PFAS-Pestizide: Niederlande prüfen Verbot

Wien, am 19.12. (OTS) – Die niederländische Zulassungsbehörde Ctgb
(sic) hat heute
angekündigt, 46 PFAS-Pestizidprodukte neu zu bewerten. Sollte sich
bestätigen, dass deren Abbauprodukt Trifluoressigsäure (TFA)
gesetzliche Grundwasser-Grenzwerte überschreitet, sollen diese
Produkte vom Markt genommen werden.

„Wenn die Niederlande PFAS-Pestizide wegen ihrer TFA-Freisetzung
vom Markt nehmen, wird Österreich rechtlich kaum Spielraum haben,
diese Stoffe weiter zuzulassen“, sagt Helmut Burtscher-Schaden,
Umweltchemiker bei GLOBAL 2000. „Österreich müsste dann nachziehen –
es sei denn, der Landwirtschaftsminister könnte glaubhaft belegen,
dass sich PFAS-Pestizide hierzulande völlig anders verhalten und kein
Grundwasser kontaminieren.“

Hintergrund und Bedeutung für Österreich

Nachdem neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus Dänemark zeigten,
dass mehrere PFAS-Pestizide im Boden Trifluoressigsäure (TFA)
freisetzen, hatte Dänemark im Sommer als erster EU-Staat PFAS-
Pestizide verboten. Vor diesem Hintergrund teilte das Ctgb mit, dass
es aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Bildung von TFA
und möglicher Risiken für das Grundwasser bestehende Zulassungen von
PFAS-Pestiziden national neu bewerten wird.

Die EU teilt ihr Gebiet in drei klimatisch ähnliche
Zulassungszonen ein. Österreich befindet sich dabei in derselben Zone
wie unter anderem die Niederlande und Deutschland. Dänemark hingegen
gehört der nördlichen Zone an.

Kommt es in einem Mitgliedstaat einer Zone zu einem Verbot oder
einer Einschränkung, verpflichtet Artikel 44 Absatz 3 der EU-
Pestizidverordnung die anderen Staaten dazu, ihre eigenen Zulassungen
zu überprüfen. Nationale Entscheidungen in einem Zonenstaat erhöhen
damit den rechtlichen Druck auf alle Länder derselben Zone erheblich.

TFA ist das nicht abbaubare Endprodukt des Abbaus anderer PFAS-
Verbindungen, die beispielsweise in der Kältetechnik oder als
Wirkstoffe in Pestiziden verwendet werden. Was die Verschmutzung des
Grundwassers betrifft, so sind es vor allem PFAS-Pestizide aus der
Landwirtschaft, die dazu beitragen. Laut einer Studie des deutschen
Umweltbundesamtes machen sie einen potenziellen jährlichen Anteil von
76 % aus, gefolgt von TFA-Emissionen aus Regen (hauptsächlich aus
fluorierten Gasen, die in Kühlsystemen verwendet werden) mit 17 %
sowie Kläranlagen und Gülle mit jeweils 3 %.