Wachau (OTS) – Wachau, 20. Mai 2026 – Das Europa-Forum Wachau 2026
hat sich am
Mittwoch intensiv mit den drängendsten Fragen zur wirtschaftlichen
Wettbewerbsfähigkeit und Energiesouveränität Europas
auseinandergesetzt. In einer Reihe von hochkarätig besetzten
Paneldiskussionen identifizierten Experten aus Politik, Wirtschaft
und Wissenschaft die zentralen Herausforderungen und präsentierten
konkrete Lösungsansätze, um Europa als starken Akteur auf der
globalen Bühne zu positionieren.
Der Tag begann mit einer prägnanten Diskussion über die
Notwendigkeit eines wirtschaftspolitischen Kurswechsels. Unter dem
Titel „Competitiveness or Irrelevance: Why Europe Needs an Economic
Turnaround“ wurde die Dringlichkeit von Reformen, Bürokratieabbau
und einer Stärkung der Innovationskraft betont. Diskussionsteilnehmer
wie Astrid Hamker vom Wirtschaftsrat Deutschland, Marcel Haraszti,
Vorstand von Rewe International, und Michael Höllerer,
Generaldirektor von Raiffeisen Niederösterreich-Wien, kritisierten
die überbordende Regulierung, die Wachstum und Innovation bremse. So
meinte Haraszti: „Europa hat alle Voraussetzungen, seinen Wohlstand
langfristig zu sichern. Entscheidend ist, dass wir
Wettbewerbsfähigkeit wieder zur Priorität machen: durch weniger
Überregulierung, leistbare Energie und eine spürbare Entlastung des
Faktors Arbeit. Vor allem aber braucht es einen grundlegenden Wandel
im Denken – weg vom Verhindern, hin zum Ermöglichen.“
Die Forderung nach einer „guten“, klaren und einfachen
Regulierung sowie nach einer Messung der EU-Kommission an
Deregulierungszielen verdeutlichte den Handlungsbedarf. „Um unsere
Wettbewerbsfähigkeit abzusichern, braucht es Reformen statt
Goldplating. Zusätzliche Auflagen über die ohnehin hohen EU-
Standards hinaus kann sich Österreich schlicht nicht mehr leisten.
Gefragt sind Bürokratie mit Augenmaß sowie Maßnahmen zur Stärkung
des Standorts, von Innovation bis Unternehmertum. Deregulierung
bedeutet auch, die Wirtschaft arbeiten zu lassen und Regeln praxisnah
sowie anwendbar zu gestalten“, so Michael Höllerer. Besonders wurde
das Wachstumspotenzial Osteuropas, insbesondere Rumäniens, als
wichtiger Bestandteil einer resilienten europäischen Wirtschaft
hervorgehoben.
Die Bedeutung internationaler Partnerschaften für Europas
Wirtschaftswachstum bildete den Schwerpunkt der Session
„International Partnership: Driving Growth from the Alps to the
Gulf“. Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Fahad Al Gergawi,
Unterstaatssekretär im VAE-Ministerium für Außenhandel, beleuchteten
die strategische Allianz zwischen Österreich und den Vereinigten
Arabischen Emiraten. Es wurde deutlich, dass Europa angesichts
stagnierender Wachstumsraten ein Umdenken und eine verstärkte
Zusammenarbeit mit globalen Handelspartnern benötigt, um Wohlstand
und Arbeitsplätze zu sichern. Die VAE wurden als zentraler
Knotenpunkt für Handel und Investitionen identifiziert, der
bedeutende Potenziale für österreichische Unternehmen in Schlu
̈sseltechnologien und sauberer Energie birgt. „Unsere offene
Wirtschaftspolitik basiert auf einer neuen Generation von
Freihandelsabkommen und wird durch eine erstklassige Logistik und
Infrastruktur sowie den direkten Zugang zu Märkten mit mehr als einem
Viertel der Weltbevölkerung unterstützt“, meinte Al Gergawi. Kari
Ochsner (IV Niederösterreich) hob zudem die Offenheit und Dynamik des
Marktes hervor, während Edith Hlawati (ÖBAG) die strategische
Bedeutung langfristiger Partnerschaften und gemeinsamer
Wachstumsprojekte betonte.
Energiesouveränität als Grundstein für Resilienz
Ein weiterer zentraler Themenblock widmete sich Europas
Energieautonomie. In den beiden Sessions „Powering Europe’s Energy
Sovereignty through Innovation“ wurde die Transformation der
Energiepolitik als entscheidende Frage der Wettbewerbsfähigkeit und
geopolitischen Handlungsfähigkeit diskutiert. Experten wie Jorgo
Chatzimarkakis (Hydrogen Europe), Lukas Renz (HydroSolid), Martin
Blochberger (Bloch 3) und Robert Schweizer (Bio Power GmbH) hoben die
Rolle von Wasserstoff, Biogas sowie erneuerbaren Energien hervor, die
gemeinsam zur heimischen Energieproduktion beitragen und die
Abhängigkeit von Importen reduzieren können. Überregulierung und
langsame Umsetzung von Wissen in marktfähige Innovationen wurden als
Hemmnisse identifiziert. Ulrike Prommer betonte gemeinsam mit
Viktoria Weber und Andrea Olschewski die zentrale Rolle von Bildung,
lebenslangem Lernen und interdisziplinärer Kooperation sowie die
Bedeutung praxisnaher Ausbildung und institutionenübergreifender
Zusammenarbeit am Campus Krems, um die notwendigen Kompetenzen für
eine resiliente Energiezukunft zu entwickeln.
Die wegweisende Diskussion „Europe’s Energy Future: Bridging East
and West“ rückte die Energiesicherheit Europas und die Integration
des Westbalkans in den Fokus. Naser Nuredini betonte die strategische
Notwendigkeit, den Westbalkan stärker in das europäische
Energiesystem zu integrieren, um eine kontinentale Schwachstelle zu
schließen. Die Herausforderungen durch veraltete Infrastruktur und
hohe Kohleabhängigkeit wurden dabei ebenso thematisiert wie die
zentrale Rolle einer leistungsfähigen Netzinfrastruktur und
verlässlicher politischer Rahmenbedingungen für Investitionen in
erneuerbare Energien.
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner verwies auf die Bedeutung
europäischer Energieunabhängigkeit und resilienter
Versorgungssysteme: „Viele Menschen erleben die vergangenen Jahre als
Zeit großer Unsicherheit. Gerade im Energiebereich zeigt sich, wie
eng Versorgungssicherheit mit geopolitischen Entwicklungen verbunden
ist. Österreich steht heute jedoch deutlich stabiler da: Wir haben
unsere Energieversorgung breiter aufgestellt, Reserven aufgebaut und
den Ausbau erneuerbarer Energie beschleunigt. Jetzt geht es darum,
unabhängiger, nachhaltiger und leistbarer zu werden. Jede
Kilowattstunde heimischer Energie stärkt unsere Sicherheit. Genau
deshalb setzen wir mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz
auf schnellere Verfahren und mehr Tempo beim Ausbau“, so
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner.
Gerhard Christiner (APG) unterstrich die Schlüsselrolle
leistungsfähiger Stromnetze für Versorgungssicherheit und
Wettbewerbsfähigkeit, während Stefan Stallinger (EVN) stabile
regulatorische Rahmenbedingungen als entscheidend für langfristige
Investitionen hervorhob.
Die Paneldiskussion „Wirtschaftswachstum in Europa ermöglichen –
Potenziale entfalten – Autonomie stärken“ fasste die Erkenntnisse des
Tages zusammen. Gerald Resch vom Bankenverband, Enver Siručić,
Präsident des Bankenverbands und CFO der BAWAG Group, sowie Francesca
Ferlaino, Quantenphysikerin, verdeutlichten, dass Europa über
exzellente Köpfe und enormes Innovationspotenzial verfüge, das
jedoch durch übermäßige Regulierung, Bürokratie und mangelnde
Risikobereitschaft ausgebremst werde. „Wir sind auf einem guten Weg.
Europa ist schon besser geworden. Aber wir müssen unsere Potenziale
entfalten, und auf Skalierung, Größe und Talente setzen“, sagt Enver
Sirucic, CFO und stv. CEO BAWAG Group und Präsident Bankenverband.
Die Forderung nach einer europäischen Kapitalmarktunion, mehr
Wagniskapital und einem „Play to Win“-Mindset unterstrich die
Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels, um Europas
Wettbewerbsfähigkeit gegenüber globalen Playern zu stärken. „Europa
verfolgt oftmals eine Erhaltungstherapie. Wir stehen aber im
Wettbewerb mit Ländern, die eine klare Wachstumsstrategie fahren“,
sagt Alexander Mülhaupt, Geschäftsführer Roche Österreich.
Das Europa-Forum Wachau 2026 unterstrich mit diesen Diskussionen
die dringende Notwendigkeit eines entschlossenen Handelns auf
europäischer Ebene, um die wirtschaftliche Dynamik zu reaktivieren,
die Energiesouveränität zu sichern und Europa fit für die globalen
Herausforderungen zu machen.
Salons: themenorientierte Vernetzung
Mit den vier parallel stattfindenden Salons am Ende des Mittwoch
Nachmittags setzte das Europa-Forum Wachau 2026 weitere thematische
Akzente zu Innovation, geopolitischer Zusammenarbeit und
wirtschaftlicher Zukunftsfähigkeit Europas.
Im „Innovation Circle Start-Up Salon“ diskutierten Vertreter aus
Politik, Start-up-Szene und Technologieunternehmen über die
Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Innovationsstandorts. Im
Mittelpunkt standen die Vision einer „EU Inc.“, regulatorische
Rahmenbedingungen sowie die Frage, wie Europa seine
Technologieunternehmen langfristig halten und global skalieren kann.
Der „IV NÖ New Markets Salon“ widmete sich den wirtschaftlichen
Perspektiven des Wiederaufbaus der Ukraine. Internationale
Entscheidungsträger und Wirtschaftsvertreter analysierten
Investitionschancen, Absicherungsinstrumente und die Rolle
europäischer Unternehmen beim Aufbau langfristiger Partnerschaften
trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten. „Österreich ist eine
Exportnation – unser Wohlstand, die Stärke unserer Industrie und
damit der Erfolg unseres gesamten Landes hängen maßgeblich davon ab,
wie erfolgreich wir international auftreten und Partnerschaften
gestalten. Gerade deshalb ist das Europaforum Wachau so wichtig: Es
steht für internationale Vernetzung und strategische Kooperationen –
von den Emiraten über Indien bis hin zur Ukraine. All diese
Beziehungen eröffnen große Chancen für Österreich und unsere
Industrie. Umso schöner ist es, dass sich heute gewissermaßen die
halbe Welt in der Wachau trifft, um neue strategische Partnerschaften
zu knüpfen und bestehende zu vertiefen“, so Kari Ochsner.
Der exklusive „Salon Z“ von Pantarhei Corporate Advisors bot in
informeller Atmosphäre Raum für den Austausch zwischen Politik,
Wirtschaft und Wissenschaft. Vor der Kulisse der Wachau standen
persönliche Gespräche, strategische Vernetzung und neue Allianzen
zwischen Entscheidungsträgern im Mittelpunkt. „Es ist eine
hervorragende Gelegenheit, im Zuge des Europaforums Wachau einen
„Sondersalon Z“ veranstalten zu dürfen – insbesondere zu einem so
aktuellen europapolitischen Thema. Mein Partnerkollege Dr. Oliver
Drewes, Leiter unseres Brüsseler Büros und Autor eines Buches über
„Lawmaking in the European Union“, hat dieses heute kurz vorgestellt.
Besonders freuen wir uns, dass uns Frau Landeshauptfrau mit ihrem
Besuch die Ehre gab. Ein wunderschönes Ambiente und viele spannende
Persönlichkeiten machen diesen Salon zu einer großartigen Gelegenheit
für Austausch und Diskussion“, so Markus Schindler
Im „ÖAG US Ambassadors Salon“ diskutierten hochrangige Vertreter
aus Diplomatie, unter ihnen US-Botschafter Art Fisher, Wirtschaft und
Technologie über die Zukunft der transatlantischen Beziehungen.
Thematisiert wurden wirtschafts- und sicherheitspolitische
Kooperationen zwischen Europa und den USA sowie gemeinsame Antworten
auf die geopolitischen Herausforderungen einer zunehmend
fragmentierten Weltordnung.





