Eisenstadt (OTS) – Nachdem Greenpeace am Freitag eigene
Untersuchungsergebnisse zum
Asbestgehalt von Gesteinsmaterialien veröffentlicht hat, informierte
das Land Burgenland heute im Rahmen einer Pressekonferenz über die
fachliche Einordnung, die geplanten Vorsorgemaßnahmen sowie die
Einrichtung einer Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität“.
Zentrale Botschaft: Für die Bevölkerung besteht nach derzeitigem
Wissensstand keine akute Gesundheitsgefährdung. Entscheidend für die
gesundheitliche Beurteilung ist nicht der Asbestanteil im Gestein
oder in gebundenen Materialien, sondern ausschließlich eine mögliche
Belastung der Atemluft. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil betonte,
dass das Thema Asbest mit der gebotenen Sorgfalt behandelt werde,
gleichzeitig aber sachlich einzuordnen sei: „Asbest ist ein sensibles
Thema. Wir nehmen jede Information, die eine potenzielle
Gesundheitsgefährdung betreffen könnte, ernst und haben umgehend
reagiert. Ein interdisziplinäres Team aus Experten bildet eine
Taskforce, die die weiteren Schritte fachlich und wissenschaftlich
begleiten wird. Gesundheitsrelevant ist nicht das Gestein, sondern
die Luft. Genau dort setzen wir jetzt mit Vorsorgemaßnahmen an.“
Ziel ist es, Luftmessungen als entscheidendes Kriterium für die
gesundheitliche Bewertung systematisch durchzuführen, über einen
längeren Zeitraum vergleichbar zu erfassen und fachlich einzuordnen.
Mit den Messungen an ausgewählten Standorten soll so bald wie möglich
begonnen werden. LH-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner
unterstreicht den Transparenzanspruch: „Wir werden die Ergebnisse der
Luftmessungen offenlegen und verständlich erklären. Die Bevölkerung
soll nachvollziehen können, was gemessen wird und was diese Werte
bedeuten.“ Alle Ergebnisse sollen auf der Website des Landes
Burgenland veröffentlicht werden, ergänzt durch eine übersichtliche
Landkarte und FAQs für die Bevölkerung. Außerdem werde eine
telefonische Hotline für Fragen aus der Bevölkerung eingerichtet,
auch für Gemeinden werde es einen Ansprechpartner geben.
Auch Infrastrukturlandesrat Heinrich Dorner bekräftigte die
Wichtigkeit, bei diesem sensiblen Thema rasch zu handeln und die
erforderlichen Schritte zu setzen. Es wird daher auch in den vier
Steinbrüchen in den Bezirken Oberwart und Oberpullendorf weitere
detaillierte Beprobungen geben, aus denen man dann auch ableiten
kann, welche Maßnahmen bei Bedarf noch einzuleiten sind, so der
Landesrat.
Zwtl.: Werte für Luft entscheidend
Fachlich unbestritten ist, dass Asbest in bestimmten Gesteinen–
etwa Serpentinit – natürlich (geogen) vorkommen kann und auch daher
auch in mineralischen Rohstoffen gebunden enthalten sein kann. Der
allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte SV DI Michael
Kochberger erklärt: „Der Nachweis von gebundenen Asbestgehalten in
mineralischen Rohstoffen ist nicht gleichzusetzen mit einer
unmittelbaren Gesundheitsgefährdung – entscheidend ist, ob
lungengängige Asbestfasern freigesetzt und eingeatmet werden können.
Der Massengehalt an Asbest wiederum entspricht nicht zwangsläufig dem
Massenanteil der Asbestminerale, da erst durch eine mechanische
Zerkleinerung erkennbar wird, in welchem Ausmaß Asbestfasern aus den
Asbestmineralen entstehen können. Die Beurteilung des Risikos, das
aus Asbestgehalten in mineralischen Rohstoffen ausgeht, erfolgt durch
Bestimmung der Freisetzbarkeit in die Umgebungsatmosphäre der für die
Gesundheit relevanten Asbestfasern, auch auf die Größe der Fasern
kommt es an.“ Zur Einordnung der Messergebnisse ist wichtig: Für den
Asbestfasergehalt in der Raumluft gibt es einen rechtlich
verbindlichen Grenzwert im Arbeitnehmerinnenschutz von 10.000
lungengängigen Asbestfasern pro Kubikmeter Luft. Dieser Grenzwert
gilt für Arbeitsbereiche, insbesondere in Innenräumen, und ist kein
Grenzwert für die öffentlichen Interessen im Sinne der Bevölkerung
und für die Umwelt generell. Für die Außenluft, in Wohngebieten oder
auf Spielplätzen – existieren derzeit keine gesetzlich festgelegten
Grenzwerte. Es bestehen lediglich Richtwerte für Innenräume, deren
Übertragung auf Außenbereiche fachlich schwierig ist und
anlassbezogen bewertet werden muss. Als Beispiel nennt DI Kochberger
im Land verbaute Asbestzementdächer (Eternit), die – so sie nicht
mechanisch beansprucht werden – nur ein geringes Emissionspotential
besitzen, obwohl Asbestzement bis zu 20% Asbestfasern enthält.
Zwtl.: Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität“
Mag. Andreas Temmel, Vertreter der Landesverwaltung in der
Taskforce, erklärt: „Die fachliche Arbeit der Taskforce setzt hier
an, um Messergebnisse medizinisch korrekt einzuordnen. Messungen über
einen längeren Zeitpunkt sind notwendig, um Vergleichbarkeit
herzustellen.“ Die Taskforce besteht aus Experten aus Umweltmedizin,
Forschung, Verwaltung und Recht. Geleitet wird sie vom Assoz. Prof.
DI Dr. Hans-Peter Hutter, Med Uni Wien beziehungsweise seinem
Vertreter Univ.-Prof. Dr. Hanns Moshammer. Weiters besteht die
Taskforce aus Mag. Andreas Temmel, dem gerichtlichen Asbest-
Sachverständigen DI Michael Kochberger, dem Molekularbiologen und
Vorsitzenden des Expertenbeirats für Forschung des Landes Univ.-Prof.
Dr. Ulrich Elling, Landesumweltanwalt DI Dr. Michael Graf und der
Amtssachverständige DI Dr. Andrea Schröck. In einem ersten Schritt
wird ein Messkonzept erstellt. Die vorsorglichen Luftmessungen sind
an ausgewählten Standorten geplant, beginnend dort, wo Greenpeace
Gesteinsproben entnommen hat und im Umfeld der getesteten
Steinbrüche. Die Ergebnisse werden folglich von den Expertinnen und
Experten interpretiert und Handlungsempfehlungen werden abgeleitet,
die bindend umgesetzt werden. Der Austausch mit den zuständigen
Ministerien erfolge regelmäßig, so Temmel.
Zwtl.: Medizinische Sicht: Keine erhöhte Inzidenz
Aus medizinischer Sicht gäbe es derzeit jedenfalls keinen Anlass
zur Sorge. Der burgenländische Amtsarzt und Vertreter der
burgenländischen Landessanitätsdirektion Dr. Markus Schreier betont:
„Derzeit liegen den Gesundheitsämtern im Burgenland keine Hinweise
auf vermehrte Erkrankungen im Zusammenhang mit Asbest vor.“ Dennoch
nehme man das Thema sehr ernst, wie Landeshauptmann Doskozil
abschließend noch einmal unterstreicht: „Wir klären etwaige
Belastungen sachlich, transparent und auf Basis wissenschaftlicher
Kriterien. Es gibt keinen Grund zur Verunsicherung, aber sehr wohl
einen klaren Auftrag zur Vorsorge. Genau das setzen wir jetzt um.“
Weitere Details zur Arbeit der Taskforce sowie zu den ersten
Messergebnissen werden laufend veröffentlicht.





