Erneuerbare-Branche korrigiert Aussagen von Staatssekretärin Michaela Schmidt

Wien (OTS) – Hier geht es zum FAKTENCHECK

Nach dem gestrigen ZIB2-Interview von Staatssekretärin Michaela
Schmidt sieht sich die Erneuerbaren-Branche erneut veranlasst,
falsche Darstellungen richtigzustellen. Mehrere Aussagen zu
Inflation, Netzkosten und Strompreisbildern entsprechen nicht der
Realität.

Zwtl.: Inflation: Nicht die Energieversorger sind verantwortlich

Den größten Effekt auf die Inflation hatte das unkontrollierte
Auslaufen der Strompreisbremse – ganz automatisch und ohne Zutun der
Strom-Branche. Anfang 2026 fällt dieser Sondereffekt weg, die
Inflation sinkt automatisch – ganz ohne „Günstiger-Strom-Gesetz“. Die
Zuschreibung steigender Preise an die Energieerzeuger ist daher
sachlich falsch.

Zwtl.: Erzeuger zahlen sehr wohl Netzkosten

Entgegen der Darstellung im Interview leisten erneuerbare Anlagen
bereits heute erhebliche Beiträge: Sie zahlen Netzanschluss-,
Netzverlust-, Mess-, Bereitstellungs- und
Systemdienstleistungsentgelte. Rund 5–10 Prozent der Gesamtkosten
eines Windparks entfallen auf Netzgebühren, in den letzten 15 Jahren
flossen knapp eine Milliarde Euro aus PV- und Windkraftanlagen in den
Netzausbau. Gleichzeitig fallen für Stromimporte weiterhin keine
Netzkosten an, während heimische Produzenten belastet werden – eine
klare Wettbewerbsverzerrung, die heimischen Strom teurer macht.

Zwtl.: Irreführende „3 Cent vs. 15 Cent“-Vergleiche

Diese Aussage ist sachlich falsch. Fakt ist: Viele Anlagen sind
nicht abgeschrieben und gehören Privatpersonen, Landwirten und KMUs,
nicht Großkonzernen. Wind- und PV-Kraftwerke liefern heute rund 20
Prozent des Stroms in Österreich. Erneuerbare Energien insgesamt
haben durchschnittliche Erzeugungskosten von knapp 9 Cent/kWh.
Pauschale Vorwürfe treffen genau jene, die die Energiewende in
Österreich tragen.

Zwtl.: Der Österreich-Aufschlag verteuert Strom und hemmt Ausbau

Das „Günstiger-Strom-Gesetz“ verspricht etwas, das das Gesetz
nicht liefert. Mit ihm wird ein Österreich-Aufschlag auf Strom
eingeführt, der die heimische Stromerzeugung verteuert – direkt durch
den Aufschlag, noch stärker aber indirekt durch höhere
Finanzierungskosten. Das führt zu höheren Strompreisen und bremst
Investitionen in neue Anlagen. Besonders betroffen sind über 3.800
Energiegemeinschaften, Betriebe und Haushalte mit
Direktbelieferungsverträgen. Und im Winter – wenn die gemeinsame
Merit-Order zu zwei Drittel der Zeit nicht gilt – trifft der
Aufschlag praktisch alle Stromkunden in Österreich. Günstiger wird
dadurch somit gar nichts.

Zwtl.: Günstiger Strom entsteht über Abgabenentlastung und Ausbau,
nicht über Zusatzbelastungen

Das Gesetz selbst senkt keinen einzigen Cent. Unmittelbare
Entlastung kann nur durch Reduktion von Steuern und Abgaben – die
rund ein Drittel der Stromrechnung erfolgen – sowie durch den
konsequenten Ausbau heimischer erneuerbarer Energie.

Zwtl.: Fazit: Energiepolitik braucht Realitätssinn, nicht
Ablenkungsmanöver

Wiederholte Falschdarstellungen zu Kosten, Netzen und
Preismechanismen verunsichern Konsument:innen und gefährden dringend
benötigte Investitionen. Österreich braucht eine faktenbasierte
Energiepolitik, die den Ausbau erneuerbarer Energie stärkt, statt mit
Schlagworten die Strompreise zu erhöhen.

Hier geht es zum FAKTENCHECK