete Auswirkungen stechen heraus:

  • Planbarkeit: Wer seine Einkäufe bündelt, kann die Rückgabe bequem integrieren und den Pfandbetrag als spürbaren Bonus beim nächsten Einkauf verwenden.
  • Sauberkeit: Öffentliche Räume, Parks und Wege profitieren von weniger achtlos entsorgten Flaschen. Das senkt die Reinigungskosten von Gemeinden und verbessert das Stadt- und Landschaftsbild.
  • Bewusstsein: Der Pfandimpuls lenkt Aufmerksamkeit auf die Wertigkeit von Materialien. Eine Flasche ist kein Abfall, sondern ein Rohstoffträger, der wieder in den Kreislauf gehört.

Für den Handel ergeben sich neue, aber gut handhabbare Abläufe. Rückgabeautomaten müssen gewartet und die Logistik auf Abholung und Zwischenlagerung abgestimmt werden. Gleichzeitig steigt die Kundinnen- und Kundenfrequenz, weil die Rückgabe oft mit dem Einkauf verbunden wird. Gerade größere Filialen profitieren von Skaleneffekten: Die Abwicklung wird Routine, die Abläufe werden eingespielt. Kleinere Geschäfte können je nach Rechtslage und Infrastruktur alternative Lösungen nutzen, etwa die Annahme im Servicebereich oder Kooperationen mit nahegelegenen größeren Märkten.

Für Gemeinden und Entsorgungsbetriebe verändert das Pfandsystem die Abfallströme. Öffentliche Papierkörbe werden entlastet, und die Menge an bepfandeten Leichtverpackungen im Restmüll sinkt. Das verbessert die Qualität in der Sortierung und verringert Störstoffe. Mittelfristig können kommunale Ressourcen – etwa im Bereich Reinigung und Littering-Bekämpfung – gezielter eingesetzt werden. Wichtig bleibt die Abstimmung zwischen kommunalen Sammelsystemen, Pfandlogistik und Aufbereitern, um Doppelwege zu vermeiden.

Politische Einordnung und Originalstimme

Die aktuelle Bilanz wurde vom Grünen Klub im Parlament kommuniziert. Umweltsprecher Lukas Hammer bezeichnete die Sammelquote als klaren Beleg für funktionierende Umweltpolitik und verwies darauf, dass die Einführung des Pfands in Österreich politisch hart erarbeitet wurde. In der OTS-Meldung wird betont, dass der Widerstand gegen das Pfand groß gewesen sei und dass die heutige Akzeptanz zeige, wie richtig der eingeschlagene Weg war. Wörtlich hebt Hammer den nächsten Schritt hervor: die 90-Prozent-Marke bis 2027, mehr Information für alle Konsumentinnen und Konsumenten sowie volle Barrierefreiheit bei Rückgabeautomaten. Die Originalquelle ist hier abrufbar: OTS: Einweg-Pfandsystem – ein voller Erfolg.

Zielmarken, EU-Kontext und der Weg zu 90 Prozent

Europarechtlich ist der Rahmen durch die Richtlinie (EU) 2019/904 klar vorgegeben: Bis 2029 sollen 90 Prozent der Kunststoffgetränkeflaschen getrennt gesammelt werden, Zwischenziel sind 77 Prozent bis 2025. Österreich liegt mit 81,5 Prozent im ersten Jahr über der unteren Zielmarke und peilt national eine frühere 90-Prozent-Erreichung bis 2027 an. Um dahin zu kommen, sind drei Hebel besonders relevant:

  • Flächendeckung: Rückgabeoptionen müssen so leicht erreichbar sein, dass Rückgabe zur Gewohnheit wird – in dicht besiedelten und ländlichen Regionen.
  • Barrierefreiheit: Automaten und Annahmestellen müssen für alle nutzbar sein. Kleine ergonomische Verbesserungen bewirken hier oft große Effekte.
  • Information: Einheitliche Kennzeichnung, klare Hinweise im Handel und einfache Anleitungen senken Hemmschwellen und reduzieren Fehlwürfe.

Ein erprobtes Muster aus etablierten Pfandsystemen ist die kontinuierliche Verbesserung: Regelmäßige Wartung und Kalibrierung der Automaten, Feedbackschleifen mit Filialen, und das Ausrollen bewährter Lösungen auf neue Standorte. Sobald die Routinen greifen, steigen Rücklaufmengen weiter, weil Reibungsverluste – etwa durch volle Boxen oder kurzfristig außer Betrieb gesetzte Geräte – seltener werden.

Qualität der Rezyklate und wirtschaftliche Effekte

Die hohe Sammelquote wirkt sich nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch aus. Saubere PET- und Dosenströme ermöglichen hochwertige Rezyklate, die in der Produktion neuer Verpackungen eingesetzt werden können. Das reduziert Importabhängigkeiten von Neuware, stabilisiert Preise und fördert eine wachsende Recyclingwirtschaft in Österreich. Für Abfüllerinnen und Abfüller eröffnet sich die Möglichkeit, Kreislaufanteile schrittweise zu erhöhen und so sowohl regulatorische Anforderungen als auch Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen.

Auch im Handel entsteht Wert: Zusätzliche Kundinnen- und Kundenkontakte, klare Prozesse und digitale Abrechnungen schaffen Transparenz. Nicht zu unterschätzen ist der Reputationsgewinn – dort, wo Rückgabe einfach funktioniert, wird sie als guter Service wahrgenommen. Für die Entsorgungs- und Recyclingbranche schließlich schafft der verlässliche Materialzufluss Planbarkeit für Investitionen in Sortier- und Aufbereitungstechnik.

Herausforderungen: Technik, Platz und Gewohnheiten

Wo Licht ist, ist auch Schatten. In der Praxis treten typische Herausforderungen auf: Rückgabeautomaten brauchen Platz, Strom und eine sinnvolle Anordnung im Laden. Während Stoßzeiten können kurze Wartezeiten entstehen; hier helfen zusätzliche Geräte oder klug geplante Aufstellungen. Technisch gilt es, Fehlwürfe zu minimieren und die Erkennung auch bei verformten Flaschen zuverlässig zu halten. Informationsseitig müssen Beschilderung und Kennzeichnung immer eindeutig sein. Gerade bei Touristenströmen – etwa in Wien, Salzburg oder Innsbruck – sollten Hinweise mehrsprachig erfolgen.

Gewohnheiten ändern sich schrittweise. Während viele Menschen das Pfand intuitiv annehmen, dauert es bei anderen länger, bis die Rückgabe in den Alltag integriert ist. Hier wirken kleine Impulse: Aufkleber am Kühlschrank, Sammelkisten in der Wohnung oder Erinnerungsfunktionen in Einkaufs-Apps. Schulen und Vereine können mit Projekten rund um Ressourcenschonung helfen, das Thema in die Breite zu tragen, ohne zu moralisieren.

Zukunftsperspektive: Was bis 2027 wichtig wird

Bis 2027 wird es darauf ankommen, den derzeitigen Schwung zu nutzen. Eine Prognose auf Basis internationaler Erfahrungen legt nahe: Mit weiter wachsender Geräteabdeckung, konsequentem Service und laufender Information lässt sich die Sammelquote jährlich um einige Prozentpunkte steigern. Sobald die Rückgabe überall gleich einfach ist, sinkt die Zahl der Ausnahmen – das System wird „unsichtbar“, weil es selbstverständlich wird.

Technologisch dürfte die Digitalisierung weiterhelfen: Vernetzte Automaten, Echtzeit-Meldungen bei Füllständen, schnellere Entstörung und intelligente Routenplanung für Abholungen senken Ausfallzeiten. Ergänzend könnten Pilotprojekte zeigen, wie Rückgabe in kleineren Verkaufsstellen oder an Mobilitätsknoten – etwa Bahnhöfen – noch komfortabler gestaltet werden kann. Besonders wirkungsvoll ist die konsequente Barrierefreiheit: Wenn auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder geringer Körpergröße problemlos Rückgabeautomaten bedienen können, steigt die Nutzungsrate messbar. Schließlich wird die Kommunikation entscheidend bleiben: Einheitliche Symbole, einfache Sprache und klare Hinweise führen zu weniger Fehlwürfen und höherer Akzeptanz.

Rechtlicher Rahmen und Transparenz

Die Verankerung des Pfandsystems im nationalen Recht und die Einbettung in den EU-Rahmen schaffen Verlässlichkeit. Für die Öffentlichkeit ist Transparenz zentral: Jahresberichte, nachvollziehbare Kennzahlen und externe Prüfungen stärken das Vertrauen in das System. Parallel dazu ist die Abstimmung mit kommunalen Sammelstrukturen wichtig, um Zuständigkeiten klar zu halten und Kosten fair zu verteilen. Mit Blick auf die Zielmarken, die die EU-Richtlinie vorgibt, ist Österreich mit 81,5 Prozent gut unterwegs und hat die Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen, wenn der 90-Prozent-Meilenstein planmäßig bis 2027 gelingt.

Quellen und weiterführende Links

  • Originalmeldung des Grünen Klubs im Parlament zur Ein-Jahres-Bilanz: OTS-Presseaussendung
  • EU-Richtlinie über die Verringerung der Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt (Richtlinie (EU) 2019/904): EUR-Lex
  • Deutschland – Umweltbundesamt: Hintergrundinformationen zu Getränkeverpackungen und Pfandsystemen: Umweltbundesamt
  • Schweiz – Bundesamt für Umwelt (BAFU): Abfall und Getränkeflaschen, rechtlicher Rahmen und Sammelquoten: BAFU

Fazit und Ausblick

Österreichs Einwegpfand hat nach einem Jahr einen erfolgreichen Einstand hingelegt. Die Sammelquote von 81,5 Prozent zeigt, dass das System im Alltag angekommen ist. Sie belegt zugleich, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur ein politisches Schlagwort ist, sondern konkret wirkt: weniger Littering, hochwertigere Rezyklate und effizientere Entsorgung. Im europäischen Kontext liegt Österreich damit gut auf Kurs. Die nächsten Schritte sind klar: flächendeckende Rückgabeoptionen, konsequente Barrierefreiheit und eine Kommunikation, die alle abholt – vom urbanen Alltag in Wien bis zur touristischen Saisonspitze in Tirol.

Wer sich weiter informieren will, findet die Originalmeldung zur Jahresbilanz öffentlich zugänglich. Darüber hinaus lohnt der Blick in die EU-Richtlinie, um die Zielmarken und den größeren Rahmen zu verstehen. Unsere offene Frage an die Leserinnen und Leser: Wo funktioniert die Rückgabe für Sie schon reibungslos – und wo braucht es noch Verbesserungen? Schreiben Sie uns, nennen Sie konkrete Standorte und Erfahrungen. Jede Rückmeldung hilft, die letzten Prozentpunkte zur 90-Prozent-Marke bis 2027 zu erreichen und das Pfandsystem in Österreich gemeinsam weiter zu verbessern.