NÖ Hochwasserschutz 2026: Projekte, Zahlen, Ausblick

Redaktion

Am 26. Februar 2026 zeigt Niederösterreich, wie vorausschauender Schutz konkret aussieht. Nach den schweren Regenereignissen der vergangenen Jahre wird klar: Der Landesfokus auf Hochwasserschutz ist keine ferne Zukunftsvision, sondern tägliche Praxis – von der Lainsitz in Gmünd bis zur Schwechat in Rannersdorf. Im Flussbauhof Plosdorf bei Böheimkirchen wurde heute informiert, welche Maßnahmen abgeschlossen sind, was heuer anläuft und wie die Datennetze den Gemeinden helfen. Hinter den nüchternen Zahlen stehen greifbare Vorteile für Bewohnerinnen und Bewohner, für Betriebe und Einsatzkräfte in allen Regionen. Die wichtigsten Punkte sind bekannt, doch das Gesamtbild entfaltet erst jetzt seine Stärke: Investitionen, Pegelnetze, schnelle Eingreiftruppen und ein Bündel an Projekten, das Sicherheit, Arbeitsplätze und Naturraum verbindet. Warum das für die Gemeinden so bedeutsam ist, was Niederösterreich besser macht als früher und welche Lehren aus 2024 gezogen wurden, lesen Sie hier – präzise, aktuell und mit klarem Österreich-Bezug.

Hochwasserschutz Niederösterreich: Projekte, Wirkung und Kontrolle

Die Landesinformation aus dem Amt der Niederösterreichischen Landesregierung macht die Dimension sichtbar: 2025 wurden 16 Projekte mit rund 40 Millionen Euro abgeschlossen, darunter große Vorhaben wie die Lainsitz in Gmünd (12,2 Millionen Euro) und der zweite Abschnitt an der Krems in Krems (11 Millionen Euro). Derzeit sind 31 Maßnahmen in Umsetzung, etwa an der Piesting in Wöllersdorf-Steinabrückl (15 Millionen Euro) und am Hagenbach in St. Andrä-Wördern (12,8 Millionen Euro). Im heurigen Jahr starten 28 weitere Projekte mit einem Investitionsvolumen von 85 Millionen Euro – darunter Hassbach in Warth (16 Millionen Euro), die Dammsanierung an der Perschling (15 Millionen Euro) sowie Vorhaben an der Schwechat in Rannersdorf (11 Millionen Euro), am Nadelbach in St. Pölten (5,5 Millionen Euro) und Melk-Mank in St. Leonhard am Forst (4,5 Millionen Euro).

Hinter den Projekten steht ein zweiter, oft unterschätzter Baustein: die Datengrundlage. In den letzten sechs Monaten kamen laut Land rund 40 zusätzliche Pegelstationen dazu; insgesamt stehen 930 Messstellen zur Verfügung. Rund 360 davon werden in Echtzeit auf der Landeshomepage abgebildet, mit 150 Stationen für Oberflächengewässer und 210 für Niederschlag und Grundwasser. An 59 Pegelstellen sind Prognosen verfügbar; nach Angaben des Landes sind das mehr Vorhersagepunkte als alle anderen Bundesländer zusammen. Daraus entstehen belastbare Warnketten und Planungsgrundlagen – für Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Einsatzorganisationen, Straßenmeistereien und alle, die im Ereignisfall schnell handeln müssen.

Begriffserklärungen: Fachwörter verständlich erklärt

Hochwasserschutz: Unter Hochwasserschutz versteht man das Bündel an Maßnahmen, das Menschen, Infrastruktur, Gebäude und Natur vor Überflutungen schützt oder Schäden verringert. Dazu zählen bauliche Lösungen wie Dämme, mobile Schutzwände oder Rückhaltebecken ebenso wie organisatorische Elemente, etwa Einsatzpläne, Alarmierung, Straßensperren und Evakuierungskonzepte. Ein moderner Hochwasserschutz verknüpft Technik mit Raumplanung: Wo Wasser wieder mehr Platz bekommt, sinken die Spitzenabflüsse. Ergänzend sorgen Messnetze, Prognosen und Informationssysteme dafür, dass Warnungen früher erfolgen. Ziel ist nicht absolute Sicherheit – die gibt es nicht –, sondern ein kluges Risikomanagement mit möglichst geringem Restschaden.

Rückhaltemaßnahmen (Retentionsräume): Rückhaltemaßnahmen schaffen Platz für Wasser, bevor es Siedlungen erreicht. Retentionsräume sind Flächen, auf die Gewässer im Hochwasserfall gezielt ausufern dürfen. Das reduziert den Wasserstand flussabwärts und verlangsamt die Welle. Technisch wird das über Drosselbauwerke, Geländemodellierungen oder regulierbare Becken erreicht. Für Laien anschaulich: Ein Retentionsraum wirkt wie ein Parkplatz für Wasser – kurzfristig wird dort gespeichert, später kontrolliert wieder abgegeben. Solche Maßnahmen stärken häufig auch Ökosysteme, weil Auen und Uferzonen reaktiviert werden. Sie sind ein zentraler Baustein, um mit intensiveren Regenereignissen umzugehen.

Flussaufweitung: Bei einer Flussaufweitung wird das Profil eines Gewässers verbreitert oder naturnäher gestaltet. Dadurch sinken Strömungsgeschwindigkeiten und Abflussspitzen, Sedimente können sich natürlicher ablagern, und die Erosionsgefahr nimmt ab. Für Anrainerinnen und Anrainer bedeutet das: In kritischen Situationen bleibt mehr Puffer, weil das Gewässer mehr Wasser aufnehmen kann, ohne gleich über die Ufer zu treten. Flussaufweitungen nutzen der Biodiversität, da vielfältige Ufer- und Auenlebensräume entstehen. Gleichzeitig verbessern sie die Landschaftsästhetik und machen Gewässerabschnitte erlebbar, etwa mit Wegen oder Trittsteinen – vorausgesetzt, das Sicherheitskonzept ist klar geregelt.

Pegelstation: Eine Pegelstation misst Wasserstände, Abflüsse oder Niederschläge kontinuierlich. Die Daten werden meist digital übertragen, visuell aufbereitet und für Warnungen genutzt. Für Bürgerinnen und Bürger sind solche Messpunkte relevant, weil sie die Grundlage für Vorhersagen und Ampelsysteme bilden: Steigt das Signal, werden Behörden aktiv. Moderne Pegelstationen kombinieren Sensorik mit Telemetrie und Redundanzen, um auch bei herausfordernden Bedingungen Daten zu liefern. In Echtzeit verfügbare Werte helfen Einsatzkräften, Material und Mannschaften gezielt zu verlegen und etwa mobile Schutzsysteme rechtzeitig zu setzen.

Prognosesysteme: Prognosesysteme verknüpfen Messdaten mit Wetter- und Abflussmodellen, um Stunden bis Tage im Voraus aufzuzeigen, wie sich ein Gewässer entwickeln könnte. Sie berechnen verschiedene Szenarien und werden fortlaufend mit Beobachtungen abgeglichen. Für Laien wichtig: Eine Prognose ist kein Versprechen, sondern eine Wahrscheinlichkeitsrechnung – ihre Stärke liegt in der Vorbereitung. Wenn ein System anzeigt, dass an einer Pielach-Station die Pegel rasch steigen könnten, dann lassen sich Schichtpläne, Straßensperren oder Pumpen bereits vorab organisieren. So wird aus einem möglichen Problem ein beherrschbares Ereignis.

Damm und Dammsanierung: Ein Damm ist ein künstlicher Wall, der Gewässer von Siedlungen trennt und so Überflutungen verhindert. Mit der Zeit können Materialermüdung, Setzungen oder Durchsickerungen auftreten. Eine Dammsanierung umfasst geotechnische Untersuchungen, die Verstärkung des Baukörpers, Dichtungselemente, Drainagen und oft auch eine Anpassung an neue Bemessungsereignisse. Für Anrainerinnen und Anrainer heißt das: Ein sanierter Damm ist ein modernisierter Sicherheitsgurt. Er trägt aktuellen Risiken Rechnung, etwa häufigeren Starkregen, und erhöht die Verlässlichkeit im Ernstfall.

Zahlen und Fakten: Einordnung der Investitionen

Die vorliegenden Zahlen lassen mehrere Schlüsse zu. Erstens: 2025 wurden 16 Projekte mit insgesamt 40 Millionen Euro abgeschlossen. Das entspricht einem rechnerischen Durchschnitt von rund 2,5 Millionen Euro je Projekt. Dass zwei der größten Vorhaben – Lainsitz in Gmünd und Krems an der Krems – zusammen bereits 23,2 Millionen Euro beanspruchten, zeigt, wie stark die Kosten vom lokalen Bedarf abhängen. Zweitens: Derzeit sind 31 Maßnahmen in Umsetzung, darunter Piesting (15 Millionen Euro) und Hagenbach (12,8 Millionen Euro). Drittens: 2026 starten 28 neue Projekte mit 85 Millionen Euro, was einem rechnerischen Durchschnitt von etwas über 3 Millionen Euro je Projekt entspricht. Das legt nahe, dass heuer mehrere technisch anspruchsvolle oder flächenmäßig größere Vorhaben beginnen, etwa Hassbach in Warth und die Dammsanierung an der Perschling.

Besonders relevant ist der Beschäftigungseffekt. Für 2025 und 2026 sind jeweils rund 80 Millionen Euro an Investitionen in Umsetzung. Über beide Jahre hinweg werden damit laut Land etwa 2.600 Arbeitsplätze geschaffen. Auf die Gesamtsumme von etwa 160 Millionen Euro gerechnet entspricht das grob geschätzt rund 16 Arbeitsplätzen je investierter Million Euro. Das ist kein exakter volkswirtschaftlicher Multiplikator, aber ein plausibler Orientierungswert für die Bedeutung der Bauwirtschaft und der beteiligten Planungsbüros, Materiallieferanten und Dienstleisterinnen und Dienstleister.

Ein vierter Aspekt ist die operative Schlagkraft. Die schnelle Eingreiftruppe des Landes setzt von Plosdorf aus viele kleinere und mittlere Projekte rasch um. Jährlich sind diese Mannschaften an rund 30 Projekten und 90 Instandhaltungen beteiligt; nach dem Hochwasser 2024 wurden 100 Sofortmaßnahmen realisiert. Das belegt, wie wichtig kurze Wege, eingespielte Abläufe und Materialverfügbarkeit sind – nicht alles muss ein Großprojekt sein, oft zählen Tempo und Pragmatismus.

Schließlich die Mess- und Prognosenetze: 930 Messstellen, davon 360 in Echtzeit visualisiert (150 für Oberflächengewässer, 210 für Niederschlag und Grundwasser), sowie Prognosen an 59 Pegelstellen. Dieser Datenverbund wirkt wie ein Sicherheitsnetz. Je dichter und aktueller die Messpunkte, desto robuster sind Handlungsoptionen im Ereignisfall. Niederösterreich hebt hervor, über mehr Vorhersagepunkte zu verfügen als alle anderen Bundesländer zusammen – eine Ansage, die den strategischen Schwerpunkt auf Prognosefähigkeit und Frühwarnung unterstreicht.

Kontext: Historische Entwicklung und Lehren

Österreich hat in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach erlebt, wie rasch aus Starkregen kritische Hochwasser werden können. Großereignisse entlang großer Flüsse haben die Risikowahrnehmung geschärft und Investitionsprogramme beschleunigt. Wesentlich verändert hat sich der Zugang: Weg von reinen Abwehrbauten hin zu einem integrierten Hochwasserrisikomanagement. Dieses verbindet bauliche Schutzwerke mit Flächenvorsorge, ökologischer Aufwertung und Informationssystemen. Gemeinden, die früher primär auf höhere Mauern setzten, prüfen heute zusätzlich Retentionsflächen, Grünzüge und Ausweichräume für Wasser. Das verringert Spitzenabflüsse und macht Siedlungsräume insgesamt robuster.

Der Herbst 2024 hat in Niederösterreich laut Landesangaben noch einmal verdeutlicht, wie entscheidend Vorsorge ist. Wo bereits investiert wurde, verhinderten Schutzbauwerke größere Schäden. Aus dem Ereignis wurden mehrere Folgerungen gezogen: Ausbau von Pegelstationen, Verbesserung von Prognosesystemen – etwa für die Pielach – sowie Überarbeitung und Erweiterung bestehender Modelle wie am Kamp. Das entspricht dem europäischen Trend, Ereignisse nicht nur zu reparieren, sondern als Lernfenster zu nutzen: Was hat funktioniert, wo war der Flaschenhals, welche Reserve fehlt? Genau an diesen Punkten setzt das aktuelle Programm an.

Vergleich: Innerösterreichisch und mit Nachbarländern

Im österreichischen Vergleich betont Niederösterreich seine dichte Prognoseabdeckung. Das ist bemerkenswert, weil Landesflächen, Gewässertypen und Siedlungsstrukturen stark variieren. Bergländer setzen häufig auf Wildbach- und Lawinenverbauung, während größere Niederungen andere Schwerpunkte haben, etwa großräumige Retention oder Dammanpassungen. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Der richtige Mix hängt vom lokalen Risiko ab. Ein Pegelnetz, das regional fein genug ist, verbessert überall die Einsatzplanung, egal ob an einem kleineren Zubringer oder an einem größeren Flussabschnitt.

Ein Blick nach Deutschland zeigt ähnliche Entwicklungen: Dort sind Hochwasserrisikomanagementpläne Standard, kombiniert mit Raumordnung, Deichrückverlegungen und naturnahen Maßnahmen. Auch mobile Systeme und bauliche Anpassungen an Gebäuden gewinnen an Bedeutung. In der Schweiz ist das integrale Risikomanagement seit Jahren etabliert: Raumplanung, technische Schutzbauten und ökologische Aufwertungen greifen ineinander, flankiert von klaren Szenarien und Krisenübungen. Der gemeinsame Nenner: Früherkennung, klare Zuständigkeiten und die Bereitschaft, Gewässern wieder mehr Raum zu geben. Niederösterreich liegt mit Rückhaltemaßnahmen, Flussaufweitungen und dem Ausbau der Pegelstationen exakt auf dieser Linie – mit dem zusätzlichen Fokus, Prognosepunkte besonders engmaschig verfügbar zu machen.

Bürger-Impact: Was die Maßnahmen konkret bedeuten

Für Gemeinden wie Gmünd oder Krems sind die abgeschlossenen Projekte mehr als technische Bauten. Sie sind Planbarkeit im Alltag. Wer in einem gefährdeten Straßenzug wohnt, profitiert davon, dass eine Schutzeinrichtung Spitzen abfängt und Einsatzwege offen bleiben. Für Betriebe schafft das Verlässlichkeit bei Anlieferungen und reduziert Ausfallzeiten. Entlang der Piesting in Wöllersdorf-Steinabrückl und am Hagenbach in St. Andrä-Wördern sorgt die laufende Umsetzung dafür, dass kritische Engstellen adressiert werden, bevor ein Starkregen sie wieder belastet. Das senkt die Wahrscheinlichkeit, dass Keller volllaufen, Straßen unpassierbar werden oder Infrastrukturen – wie Trafostationen – gefährdet sind.

Die heuer startenden Projekte haben ebenfalls unmittelbare Wirkungen. In Warth am Hassbach und entlang der Perschling bewirken Schutzanlagen und Dammsanierungen, dass Rückhaltevolumen erhöht und Bauwerke ertüchtigt werden. In Rannersdorf an der Schwechat verbessert ein Maßnahmenpaket die Sicherheit einer dicht besiedelten Umgebung. In St. Pölten am Nadelbach und in St. Leonhard am Forst bei Melk-Mank sind gezielte Eingriffe geplant, die kleinere Gewässer resilienter machen. Aus Sicht der Bevölkerung heißt das: weniger Unsicherheit bei Starkregen, raschere Entscheidungen dank Pegeldaten, und ein Gefühl der Kontrolle, weil Warnungen nachvollziehbar sind.

Ein oft unterschätzter Nutzen betrifft Versicherbarkeit und Vorsorge. Wenn ein Gebiet nachweislich besser geschützt ist und Prognosedaten verfügbar sind, entstehen Anreize für private Prävention: mobile Schutzschotts, Rückstausicherungen, hochwassersichere Lagerung. Gemeinden können Bürgerinnen und Bürger evidenzbasiert beraten und Materialien wie Sandsäcke, Pumpen und mobile Elemente gezielter positionieren. Die schnelle Eingreiftruppe des Landes verstärkt diesen Effekt: Sie ermöglicht kleine, aber wirksame Verbesserungen ohne monatelange Vorlaufzeiten – vom räumlichen Freischnitt bis zur Reparatur kritischer Uferabschnitte.

Stimmen aus dem Land: Was Verantwortliche betonen

LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf stellte den Grundsatz in den Mittelpunkt: Dort, wo investiert wurde, verhinderten Schutzbauwerke größere Schäden. Rund ein Drittel der Maßnahmen zielt darauf ab, Wasser zurückzuhalten und Gewässern wieder mehr Platz zu geben. Sein Fazit: Vorsorge macht den Alltag leichter und sicherer – und sie wird 2026 konsequent fortgesetzt, mit großen und kleinen Projekten in allen Regionen.

Martin Angelmaier, Leiter der Gruppe Wasser im Land, hob den Nutzen der Messnetze hervor. Mehr Pegelstationen bedeuten gezieltere Prognosen, die durch neue Systeme – etwa für die Pielach – sowie die Überarbeitung und Erweiterung des Kamp zusätzlich verbessert werden. Er ordnete die Entwicklung ein: Extremereignisse und Naturkatastrophen nehmen zu, Prognosequalität, Redundanzen und klare Abläufe werden daher zum Pflichtprogramm.

Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner verwies auf ein Investitionspaket von über fünf Millionen Euro für Pumpen, leistungsfähige Systeme und mobile Schutzlösungen. Parallel setzt das Land auf moderne Prognosesysteme, um Starkniederschläge, Hagel und Sturm frühzeitig zu antizipieren. Die Botschaft: Wenn Extremwetterlagen zunehmen, müssen Einsatzkräfte schneller, präziser und besser vorbereitet sein. Diese Kombination aus Ausrüstung und Daten macht die Feuerwehren in Niederösterreich resilienter.

Analyse: Was die Statistik für die Praxis bedeutet

Die Projektzahlen belegen einen Dreiklang: bauen, modernisieren, vernetzen. Erstens sorgen Neubauten an Hotspots dafür, dass aus wiederkehrenden Problemen keine Dauerschäden werden. Zweitens stellt die Sanierung bestehender Dämme sicher, dass Altanlagen heutigen Bemessungen standhalten. Drittens führen Mess- und Prognosenetze das System zusammen: Ohne valide Daten bleiben sogar gute Bauwerke unter Wert, weil Reaktionsketten zu spät anlaufen.

Die Investitionsstruktur über zwei Jahre – jeweils rund 80 Millionen Euro in Umsetzung – schafft Planbarkeit für die Bauwirtschaft. Das stabilisiert Beschäftigung und hält Fachkräfte im Land. Rund 2.600 geschaffene Arbeitsplätze in zwei Jahren sind Ausdruck davon, dass Schutzinfrastruktur immer auch Wirtschafts- und Standortpolitik ist. Zugleich gilt: Mittel müssen dort ankommen, wo der Nutzen maximal ist. Die Beispiele Piesting, Hagenbach, Hassbach und Perschling zeigen, dass das Land auf Engstellen mit hoher Hebelwirkung abzielt.

Mit 930 Messstellen, 360 Echtzeitpunkten und 59 Prognosestellen entsteht zudem ein Informationsvorsprung. Dieser Vorteil ist nicht absolut; eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Aber mit jeder zusätzlichen Station steigt die Chance, Trends frühzeitig zu erkennen, Einsatzkräfte zu staffeln und Verkehrsströme umzuleiten. Genau das senkt indirekte Schäden: weniger Staus bei Straßensperren, geringere Ausfälle in Betrieben, verzögerte Spitzen an neuralgischen Punkten.

Praxisnah erklärt: So greifen die Elemente ineinander

  • Rückhalteraum plus Prognose: Wenn ein Retentionsbecken zeitgerecht eingestaut wird, dämpft es die Abflussspitze – präzise Prognosen geben das Startsignal.
  • Damm plus Instandhaltung: Ein sanierter Damm wirkt nur, wenn Zuflüsse, Durchlässe und Ufer frei bleiben. Die schnelle Eingreiftruppe schließt diese Lücke.
  • Flussaufweitung plus Ökologie: Breitere Profile reduzieren Gefahren und schaffen Lebensräume. Das steigert Akzeptanz und Mehrfachnutzen für Gemeinden.
  • Echtzeitdaten plus Feuerwehr: Wenn Pegel warnen, werden mobile Systeme rechtzeitig gesetzt. Das verkürzt die kritische Phase vor Eintreffen der Welle.

Zukunftsperspektive: Wohin sich der Schutz entwickelt

Die nächsten Jahre dürften drei Trends verstärken. Erstens die Digitalisierung der Frühwarnung: Mehr Sensorik, bessere Modelle, Visualisierungen für Gemeinden und Schulen, und klare Schnittstellen zu Einsatzleitsystemen. Neben den bestehenden 59 Prognosepunkten ist zu erwarten, dass Kalibrierung und Modellverbünde weiter verfeinert werden – nicht in spektakulären Sprüngen, sondern als kontinuierliche Verbesserung, die im Ereignisfall spürbar ist.

Zweitens die Mehrfachnutzung von Flächen: Rückhalt, Erholung, Biodiversität. Flussaufweitungen und Auenentwicklung sind nicht nur Sicherheitspuffer, sondern auch Lebensqualität. Projekte wie an der Schwechat oder der Perschling können beispielhaft zeigen, wie technische Ertüchtigung und naturnahe Gestaltung zusammengehen. Das erhöht die lokale Unterstützung und erleichtert Genehmigungsprozesse.

Drittens die Stärkung der Einsatzorganisationen: Ausrüstung, Ausbildung und Übungen bleiben Schlüsselfaktoren. Mit Investitionen in Pumpen, mobile Systeme und Prognosetools werden Feuerwehren noch reaktionsfähiger. Ergänzend könnten Gemeinden verstärkt auf Bürgerinformationen setzen: Checklisten, Schulungen, Sirenen- und App-Warnungen. All das zahlt auf ein Ziel ein, das das Land offen anspricht: absolute Sicherheit gibt es nicht, aber man kann das Restrisiko planbar klein halten.

Wichtig bleibt die transparente Kommunikation über Fortschritte, Baustellen und Einschränkungen. Wer weiß, warum ein Uferabschnitt zeitweise gesperrt ist, akzeptiert Maßnahmen eher. Und wer Pegelentwicklungen nachvollziehen kann, trifft bessere Entscheidungen für Haus, Betrieb und Familie. Mit dem aktuellen Programm setzt Niederösterreich auf diesen Dreiklang aus Technik, Naturraum und Information.

Service und Quelle

Alle hier genannten Angaben stammen aus der offiziellen Mitteilung des Landes Niederösterreich. Details, Orte und Summen finden Sie in der Originalquelle: OTS-Presseaussendung des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierung. Für Rückfragen verweist die Quelle auf das Pressebüro des LH-Stellvertreters.

Fazit: Sicherheit, Daten, Zusammenarbeit

Niederösterreich treibt den Hochwasserschutz mit klaren Prioritäten voran: Schutzbauwerke dort, wo sie den größten Effekt entfalten, Sanierungen für mehr Verlässlichkeit und eine dichte Mess- und Prognoseinfrastruktur als Rückgrat der Einsatzplanung. 2025 abgeschlossene Projekte, 31 laufende Maßnahmen und 28 Projektstarts 2026 belegen das Tempo. Arbeitsplätze, Wertschöpfung und ökologische Aufwertungen sind positive Nebeneffekte eines Programms, dessen Kernauftrag Sicherheit ist. Weil hundertprozentige Sicherheit nicht möglich ist, bleibt die Kombination aus Vorsorge, Datenkompetenz und starker Einsatzorganisation entscheidend.

Was bedeutet das für Sie? Informieren Sie sich über lokale Pegel und Gemeindepläne, prüfen Sie Ihr privates Vorsorgepaket – von Rückstauklappen bis zu mobilen Elementen – und halten Sie sich an amtliche Hinweise bei Starkregen. Gemeinden, Feuerwehren und das Land stellen Werkzeuge bereit; Nutzen entsteht, wenn alle mitziehen. Weiterführende Informationen und die vollständigen Angaben zu Orten, Summen und Projekten finden Sie in der Originalquelle. Bleiben Sie informiert, bleiben Sie vorbereitet – das macht Niederösterreich widerstandsfähig.