Wien/Güssing (OTS) – „Die heimischen Ölmühlen laufen Sturm und mit
ihnen auch die
Landwirtschaft. Europäische und insbesondere österreichische
Sojabohnen werden nach höchsten Qualitäts- und
Nachhaltigkeitskriterien angebaut. Daher ist vollkommen
unverständlich, dass die EU-Kommission das Nebenprodukt Sojaöl aus
reiner Willkür als ‚Rohstoff mit hohem Risiko für indirekte
Landnutzungsänderungen‘ einstufen und den Status als Energiepflanze
plötzlich verweigern möchte“, kritisiert Landwirtschaftskammer
Österreich-Präsident Josef Moosbrugger , der eine Differenzierung je
nach Herkunft fordert.
So plant die EU-Kommission, die Einstufung von jeglichem Sojaöl
im Rahmen der zugrunde liegenden Verordnung mittels delegiertem
Rechtsakt zu ändern bzw. zu verschlechtern.
„Mit Hilfe der österreichischen Eiweißstrategie ist es uns
gelungen, unser Land im Jahr 2025 mit einer Erntemenge von rund
272.000 Tonnen erstmals zum drittgrößten Sojaproduzenten der
Europäischen Union zu machen, hinter Italien und Frankreich. Gerade
auch in Zeiten extremer Düngemittelpreise hat die Sojabohne, die sich
ihren Stickstoff selbst mit Hilfe von Knöllchenbakterien bildet,
große Bedeutung für unsere bäuerlichen Familienunternehmen. Der Anbau
zahlt sich für die Betriebe aber nur dann aus, wenn neben dem für
Lebens- und Futtermittel gefragten Eiweiß auch der rund 20%ige
Ölanteil genützt und vermarktet werden kann“, betont Moosbrugger.
Kommenden Dienstag Brennpunkt beim EU-Agrarministerrat
„Wir begrüßen daher sehr, dass Landwirtschaftsminister Norbert
Totschnig diesen Brennpunkt beim EU-Agrarministerrat am kommenden
Dienstag thematisiert und sich für eine Überarbeitung des Vorschlags
einsetzt. Der Ackerbau ist wegen extrem gestiegener Kosten bei
gleichbleibend schlechten Preisen ohnehin in einer dramatischen Lage.
Verbesserungen wären dringend notwendig. Die Verwendung von
heimischem Sojaöl als Energielieferant wäre eigentlich eine Win-Win-
Situation – für Autofahrer, Bauern, Mühlen und Klima“, so der LKÖ-
Präsident.
Laut größter Sojamühle Österreichs existenzbedrohende Vorschläge
Josef Willim , Geschäftsführer der BAG Ölmühle im
burgenländischen Güssing, welche die größte Sojaölmühle Österreichs
darstellt und jährlich 90.000 t primär österreichische Sojabohnen
verarbeitet, ergänzt: „Diese unverständlichen Vorschläge der EU-
Kommission sind für uns dramatisch und existenzbedrohend. Ein
erheblicher Anteil – in unserem Fall 80% – des erzeugten Sojaöls wird
derzeit im Bereich erneuerbarer Energien eingesetzt. Die Erlöse aus
dem energetischen Markt sind daher unersetzlich für die
Wirtschaftlichkeit der Vermahlung. Wird dieser Absatzmarkt
abgeschnitten, verlieren wir eine wesentliche Existenzgrundlage.“
„Zusätzlich würde auch die Wirtschaftlichkeit des europäischen
Sojaanbaus in der Landwirtschaft dramatisch sinken und in weiterer
Folge die Importabhängigkeit bei Sojaschrot aus Drittstaaten wieder
massiv steigen, die mit großem Einsatz über die Jahre verringert
werden konnte. Damit würde die Kommission de facto ihre eigene
Eiweißstrategie und ihre Klimaschutzbemühungen konterkarieren“,
stellt Willim die Widersinnigkeit der aktuellen Kommissionspläne dar.
„Der Kommissionsbericht fokussiert sich in der wissenschaftlichen
Analyse primär auf südamerikanische Produktionsregionen. Wir fordern,
dass klar unterschieden wird, ob ein Rohstoff aus Regenwaldabholzungs
-Regionen in Übersee kommt oder ein Nebenprodukt aus nachhaltiger EU-
Erzeugung ist. Eine pauschale, undifferenzierte Klassifizierung von
Sojaöl als Hochrisiko-Rohstoff für indirekte Landnutzungsänderungen
lehnen wir entschieden ab“, kritisiert der Ölmühlenbetreiber.
Energetische Nutzung von Nebenprodukten verstärken statt
behindern
„Die EU-Kommission wäre vielmehr gut beraten, die energetische
Nutzung von Nebenprodukten aus nachhaltiger EU-Landwirtschaft
konsequent als strategischen Bestandteil ihrer Energie- und
Agrarpolitik zu verankern. Die energetische Kreislaufnutzung muss auf
Klimaziele angerechnet werden, um fossile Energie ersetzen und
Emissionen reduzieren zu können. Regulatorische Hürden für die
Nutzung von organischen Reststoffen zur Energiegewinnung gehören auch
im Sinne der Versorgungssicherheit abgebaut, statt weiter
verschärft“, so Willim.





