Hinter der Klimafassade: Regierung wird Sanierungsversprechen nicht gerecht

Wien (OTS) – Eine neue Studie der Umweltschutzorganisation GLOBAL
2000 zeigt den
alarmierend schlechten Zustand von Gebäuden im öffentlichen Eigentum.
Ein Drittel der Bundesgebäude im öffentlichen Eigentum wird nach wie
vor mit fossilen Heizungen beheizt. Lediglich 5% der öffentlichen
Gebäude erreichen gute Energiestandards.

“Die Bundesregierung kommt ihrem Versprechen, auf dem Weg zur
Klimaneutralität als Vorbild voranzugehen, nicht nach. Schulen,
Krankenhäuser, Amtsgebäude und Wohnungen im öffentlichen Eigentum
sind zum Großteil in einem erschreckend schlechten Zustand. Bund und
Länder müssen ihr Sanierungs-Tempo dringend beschleunigen und endlich
auf nachhaltige Heizsysteme umrüsten”, fordert Johannes Wahlmüller,
Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.

Öffentliche Hand verheizt fossile Energie

Ein Drittel der Bundesgebäude im öffentlichen Eigentum heizt noch
mit fossilen Öl- oder Gasheizungen, zeigt die Studie. Große
Unterschiede gibt es zwischen den Bundesländern: Tirol heizt mehr als
die Hälfte seiner öffentlichen Gebäude mit fossilen Heizungen,
während Kärnten fast vollständig aus fossiler Energie ausgestiegen
ist. Unternehmen im öffentlichen Eigentum schneiden ähnlich schlecht
ab: Die ÖBB heizt mehr als die Hälfte ihrer Gebäude mit fossilen
Brennstoffen, die ASFINAG kommt auf fast 40%.

“Laut nationalem Energie- und Klimaplan sollen alle öffentlichen
Gebäude bis 2027 frei von fossiler Energie sein. Aktuell fehlt ganz
offensichtlich ein klarer Plan zur Umrüstung. Ohne ernsthafte
Bemühungen wird Österreich dieses Ziel mit Sicherheit verfehlen”,
mahnt Wahlmüller.

Gute Energiestandards sind Rarität

Die Ergebnisse für die Energieeffizienz fallen ähnlich schlecht
aus: Nur 5% der öffentlichen Gebäude von Bund und Ländern erreichen
gute Energiestandards (Energieeffizienzklasse A oder besser). Mehr
als die Hälfte der Gebäudefläche hat maximal Energieeffizienzklasse C
und befindet sich damit in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Bei
der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) ist mehr als ein Drittel der
Gebäude sogar dringend sanierungsbedürftig (Energieeffizienzklassen D
oder schlechter). Einen Plan zur Verbesserung dieses untragbaren
Zustands können weder Bund noch Länder vorlegen. Die EU-Vorgabe, nach
der jährlich 3% der öffentlichen Gebäudeflächen saniert werden
müssen, kann so nicht erfüllt werden.

“Bundes- und Landesregierungen müssen ihre Vorbildwirkung endlich
ernst nehmen. Österreich braucht einen gut sanierten öffentlichen
Gebäudebestand, der mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Das
kurbelt die regionale Wirtschaft an, schafft Arbeitsplätze und zeigt,
dass die Energiewende uns alle angeht,“ so Wahlmüller abschließend.

Zur Studie

Die Daten wurden über Anfragen des Umweltinformationsgesetzes
erhoben und werden nun erstmals öffentlich zugänglich. Die Studie
untersucht Schulen, Krankenhäuser, Amtsgebäude und Wohngebäude, sowie
Gebäude von Unternehmen im öffentlichen Eigentum, wie der ÖBB und der
ASFINAG.

– Hier geht’s zum Download der Studie