Wien (OTS) – In dem internationalen Babymilch-Skandal rund um
verunreinigte
Säuglingsnahrung von Nestlé und weiteren Herstellern geraten nun auch
Produkte von Danone in den Fokus. Nach Informationen von foodwatch
verschwinden aktuell diverse Produkte der Marke Aptamil aus den
Regalen und Onlineshops der Handels- und Drogerieketten. foodwatch
liegt eine Liste jener Produkte vor, die von einem „stillen” Rückruf
betroffen sein sollen. In diesem ungeheuerlichen Skandal stellen sich
somit neue, dringende Fragen an Hersteller und Behörden.
Nimmt auch Danone gerade Produkte still und leise vom Markt –
ohne öffentliche Warnung, ohne jegliche Information für Eltern in
Österreich? Was wissen die Behörden über den aktuellen Fall? Nestlé
hatte solch einen stillen Rückruf über die Weihnachtsfeiertage in
Österreich durchgeführt – der öffentliche Rückruf erfolgte erst rund
zwei Wochen später, am 5. Jänner.
Besonders brisant : Nach bisherigen Informationen wurde offenbar
zunächst nur der REWE-Konzern über den stillen Rückruf von Danone
informiert. Andere Handelsketten gaben an, keine Kenntnis von einem
Rückruf der betroffenen Aptamil-Produkte zu haben (Stand:
Mittwochnachmittag, 15 Uhr). Zusätzlich sind aktuell alle Produkte
von Aptamil bei BIPA – der Drogeriemarktkette vom REWE-Konzern – um
minus 25 Prozent im Angebot.
„Es kann nicht sein, dass Eltern nur durch Zufall erfahren, dass
nun auch mit der Babynahrung von Danone möglicherweise etwas nicht
stimmt“, kritisiert Indra Kley-Schöneich, Geschäftsführerin von
foodwatch Österreich und verweist darauf, dass sich schon einige
betroffene Eltern bei der Organisation gemeldet haben. „Wenn Produkte
vom Markt genommen werden – egal ob als Vorsichtsmaßnahme oder
aufgrund eines konkreten Befundes – braucht es darüber eine
sofortige, klare und öffentliche Information. Der Babymilchskandal
zeigt eindrücklich: Das aktuelle Warnsystem gleicht keinem Blindflug
mehr, sondern einer gesundheitsgefährdenden Bruchlandung. Wir fordern
jetzt Antworten von zuständigen Behörden und den betroffenen
Konzernen”, fordert Indra Kley-Schöneich.
Behörden bestätigen Funde – Kommunikation bleibt unklar
Ausgangspunkt ist der zeitliche Ablauf, der erklärungsbedürftig
erscheint: Eine mit dem Toxin Cereulid belastete Danone-Probe vom 19.
Jänner führte nach einer Meldung durch Irland in das europäische
Schnellwarnsystem RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed) am 23.
Jänner zu Rückrufen in mehreren Ländern. Österreich wird bis heute
nicht in der Liste der betroffenen Länder angeführt.
Wiederholt sich das Muster aus dem Nestlé-Fall?
Der aktuelle Fall reiht sich in ein beunruhigendes Muster ein.
Bereits beim bekannten Nestlé-Skandal zeigte sich, dass zwischen dem
Bekanntwerden möglicher Risiken und einer öffentlichen Warnung in
Österreich Wochen vergingen. Nach Medienberichten wusste Nestlé
bereits Anfang Dezember von einer möglichen Verunreinigung – eine
öffentliche Warnung folgte hierzulande jedoch erst fast vier Wochen
später.
foodwatch fordert klare Regeln statt Interpretationsspielräume
foodwatch analysiert derzeit Warnmeldungen, Zeitstempel und
Entscheidungswege, um strukturelle Schwächen im Kontroll- und
Warnsystem sichtbar zu machen. Die Organisation fordert ein
europaweites Meldesystem, das dem in der EU verankerten
Vorsorgeprinzip für Konsument:innen vollumfänglich nachkommt.
Unternehmen und vor allem Behörden müssen sicherstellen, dass
Lebensmittel, die potenziell gesundheitsschädlich sind, sofort vom
Markt genommen werden. Darüber hinaus muss die Bevölkerung umfassend
und unmittelbar informiert werden.
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