Ein Jahr nach Start des PET-Pfandsystems zieht Wien Bilanz: 70–80% PET-Recycling, 25-Cent-Pfand, Ziele bis 2027. Campus Wien zeigt Kunststoff-Recycling. Am 15. Jänner 2026 blickt Österreich auf zwölf Monate Erfahrung mit dem Einwegpfand zurück – und auf die Frage, wie der nächste Schritt zur Kreislaufwirtschaft gelingt. Ohne großes Schlagwort, aber mit klaren Zahlen: Die Recyclingquoten bewegen sich bei PET in einer ermutigenden Spanne, während der Rest der Kunststoffe hinterherhinkt. Die Hochschule Campus Wien liefert nicht nur die Einschätzung der Expertinnen und Experten, sondern demonstriert im Labor, wie moderne Sortierung und Aufbereitung funktionieren. Was das für Konsumentinnen und Konsumenten, den Handel und die Entsorgungswirtschaft bedeutet, zeigt dieser Überblick – mit nüchternem Blick auf Ziele, Hürden und Chancen, die weit über Wien hinaus für ganz Österreich relevant sind.
Ein Jahr PET-Pfandsystem: Bilanz für Österreich
Mit der Einführung des Einwegpfandsystems am 1. Jänner 2025 hat Österreich ein zentrales Instrument zur Steigerung der Sammel- und Verwertungsquoten für Getränkeverpackungen etabliert. Pro Einwegverpackung – insbesondere Kunststoff-Flaschen aus PET sowie Aluminiumdosen – zahlen Konsumentinnen und Konsumenten 25 Cent Pfand, die sie bei Rückgabe der leeren Verpackung erstattet bekommen. Dieses Prinzip verknüpft den Produktkauf mit einem klaren Anreiz zur Rückgabe und sorgt dafür, dass hochwertige Materialien gezielt in den Kreislauf zurückgeführt werden. Zielvorgabe: Bis 2027 soll eine Sammelquote von 90 Prozent erreicht werden. Nach einem Jahr ziehen Fachleute der Hochschule Campus Wien eine vorläufige Bilanz, die Anlass zu vorsichtigem Optimismus gibt – und zugleich aufzeigt, wo die großen Baustellen beim Kunststoffrecycling insgesamt noch liegen.
Laut dem Pressegespräch an der Hochschule Campus Wien werden derzeit 70 bis 80 Prozent der PET-Flaschen recycelt. Im Hinblick auf die Zielmarke von 90 Prozent bis 2027 sind das solide Werte, die nahelegen, dass das Pfandsystem den gewünschten Hebel setzt. Gleichzeitig bleibt der Blick auf das breite Feld der Kunststoffe ernüchternder: Für alle Kunststoffarten – also auch die, die im Gelben Sack bzw. der Gelben Tonne gesammelt werden – liegt die Recyclingquote Schätzungen zufolge bei rund 35 Prozent. Das ist unter dem EU-Durchschnitt von 42 Prozent. Zugleich steht eine EU-Zielvorgabe von 50 Prozent bereits für 2025 im Raum. Die Diskrepanz ist deutlich und betont, dass das Pfandsystem zwar eine zentrale, aber nicht die einzige Lösung ist.
Fachbegriffe verständlich erklärt
Einwegpfandsystem: Ein Einwegpfandsystem ist ein ordnungspolitisches Instrument, das für bestimmte Getränkeverpackungen einen Pfandbetrag vorsieht, der beim Kauf bezahlt und bei der Rückgabe rückerstattet wird. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: Die leere Verpackung ist nicht wertloser Müll, sondern ein Pfandträger mit monetärem Gegenwert. Unternehmen, Handel und Entsorger strukturieren Logistik, Erfassung und Sortierung so, dass die Behälter effizient zurücklaufen. Der Unterschied zu Mehrweg liegt darin, dass die Behälter nach der Rückgabe in der Regel stofflich verwertet und nicht wieder befüllt werden. In Summe erhöht das System die Rücklaufquoten und verbessert die Qualität der erfassten Fraktionen, weil weniger Fehlwürfe und Verunreinigungen auftreten.
PET (Polyethylenterephthalat): PET ist ein thermoplastischer Kunststoff, der vor allem für Getränkeflaschen eingesetzt wird. Thermoplastisch bedeutet, dass das Material bei Wärme schmilzt und beim Abkühlen wieder erstarrt, ohne seine grundlegende Struktur zu verlieren. Für Verpackungen ist PET attraktiv, weil es stabil, transparent und leicht ist und gute Barriereeigenschaften gegen Gase wie Kohlendioxid besitzt. Dieser Materialmix ermöglicht, dass kohlensäurehaltige Getränke ihre Spritzigkeit behalten und die Flasche gleichzeitig robust genug für Transport und Handel bleibt. PET lässt sich mechanisch recyceln: Es kann mehrfach aufgeschmolzen, gereinigt und als Rezyklat zu neuen Produkten – idealerweise wieder zu Flaschen – verarbeitet werden.
Rezyklat: Rezyklat bezeichnet den Kunststoff, der aus aufbereiteten Abfällen gewonnen wird. Im Fall von PET wird das Ausgangsmaterial aus gesammelten Flaschen sortenrein separiert, gewaschen, zerkleinert und zu Granulat verarbeitet. Rezyklate sind umso wertvoller, je häufiger sie die ursprüngliche Funktion wieder erfüllen können – etwa als Ausgangsmaterial für neue Getränkeflaschen (Bottle-to-Bottle). Hohe Reinheit und homogene Qualität sind entscheidend, damit die Anforderungen an Lebensmittelsicherheit und mechanische Eigenschaften eingehalten werden. Der Markt für Rezyklate ist von Angebot und Nachfrage geprägt: Je stabiler die Nachfrage, desto eher lohnen sich Investitionen in Sortier- und Aufbereitungstechnik.
Downcycling: Downcycling bedeutet, dass ein Material nach dem Recycling nicht mehr für denselben hochwertigen Zweck genutzt werden kann, sondern in eine Anwendung mit geringeren Anforderungen wechselt. Beim Kunststoff heißt das etwa: Aus einer ehemaligen Lebensmittelverpackung wird ein Blumentopf oder eine Bauteilkomponente, die keine Lebensmitteltauglichkeit mehr braucht. Der Wert des Materials sinkt, und mit jeder weiteren Aufbereitung können die mechanischen Eigenschaften weiter abnehmen. Downcycling ist besser als Entsorgung, erreicht aber nicht das Ziel einer echten Kreislaufwirtschaft, die Materialien möglichst auf demselben Qualitätsniveau im Umlauf hält.
Bottle-to-Bottle: Bottle-to-Bottle beschreibt das Ideal des PET-Recyclings: Aus alten PET-Flaschen werden wieder neue PET-Flaschen. Dafür müssen die Stoffströme sehr sauber sortiert, Verunreinigungen entfernt und die Polymerketten so stabilisiert werden, dass die Materialeigenschaften für die Lebensmittelverpackung erhalten bleiben. Bottle-to-Bottle steht sinnbildlich für hochwertiges Recycling, weil es den Kreislauf schließt, ohne die Anwendungsklasse herabzustufen. Es ist technologisch anspruchsvoller als die Herstellung von Nicht-Lebensmittelartikeln aus PET-Rezyklat, bringt aber die größte ökologische Wirkung pro Kilogramm zurückgeführtem Material.
Fest-Phasen-Polykondensation (SSP): Die Fest-Phasen-Polykondensation ist ein Prozessschritt zur Aufwertung von PET-Rezyklat. Vereinfacht gesagt werden PET-Partikel in einem kontrollierten Temperatur- und Vakuumumfeld so behandelt, dass die Polymerketten wieder wachsen und Defekte reduziert werden. Dadurch steigen Molekulargewicht und Viskosität, was die mechanischen Eigenschaften stabilisiert. Für die Wiederverwendung in Lebensmittelverpackungen ist das zentral, weil die Flaschen Festigkeit, Formstabilität und Barrierewirkung brauchen. SSP ergänzt Wasch-, Schmelz- und Filtrationsschritte und ist ein Grund, warum PET bei guter Prozessführung mehrfach recycelt werden kann.
Polyolefine (PP, HDPE): Polyolefine sind eine Kunststofffamilie, zu der Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE) gehören. Sie sind in Alltagsverpackungen allgegenwärtig, etwa bei Joghurtbechern (PP) oder Waschmittel- und Reinigungsmittelflaschen aus hochdichtem Polyethylen (HDPE). Im Recycling verhalten sich Polyolefine anders als PET: Bei thermischer und mechanischer Beanspruchung können sich lange Polymerketten spalten, die Molekulargewichte sinken, die Eigenschaften werden brüchiger. Additive, Etiketten, Mehrschichtfolien und Farbstoffe erschweren zusätzlich eine sortenreine Trennung. Daher ist ein hochwertiges Bottle-to-Bottle-Äquivalent für Polyolefine schwieriger zu erreichen, was häufiger in Downcycling-Anwendungen resultiert.
Recyclingquote: Die Recyclingquote beschreibt den Anteil eines gesammelten Stoffstroms, der nach Aufbereitung als Sekundärrohstoff wieder in den Wirtschaftskreislauf eingeht. Wichtig ist: Sie hängt nicht nur von der Sammelmenge ab, sondern von Qualität, Sortiergenauigkeit und Verwertbarkeit. Verluste entstehen entlang der gesamten Kette – bei der Sammlung (Fehlwürfe, Verschmutzung), beim Sortieren (falsche Materialerkennung, Verbunde) und in der Aufbereitung (Filtration, Decontamination). Eine hohe Quote setzt effiziente Systeme und hohe Materialreinheit voraus. Werden Quoten verglichen, ist zu beachten, welche Definition und Messpunkte zugrunde liegen.
Extrudieren und Spritzguss: Extrudieren und Spritzguss sind formgebende Verfahren der Kunststoffverarbeitung. Beim Extrudieren wird geschmolzener Kunststoff durch eine Düse gedrückt und als kontinuierliches Profil, Folie oder Granulat geformt. Beim Spritzguss wird die Schmelze mit Druck in eine Form eingespritzt, in der sie erstarrt – ideal für komplexe Geometrien wie Verschlüsse oder technische Teile. Für Rezyklate bedeutet das: Die Schmelzequalität, die Viskosität und die Homogenität müssen stimmen, damit die Bauteile die nötige Festigkeit und Oberflächenbeschaffenheit erreichen. Prozessführung und Materialvorbereitung sind deshalb zentrale Stellschrauben.
Kreislaufwirtschaft: Kreislaufwirtschaft bezeichnet ein Wirtschaftsmodell, das Ressourcen möglichst lange im Umlauf hält, Abfälle vermeidet und Materialien am Ende einer Nutzung hochwertig zurückführt. Im Unterschied zur linearen Wirtschaftsweise (nehmen, herstellen, wegwerfen) setzt die Kreislaufwirtschaft auf Design-for-Recycling, reparierbare Produkte, Wiederverwendung und effiziente Sammel- und Recyclingsysteme. Für Kunststoffe heißt das: Verpackungen so gestalten, dass sie sortierbar, trennbar und stofflich verwertbar sind, und gleichzeitig die Märkte für Rezyklate stärken, damit die Sekundärrohstoffe tatsächlich eine hochwertige Nachfrage finden.
Zahlen und Fakten: Was die Bilanz aussagt
Die vorliegenden Zahlen aus dem Pressegespräch der Hochschule Campus Wien bieten eine klare Lesart. Erstens: Mit 70 bis 80 Prozent recycelten PET-Flaschen liegt Österreich im ersten Jahr der Pfand-Einführung in einem Bereich, der die Zielmarke von 90 Prozent bis 2027 erreichbar erscheinen lässt. Selbst im unteren Bereich von 70 Prozent wäre ein Plus von 20 Prozentpunkten in zwei Jahren ambitioniert, aber nicht unrealistisch, wenn Rücknahmesysteme weiter verdichtet, Informationskampagnen verstetigt und Logistikabläufe optimiert werden. Im oberen Bereich von 80 Prozent reduziert sich die Lücke auf zehn Prozentpunkte – eine Distanz, die erfahrungsgemäß mit gezielter Convenience (mehr Rückgabeautomaten, bessere Öffnungszeiten) und kluger Verbraucherinformation geschlossen werden kann.
Zweitens: Beim Blick auf alle Kunststoffe – also inklusive der Fraktionen aus Gelber Tonne und Gelbem Sack – liegt Österreich laut Schätzungen bei 35 Prozent Recyclingquote und damit unter dem EU-Durchschnitt von 42 Prozent. Damit klafft auch zur EU-Zielvorgabe von 50 Prozent für 2025 eine Lücke. Diese Differenz macht deutlich, dass die reinen Verpackungspfade für Getränke (wo Pfandflaschen klar definierte Ströme erzeugen) besser funktionieren als heterogene Mischfraktionen. In der Praxis ist das plausibel: Je komplexer die Materialvielfalt und je stärker die Verunreinigung, desto größer die Verluste in Sortierung und Aufbereitung.
Drittens: Rein technisch sind laut Einschätzung aus der Hochschule – je nach Kunststoffart und Anwendung – langfristig Recyclingquoten von 60 bis 70 Prozent möglich. Die Realität wird jedoch durch Materialvielfalt, Qualitätsanforderungen, Investitionsbedarf und Marktpreise bestimmt. Damit die Technik ihre Wirkung entfalten kann, braucht es eine stabile Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Rezyklat und verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen. Aus ökonomischer Sicht gilt: Wo Sekundärrohstoffe preislich mit Neuware konkurrieren müssen, geraten Investitionen in Qualitätssteigerung unter Druck. Je besser Pfand und Design-for-Recycling zusammenspielen, desto eher entstehen skalierbare, wirtschaftlich tragfähige Kreisläufe.
So funktioniert das Recycling – Demonstration aus dem Labor
Wie der Weg vom gebrauchten Gebinde zurück zum Granulat aussieht, demonstrierte die Hochschule Campus Wien im Recycling-Labor. Der Kunststofftechniker und Forscher Martin Novak zeigte Prozesse, die in der Industrie im großen Maßstab laufen, im Labor aber anschaulich nachvollziehbar werden: Sammeln, Sortieren, Waschen, Zerkleinern, Compoundieren, Formen. Das Verständnis dieser Kette erklärt, warum Pfandströme besonders wertvoll sind: Sie liefern bereits vorselektierte, vergleichsweise saubere Fraktionen.
- Sortierung: In speziell ausgerüsteten Anlagen werden Verpackungen in unterschiedliche Materialfraktionen getrennt. Eine hohe Sortiergenauigkeit ist die Grundlage für hochwertige Rezyklate.
- Zerkleinerung und Reinigung: Die Stoffe werden geschreddert, gewaschen und von Störstoffen befreit, um einen möglichst reinen Input für die weitere Verarbeitung zu erhalten.
- Compoundieren: Das Material wird zu wiederverwertbarem Kunststoffgranulat aufbereitet; Additive und Prozessführung sorgen für stabile Eigenschaften.
- Formgebung: Durch Extrudieren oder Spritzguss entstehen neue Verpackungen oder Bauteile – im Idealfall wieder Flaschen (Bottle-to-Bottle bei PET).
Die Praxis zeigt auch die Grenzen: Polyolefine wie PP bei Joghurtbechern oder HDPE bei Waschmittelflaschen neigen bei wiederholtem Aufschmelzen zu Kettenabbau. Die mechanischen Eigenschaften nehmen ab, wodurch hochwertiges Rezyklat schwieriger wird. PET hingegen bleibt – unterstützt durch Prozesse wie die Fest-Phasen-Polykondensation – deutlich länger auf Flaschenniveau einsatzfähig.
Vergleich: Österreichs Bundesländer, Deutschland und die Schweiz
Österreichweit ist das Pfandsystem identisch, doch die Umsetzung im Alltag variiert nach Siedlungsstruktur. In dichten urbanen Räumen wie Wien liegen Rückgabeautomaten nahe an Arbeitsplätzen und Wohnorten; Super- und Drogeriemärkte sind fußläufig erreichbar. Das senkt die Hürden für die Rückgabe und erhöht die Frequenz. In ländlichen Regionen prägt das Auto häufiger den Einkauf, dafür bündeln Nahversorger und größere Handelsstandorte die Rücknahme. Die Wege sind weiter, aber der Wocheneinkauf bietet einen natürlichen Rhythmus für die Pfandrückgabe. Entscheidend ist überall: klare Kennzeichnung, verlässliche Automaten und eine nahtlose Abwicklung an der Kassa. Kommunen und Abfallwirtschaftsverbände profitieren dabei von weniger Littering entlang von Verkehrsachsen und Naherholungsgebieten.
Deutschland setzt schon lange auf ein Einwegpfand bei Getränken. Die Erfahrung dort zeigt, dass ein dichtes Netz an Rückgabestellen und klare Verbraucherinformation zu sehr hohen Rücklaufquoten führen können. Auch die Sortenreinheit der PET-Ströme ist in solchen Systemen hoch, was Bottle-to-Bottle-Prozesse erleichtert. Die Lehre für Österreich: Kontinuität und Servicefreundlichkeit zahlen sich aus – nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich, weil sich die Qualität der Rezyklate am Markt besser monetarisieren lässt.
Die Schweiz verfolgt einen anderen Weg: Für PET-Getränkeflaschen existiert kein flächendeckendes, gesetzliches Einwegpfand. Stattdessen stützen Systeme auf freiwillige Rücknahme, Branchenlösungen und Sammelstellen im Handel. Das kann ebenfalls gut funktionieren, setzt jedoch ein hohes Maß an Kooperation und Bewusstseinsbildung voraus. Der Vergleich verdeutlicht, warum Österreich das Pfand gewählt hat: Es schafft einen klaren, einfachen Anreiz und standardisiert Rückgabeprozesse – beides Faktoren, die gerade in heterogenen Märkten die Qualität der Stoffströme erhöhen.
Auswirkungen auf Bürgerinnen und Bürger, Handel und Kommunen
Für Konsumentinnen und Konsumenten ist das Pfand vor allem eines: eine einfache, planbare Routine. Wer Getränke kauft, zahlt 25 Cent pro Einwegbehälter zusätzlich und bekommt diesen Betrag bei der Rückgabe wieder. Ein Beispiel: Eine vierköpfige Familie, die pro Woche zehn Einwegflaschen verbraucht, parkt 2,50 Euro Pfand vorübergehend beim Handel. Die Rückgabe im Zuge des nächsten Einkaufs bringt das Geld zurück – oder es wird als Pfandbon direkt mit dem Kassiervorgang verrechnet. Der Effekt auf das Haushaltsbudget ist neutral, sofern die Rückgabe konsequent erfolgt. Gleichzeitig führt der monetäre Anreiz zu weniger achtlos weggeworfenen Flaschen in Parks und an Flussufern.
Für den Handel bedeuten das Pfand und die Rücknahmeautomaten Investitionen in Geräte, Fläche und Prozesse. Dem gegenüber stehen planbare Kundenfrequenz und die Möglichkeit, Pfandbons unmittelbar in Kaufentscheidungen zu überführen. Wichtig ist die Verlässlichkeit der Automaten: Wenn Geräte regelmäßig ausfallen, entstehen Warteschlangen und Frust; funktionieren sie reibungslos, wird die Rückgabe als Service wahrgenommen. Kleine Geschäfte können Rückgabepflichten über Kooperationen und Sammellösungen organisieren, damit die Last nicht allein auf ihren Schultern liegt.
Für Städte und Gemeinden sind zwei Effekte zentral: erstens weniger Littering, was Reinigungskosten senkt; zweitens eine deutlich bessere Qualität der PET-Sammelströme, die die Arbeit der kommunalen Abfallwirtschaft erleichtert. Gleichzeitig bleibt der Gelbe Sack wichtig – denn er erfasst jene Kunststoffverpackungen, die nicht unter das Pfand fallen. Die Herausforderung besteht darin, beide Systeme klug zu verzahnen: Pfand für hochwertige, standardisierte Verpackungen, Gelber Sack für die Breite. Informationskampagnen, die Missverständnisse vermeiden (Pfandzeichen, Rückgabestellen, was in den Gelben Sack gehört), sind für den Alltagserfolg entscheidend.
Historischer Kontext: Von der getrennten Sammlung zum Pfand
Österreich hat eine lange Tradition der getrennten Sammlung: Altglascontainer, Altpapier, Metall – und seit vielen Jahren der Gelbe Sack bzw. die Gelbe Tonne für Leichtverpackungen. Diese Systeme haben das Bewusstsein für Ressourcenschonung geschärft. Dennoch blieb eine Lücke: Gerade bei Getränkeflaschen aus PET, die im Alltag häufig anfallen und unterwegs konsumiert werden, sorgte der fehlende monetäre Anreiz oft für unzureichende Rücklaufquoten und Vermüllung im öffentlichen Raum. Parallel verschärften europäische Vorgaben den Handlungsdruck, die Kreislaufführung von Verpackungen zu verbessern und Rezyklate als Rohstoff ernsthaft zu etablieren.
Mit dem Einwegpfand ab 1. Jänner 2025 hat Österreich daher eine systemische Stellschraube gedreht: Ein klarer, einfacher Rückgabeanreiz, standardisierte Prozesse im Handel und besser planbare Materialströme, die der Aufbereitung in der Industrie zugeführt werden können. Das erste Jahr dient als Praxislabor: Wo sind Rücknahmestellen ausreichend verteilt? Wie gut sind Konsumentinnen und Konsumenten informiert? Wie effizient funktioniert die Sortier- und Aufbereitungskette? Die nun vorliegenden Einschätzungen der Hochschule Campus Wien zeigen, dass PET auf gutem Kurs ist, während die heterogenen Kunststofffraktionen eine intensivere Bearbeitung erfordern – durch besseres Design-for-Recycling, Investments in Sortiertechnik und verlässliche Märkte für Rezyklate.
Einordnung der Expertenstimmen
Bernhard Rainer, Leiter des Forschungszentrums Nachhaltigkeitsbewertung und Verpackungslösungen an der Hochschule Wien, ordnet die Lage klar ein: Beim PET-Recycling ist die Bilanz gut, die 90-Prozent-Marke für 2027 greifbar. Bei den allgemeinen Kunststoffquoten bleibt Österreich hinter dem europäischen Schnitt zurück. Die Botschaft ist zweigeteilt: Pfand wirkt – aber nur im Zusammenspiel mit durchdachter Produktgestaltung, straffer Logistik und robusten Märkten für Sekundärrohstoffe. Martin Novak, Kunststofftechniker und Forscher, ergänzt die technische Perspektive: PET lässt sich aufgrund seiner Eigenschaften mehrfach hochwertig verwerten – bei geeigneter Prozessführung sogar über viele Zyklen. Polyolefine hingegen stellen die Industrie vor größere Qualitäts- und Stabilitätsfragen, weshalb Downcycling häufiger ist.
Ausblick: Was bis 2027 und darüber hinaus zu tun ist
Die nahe Zielmarke heißt 90 Prozent Sammelquote bei Pfandgebinden bis 2027. Operativ bedeutet das: Rücknahmestellen weiter verdichten, die Beschilderung vereinheitlichen, Rückgabeautomaten verlässlich betreiben und Informationslücken schließen. Wo die Rückgabe in den Alltag integriert ist, steigen die Rücklaufquoten nachweislich. Hinzu kommt die qualitative Schiene: Je sortenreiner PET zurückkommt, desto besser funktioniert Bottle-to-Bottle. Hier spielen Etiketten, Verschlüsse und Farbstoffe eine Rolle – Design-for-Recycling beginnt am Zeichentisch.
Eine Option für den weiteren Ausbau skizzieren die Expertinnen und Experten der Hochschule Campus Wien ausdrücklich: die sorgfältige Prüfung, ob zusätzliche Produktgruppen – etwa Milchprodukte oder große Kunststoffhohlkörper wie Waschmittelflaschen – technisch praktikabel und wirtschaftlich sinnvoll in ein erweitertes Einwegsystem integriert werden könnten. Solche Schritte erfordern höhere Ansprüche an Hygiene, Reinigung, Sortiergenauigkeit und Rücknahmelogistik. Zusätzlich sind stabile Absatzmärkte für hochwertige Rezyklate nötig, damit Investitionen planbar werden. Nur wenn ökologische Wirkung, technische Machbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit zusammenkommen, lohnt die Erweiterung.
Darüber hinaus könnten digitale Hilfen – etwa klarere Kennzeichnungen, Informations-Apps oder verbesserte Pfanderkennung an Automaten – das System weiter vereinfachen. Für die Breite der Kunststoffe bleibt die Devise: Standards für bessere Sortierbarkeit, gezielte Investitionen in Sortiertechnologie und eine Industriepolitik, die die Nachfrage nach Rezyklaten stabilisiert. So lässt sich die Lücke zu den EU-Vorgaben perspektivisch schließen.
Praxisnah: Was Konsumentinnen und Konsumenten jetzt tun können
Der Alltagstipp ist simpel: Pfandflaschen und Dosen gesammelt aufbewahren, Verschlüsse dranlassen, klar gekennzeichnete Pfandbehälter bevorzugen und beim nächsten Einkauf zurückgeben. Beim Gelben Sack gilt: Nur geeignete, leere und möglichst saubere Verpackungen einwerfen, Etikett-Hinweise beachten und Verbundmaterialien – wo machbar – trennen. Wer bewusst zu Produkten mit Recyclingfähigkeit greift, signalisiert dem Markt, dass gute Verpackungsgestaltung belohnt wird. Kleine Routinen summieren sich: Jede korrekt zurückgebrachte Pfandflasche ist ein Stück weniger Müll im öffentlichen Raum und ein Baustein für hochwertige Rezyklate.
Forschungsprojekte der Hochschule Campus Wien
Die Hochschule Campus Wien bündelt ihre anwendungsbezogene Forschung in mehreren Projekten, die Verpackungsrecycling systematisch verbessern sollen. Dazu zählen unter anderem:
- PET2Pack – Fokus auf geschlossene Kreisläufe bei PET-Verpackungen.
- Pack2TheLoop – praxisnahe Lösungen für Design-for-Recycling und Stoffstromqualität.
- Verpackungs- und Prozessoptimierung bei Banderolen (Sleeves) – für bessere Sortierbarkeit.
- SafeCycle – Qualitätssicherung und Sicherheitsaspekte entlang der Recyclingkette.
Mit über 9.000 Studierenden und zehn fachspezifischen Forschungszentren ist die Hochschule Campus Wien ein zentraler Akteur der österreichischen Hochschullandschaft. Die Verbindung von Forschung, Lehre und Praxisanwendungen schafft eine belastbare Wissensbasis für Politik, Verwaltung und Wirtschaft.
Quellen und weiterführende Informationen
Die Einschätzungen und Zahlen in diesem Beitrag basieren auf dem Pressegespräch der Hochschule Campus Wien. Details sind in der Presseaussendung nachlesbar: OTS: Ein Jahr PET-Pfandsystem Österreich. Allgemeine Informationen zur Hochschule bietet der Press Room: hcw.ac.at/pressroom.
Schluss: Was bleibt – und was jetzt zählt
Ein Jahr nach dem Start zeigt das PET-Pfandsystem in Österreich Wirkung: Hohe Rücklaufquoten bei PET, klarer Anreiz zur Rückgabe, bessere Voraussetzungen für Bottle-to-Bottle. Gleichzeitig bleibt die große Aufgabe, die Breite der Kunststoffe voranzubringen – mit Design-for-Recycling, moderner Sortiertechnik und stabilen Märkten für Rezyklate. Die nächsten Schritte sind konkret: Rücknahmesysteme weiter verbessern, Informationsarbeit verstetigen, potenzielle Erweiterungen sachlich prüfen und wirtschaftlich unterlegen. Wer heute Flaschen und Dosen konsequent zurückgibt, gestaltet den Wandel mit.
Helfen Sie mit, die 90-Prozent-Zielmarke bis 2027 zu erreichen: Bevorzugen Sie gut gekennzeichnete, recyclingfähige Verpackungen, geben Sie Pfandflaschen gesammelt zurück und informieren Sie sich über lokale Rücknahmestellen. Weitere Informationen finden Sie in der Presseaussendung der Hochschule Campus Wien und im Press Room. Wie sehen Sie die nächsten sinnvollen Schritte für Österreichs Kreislaufwirtschaft – mehr Pfand, besseres Design, oder beides zusammen?






