Ein Jahr Einweg-Pfandsystem: Österreich zieht Bilanz

Redaktion

Österreich zieht am 28.01.2026 eine positive Bilanz: 81,5 Prozent Sammelquote im ersten Jahr des Einweg-Pfandsystems, 90 Prozent bis 2027 als nächstes Ziel. Was hinter dieser Zahl steckt, ist mehr als nur ein Umweltversprechen. Es ist ein Systemwechsel, der Alltag und Abläufe im Handel, in der Getränkeindustrie sowie bei Bürgerinnen und Bürgern messbar verändert hat. Die österreichische Relevanz ist unmittelbar: Von Wien bis Vorarlberg stehen heute flächendeckend Rückgabeautomaten, das Pfandsymbol ist etabliert, und die Rückgabequoten zeigen Wirkung. Die Bilanz belegt zudem, dass Österreich die europäischen Vorgaben frühzeitig im Blick hat und strukturell vorbereitet ist. Doch wie robust ist dieser Erfolg, wo liegen die Stellschrauben für die kommenden Jahre, und was lernen wir im Vergleich zu anderen Bundesländern sowie zu unseren Nachbarn Deutschland und der Schweiz? Dieser Beitrag ordnet die aktuellen Zahlen ein, erklärt zentrale Fachbegriffe verständlich und zeigt, welche konkreten Auswirkungen das Einweg-Pfandsystem auf Konsumentinnen und Konsumenten, Handel und Produzentinnen und Produzenten bereits heute hat.

Ein Jahr Einweg-Pfandsystem: Zahlen, Wirkung und Ausblick

Die offiziellen Zahlen stammen aus der am 28.01.2026 veröffentlichten Pressekonferenz der EWP Recycling Pfand Österreich gGmbH gemeinsam mit dem für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft zuständigen Bundesminister Norbert Totschnig. Demnach wurden im Jahr 2025 rund zwei Milliarden pfandpflichtige Getränkeverpackungen in Verkehr gesetzt. 1,4 Milliarden Flaschen und Dosen wurden bis 31.12.2025 zurückgegeben. Unter Berücksichtigung der Gewichte und der mittleren Verweildauer zwischen Inverkehrsetzung und Rückgabe von 51 Tagen ergibt sich die maßgebliche Sammelquote von 81,5 Prozent. Damit ist die Zielvorgabe für das erste Jahr laut Pfandverordnung übertroffen. Das nächste Etappenziel liegt bei 90 Prozent bis 2027, womit Österreich zwei Jahre früher als die EU-Vorgabe für 2029 erfüllen will.

Strukturell stützt sich das System auf rund 16.300 Rückgabestellen und mehr als 6.400 Automaten, was die Rückgabe im Alltag vereinfacht. 98 Prozent der Pfandgebinde werden über Automaten retourniert, im Schnitt mit 13 Gebinden pro Rückgabevorgang. Das unterstreicht die Akzeptanz bei Konsumentinnen und Konsumenten. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag von Recycling Pfand Österreich zeigt: Rund drei Viertel befürworten das System, 85 Prozent fühlen sich gut informiert, und neun von zehn Personen erkennen pfandpflichtige Einwegverpackungen am österreichischen Pfandsymbol.

Zahlen und Fakten im Überblick

  • In Verkehr gesetzt 2025: ca. 2 Milliarden Pfandflaschen und -dosen
  • Retourniert bis 31.12.2025: 1,4 Milliarden Pfandgebinde
  • Sammelquote (gewichtsbasiert, mit Verweildauer): 81,5 Prozent
  • Materialmix der Rückgaben: 51 Prozent Kunststoffflaschen (PET), 49 Prozent Metalldosen
  • Rückgabeinfrastruktur: ca. 16.300 Rückgabestellen, über 6.400 Automaten
  • Nutzung: 98 Prozent der Rückgaben über Automaten, durchschnittlich 13 Gebinde pro Vorgang
  • Bewusstsein: 90 Prozent erkennen das Pfandsymbol; 75 Prozent sehen Umweltvorteile als wichtigsten Nutzen

Bemerkenswert ist die Differenz zwischen der einfachen Teilungsrechnung und der offiziellen Sammelquote: 1,4 Milliarden von 2 Milliarden entsprächen nominell 70 Prozent. Die maßgebliche Quote liegt jedoch bei 81,5 Prozent, weil in der Pfandlogik die unterschiedlichen Gewichte von Dosen und Flaschen sowie die durchschnittliche Verweildauer von 51 Tagen zwischen Kauf und Rückgabe berücksichtigt werden. Das verdeutlicht, dass für eine faire Bewertung die dynamische Bewegung von Gebinden im System ausschlaggebend ist.

Fachbegriffe einfach erklärt

Einweg-Pfandsystem

Das Einweg-Pfandsystem ist ein Rückgabe- und Anreizmechanismus für Getränkeverpackungen aus Kunststoff und Metall, die nach Gebrauch nicht wieder befüllt, sondern recycelt werden. Beim Kauf wird ein Pfandbetrag auf den Verkaufspreis aufgeschlagen, der bei Rückgabe des leeren Gebindes zurückerstattet wird. Das System macht den Wert des Materials sichtbar und erhöht die Motivation zur Rückgabe. Entscheidend ist die organisatorische Kette: Erfassung über Automaten oder manuelle Stellen, sortenreine Sammlung, Transport zu Sortierung und Recycling. Ziel ist, aus alten Flaschen und Dosen neue Verpackungen zu machen und Rohstoffe im Kreislauf zu halten.

Sammelquote

Die Sammelquote beschreibt den Anteil der in Verkehr gesetzten Verpackungen, die innerhalb eines betrachteten Zeitraums wieder eingesammelt werden. Sie ist mehr als eine simple Zählung von Stückzahlen. In der Praxis wird die Sammelquote oft gewichtsbasiert ausgewiesen und berücksichtigt, dass zwischen Erstinverkehrsetzung und Rückgabe Zeit vergeht. Für das Einweg-Pfandsystem ist daher die korrekte methodische Ermittlung entscheidend. Sie bildet ab, wie wirksam das System Rohstoffe zurückholt und so Recycling ermöglicht.

Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft ist ein Wirtschaftsmodell, das Ressourcen im Umlauf hält, statt sie nach einmaliger Nutzung zu entsorgen. Produkte und Materialien werden so gestaltet, genutzt und gesammelt, dass sie mehrfach wiederverwertet werden können. Das Einweg-Pfandsystem ist ein typisches Instrument der Kreislaufwirtschaft: Es erzeugt hochwertige Sammelströme, die in neue Produkte zurückfließen. Dadurch sinkt der Bedarf an Primärrohstoffen, und der ökologische Fußabdruck der Getränkeverpackungen verringert sich. Gleichzeitig stärkt Kreislaufwirtschaft die Versorgungssicherheit mit Sekundärrohstoffen.

Littering

Littering bezeichnet das achtlose Wegwerfen von Abfällen in die Umwelt, etwa das Zurücklassen von Flaschen und Dosen in Parks oder an Gewässern. Es verursacht ökologische Schäden, verunstaltet öffentliche Räume und führt zu zusätzlichen Reinigungskosten für Kommunen. Pfandsysteme wirken dem entgegen, weil sie einen direkten finanziellen Anreiz zur Rückgabe schaffen und zugleich das Bewusstsein für den Materialwert stärken. Wenn Gebinde als Ressource verstanden werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie im öffentlichen Raum landen.

Materialkreislauf

Der Materialkreislauf beschreibt den Weg eines Werkstoffs vom Produkt über die Sammlung und Aufbereitung zurück in ein neues Produkt. Beim Einweg-Pfandsystem bedeutet das konkret: Getränkeverpackungen werden separat erfasst, sortenrein gesammelt und in spezialisierte Recyclingprozesse überführt. Diese Geschlossenheit minimiert Verunreinigungen und Qualitätsverluste. In der Folge kann ein hoher Anteil des Materials wieder zu neuen Flaschen oder Dosen verarbeitet werden. Ein geschlossener Materialkreislauf ist damit die Basis für hochwertige Rezyklate und stabile, verlässliche Lieferketten im Recycling.

Recyclingfähigkeit

Recyclingfähigkeit beschreibt die Eignung eines Produkts oder einer Verpackung, nach der Nutzung als Rohstoff für neue Produkte zu dienen. Sie hängt vom Material, vom Design (zum Beispiel Etiketten, Farben, Verschlüsse) und von der Verfügbarkeit geeigneter Sammel- und Verwertungssysteme ab. Das österreichische Pfandsystem verknüpft Recyclingfähigkeit mit ökologischen Lenkungsimpulsen: Materialien, die Recycling erschweren, werden mit höheren Gebühren belastet. Das setzt Anreize für besser gestaltete Verpackungen, wie etwa leichter ablösbare Etiketten. Je höher die Recyclingfähigkeit, desto effizienter das System.

Pfandsymbol

Das Pfandsymbol ist das sichtbare Zeichen auf der Verpackung, das Konsumentinnen und Konsumenten zeigt, dass für dieses Gebinde ein Pfand erhoben wird und es im Pfandsystem zurückgegeben werden kann. Seine Funktion ist rein praktisch: Es erleichtert den Einkauf und die richtige Entsorgung. Dass laut Umfrage neun von zehn Personen das Pfandsymbol kennen, zeigt, wie schnell sich das System etabliert hat. Das Symbol dient auch als Signal an Handel und Logistik, um die automatisierte Rücknahme und Abwicklung sicherzustellen.

Sortenreinheit

Sortenreinheit bedeutet, dass ein Materialstrom möglichst frei von Fremdstoffen ist. Für die Wiederverwertung von PET-Flaschen und Metalldosen ist Sortenreinheit zentral, weil Verunreinigungen die Qualität des Rezyklats mindern und den Einsatz in neuen Getränkeflaschen einschränken können. Das Einweg-Pfandsystem fördert Sortenreinheit durch die separate Erfassung und durch technisch ausgereifte Rückgabeautomaten. Je sortenreiner das Material, desto höher die Ausbeute an hochwertigem Rezyklat, das wiederum in der Lebensmittelverpackung eingesetzt werden kann.

Verweildauer

Verweildauer bezeichnet die Zeitspanne zwischen dem Zeitpunkt, an dem ein Gebinde in Verkehr gesetzt wird, und seiner Rückgabe im Pfandsystem. Im Jahr 2025 betrug diese mittlere Verweildauer laut den vorliegenden Angaben 51 Tage. Sie ist wichtig, um Sammelquoten korrekt zu berechnen, denn nicht alle im Jahr verkauften Gebinde werden noch im selben Jahr zurückgegeben. Eine realistische Einbeziehung der Verweildauer verhindert Verzerrungen und macht die Systemleistung belastbar vergleichbar.

Vorkaufsrecht auf Rezyklat

Ein besonderes Element des österreichischen Pfandsystems ist das Vorkaufsrecht der Getränkeproduzentinnen und -produzenten auf die zurückgegebenen Materialien. Das bedeutet, dass sie sortenreine, nach Farbe und Material getrennte Rezyklate bevorzugt erwerben können. Diese Regelung unterstützt die Erfüllung der EU-Vorgaben, nach denen seit 2025 in PET-Getränkeflaschen ein Mindestanteil von 25 Prozent recyceltem Kunststoff eingesetzt werden muss. Das Vorkaufsrecht schafft Planbarkeit, stärkt regionale Wertschöpfung und reduziert die Abhängigkeit von internationalen Rohstoffmärkten.

Historische Entwicklung in Österreich

Mit 1. Jänner 2025 begann in Österreich eine neue Phase der Verpackungspolitik. Die Einführung des Einweg-Pfandsystems war eine Reaktion auf klare europäische Zielvorgaben und die Notwendigkeit, die bisherige Sammelpraxis weiterzuentwickeln. Ziel war und ist, hochwertige Materialströme zu generieren, Rohstoffe im Kreislauf zu halten und Littering zu reduzieren. 2025 galt zugleich als Übergangsjahr: Bis Ende März durften Getränkeverpackungen ohne österreichisches Pfandlogo produziert werden, bereits abgefüllte Produkte ohne Kennzeichnung durften bis Jahresende abverkauft werden. Diese Übergangsfristen trugen dazu bei, den Markt geordnet umzustellen und Engpässe zu vermeiden.

Im Rückblick zeigt sich eine deutliche Lernkurve. Handel und Industrie passten Logistikprozesse, IT-Schnittstellen und Filialabläufe an. In der Bevölkerung setzte rasch ein Gewöhnungseffekt ein, was sich in der intensiven Nutzung der Automaten widerspiegelt. Gleichzeitig wurden ökologische Lenkungsmechanismen eingeführt, die die Recyclingfähigkeit von Verpackungen in die Kostenstruktur einbeziehen. Damit wurde der Fokus vom reinen Sammeln hin zur Qualität der gesammelten Materialien verschoben. Die erste Jahresbilanz macht sichtbar, dass die Systeme nicht nur technisch funktionieren, sondern auch gesellschaftlich akzeptiert sind.

Vergleich: Bundesländer, Deutschland, Schweiz

Innerösterreichisch zeigt die Bilanz 2025 deutliche Unterschiede nach absoluten Rückgabemengen. Wien führt mit 315 Millionen rückgegebenen Gebinden, gefolgt von Niederösterreich mit 291 Millionen und Oberösterreich mit 197 Millionen. In der Steiermark wurden 180 Millionen, in Tirol 98 Millionen und in Salzburg 90 Millionen Gebinde zurückgegeben. Kärnten verzeichnet 83 Millionen, Vorarlberg 54 Millionen und das Burgenland 53 Millionen. Diese Reihenfolge spiegelt naheliegende Faktoren wie Bevölkerungszahl, Handelssstruktur und Filialdichte wider. Aussagekräftige Pro-Kopf-Vergleiche sind anhand der vorliegenden Daten nicht möglich, dennoch lässt sich festhalten: Überall in Österreich wurde das System in kurzer Zeit alltäglich.

Im Blick über die Grenzen ist der deutschsprachige Raum heterogen organisiert. Deutschland verfügt seit Jahren über ein etabliertes Einwegpfandsystem mit flächendeckenden Rückgabeautomaten im Lebensmitteleinzelhandel. Dies erleichtert die Orientierung für Reisende und Grenzpendlerinnen und Grenzpendler, weil die Rückgabepraxis ähnlich ist. Die Schweiz setzt traditionell stark auf getrennte Sammlung und Branchenlösungen. Dort ist die Diskussion über die bestmögliche Organisationsform für hohe Sammelquoten und qualitativ hochwertiges Recycling seit Jahren präsent. Für Österreich bedeutet das: Mit dem Start 2025 wurde ein europäisch bewährter Weg beschritten, der sich an praktischen Erfahrungen anderer Länder orientiert, zugleich aber an heimische Rahmenbedingungen angepasst ist.

Konkrete Auswirkungen auf Bürgerinnen und Bürger

Für Konsumentinnen und Konsumenten ist der größte Unterschied die einfache Rückgabe im Alltag. Mit mehr als 6.400 Rückgabeautomaten in einer sehr engmaschigen Handelslandschaft ist der Weg zum nächsten Gerät kurz. Der Durchschnitt von 13 Gebinden pro Rückgabe deutet auf Routinen hin: Leergut wird gesammelt, mit dem nächsten Einkauf kombiniert und unkompliziert abgegeben. Das hohe Bekanntheitsniveau des Pfandsymbols reduziert Unsicherheit an der Kassa und am Automaten. Praktisch bedeutet das weniger Fehlwürfe im Restmüll und in öffentlichen Behältern sowie ein klarer monetärer Anreiz, Gebinde nicht achtlos liegenzulassen.

Auch die Kommunikation spielt eine Rolle: 85 Prozent fühlen sich laut Umfrage gut informiert. Das vereinfacht Umstellungen im Haushalt, etwa beim Sortieren, und fördert eine positive Grundhaltung. Wichtig ist zudem die Rechtssicherheit: Das System ist klar geregelt, die Rückgabewege sind transparent, und die Erstattung des Pfands ist standardisiert. Für Familien, Pendlerinnen und Pendler oder Studierende ist das Einweg-Pfandsystem damit ein kalkulierbarer Bestandteil des Einkaufsalltags geworden. In Summe führt dies zu einer spürbaren Qualitätssteigerung bei der Sammlung, die wiederum hochwertige Recyclingprozesse ermöglicht.

Der geschlossene Materialkreislauf und die Industrie

Für die Getränkeindustrie ist der Zugang zu hochwertigem Rezyklat ein strategischer Faktor. Das Vorkaufsrecht auf sortenreine Materialien aus der Pfandrückgabe stärkt die Planbarkeit und unterstützt die Erfüllung der EU-Vorgaben zum Rezyklatanteil in PET-Flaschen seit 2025. Das System reduziert die Abhängigkeit von Importen und Preisvolatilitäten auf internationalen Märkten. Zugleich setzt der ökologische Lenkungsmechanismus Anreize, Verpackungen für das Recycling zu optimieren, etwa durch besser ablösbare Etiketten. Diese Designverbesserungen waren bereits im ersten Jahr sichtbar und fließen in eine positive Rückkopplung: Bessere Verpackungen werden leichter recycelt, und das Ergebnis sind höherwertige Rezyklate für neue Flaschen und Dosen.

Die Aussage der Verantwortlichen unterstreicht diesen Kurs. Bundesminister Norbert Totschnig spricht von einem entscheidenden Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft und einem zentralen Hebel, um die EU-Sammelziele zu erreichen. Monika Fiala, Geschäftsführerin von Recycling Pfand Österreich, betont die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und die Realität von Flasche-zu-Flasche- und Dose-zu-Dose-Kreisläufen. Diese Einordnung gibt die Linie vor: Das System erzeugt nicht nur Menge, sondern Qualität, und verankert Kreislaufwirtschaft als Alltagsroutine.

Analytischer Blick auf die Kennzahlen

Die ausgewiesene Sammelquote von 81,5 Prozent signalisiert, dass das System bereits im ersten Jahr im Soll liegt. Methodisch bedeutsam ist die Korrektur um Gewichte und Verweildauer. Da Dosen und Flaschen unterschiedliche Massen haben und ein Teil der 2025 verkauften Gebinde erst 2026 zurückgegeben wird, ist die dynamische Betrachtung sachgerecht. Die hohe Automatenquote von 98 Prozent minimiert zudem Bruch und Fehlwürfe, erhöht die Sortenreinheit und senkt Prozesskosten im Handling. Die durchschnittlichen 13 Gebinde pro Rückgabe deuten auf Effizienz im Kundenverhalten hin: Wenige, aber gut gefüllte Rückgabegänge.

Beim Materialmix zeigen 51 Prozent PET-Flaschen und 49 Prozent Dosen, dass beide Hauptstromarten nahezu gleich stark vertreten sind. Diese Balance ist für die Planung der Sortier- und Recyclingkapazitäten relevant. Die bundesländerspezifischen Rückgabemengen verdeutlichen die skalierende Wirkung in urbanen Räumen: In Wien die meisten Rückgaben, gefolgt von den großen Flächenländern Niederösterreich und Oberösterreich. In Summe entsteht ein stabiles Bild: Breite Akzeptanz, hohe Automatisierung und solide, ausbaufähige Quote.

Bundesländer im Detail: Rückgabezahlen 2025

Die nachfolgenden Werte zeigen die absoluten Rückgaben 2025 und veranschaulichen die geografische Streuung der Systemnutzung. Sie sind ein Indikator für die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur in Stadt und Land.

  • Wien: 315 Millionen
  • Niederösterreich: 291 Millionen
  • Oberösterreich: 197 Millionen
  • Steiermark: 180 Millionen
  • Tirol: 98 Millionen
  • Salzburg: 90 Millionen
  • Kärnten: 83 Millionen
  • Vorarlberg: 54 Millionen
  • Burgenland: 53 Millionen

Diese Verteilung lässt sich plausibel mit Bevölkerungsdichte, Handelsstandorten und der Vielzahl an Rückgabeautomaten erklären. Für eine tiefergehende Interpretation bräuchte es Pro-Kopf- und Filialdaten, die in den vorliegenden Zahlen nicht enthalten sind. Klar ist jedoch: Die Infrastruktur greift in allen neun Bundesländern, und die Nutzung ist breit verankert.

Rahmen durch EU-Vorgaben

Die europäische Einwegkunststoffrichtlinie setzt für Getränkeflaschen zwei zentrale Eckpunkte: eine Sammelquote von 90 Prozent bis 2029 und einen Mindestanteil von 25 Prozent recyceltem Kunststoff in PET-Flaschen ab 2025. Österreich orientiert sich in seiner Systemarchitektur an diesen Vorgaben und hat die nationale Pfandverordnung so ausgestaltet, dass das 90-Prozent-Ziel bis 2027 erreicht werden soll. Damit wird der Zeitplan vorgezogen und die Umsetzungssicherheit erhöht. Weitere Informationen zur EU-Politik für Kunststoffe sind auf den Seiten der Europäischen Kommission abrufbar, beispielsweise hier: Informationen zur Einwegkunststoffpolitik der EU.

Was braucht es für die 90 Prozent bis 2027?

Die Erfahrung aus dem ersten Jahr liefert konkrete Ansatzpunkte. Erstens: weitere Optimierung der Rückgabeinfrastruktur dort, wo Stoßzeiten auftreten, etwa durch zusätzliche Automatenkapazität. Zweitens: fortgesetzte Informationsarbeit, damit das Pfandsymbol zuverlässig erkannt wird und Unsicherheiten über nicht pfandpflichtige Produkte sinken. Drittens: Verpackungsdesigns weiter verbessern, um Sortenreinheit und Ausbeute zu erhöhen. Viertens: reibungslose Schnittstellen zwischen Handel, Logistik und Recycling weiter standardisieren. Diese Schritte sind inkrementell, aber wirksam und auf Basis der aktuellen Zahlen umsetzbar.

Rechtliche und medienethische Hinweise

Die in diesem Beitrag genannten Daten und Zitate basieren auf der Presseinformation der EWP Recycling Pfand Österreich gGmbH vom 28.01.2026. Die Darstellung folgt den Grundsätzen sachlicher, ausgewogener Berichterstattung und orientiert sich an österreichischem Medienrecht sowie den Richtlinien des Presserats. Es werden keine darüber hinausgehenden, nicht belegten Fakten behauptet. Wo Vergleiche mit Deutschland und der Schweiz gezogen werden, erfolgt dies ohne spezifische Zahlenangaben und mit klarer Benennung von allgemein bekannten Organisationsunterschieden, ohne Wertung oder Spekulation.

Zukunftsperspektive: Von der Quote zur Qualität

Für die kommenden Jahre zeichnen sich drei Schwerpunkte ab. Erstens wird der Weg zu 90 Prozent Sammelquote bis 2027 über Feinjustierung führen: Infrastruktur, Convenience und Information. Zweitens rückt die Qualitätsdimension weiter in den Vordergrund. Je höher die Sortenreinheit, desto besser die Einsatzfähigkeit des Rezyklats in hochwertigen Anwendungen. Das stärkt die Flasche-zu-Flasche-Logik und senkt den Bedarf an Primärmaterialien. Drittens entsteht ein stabiler Sekundärrohstoffmarkt, von dem Getränkeherstellerinnen und -hersteller durch das Vorkaufsrecht profitieren. Die Versorgung mit heimischem Rezyklat macht Lieferketten resilienter.

Wenn diese Elemente zusammenwirken, ist die Perspektive realistisch: Österreich kann die europäischen Ziele nicht nur früher erreichen, sondern zugleich die ökologische Wirkung des Systems kontinuierlich erhöhen. Das Einweg-Pfandsystem wird damit zu einem dauerhaften Baustein der Kreislaufwirtschaft und zu einem Beispiel dafür, wie ordnungspolitische Instrumente und marktwirtschaftliche Anreize zusammen effiziente Umweltpolitik ermöglichen.

Quelle: Presseaussendung der EWP Recycling Pfand Österreich gGmbH vom 28.01.2026

Fazit und nächste Schritte

Die Bilanz nach einem Jahr Einweg-Pfandsystem ist klar: Österreich erreicht mit 81,5 Prozent Sammelquote das Jahresziel und schafft die Grundlage für den nächsten Schritt Richtung 90 Prozent bis 2027. Die Infrastruktur ist breit aufgestellt, die Bevölkerung informiert und gewillt, und die Industrie hat durch sortenreine Materialströme sowie das Vorkaufsrecht bessere Planungssicherheit. Das System reduziert Littering, erhöht die Recyclingqualität und stärkt die Kreislaufwirtschaft.

Für Leserinnen und Leser, die sich weiter vertiefen möchten, empfiehlt sich der Blick in die verlinkte Quelle sowie auf die Informationsseiten der Europäischen Kommission zur Einwegkunststoffpolitik. Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit der Pfandrückgabe im Alltag und wo Sie noch Verbesserungspotenzial sehen. So kann die nächste Ausbaustufe des Systems entlang realer Bedürfnisse gestaltet werden.