Pollenstress zur Weihnachtszeit

Wien (OTS) – Für manche Allergikerinnen und Allergiker beginnt statt
winterlicher
Ruhe bereits jetzt eine Zeit unerwarteter Belastung: Der Pollenflug
der Purpur-Erle sorgt in der Weihnachtszeit bereits für juckende
Augen, Niesreiz und Atembeschwerden. Dies zeigt, dass neben dem
Klimawandel auch die Gestaltung urbaner Grünflächen einen drastischen
Einfluss auf die Pollensaison hat. Ein Thema, mit dem sich auch das
EU-Projekt „PollenCare“ befasst, das Anfang Dezember seine Arbeit
aufnimmt. Neben der Verbesserung der Vorhersagemodelle in der
österreich-ungarischen Grenzregion ist die Entwicklung von
Vorschlägen für allergikerfreundliche urbane Grünflächen das Ziel
dieses Projektes. Der Österreichische Polleninformationsdienst (ÖPID)
ist wissenschaftlicher Partner des Projekts. Mehr Informationen unter
www.polleninformation.at

Die Ruhe vor dem nächsten (Pollen-)Sturm ist kurz, denn bereits
ab der zweiten Dezemberhälfte beginnt die Purpur-Erle zu blühen. Die
als Zierbaum zunehmend im urbanen Bereich, etwa in Wien, Graz oder
Linz, gepflanzte Erlen-Art sorgt damit für allergische Beschwerden zu
einer Zeit, in der kaum jemand mit Pollen rechnet. „Ihre
Winterresistenz, hohe Salzverträglichkeit und Anpassungsfähigkeit an
schlechte Luftverhältnisse macht die Purpur-Erle für viele
Stadtentwickler attraktiv. Gleichzeitig behalten ihre
charakteristischen Kätzchen auch im Winter eine gewisse optische
Eleganz“ , sagt Dr. Markus Berger, Leiter des Österreichischen
Polleninformationsdienstes.

Zwtl.: Heimtückische Kreuzallergie

Durch die enge botanische Verwandtschaft zu Birke und Hasel kann
die Purpur-Erle Kreuzreaktionen auslösen. Das bedeutet: Wer auf
Birken-, Hasel- oder Erlenpollen allergisch ist, reagiert oftmals
auch auf den Pollen der Purpur-Erle. Dazu kommt, dass
Birkenpollenallergiker häufig auch sensibel auf Nüsse wie Mandel,
Hasel-, Wal- oder Erdnüsse mit Juckreiz, Brennen oder Kribbeln im
Mundbereich und an den Lippen reagieren (orales Allergiesyndrom). Die
gute Nachricht: Sind die Nüsse geröstet oder gebacken, werden sie in
der Regel vertragen.

„Die Beschwerden im Dezember haben in den letzten 15 Jahren laut
Auswertungen unseres Pollentagebuches deutlich zugenommen“ , so
Berger. „Dies liegt sowohl am Klimawandel als auch am mangelnden
Wissen über die Allergenität der Purpur-Erle, was ihre verstärkte
Anpflanzung begünstigt hat. Wir sehen generell einen Trend zu höherer
Pollenproduktion bei Frühblühern. Aufgrund der strukturellen
Ähnlichkeit zwischen dem Pollen aller Erlen-Arten, kann der genaue
Anteil der Purpur-Erle an der Gesamtmenge des Erlenpollens in der
Umgebungsluft nicht ermittelt werden.“

Zwtl.: EU-Projekt „PollenCare“: Pollensaison im Wandel

Am Beispiel der Purpur-Erle zeigt sich also, dass bei der
Gestaltung von Grünflächen nicht nur auf Pflanzen gesetzt werden
sollte, die gut mit den vorherrschenden Bedingungen zurechtkommen,
sondern dass auch das Allergiepotenzial berücksichtigt werden muss.

Hier setzt das grenzüberschreitende INTERREG-Projekt PollenCare
an. „Ziel des außeruniversitären Forschungsprojekts ist es, die
gesundheitliche Belastung durch Pollenallergien in der österreichisch
-ungarischen Grenzregion zu verringern“ , erklärt der österreichische
Projektleiter Uwe E. Berger, MBA. „Wir entwickeln in den nächsten
drei Jahren Strategien und Maßnahmenvorschläge, um den Anteil stark
allergener Pflanzen auf urbanen Grünflächen langfristig zu reduzieren
und gleichzeitig natürliche Lebensräume zu schützen und zu fördern.“
Dazu zählen neben der Weiterentwicklung bereits vorhandener Services
wie der Pollen+ App auch Pilotprojekte zur allergikerfreundlichen,
klimawandelangepassten Grünraumgestaltung in Gemeinden.

Fazit: Während der Schneefall vielerorts noch auf sich warten
lässt, verteilt die Purpur-Erle demnächst bereits ihren Pollen. Für
Allergikerinnen und Allergiker bedeutet das: Schon in der Adventzeit
ist Vorsicht geboten. Gleichzeitig zeigt sich, wie wichtig Projekte
wie PollenCare sind, um den Wandel der Pollensaison besser zu
verstehen und frühzeitig auf neue Herausforderungen reagieren zu
können.

Zwtl.: Über den Österreichischen Polleninformationsdienst

Der Österreichische Polleninformationsdienst (ÖPID) ist ein
Zusammenschluss der lokalen Polleninformationsdienste und zählt
aktuell 25 Messstellen („Pollenfallen“) im ganzen Land. Dazu ist er
in Kooperation mit der Firma AZ Pollen Research GmbH eine der
führenden nationalen sowie internationalen wissenschaftlichen
Institutionen im Bereich der Aerobiologie und damit ein gefragter
Partner für z. T. hochdotierte Forschungsvorhaben. In den kommenden
drei Jahren ist der ÖPID in mehrere EU-Projekte mit einem Volumen von
fast 2,5 Millionen Euro eingebunden. Alle Angebote beruhen somit auf
den Erkenntnissen wissenschaftlicher Arbeit und sind kostenlos für
die österreichische Bevölkerung zugänglich. Die Mission des ÖPID ist
eine optimale Versorgung von Patienten und Ärzten mit relevanten
Informationen zum Pollenflug. Dazu stellt er Ärzten, Allergikern,
Medien, der Politik sowie Interessierten kostenlose Information zur
aktuellen Pollensituation sowie Pollendaten zur Verfügung und dies
ohne kommerzielle Interessen. Die kurz- und mittelfristigen
Prognosen, die Allergierisiko-Landkarte, Unwetterwarnungen,
Ozonwarnungen, Asthmawetter, eine exakte tagesaktuelle
Pollenvorhersage sowie einen Countdown, wann in welcher Region mit
welchen Belastungen zu rechnen sein wird, kann man im Internet unter
www.polleninformation.at abrufen. Aktuelle Meldungen gibt’s
zusätzlich per E-Mail-Newsletter, via Facebook, Telegram, Signal,
Instagram und als kostenlose Pollen+ App.