Österreich setzt 2026 auf konsequente Betrugsbekämpfung – und die ersten Erfolge zeigen Wirkung. Doch die zentrale Frage bleibt: Wie sichern wir fairen Wettbewerb dauerhaft ab, ohne neue Schlupflöcher zu öffnen? Am 2026-02-12 rückt das Thema erneut ins Zentrum der öffentlichen Debatte – mit klarem Österreich-Bezug: von Baustellen über kommunale Vergaben bis hin zur Steuerbasis der Regionen. Die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH) verweist in einer aktuellen Aussendung auf das Betrugsbekämpfungspaket 2025 und betont, dass entschlossenes Handeln bereits Ergebnisse liefert. Gleichzeitig mahnt sie: Das System muss wachsam bleiben. Denn Betrugsmodelle entwickeln sich fortlaufend weiter. Diese Analyse ordnet die jüngsten Aussagen ein, erklärt zentrale Fachbegriffe und zeigt, welche Auswirkungen das Thema auf Beschäftigte, Unternehmen und die öffentliche Hand hat – quer durch alle Bundesländer.
Betrugsbekämpfung in Österreich: Was jetzt zählt
Ausgangspunkt ist die jüngste Stellungnahme der Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH), die das bereits 2025 beschlossene Paket zur Bekämpfung von Steuerbetrug sowie Lohn- und Sozialdumping begrüßt. Laut Quelle entstand allein im Jahr 2025 durch Scheinunternehmen ein Schaden von rund 500 Millionen Euro – ein deutliches Signal, dass entschlossene Kontrollen und klare Regeln notwendig sind. Die Position der GBH richtet sich auf nachhaltige Eindämmung von Betrugsmodellen, stärkere Zusammenarbeit der Behörden und faire Vergaben im öffentlichen Bereich. Die Originalquelle ist hier abrufbar: ÖGB/OTS-Aussendung.
Im Kern lautet die Botschaft: Betrugsbekämpfung ist kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess. Wer heute nachschärft, muss morgen evaluieren und übermorgen nachjustieren. Damit wird ein Grundprinzip effektiver Regulierung angesprochen – dynamische Risiken erfordern dynamische Antworten. Die Aufgabe, faire Arbeit zu sichern und sauber wirtschaftende Betriebe zu schützen, ist für Österreichs Bauwirtschaft, aber auch für viele andere Branchen, ein Standortthema ersten Ranges.
Fachbegriff erklärt: Lohn- und Sozialdumping
Unter Lohn- und Sozialdumping versteht man Praktiken, mit denen gesetzliche oder kollektivvertragliche Mindeststandards bei Entlohnung, Arbeitszeit oder Sozialabgaben unterlaufen werden. Das kann etwa passieren, wenn Beschäftigte unterhalb von Mindestlöhnen bezahlt, Zulagen vorenthalten oder Arbeitszeiten nicht korrekt erfasst werden. Für Laien hilft folgender Vergleich: Das System sozialer Sicherheit funktioniert wie ein gemeinsamer Topf, in den alle einzahlen, damit Leistungen für alle finanzierbar bleiben. Wer systematisch zu wenig einzahlt oder seine Verpflichtungen umgeht, verschiebt die Kosten zu den Ehrlichen – Beschäftigten, Unternehmen und Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern. Lohn- und Sozialdumping verzerrt außerdem den Wettbewerb: Firmen, die sich an Regeln halten, haben höhere Kosten als jene, die diese umgehen. Die Folge sind Preisdruck, Unsicherheit bei Arbeitsplätzen und ein Verlust an Qualität.
Fachbegriff erklärt: Scheinunternehmen
Scheinunternehmen sind Firmenkonstrukte, die nach außen wie echte Betriebe wirken, tatsächlich aber kaum oder gar keine reale Geschäftstätigkeit entfalten. Häufig dienen sie dazu, Rechnungen auszustellen, die wirtschaftlich keinen Gegenwert haben, um Steuern zu hinterziehen, Löhne zu drücken oder Sozialabgaben zu vermeiden. Für Nicht-Expertinnen und Nicht-Experten lässt sich das so vorstellen: Ein Scheinunternehmen ist eine Art Briefkasten ohne Substanz. Es hat vielleicht eine Adresse und ein Bankkonto, aber keine echte Organisation, kein Personal oder keine nachvollziehbaren Projekte. Solche Konstruktionen machen es schwer, Verantwortlichkeiten zu klären, insbesondere wenn Aufträge durch lange Subunternehmerketten laufen. Der Schaden entsteht vielfach bei der öffentlichen Hand, ehrlichen Betrieben und Beschäftigten, die um Ansprüche gebracht werden.
Fachbegriff erklärt: Vergaberecht und faire Vergaben
Das Vergaberecht regelt, wie öffentliche Aufträge – vom Schulbau bis zur Straßeninstandsetzung – ausgeschrieben und vergeben werden. Unter fairen Vergaben versteht man Verfahren, die transparent, nachvollziehbar und wettbewerblich sind, sodass der beste Anbieter den Zuschlag erhält, nicht der trickreichste. Für Laien anschaulich: Wenn eine Gemeinde eine Turnhalle bauen lässt, soll nicht der billigste Scheinpreis gewinnen, der später durch Mehrkosten, Qualitätsmängel oder nicht eingehaltene Standards teuer wird. Faire Vergaben umfassen deshalb Kriterien wie Eignungsnachweise, Qualitäts- und Nachhaltigkeitsanforderungen, klare Nachweise der Leistungsfähigkeit und wirksame Kontrollen entlang der gesamten Leistungskette. So kann die öffentliche Hand sicherstellen, dass Steuergeld dort ankommt, wo ordnungsgemäß gearbeitet und fair entlohnt wird.
Fachbegriff erklärt: Subunternehmerketten
Subunternehmerketten entstehen, wenn ein Hauptauftragnehmer Teile des Auftrags an weitere Unternehmen weitergibt, die ihrerseits wieder Subunternehmen beauftragen. Das ist in vielen Branchen üblich und oft sinnvoll. Problematisch wird es, wenn die Kette zu lang und intransparent wird. Für Menschen ohne juristischen Hintergrund: Stellen Sie sich eine Staffel weitergereichter Aufgaben vor. Jede Stufe nimmt etwas Budget und Verantwortung mit. Wenn die Kette zu verschachtelt ist, verliert man den Überblick. Wer haftet für korrekte Löhne? Wer führt Steuern ab? Wer sorgt für Arbeitssicherheit? Intransparente Ketten erleichtern es, Scheinunternehmen einzuschleusen oder Standards zu unterlaufen. Wirksame Betrugsbekämpfung begrenzt daher Kettenlängen, verlangt Nachweise und stärkt Haftungsregeln.
Fachbegriff erklärt: Steuerbetrug im Kontext der Bau- und Dienstleistungswirtschaft
Steuerbetrug ist die vorsätzliche Umgehung steuerlicher Pflichten, etwa durch falsche Abrechnungen, Scheinrechnungen oder das Verschweigen von Umsätzen. In der Bau- und Dienstleistungswirtschaft kann das mit Barzahlungen ohne Rechnung, erfundenen Leistungen oder überteuerten, nicht erbrachten Teilleistungen einhergehen. Für Laien: Steuern sind die Finanzierungsschiene für Schulen, Pflege, Infrastruktur. Wer betrügt, kappt diese Schiene und verschiebt die Last auf alle anderen. Zugleich wird der Markt verzerrt: Redliche Anbieterinnen und Anbieter verlieren, wenn Konkurrenten künstlich günstige Angebote machen, weil sie Steuern und Abgaben umgehen. Deshalb ist Steuerbetrug nicht nur ein Finanzdelikt, sondern auch ein Wettbewerbsproblem und eine Frage von Fairness am Arbeitsmarkt.
Fachbegriff erklärt: Kontrollbehörden und Zusammenarbeit
Kontrollbehörden wie Finanzverwaltung, Arbeitsinspektion und Sozialversicherungsträger prüfen, ob Steuern, Abgaben und arbeitsrechtliche Standards eingehalten werden. Effektive Betrugsbekämpfung setzt voraus, dass diese Stellen Informationen austauschen, gemeinsame Kontrollen durchführen und Auffälligkeiten schnell nachverfolgen. Für Laien gilt: Betrug ist selten eindimensional. Wer bei Löhnen trickst, trickst oft auch bei Abgaben. Darum ist Teamwork zwischen Behörden zentral. Wenn Daten zusammengeführt, Risikoprofile erstellt und Kontrollen koordiniert werden, steigt die Chance, verdächtige Muster frühzeitig zu erkennen. Gleichzeitig schützen klare Rechtsgrundlagen Datenschutz und Rechtsstaatlichkeit – damit Eingriffe verhältnismäßig bleiben und Betroffene Rechtsschutz haben.
Historische Einordnung: Von Regellücken zu Nachschärfungen
Die Debatte um Lohn- und Sozialdumping ist in Österreich nicht neu. Seit Jahren ringen Politik, Sozialpartnerinnen und Sozialpartner um den richtigen Mix aus Flexibilität, Wettbewerbsfähigkeit und Schutzstandards. In den 2010er-Jahren wurden Instrumente geschaffen, um Unterentlohnung und Umgehungen zu ahnden. Diese Entwicklungen stehen in einem europäischen Kontext: Grenzüberschreitende Dienstleistungen, Entsendungen und offene Märkte bringen Chancen, aber auch Missbrauchsrisiken. Anpassungen im Rechtsrahmen sind daher regelmäßig notwendig.
Nach Einschätzung der Gewerkschaftsseite führten gesetzliche Änderungen im Jahr 2021 zu Erleichterungen, die Lohn- und Sozialdumping begünstigt hätten. Aus dieser Sicht entstanden Lücken, die findige Marktteilnehmende nutzten, um Kontrollen zu umgehen. Darauf folgte 2025 ein Kurswechsel: Das Betrugsbekämpfungspaket, das die GBH ausdrücklich begrüßt, zielte darauf, Kontrollen zu stärken, die Zusammenarbeit der Behörden zu intensivieren und Betrugsmodelle zu erschweren. Vor allem bei Scheinunternehmen setzt die Debatte an: Wenn faktisch leere Hüllen Aufträge an Land ziehen und Pflichten nicht erfüllen, leidet die Glaubwürdigkeit der gesamten Vergabelandschaft.
Historisch betrachtet ist Betrugsbekämpfung ein Balanceakt. Zu lasche Regeln fördern Missbrauch, zu harte Hürden können redliche Kleinbetriebe überfordern. Erfolg hat, wer gezielt ansetzt: risikobasiert prüfen, Ketten transparenter machen, bei Auffälligkeiten zügig handeln und Sanktionsdrohungen glaubwürdig durchsetzen. Das Ziel ist klar: fairer Wettbewerb für alle, Schutz für Beschäftigte und solide Finanzen für die öffentliche Hand.
Zahlen und Einordnung: 500 Millionen Euro Schaden 2025
Laut Quelle entstand 2025 durch Scheinunternehmen ein Schaden von rund 500 Millionen Euro. Diese Zahl ist markant und dient als politisches Signal. Eine Frage liegt nahe: Was bedeutet das praktisch? Ein veranschaulichendes Rechenbeispiel – wohlgemerkt keine amtliche Aufteilung – zeigt die Größenordnung. Würde man die Summe rein rechnerisch auf neun Bundesländer verteilen, ergäben sich im Mittel rund 55 Millionen Euro je Land. In Realität fällt die Verteilung natürlich anders aus, je nach Marktdynamik, Projektvolumen und Kontrollintensität.
Um die Dimension greifbar zu machen, kann man außerdem grob überlegen, welche Leistungen sich mit solchen Mitteln finanzieren ließen. Bei durchschnittlichen Personalkosten im Bau- und Baunebengewerbe könnte ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag mehrere Hundert Vollzeitstellen über ein Jahr sichern – je nach Lohnniveau, Kollektivvertrag und Qualifikationsmix. Das ist kein belegter Ist-Wert, sondern ein Beispiel zur Einordnung. Die Quintessenz bleibt: Jeder Euro, der durch Betrugsbekämpfung gesichert wird, stärkt ehrliche Betriebe, Beschäftigung und die öffentliche Hand.
Die GBH leitet aus der Schadenshöhe ab, dass schärfere Maßnahmen, bessere Kontrollen und engere Behördenkooperation notwendig sind. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass das 2025 eingeleitete Paket nicht punktuell bleibt, sondern als lernendes System wirkt: Daten sammeln, Wirkung messen, Maßnahmen anpassen.
Österreich im Vergleich: Bundesländer, Deutschland, Schweiz
Unterschiede innerhalb Österreichs
Öffentliche Aufträge werden in Österreich auf verschiedenen Ebenen vergeben – vom Bund über Länder bis zu Gemeinden und ausgelagerten Einheiten. Während die Rechtsgrundlagen vergleichbar sind, unterscheiden sich Praxis, Projektgrößen und Marktdynamik. In Ballungsräumen mit hohem Bauvolumen ist der Wettbewerbsdruck tendenziell größer; in ländlichen Regionen sind regionale Netzwerke stärker. Für eine wirksame Betrugsbekämpfung ist beides relevant. Wo der Markt dicht ist, braucht es besonders klare Eignungsnachweise, Transparenz bei Subunternehmerketten und kontinuierliche Kontrollen. Wo Strukturen kleinteiliger sind, ist Unterstützung bei Compliance-Anforderungen wichtig, damit seriöse Klein- und Mittelbetriebe nicht benachteiligt werden.
In der Praxis gilt: Einheitliche Mindeststandards sind sinnvoll, ergänzt um flexible Instrumente vor Ort. Etwa Risiko-Screenings bei Ausschreibungen, Stichprobenprüfungen auf Baustellen oder Nachweisanforderungen entlang der Leistungskette. Je konsistenter solche Tools in allen Bundesländern angewendet werden, desto schwerer wird es, problematische Anbieterinnen und Anbieter von einem Bundesland ins nächste auszuweichen.
Blick nach Deutschland
Deutschland setzt in der Bekämpfung von Lohn- und Sozialdumping sowie illegaler Beschäftigung stark auf spezialisierte Kontrolleinheiten und eine enge Verzahnung mit Zoll- und Finanzbehörden. Bekannt ist insbesondere die Zuständigkeit für die Kontrolle der Einhaltung von Mindestarbeitsbedingungen bei entsandten Beschäftigten im Bau- und Dienstleistungsbereich. Für Österreich bedeutsam ist die Logik dahinter: zentrale Expertise bündeln, Daten intelligent nutzen, Fälle systematisch verfolgen. Auch dort zeigt die Erfahrung, dass Inspektionen allein nicht reichen. Entscheidend sind Nachverfolgung, Sanktionierung und präventive Wirkung durch glaubwürdige Durchsetzung.
Blick in die Schweiz
In der Schweiz wird die Einhaltung von Lohn- und Arbeitsbedingungen unter anderem über paritätische und tripartite Kommissionen überwacht, die Branchenwissen mit behördlicher Kontrolle verbinden. Dieses Modell betont die Rolle der Sozialpartnerinnen und Sozialpartner in der Kontrolle und hat den Vorteil, branchenspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen. Für Österreich ist der Gedanke interessant, branchennah zu prüfen, ohne die staatliche Verantwortung aus der Hand zu geben. Auch in der Schweiz spielen Transparenz, Nachweispflichten und sanktionierte Verstöße eine wesentliche Rolle, um Wettbewerbsverzerrungen zu begrenzen.
Konkrete Auswirkungen: Was Betrugsbekämpfung für Bürgerinnen und Bürger bedeutet
Betrugsbekämpfung klingt abstrakt, wirkt aber ganz konkret im Alltag:
- Für Beschäftigte: Wer im Bau oder in verwandten Branchen arbeitet, profitiert von klaren Regeln. Korrekte Löhne, bezahlte Überstunden, Sozialversicherungsschutz und Arbeitssicherheit stehen auf dem Spiel. Wenn Lohn- und Sozialdumping eingedämmt wird, steigt die Chance, dass Malerinnen und Maler, Maurerinnen und Maurer oder Elektrikerinnen und Elektriker fair bezahlt werden und ihre Ansprüche durchsetzen können.
- Für ehrliche Unternehmen: Redliche Betriebe leiden, wenn Mitbewerber sich Vorteile durch Umgehung verschaffen. Konsequent angewandte Betrugsbekämpfung schützt Margen, sichert Planbarkeit und fördert Qualität. Wer investiert, ausbildet und pünktlich Abgaben leistet, soll nicht das Nachsehen gegenüber Scheinanbietern haben.
- Für Gemeinden und Länder: Öffentliche Aufträge sind ein Steuerungsinstrument für regionale Wertschöpfung und Qualität. Faire Vergaben sorgen dafür, dass Projekte termingerecht und ordnungsgemäß abgewickelt werden. Wer Scheinunternehmen ausschließt und Ketten transparent hält, reduziert das Risiko von Bauverzögerungen, Nachtragskosten und Qualitätsmängeln.
- Für Steuerzahlerinnen und Steuerzahler: Jeder gesicherte Euro stärkt Budgets für Infrastruktur, Pflege, Bildung und Klimainvestitionen. Betrugsbekämpfung schont also nicht nur Kassen, sondern verbessert mittelbar die Lebensqualität.
Beispiele aus der Praxis zeigen, wie das ineinandergreift: Wenn eine Stadt bei einer Straßenbaumaßnahme verpflichtende Nachweise zur Leistungsfähigkeit verlangt, Subunternehmerketten begrenzt und während der Ausführung stichprobenartig prüft, sinkt das Risiko, dass Leistungen ausgelagert und untertariflich erbracht werden. Beschäftigte erhalten korrekt abgerechnete Löhne, die Firma kann planbar kalkulieren, und die Stadt vermeidet spätere Mehrkosten. Je öfter solche Standards zur Routine werden, desto mehr verfestigt sich eine Kultur der Rechtskonformität.
Stimmen aus der Quelle: Einordnung ohne Skandalisierung
Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft BAU-HOLZ, Abg. z. NR Josef Muchitsch, hebt laut Quelle hervor: „Dass bereits 2025 entschlossen gehandelt wurde, war richtig. Die Entwicklungen zeigen klar: Ohne starke Regeln und Kontrollen nimmt der Betrug sofort zu.“ Zudem betont er: „Mehr Steuergerechtigkeit ist ein gesellschaftlicher Fortschritt. Sie schützt ehrliche Betriebe, stärkt den fairen Wettbewerb und gibt den Menschen das Gefühl, dass Regeln auch durchgesetzt werden.“
Gleichzeitig warnt die GBH klar vor Nachlässigkeit: „Betrug entwickelt sich weiter. Wer glaubt, ein Paket reicht für immer, irrt. Wir müssen ständig auf der Hut sein und laufend nachschärfen, wenn neue Schlupflöcher entstehen.“ Und mit Blick auf die öffentliche Auftragsvergabe stellt Muchitsch fest: „Öffentliche Aufträge müssen konsequent regional vergeben werden – transparent, kontrollierbar und fair. So bleibt die Wertschöpfung im Land.“
Die Zitate machen den normativen Kern deutlich: Betrugsbekämpfung ist aus Sicht der GBH ein Pfeiler für Steuergerechtigkeit, faire Löhne und regionale Wertschöpfung. Unsere Redaktion ordnet diese Aussagen als Position der Gewerkschaft ein; sie dienen zugleich als Anstoß für eine faktenbasierte Debatte.
Zukunftsperspektiven: Wie Betrugsbekämpfung dauerhaft wirken kann
Die GBH plädiert dafür, Betrugsmodelle nachhaltig zu erschweren. Was heißt das operativ? Aus international bewährten Ansätzen lassen sich mehrere Bausteine ableiten:
- Risikobasierte Kontrollen: Datengetriebene Auswahl von Projekten, Branchen und Regionen mit erhöhtem Missbrauchsrisiko. So lassen sich Ressourcen auf Hotspots fokussieren.
- Transparenz in der Auftragskette: Verbindliche Meldung von Subunternehmern, Begrenzung der Kettenlängen und klare Haftungsregeln entlang der Kette.
- Digitale Nachweise: Standardisierte elektronische Rechnungen und Leistungsnachweise schaffen prüfbare Spuren und erschweren Scheinrechnungen.
- Kooperation der Behörden: Gemeinsame Prüfungen von Finanz, Arbeitsinspektion und Sozialversicherungsträgern, ergänzt um strukturierte Datenauswertung.
- Präventive Compliance: Leitfäden, Schulungen und Ansprechstellen für Unternehmen, damit korrekte Abläufe niederschwellig umsetzbar sind.
Ausblickend lässt sich sagen: Je stärker Österreich diese Elemente kombiniert, desto robuster wird das System gegen wechselnde Betrugsmodelle. Entscheidend ist, Erfolge messbar zu machen. Das heißt: regelmäßige Evaluierungen, transparente Berichte und Feedback-Schleifen mit Sozialpartnerinnen und Sozialpartnern. So kann das Betrugsbekämpfungspaket 2025 zur Grundlage eines lernenden Kontrollregimes werden, das auf neue Muster schnell reagiert, ohne die vielen redlichen Unternehmen unnötig zu belasten.
Praxisnah und lokal: ROT-WEISS-ROT BAUEN als Ansatzpunkt
In der Quelle verweist die GBH auf die Initiative ROT-WEISS-ROT BAUEN, die konsequent regionale Vergaben einfordert – transparent, kontrollierbar und fair. Der Gedanke dahinter: Öffentliche Aufträge sollen dort ankommen, wo Steuern bezahlt und Beschäftigte ordentlich entlohnt werden. Für Kommunen und Länder ist das zugleich Standortpolitik: Regionale Wertschöpfung, Ausbildungsplätze und Qualität in Betrieben können so gestärkt werden. In der Praxis kann das bedeuten, Eignungsnachweise genauer zu prüfen, Referenzen zu validieren und verpflichtende Erklärungen zu Subunternehmern zu verlangen. Solche Werkzeuge sind kompatibel mit bestehenden Rechtsrahmen, sofern sie diskriminierungsfrei und wettbewerbskonform umgesetzt werden.
Wer mehr zur politischen und rechtlichen Dimension nachlesen möchte, findet Einstiege über offizielle Portale wie bmf.gv.at (Finanz), bmaw.gv.at (Arbeit und Wirtschaft) sowie europäische Informationen zur Entsendung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf europa.eu. Die Position der GBH im Wortlaut ist über die OTS-Aussendung zugänglich.
Lehren für 2026: Kontinuität, Daten, Dialog
Die politische Debatte im Jahr 2026 dreht sich nicht mehr um das Ob, sondern das Wie der Betrugsbekämpfung. Drei Lehren zeichnen sich ab:
- Kontinuität: Einmalige Maßnahmen reichen nicht. Regelmäßige Nachschärfungen sind Teil einer realistischen Strategie gegen wandelnde Betrugsmodelle.
- Datenorientierung: Auffälligkeiten werden dort sichtbar, wo Informationen zusammenfließen – etwa Vergabe-, Abgaben- und Beschäftigungsdaten. Datenschutz und Rechtsstaatlichkeit bleiben dabei verbindlicher Rahmen.
- Dialog: Behörden, Sozialpartnerinnen und Sozialpartner, Auftraggeber und Betriebe brauchen einen stetigen Austausch, um Praxistauglichkeit sicherzustellen.
Im Ergebnis schafft Betrugsbekämpfung dann die größte Wirkung, wenn sie drei Ziele gleichzeitig erreicht: Sie muss Missbrauch unattraktiv machen, Rechtssicherheit für redliche Akteure erhöhen und die Qualität öffentlicher Leistungen sichern. Das ist anspruchsvoll – aber genau dort liegt der Hebel für fairen Wettbewerb und nachhaltige Wertschöpfung in Österreich.
Schluss: Was bleibt – und was jetzt zu tun ist
Österreich kann 2026 festhalten: Die Betrugsbekämpfung wirkt, das zeigt die Quelle mit der Schadenszahl von 500 Millionen Euro im Jahr 2025 als mahnendem Befund und politischer Begründung für konsequente Kontrollen. Doch damit ist die Arbeit nicht erledigt. Betrugsmodelle sind erfindungsreich, die Antworten müssen es ebenso sein. Für Beschäftigte bedeuten starke Regeln bessere Chancen auf faire Löhne und soziale Absicherung. Für Unternehmen bedeuten sie Schutz vor unlauterem Wettbewerb. Für Gemeinden und Länder bedeuten sie verlässliche Projekte und solide Budgets.
Was können Leserinnen und Leser konkret tun? Wer Angebote prüft, Aufträge vergibt oder selbst Leistungen erbringt, sollte Transparenz einfordern, Referenzen prüfen und bei Zweifeln Informationen einholen – etwa über offizielle Stellen und Branchenverbände. Und politisch? Es lohnt sich, die weitere Entwicklung des Betrugsbekämpfungspakets aufmerksam zu verfolgen und Rückmeldungen aus der Praxis einzubringen. Weiterführende Informationen und die Positionen der GBH finden Sie in der OTS-Aussendung sowie auf den Portalen von bmf.gv.at und bmaw.gv.at. So bleibt die Debatte faktenbasiert – und Österreich auf Kurs zu fairer Arbeit, sauberem Wettbewerb und soliden Finanzen.





