Ein Jahr Pfand in Österreich: Wirkung, Zahlen, Ausblick

Redaktion

Ein Jahr Pfand in Österreich: Am 7. Jänner 2026 ziehen Wissenschaft und Praxis Bilanz – mit Zahlen, Hintergründen und einem Blick ins Recycling-Labor in Wien. Seit 1. Jänner 2025 gilt in der Republik ein Einwegpfandsystem für PET-Flaschen und Aluminiumdosen. Was hat das Pfandsystem Österreich in seinem ersten Jahr konkret bewirkt? Wie gut funktioniert die Rückgabe, und was bedeutet das für Haushalte, Handel und Umwelt? Die Hochschule Campus Wien lädt für den 15. Jänner 2026 zum Expertengespräch mit anschließender Labor-Demonstration – ein Termin, der für alle mit Interesse an Kreislaufwirtschaft, Verpackungsrecycling und evidenzbasierter Umweltpolitik relevant ist.

Pfandsystem Österreich: Bilanz, Einordnung und Labor-Einblicke

Die Einführung des Einwegpfandsystems war ein politischer und logistischer Kraftakt. Innerhalb eines Jahres wurden Rücknahmeautomaten und manuelle Annahmestellen aufgebaut, Abläufe im Handel geschult und die Bevölkerung informiert. Heute, ein Jahr danach, steht die Frage im Raum: Erreicht das System sein Ziel, die Sammelquote für Kunststoff-Flaschen und Aluminiumdosen bis 2027 auf 90 Prozent zu steigern? Die Hochschule Campus Wien nimmt diese Frage am 15. Jänner 2026 im Rahmen eines Expertengesprächs mit Labor-Demonstration unter die Lupe.

Am Programm stehen drei Kernfragen: Welchen Nutzen hat Kunststoff-Recycling? Welche technischen Herausforderungen gibt es beim Recycling unterschiedlicher Kunststoff-Arten? Und wie funktioniert der Recyclingprozess konkret – von der Sortierung über die Zerkleinerung und den Schwimm-Sink-Test bis zur Extrusion. Als Gesprächspartner sind Bernhard Rainer, Leiter des Forschungszentrums Nachhaltigkeitsbewertung und Verpackungslösungen, sowie Martin Novak, Kunststofftechniker und Forschender, angekündigt. Die Veranstaltung findet am Campus in der Favoritenstraße 222, 1100 Wien, im Laborbereich Verpackungsrecycling statt. Um Anmeldung wird gebeten.

Termin und Ort

  • Expertengespräch und Labor-Demonstration: Ein Jahr Pfandsystem
  • Wann? Donnerstag, 15. Jänner 2026, 10.00–11.00 Uhr
  • Wo? Hochschule Campus Wien, Favoritenstraße 222, Gebäudeteil E/F, 2. Stock, 1100 Wien
  • Quelle: Hochschule Campus Wien via OTS

Fachbegriffe verständlich erklärt

Einwegpfandsystem

Ein Einwegpfandsystem ist ein Rücknahmesystem für Einweg-Getränkeverpackungen wie PET-Flaschen und Aluminiumdosen. Beim Kauf bezahlen Konsumentinnen und Konsumenten zusätzlich zum Produktpreis ein Pfand, das bei Rückgabe der leeren Verpackung erstattet wird. Der zentrale Zweck ist, die Verpackungen in möglichst reiner Form zu sammeln, um eine hochwertige stoffliche Verwertung zu ermöglichen. Anders als Restmüll oder unsortierte Sammelware gelangen die Gebinde so gezielt in Recyclingströme, die Materialqualität sichern. Das Pfand schafft einen klaren ökonomischen Anreiz, Littering zu reduzieren, und erleichtert der Abfallwirtschaft die Planung von Mengen und Qualitäten für die nachfolgenden Prozessschritte.

PET (Polyethylenterephthalat)

PET ist ein thermoplastischer Kunststoff, der bei Getränkeflaschen wegen seiner Barriereeigenschaften, Stabilität und Transparenz verbreitet ist. Für Laien: Thermoplastisch bedeutet, dass das Material bei Wärme schmilzt und sich in neue Formen bringen lässt, ohne dabei chemisch zu zerfallen. PET lässt sich – bei sorgfältiger Sortierung und Reinigung – mehrmals einschmelzen und zu sogenannten Rezyklaten verarbeiten. Diese Rezyklate können je nach Qualität wieder für Verpackungen (Bottle-to-Bottle) oder für andere Produkte (z. B. Textilfasern) eingesetzt werden. PET-Recyclingqualität hängt stark von der Reinheit, der Entfernung von Etiketten, Verschlüssen und Restflüssigkeit sowie vom Ausschluss anderer Kunststoff-Arten ab.

Aluminium-Recycling

Aluminium ist ein Leichtmetall, das sich nahezu unbegrenzt recyceln lässt, ohne wesentliche Qualitätsverluste. Recycling von Aluminium spart im Vergleich zur Primärproduktion viel Energie, weil das energieintensive Schmelzverfahren für Bauxit und die Elektrolyse entfallen. Für die Praxis heißt das: Jede zurückgebrachte Dose hat einen spürbaren ökologischen Nutzen. Der Schlüssel ist die sortenreine Sammlung, damit Dosen nicht mit magnetischen Stählen oder Verbundmaterialien verwechselt werden. Moderne Sortieranlagen nutzen Sensorik, um Aluminium zuverlässig aus dem Strom anderer Materialien zu separieren und in die Umschmelzung zu überführen.

Sammelquote

Die Sammelquote bezeichnet den Anteil der in Verkehr gebrachten Verpackungen, die nach Gebrauch wieder erfasst und einer Verwertung zugeführt werden. Sie ist ein zentraler Indikator für die Leistungsfähigkeit von Pfand- und Sammelsystemen. Für Konsumentinnen und Konsumenten ist sie unsichtbar, zeigt aber, ob Rücknahme, Logistik und Anreizsysteme greifen. Eine hohe Sammelquote mindert den Ressourcenverbrauch, verringert Littering im öffentlichen Raum und reduziert Kosten in der Restmüllbehandlung. In Österreich ist bis 2027 eine Sammelquote von 90 Prozent für Kunststoff-Flaschen und Aluminiumdosen als Ziel hinterlegt.

Schwimm-Sink-Test

Der Schwimm-Sink-Test ist ein Trennverfahren in der Aufbereitung von Kunststoff-Flakes. Nach der Zerkleinerung werden Partikel in ein Wasser- oder Salzbad gegeben. Materialien mit geringerer Dichte schwimmen, schwerere sinken. So lassen sich beispielsweise Polyolefine (wie HDPE und PP) von PET trennen. Für Laien: Unterschiedliche Kunststoffe verhalten sich im Wasser anders, und genau das nutzt der Prozess aus. Die Methode ist robust, skalierbar und trägt zur Erhöhung der Reinheit bei, die für hochwertige Rezyklate nötig ist. Zusatzschritte wie Heißwäsche und Reibungswäscher verbessern zudem die Reinigungsleistung.

Extrusion

Extrusion beschreibt das Einschmelzen und Durchpressen von Kunststoff durch eine Düse, um ein homogenes Granulat oder Halbzeug zu erzeugen. In der Recyclingkette folgt die Extrusion häufig auf Sortierung, Wäsche und Trocknung. Additive und Filter entfernen Störstoffe, Schmelzefilter halten Partikel zurück. Das Ergebnis sind Rezyklat-Granulate, die in der Kunststoffverarbeitung wie Neuware verarbeitet werden können – etwa im Spritzguss oder in der Folienherstellung. Für die Rückführung in lebensmitteltaugliche Anwendungen sind zusätzliche Qualitäts- und Sicherheitsprüfungen nötig, die die Materialkreisläufe absichern.

Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft bezeichnet ein Wirtschaftsmodell, das Materialien möglichst lange im Umlauf hält, Abfall reduziert und Ressourcen schützt. Im Unterschied zum linearen Modell ‚Nehmen–Herstellen–Entsorgen‘ zielt sie auf geschlossene Stoffkreisläufe. Pfandsysteme sind ein Baustein, weil sie hochwertige Sekundärrohstoffe bereitstellen. Für die Gesellschaft bedeutet das: weniger Rohstoffimporte, mehr Versorgungssicherheit und geringere Umweltauswirkungen. In der Praxis bedarf es eines Zusammenspiels von Produktdesign, getrennter Sammlung, effizienter Logistik, moderner Aufbereitung und stabiler Märkte für Rezyklate.

Rezyklat

Als Rezyklat wird das Material bezeichnet, das nach dem Recyclingprozess wieder als Rohstoff zur Verfügung steht, etwa PET-Granulat. Qualität und Eignung hängen von der Vorbehandlung und der Reinheit ab. Hohe Rezyklatanteile in neuen Produkten sind ein politisches und industrielles Ziel, weil sie Primärrohstoffe ersetzen. Damit Rezyklate verlässlich eingesetzt werden können, braucht es Standards, Qualitätsprüfungen und in manchen Bereichen regulatorische Leitplanken – etwa für den Kontakt mit Lebensmitteln.

Sortierung

Die Sortierung trennt gemischte Verpackungsströme in möglichst reine Fraktionen. Moderne Anlagen kombinieren Siebtechnik, Nahinfrarotsensorik, Luftstöße und Magnete. Für Laien: Scanner erkennen Materialarten an ihren spezifischen Eigenschaften, und Luftdüsen sortieren die Teile in die richtige Richtung. Je sauberer die Sortierung, desto höher die Qualität der Rezyklate. Pfandsysteme erleichtern Sortierung, weil Rücknahmestellen Verpackungen bereits vorsortiert erfassen und Fremdstoffe reduzieren.

Einweg und Mehrweg

Einwegverpackungen sind für den einmaligen Gebrauch konstruiert; nach dem Entleeren werden sie recycelt oder entsorgt. Mehrwegverpackungen werden gespült und wieder befüllt. Beide Konzepte können über ein Pfand gesteuert werden, verfolgen aber unterschiedliche ökologische Strategien. Ein Pfandsystem für Einweggebinde steigert vor allem die Sammelquote und Materialqualität, während Mehrweg den Verpackungsbedarf reduziert. In der Praxis existieren häufig beide Systeme parallel, je nach Produktkategorie und Logistikkette.

Historische Entwicklung: Von europäischen Zielen zur österreichischen Umsetzung

Die politische Rahmensetzung für Pfandsysteme ist eng mit europäischen Vorgaben verknüpft. Die EU hat mit dem Regelwerk zur Verringerung von Einwegkunststoffen (u. a. Richtlinie 2019/904) ambitionierte Sammelziele definiert. Für Kunststoff-Getränkeflaschen nennt der europäische Rahmen Zwischenziele und verlangt eine deutlich gesteigerte getrennte Sammlung. Österreich hat diese Vorgaben aufgegriffen und sich für ein landesweites Einwegpfandsystem entschieden, das mit 1. Jänner 2025 in Kraft trat. Dieser Schritt folgte intensiven Verhandlungen zwischen Politik, Handel, Getränkeindustrie, Entsorgungswirtschaft und Umweltorganisationen.

Die Einführung war historisch auch deshalb bedeutsam, weil damit eine lange Debatte um die wirksamste Kombination aus Pfand, Getrenntsammlung und Produktdesign zu einem vorläufigen Ende kam. Während in der Vergangenheit die Gelbe Tonne und Altstoffsammelzentren die Hauptrolle spielten, sorgt das Pfand für eine zusätzliche, ökonomisch wirkungsvolle Rückführungslogik. Begleitet wurde der Start von Informationskampagnen, dem Ausbau der Rücknahmeinfrastruktur und der Integration digitaler Erstattungssysteme an Kassen und Automaten.

Im ersten Jahr lag der Fokus auf Stabilität und Nutzerfreundlichkeit: Rückgabestellen sollten flächendeckend verfügbar sein, Etikettierung und Kodierung zuverlässig funktionieren, und die Logistik – vom Leergut bis zur Aufbereitung – reibungsarm ineinandergreifen. Parallel dazu bauten Forschungseinrichtungen wie die Hochschule Campus Wien ihre anwendungsbezogene Forschung aus, um die ökologischen Effekte, Prozessqualitäten und Materialkreisläufe evidenzbasiert zu bewerten und weiterzuentwickeln.

Vergleiche: Österreichs Bundesländer, Deutschland und die Schweiz

Österreichs Pfandsystem gilt landesweit und ist in allen neun Bundesländern identisch ausgestaltet. Unterschiede ergeben sich eher in der Dichte der Rücknahmestellen und in regionalen Konsumgewohnheiten. In Ballungsräumen wie Wien, Graz oder Linz ist die Rückgabe in Super- und Drogeriemärkten räumlich engmaschig organisiert, während in ländlichen Regionen Nahversorger, Tankstellen oder Gemeindeinfrastruktur eine größere Rolle spielen. Erfahrungsgemäß profitieren touristische Regionen von klarer Beschilderung und mehrsprachigen Informationen, um Besucherinnen und Besucher zur Rückgabe anzuleiten. Einheitliche Pfandlogik und klare Piktogramme erleichtern die Orientierung in allen Bundesländern.

Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass ein Pfand auf Einweg-Getränkeverpackungen seit Jahren etabliert ist und auf breite Akzeptanz stößt. Dort werden regelmäßig sehr hohe Rücklaufquoten berichtet. Der operative Alltag – vom Automaten im Supermarkt bis zur Logistik der Entsorger – gilt als ausgereift. Für Österreich bedeutet das: Es gibt praxiserprobte Vorbilder, doch Details wie Marktabdeckung, Sortimente und nationale Rechtsrahmen unterscheiden sich. Entscheidender Erfolgsfaktor bleibt in beiden Ländern die bequeme, kostenlose Rückgabe ohne Hürden.

Die Schweiz verfolgt einen anderen Ansatz: Für PET-Flaschen existiert ein starkes, branchengetragenes Sammelsystem; die Rückgabe ist weit verbreitet, jedoch ohne flächendeckendes staatliches Einwegpfand. Der Fokus liegt auf freiwilliger Rückgabe, umfassender Verbraucherinformation und Dichtemodellen in Handel und öffentlichen Einrichtungen. Die österreichische Lösung ergänzt vergleichbare Sammelwege nun um das ökonomische Pfandsignal. Der Vergleich lehrt: Es gibt verschiedene Wege zu hohen Sammelquoten – Pfandsysteme sind eine wirkungsvolle Option, vor allem wenn hochwertige, sortenreine Ströme benötigt werden.

Wie wirkt das Pfandsystem im Alltag? Konkreter Bürger-Impact

Für Haushalte ist der Kernmechanismus einfach: Die leere PET-Flasche oder Aluminiumdose wird zur nächsten Rücknahmestelle gebracht, das Gebinde wird gescannt und akzeptiert, und der Pfandbetrag wird erstattet – per Bon, Guthaben oder Bargeld, je nach Händler. Der Alltagseffekt: Wer konsequent zurückgibt, hat keine Mehrkosten. Wer verstreut oder im Restmüll entsorgt, verzichtet auf Erstattung und belastet die Umwelt. Das Pfand schafft damit einen spürbaren Anreiz, Ordnung in die Entsorgung zu bringen und Littering zu vermeiden.

Konkrete Beispiele aus der Praxis:

  • Familien bündeln leere Gebinde in einem Sammelsack und erledigen die Rückgabe beim Wocheneinkauf. Das spart Wege und hält die Küche frei von Leergut.
  • Vereine organisieren nach Veranstaltungen Rückgabeaktionen und rechnen die Erstattung gegen Veranstaltungsbudgets. So wird Abfallmanagement zur Einnahmequelle, statt zur Ausgabe.
  • Gastronomiebetriebe trennen Einweggebinde konsequent, um die Pfandbeträge zu verrechnen und Abfallkosten zu senken. Das erfordert klare Abläufe im Schank- und Küchenbereich.
  • Gemeinden platzieren Hinweise an Hotspots wie Badeseen oder Wanderparkplätzen. Mit der Botschaft: Mitnehmen, zurückgeben – Pfand zurückholen.

Für den Handel bedeutet das System Investitionen in Automaten, Personaltraining und Logistik. Gleichzeitig entstehen positive Kundenerlebnisse, wenn Rückgabe schnell und verlässlich funktioniert. Für die Entsorgungs- und Recyclingbranche verbessert das Pfandsystem Planbarkeit und Materialqualität: Weniger Fremdstoffe, besser sortierte Ströme, effizientere Aufbereitung. Für die Umwelt sind die erhofften Effekte weniger Littering und mehr stoffliche Verwertung, also ein höherer Anteil tatsächlich recycelter Materialien.

Zahlen und Fakten: Das Ziel von 90 Prozent Sammelquote

Als klarer Fixpunkt gilt das Ziel, die Sammelquote von Kunststoff-Flaschen und Aluminiumdosen bis 2027 auf 90 Prozent zu steigern. Das ist ambitioniert, aber erreichbar – insbesondere, wenn das System weiterhin zuverlässig funktioniert und die Bevölkerung die Rückgabegewohnheiten verfestigt. Was bedeutet 90 Prozent in der Praxis? Zunächst, dass nur noch ein kleiner Rest der in Verkehr gebrachten Gebinde nicht separat erfasst wird. Dieser Rest verläuft typischerweise über Restmüll, Fehlwürfe oder Littering. Ein Pfandsystem verschiebt diese Anteile in die geordnete Rücknahme.

Zur Einordnung: 90 Prozent Sammelquote ist mehr als ein Symbolwert; es ist eine Schwelle, ab der hochwertige, nahezu sortenreine Materialströme in ausreichender Menge anfallen, um Recyclinganlagen auf Effizienz zu fahren. Je stabiler die Mengen, desto besser lassen sich Investitionen in moderne Sortier- und Aufbereitungstechnik amortisieren. Gleichzeitig schafft die Zielmarke Anreize für Innovation entlang der Kette – von leicht ablösbaren Etiketten über kompatible Verschlussmaterialien bis hin zu digitalen Track-and-Trace-Lösungen.

Ein Rechenbeispiel zur Veranschaulichung (hypothetisch, zur Illustration): Angenommen, in einem Bezirk werden jährlich einige Millionen Einweggebinde konsumiert. Ohne Pfand landen davon ein relevanter Anteil im Restmüll oder in der Umwelt. Mit Pfand verschiebt sich dieser Anteil deutlich in Richtung Rückgabe. Erreichen 9 von 10 Gebinden die Rücknahme, stehen Recyclerinnen und Recycler vor gut planbaren Volumina. Dieses vereinfachte Beispiel zeigt die Logik hinter der 90-Prozent-Marke – ohne Anspruch auf konkrete, regionale Zahlen.

Wichtig dabei: Statistiken zur Sammelquote werden über die in Verkehr gebrachten Mengen und die tatsächlich zurückgenommenen Mengen ermittelt. Transparenz über Messmethoden und Berichtszeiträume ist essentiell, um Fortschritte realistisch zu bewerten. Für Interessierte lohnt sich ein Blick auf die Veröffentlichungen der zuständigen Ministerien und Branchenorganisationen. Allgemeine Informationen bietet etwa das Bundesministerium für Klimaschutz; europäische Grundlagen finden sich auf EUR-Lex.

Technischer Blick ins Labor: Von der Sortierung bis zur Extrusion

Die Labor-Demonstration an der Hochschule Campus Wien macht den Recyclingprozess greifbar: Nach der Annahme der Gebinde beginnt die mechanische Aufbereitung. Zuerst die Sortierung – maschinell oder per Hand, je nach Umfang –, um Materialien zu trennen und Fehlwürfe zu entfernen. Es folgen Zerkleinerung und Wäsche. Die Partikelgröße wird so eingestellt, dass Etikettenreste, Kleber und Verschlüsse möglichst effizient entfernt werden können.

Der Schwimm-Sink-Test trennt anschließend kunststofftypisch nach Dichte. PET sinkt typischerweise, polyolefinbasierte Verschlussteile schwimmen – dadurch entsteht eine weitere Reinigungsstufe. Nach Trocknung und gegebenenfalls einer Heißwäsche schließen sich Schmelzefiltration, Entgasung und Extrusion an. Das Ergebnis sind Rezyklat-Granulate, die als Rohstoffe in die Kunststoffverarbeitung zurückkehren. Bei PET für Getränkeflaschen gelten zusätzliche regulatorische Anforderungen, um den Einsatz in Kontakt mit Lebensmitteln sicher zu gestalten. Forschung hilft, Qualitätsschwankungen zu reduzieren und Prozesse energieeffizienter zu machen.

Herausforderungen und Lösungsansätze

  • Materialvielfalt: Unterschiedliche Polymere, Additive und Farben erschweren Sortierung. Lösung: Design-for-Recycling und standardisierte Materialkombinationen.
  • Verschmutzungen: Restflüssigkeiten und Kleber mindern Qualität. Lösung: Bessere Vorentleerung, optimierte Waschprozesse, Etiketten mit löslichen Klebern.
  • Qualitätsanforderungen: Für Bottle-to-Bottle sind enge Spezifikationen nötig. Lösung: Prozesskontrolle, Migrationsprüfungen, Mischung mit hochwertigem Rezyklat.
  • Logistik: Sammelpunkte und Transport müssen effizient sein. Lösung: Verdichtung, Routenplanung, digitale Bestandsführung.

Rolle der Hochschule Campus Wien und Einordnung des Expertengesprächs

Die Hochschule Campus Wien ist Österreichs größte Fachhochschule und bündelt anwendungsnahe Forschung in fachspezifischen Zentren. Das Forschungszentrum für Nachhaltigkeitsbewertung und Verpackungslösungen bringt Ingenieurwissenschaften, Umweltbewertung und Wirtschaftsperspektiven zusammen. Mit dem anstehenden Termin am 15. Jänner 2026 schafft die Institution einen Raum für Austausch zwischen Wissenschaft, Industrie, Verwaltung und Öffentlichkeit. Auf der Agenda stehen Nutzen, Technik und Grenzen des Kunststoff-Recyclings – praxisnah im Labor erläutert.

Als Gesprächspartner treten Bernhard Rainer, Leiter des Forschungszentrums, und Martin Novak, Kunststofftechniker und Forschender, auf. Sie erläutern anhand realer Prozessschritte die Stellschrauben, an denen Pfandsysteme und Recyclingbetriebe drehen können. Für Journalistinnen und Journalisten, Studierende, Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger und Praktikerinnen und Praktiker bietet der Termin die Chance, den Einfluss des Pfandsystems Österreich auf Stoffströme, Qualität und Marktmechanismen aus erster Hand zu verstehen.

Zukunftsperspektive: Was bis 2027 und darüber hinaus wichtig wird

Bis 2027 steht die 90-Prozent-Sammelquote als Meilenstein. Um sie zu erreichen, sind drei Linien zentral: Erstens, einfache Rückgabewege. Je bequemer die Rückgabe, desto höher die Teilnahme. Zweitens, klare Kommunikation. Konsumentinnen und Konsumenten müssen wissen, welche Gebinde pfandpflichtig sind und wie die Erstattung funktioniert. Drittens, technische Exzellenz in Sortierung und Aufbereitung, damit aus zurückgenommenen Gebinden hochwertige Rezyklate entstehen. Forschung und Pilotprojekte – wie an der Hochschule Campus Wien – helfen, die Prozesse weiter zu verbessern.

Darüber hinaus rückt das Thema Design-for-Recycling in den Fokus: Flaschenkörper, Verschluss und Etikett sollten material- und farblich so zusammenspielen, dass die Sortierung keine hohen Verluste erzeugt. Digitale Innovationen – etwa verbesserte Erkennungstechnologien, maschinelles Lernen in Sortieranlagen oder digitale Produktpässe – können Transparenz und Effizienz steigern. Ebenso wichtig ist die Marktseite: Stabiler Absatz für Rezyklate zu fairen Preisen sichert Investitionen und sorgt dafür, dass Recycling nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch trägt.

Die öffentliche Hand kann flankierend wirken, indem sie Informationskampagnen, Beschaffungsrichtlinien mit Rezyklatanteilen und die Harmonisierung von Richtlinien unterstützt. Für Bürgerinnen und Bürger bleibt die Botschaft einfach: Pfandgebinde nicht wegwerfen, sondern zurückgeben – und so einen aktiven Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten.

Weiterführende Informationen und Anmeldung

Schluss: Was bleibt – und was Sie tun können

Ein Jahr nach der Einführung zeigt das Pfandsystem Österreich, wie Regulierung, Technik und Alltagspraxis zusammenspielen können. Die Zielmarke von 90 Prozent Sammelquote bis 2027 ist anspruchsvoll, aber erreichbar, wenn Rückgabe bequem bleibt, Kommunikation klar ist und die Recyclingtechnik weiter zulegt. Die Labor-Demonstration und das Expertengespräch an der Hochschule Campus Wien bieten einen seltenen, anschaulichen Blick hinter die Kulissen – von der Sortierung über den Schwimm-Sink-Test bis hin zur Extrusion.

Unser Fazit: Pfand lohnt sich – für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Wer Pfandgebinde konsequent zurückgibt, schließt Kreisläufe und vermeidet Ressourcenverschwendung. Interessiert, wie der Prozess im Detail funktioniert? Dann nutzen Sie die Gelegenheit und informieren Sie sich am 15. Jänner 2026 in Wien. Weitere Informationen finden Sie in der Einladung der Hochschule Campus Wien. Welche Erfahrungen haben Sie im ersten Pfandjahr gemacht? Schreiben Sie uns – und bringen Sie Ihre Fragen mit ins Gespräch.