Wien (OTS) – Die Kreditnachfrage der österreichischen Unternehmen ist
nach
Einschätzung der heimischen Banken infolge der verstärkten
Investitionstätigkeit im ersten Quartal 2026 weiter gestiegen. Die
Unsicherheit und die direkten Auswirkungen des Krieges im Nahen und
Mittleren Osten belasten jedoch den Ausblick für das Kreditgeschäft.
Für das zweite Quartal 2026 erwarten die heimischen Banken einen
Rückgang der Kreditnachfrage der Unternehmen. Im Gegensatz dazu
erwarten die Banken, dass die Kreditnachfrage privater Haushalte
weiter steigt – ein Trend, der gemäß den Antworten der Banken bereits
seit zwei Jahren anhält und hauptsächlich mit dem niedrigeren
Zinsniveau begründet wird.
„Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten ist im ersten Quartal
2026 erneut gestiegen, gleichzeitig zeigt sich zunehmend ein
differenziertes Bild im Kreditgeschäft: Geopolitische Unsicherheiten
belasten den Ausblick für Unternehmen, während die Kreditnachfrage
der privaten Haushalte robust bleibt; vor allem aufgrund der
gesunkenen Zinsen. Entscheidend wird sein, wie stark sich die
anhaltende Unsicherheit in den kommenden Monaten auf die
Investitionstätigkeit auswirkt“ , so OeNB-Gouverneur Martin Kocher.
Zwtl.: Unternehmenskredite: Folgen des Krieges im Nahen und Mittleren
Osten trüben Ausblick für das zweite Quartal 2026
Die gestiegene Kreditnachfrage von Unternehmen ist laut
Rückmeldungen der Banken im ersten Quartal 2026 abermals gestiegen,
nachdem sie bereits im dritten und vierten Quartal 2025 zugelegt
hatte. Hintergrund ist die moderate wirtschaftliche Erholung seit
2025 – und dabei insbesondere die verstärkte Investitionstätigkeit
der Unternehmen, die auch zu einem Mehrbedarf an Kreditfinanzierung
geführt hat.
Der Anstieg der Kreditnachfrage dürfte sich aber zumindest
vorerst nicht fortsetzen. Für das zweite Quartal 2026 erwarten die
befragten Banken einen Rückgang der Nachfrage nach Krediten,
insbesondere nach langfristigen Krediten. Kurzfristige Kredite sollen
hingegen stärker gefragt sein. Das ist nach den Ergebnissen der
Umfrage auf die Folgen des Krieges im Nahen und Mittleren Osten
zurückzuführen, auf erhöhte Unsicherheit und steigende Preise:
Unternehmen werden einerseits bei langfristigen Investitionen
zurückhaltender und benötigen andererseits mehr kurzfristige
Liquidität zur Finanzierung des laufenden Betriebs.
Angebotsseitig belastet laut den Umfrageergebnissen die
angespannte Risikosituation seit 2022 das Kreditgeschäft der Banken
mit Unternehmen (allgemeine Wirtschaftslage, Kreditwürdigkeit der
Unternehmen). Das hat zu einer laufenden Verschärfung der
Kreditangebotspolitik der Banken geführt. Aufgrund des Krieges im
Nahen und Mittleren Osten haben die Banken einige ihrer
Vergaberichtlinien gezielt angepasst. Das spiegelt sich
beispielsweise in der Vermeidung von Finanzierungen mit Bezug zur
Kriegsregion und genaueren Prüfungen von Abhängigkeiten der
Unternehmen hinsichtlich Energiepreisen und Lieferketten wider und
betrifft nur einen kleinen Teil der Unternehmen. Der Krieg im Nahen
und Mittleren Osten hat bisher aber gemäß den Antworten der Banken zu
keinen generellen weiteren Verschärfungen beim Kreditangebot geführt.
Es gab zuletzt Erleicherungen bei der Kreditfinanzierung für
Unternehmen. Im ersten Quartal 2026 wurden laut Antworten der Banken
die Margen für Kredite, die nicht überdurchschnittlich riskant sind,
erneut gesenkt. Als wesentlicher Grund dafür wurde eine
Intensivierung des Wettbewerbs zwischen den Banken gemeldet.
Zwtl.: Anhaltende Erholung der Nachfrage nach privaten
Wohnbaukrediten
Nach einem historischen Tief steigt laut den Umfrageergebnissen
die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaukrediten seit dem ersten
Halbjahr 2024 durchgehend. 2024 war der Anstieg noch moderat, danach
ist er stärker ausgefallen – vor allem im ersten und zweiten Quartal
2025. Für das zweite Quartal 2026 wird eine Fortsetzung dieses Trends
erwartet. Als Hauptgrund für diese Entwicklung melden die Banken die
gegenüber 2024 deutlich gesunkenen Zinsen. Von Juni 2024 bis Juni
2025 hat die EZB ihren Leitzins schrittweise von 4 % auf 2 % gesenkt.
Die laut Umfrageergebnissen gestiegene Nachfrage der privaten
Haushalte nach Wohnbaukrediten hat folglich auch zu einer gestiegenen
Neuvergabe von Wohnbaukrediten durch die Banken geführt. 2025 hat
sich die Neukreditvergabe kräftig erholt. Im Jahresdurchschnitt
wurden 1,4 Mrd EUR pro Monat an neuen Wohnbaukrediten vergeben. Das
entspricht einem Zuwachs von fast 50 % gegenüber dem
Jahresdurchschnitt von 2024. Die gestiegene Nachfrage nach
Wohnbaukrediten signalisiert eine weiterhin solide Neukreditvergabe
in den nächsten Monaten. Eine ähnlich expansive Kreditentwicklung wie
in den Jahren der Niedrigzinsphase bis Mitte 2022 ist aber auf
absehbare Zeit nicht zu erwarten. Zum Vergleich: 2017 und 2018, vor
Beginn des ausgeprägten Kreditzyklus, wurden durchschnittlich 1,5 Mrd
EUR pro Monat an neuen Wohnbaukrediten vergeben – also etwas mehr als
2025, bei damals um 1,5 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen. 2021,
am Höhepunkt des Kreditzyklus, betrug die Neukreditvergabe für
privaten Wohnbau durchschnittlich 2,1 Mrd EUR pro Monat, bei damals
um 2,2 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen.
Die Ergebnisse stammen aus der vierteljährlichen Umfrage der
Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) über das Kreditgeschäft unter
den führenden heimischen Banken. Den Umfrageergebnissen sind keine
Auswirkungen des Krieges im Nahen und Mittleren Osten auf das
Kreditgeschäft der Banken mit privaten Haushalten zu entnehmen. Die
aktuelle Umfrage wurde von Mitte März bis Anfang April 2026
durchgeführt.
Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die
Oesterreichische Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der
Europäischen Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine
Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren
Informationsstand über das Kreditvergabeverhalten der Banken, die
Kreditnachfrage von Unternehmen und privaten Haushalten, sowie
sonstige die Geldpolitik betreffende Themen zu verbessern. Dabei
werden rund 160 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums
befragt, darunter acht Institute aus Österreich.
Ein ausführlicher Bericht über die Österreich-Ergebnisse wird in
der Publikationsreihe „OeNB Reports“ veröffentlicht (
https://www.oenb.at/Publikationen/Volkswirtschaft/reports.html ).
Weitere Informationen und Daten zur Umfrage finden sich auf der
OeNB-Website unter https://www.oenb.at/Geldpolitik/Erhebungen/umfrage
-ueber-das-kreditgeschaeft.html .
Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer
Website publiziert:
https://www.ecb.europa.eu/stats/ecb_surveys/bank_lending_survey/html-
/index.en.html





