Smart Trees: Intelligente Baumbewässerung in Wien testen

Redaktion

Wien testet Smart Trees: Digitale Bodenfeuchtesensoren und LoRaWAN sollen ab 2024 Wasser sparen und Baumpflege optimieren. Stand: 2025-11-29.

Smart Trees und intelligente Baumbewässerung

Am 29. November 2025 startet eine umfassende Testphase in Wien, bei der die Wiener Stadtgärten (MA 42) gemeinsam mit Wien Energie und Wien Digital (MA 01) im IoT-Projekt „Smart Trees“ digitale Bodenfeuchtesensoren einsetzen. Ziel ist es, auf Basis der gesammelten Daten sowohl die optimale Wassermenge als auch das richtige Bewässerungsintervall für Jungbäume zu bestimmen. Die Tests laufen zunächst bis Ende 2026, ein Ausbau und weiterführende Ziele werden danach evaluiert. Die Initiative hat direkten Bezug zur städtischen Pflege von rund 500.000 Bäumen in Wien und zielt auf Wasserersparnis, effizientere Personaleinsätze und bessere Anwuchsquoten.

Warum das Projekt jetzt kommt

Die zunehmende Häufung von Hitzeperioden und Trockenjahren macht eine dynamische und datenbasierte Baumpflege notwendig. Wien reagiert mit dem Projekt „Smart Trees“ auf diese veränderten klimatischen Bedingungen. Die Kombination aus Sensorik im Boden, LoRaWAN-Funktechnik und einer zentralen IoT-Base soll Bewässerung bedarfsgerecht steuern, anstatt starr nach Zeitplänen zu gießen. Erste Auswertungen zeigen bereits Einsparpotenziale beim Wasserverbrauch und höhere Flexibilität in der Pflege.

Fachbegriffe einfach erklärt

LoRaWAN

LoRaWAN ist ein Funkstandard für das Internet der Dinge (IoT), der energiearme Datenübertragung über große Entfernungen ermöglicht. In der Praxis heißt das: Kleine Sensoren, wie Bodenfeuchtesensoren, können selten gesendet werden und trotzdem über Kilometer hinweg Daten an eine zentrale Empfangsstation schicken. Im städtischen Kontext erlaubt LoRaWAN, dass hunderte oder tausende Sensoren ohne häufigen Batteriewechsel betrieben werden. Für die Nutzer bedeutet das geringere Wartungskosten, längere Einsatzzeiten der Sensoren und eine robuste Übertragungsinfrastruktur, die auch in dicht verbauten Grätzln funktioniert.

IoT (Internet der Dinge)

Das Internet der Dinge beschreibt die Vernetzung physischer Gegenstände mit dem Internet, sodass sie Daten senden, empfangen und Aktionen auslösen können. Im Fall von Smart Trees bedeutet IoT, dass Bodenfeuchtesensoren, Stamm-Sensoren und Schaltzentralen Daten sammeln und vernetzt weiterleiten. Diese Daten werden analysiert, um Bewässerungssysteme zu steuern oder Touren von Gieß-Teams zu optimieren. Für Laien bedeutet IoT also: Technik, die städtische Arbeit effizienter und datenbasiert macht.

Bodenfeuchte

Bodenfeuchte beschreibt den Wasseranteil im Erdreich, gemessen meist als Volumen- oder Gewichtsanteil. Für Bäume ist die Bodenfeuchte entscheidend, weil sie bestimmt, wie viel Wasser den Wurzeln zur Verfügung steht. Zu feucht steht für Wurzelatmung und Nährstoffaufnahme schlecht, zu trocken führt zu Stress und verringertem Anwuchs. Sensoren zur Messung der Bodenfeuchte liefern präzise Werte in definierten Tiefen, sodass Pflegepersonal gezielt und nur bei Bedarf anbietet. Technisch gemessen wird oft in Prozent der Feldkapazität oder als elektrische Leitfähigkeit, die in Relation zur Feuchtigkeit gesetzt wird.

Saftstrom

Der Saftstrom bezeichnet den Wasser- und Nährstofftransport innerhalb eines Baumes, vom Boden über die Wurzeln in Richtung Blattwerk. Messungen des Saftstroms geben Auskunft darüber, wie viel ein Baum tatsächlich verdunstet und benötigt. Durch Stamm-Sensoren lässt sich der Saftstrom kontinuierlich registrieren, sodass sich feststellen lässt, ob ein Baum Wasserstress hat. Für die Baumpflege ist das eine sehr direkte Messgröße: Während Bodenfeuchte den verfügbaren Vorrat beschreibt, zeigt der Saftstrom die tatsächliche Belastung und den Bedarf des Baumes.

IoT-Base

Die IoT-Base ist eine Schaltzentrale oder Plattform, auf der die von Sensoren gesendeten Daten gesammelt, visualisiert und ausgewertet werden. Sie ermöglicht Bedienern, Alarme zu setzen, automatische Steuerungen auszulösen oder Bewässerungspläne anzupassen. In Wien wird die IoT-Base von Wien Digital zur Verfügung gestellt und gemeinsam mit den Wiener Stadtgärten weiterentwickelt. Für die Anwender ist die IoT-Base somit das Tool, das Daten in handlungsrelevante Informationen übersetzt und automatisierte Prozesse anstößt.

Air-Pot®-System

Das Air-Pot®-System ist ein spezielles Pflanzgefäß mit noppenförmigen Wänden und Luftöffnungen, das die Durchlüftung und Drainage des Wurzelbereichs verbessert. Ziel ist es, ein kräftigeres Faserwurzelwachstum zu fördern und stabile Wurzelballen zu erzeugen. Das führt zu einer besseren Anwuchsraten und erhöht der langfristigen Vitalität von Jungbäumen. In Wien werden Air-Pot®-Pflanzungen wissenschaftlich begleitet und mit Sensorik kombiniert, um Bewässerung und Wurzelentwicklung präzise zu steuern.

Historischer Kontext: Stadtbäume, Bewässerung und Technik

Die systematische Pflege städtischer Bäume hat in Wien eine lange Tradition, reicht institutionell bis in die frühen kommunalen Grünraumpflegestrukturen des 19. Jahrhunderts zurück. Während anfangs Bewässerung und Baumpflege überwiegend manuell und lokal organisiert waren, brachte das 20. Jahrhundert zunehmend technische Hilfsmittel: automatische Bewässerungsanlagen in Parks und mechanisierte Geräte für Pflanz- und Pflegemaßnahmen. In den letzten Jahrzehnten hat der Klimawandel die Anforderungen neu definiert: Heißere Sommer, längere Trockenphasen und dichteres Stadtgefüge erhöhen den Stress für Bäume. Aus diesem Grund setzte Wien verstärkt auf groß angelegte Pflanzprogramme wie „Raus aus dem Asphalt“ und auf moderne Technik zur effizienteren Bewässerung.

Seit 2024 wird mit „Smart Trees“ ein Schritt weiter gegangen: Statt fixen Intervallen soll künftig bedarfsgerecht nach Sensordaten bewässert werden. Die Kombination aus Sensorik, Funknetz und Datenplattform entspricht einem globalen Trend zur Digitalen Transformation der Stadtpflege, schlägt aber zugleich eine Brücke zur klassischen forst- und gartenbaulichen Praxis.

Vergleich: Andere Bundesländer, Deutschland und Schweiz

In Österreich variieren die Ansätze zur urbanen Baumpflege zwischen den Bundesländern. Wiener Maßnahmen zeichnen sich durch einen hohen Grad an Zentralisierung und ein großes städtisches Grünflächenmanagement aus, während kleinere Bundesländer wie Vorarlberg oder Tirol stärker auf regionale Initiativen und naturnahe Lösungen setzen. In Deutschland sind mehrere Großstädte bereits mit LoRaWAN-Netzen und Sensortechnik aktiv; Berlin, München und Hamburg verfolgen ähnliche Pilotprojekte, wobei die Strukturen oft dezentraler sind als in Wien. Die Schweiz kombiniert häufig Klimaanpassungsstrategien mit hochwertiger Grünraumplanung und testet Sensorik in ausgewählten Pilotgebieten, legt aber verstärkt Wert auf interdisziplinäre Forschung mit Universitäten und kantonalen Ämtern.

Im direkten Vergleich fällt auf: Wien integriert Sensorik in ein stadtweites LoRaWAN-Netz und koppelt die Tests an wissenschaftliche Partner wie die Universität Wien und das Bundesamt für Wasserwirtschaft. Das gibt dem Wiener Ansatz eine umfassende Datengrundlage, mit der sich stadtweite Strategien ableiten lassen. Andere Städte und Länder testen zwar ähnlich, doch die Kombination aus großem städtischen Baumbestand, stadtweiten Sensorversuchen und Kooperationen mit Forschungseinrichtungen macht das Wiener Projekt besonders umfassend.

Bürger-Impact: Konkrete Auswirkungen und Beispiele

Das Projekt hat unmittelbare Auswirkungen auf Bürgerinnen und Bürger in Wien. Erstens kann ein effizienteres Gießmanagement zu weniger Wasserverbrauch und somit auch zu einer geringeren Belastung der städtischen Wasserressourcen führen. Das spürt die Allgemeinheit durch gesteigerte Nachhaltigkeit und mögliche langfristige Kosteneinsparungen.

Zweitens verbessert eine bedarfsgerechte Bewässerung die Überlebensrate von Jungbäumen, was sich mittelbar auf Stadtklima, Schattenspende und Aufenthaltsqualität auswirkt. Ein konkretes Beispiel: In eng bebauten Grätzln, wo Erde knapp ist und Verdunstung hoch, können Sensoren helfen, gezielt zu bewässern, anstatt pauschal und vielleicht unnötig Wasser einzusetzen. Bewohnerinnen und Bewohner profitieren von kühleren Straßen, besserem Stadtbild und weniger Staubbelastung.

Drittens kann eine optimierte Tourenplanung die Arbeit der Wiener Stadtgärten entlasten: Weniger Leerfahrten und gezielte Einsätze bedeuten weniger Verkehr, weniger Emissionen und geringere Personalkosten. Für städtische Dienstleister führt das zu effizienteren Abläufen; für die Bevölkerung zu stabileren Grünflächen und potenziell schnelleren Reaktionszeiten bei Problemen.

Viertens sind auch kommunale Bildungseinrichtungen und Freiwilligeninitiativen betroffen: Transparent bereitgestellte Daten können in Umweltbildung und Bürgerbeteiligung einfließen, sodass Anrainerinnen und Anrainer besser verstehen, warum und wann gegossen wird und wie sie selbst lokale Bäume unterstützen können.

Zahlen & Fakten ausführlich analysiert

Wesentliche Zahlen aus der Presseaussendung: Die Wiener Stadtgärten pflegen rund 500.000 Stadtbäume. Im Rahmen der Initiative „Raus aus dem Asphalt“ wurden über 3.300 Bäume im Straßenraum und auf Plätzen gepflanzt. Bis Jahresende sollen rund 460 Sensoren in unterschiedlichen Tiefen, Sensoren-Typen und bei verschiedenen Baumarten zur Testung eingesetzt werden. Die Testreihe läuft seit Februar 2024, der Beobachtungszeitraum der aktuellen Phase ist bis Ende 2026 terminiert, und der vollständige Ausbau des LoRaWAN-Netzes ist bis 2028 vorgesehen. In der Baumschule Mauerbach werden seit Dezember 2024 42 Bäume im Air-Pot®-System getestet; ab Herbst 2025 folgen weitere 60 Bäume in Essling.

Interpretation: 460 Sensoren gegenüber einem Bestand von 500.000 Bäumen sind ein gezielter Pilotumfang — es geht um repräsentative, wissenschaftlich aussagekräftige Datensätze und nicht um sofortige flächendeckende Installation. Die Auswahl verschiedener Tiefen, Typen und Baumarten ermöglicht wissenschaftliche Vergleiche zur Robustheit der Messungen und zur Übertragbarkeit auf unterschiedliche Standorte. Die Anbindung an Forschungseinrichtungen sichert, dass Erkenntnisse in ein späteres Pflegekonzept einfließen können.

Zukunftsperspektive

Auf Basis der bisherigen Planungen und ersten Auswertungen ist zu erwarten, dass Sensorik und automatisierte Steuerung in den kommenden Jahren schrittweise in die Routine der Wiener Stadtgärten eingebettet werden. Szenarien reichen von einer gezielten Ausstattung besonders sensibler Gebiete bis hin zu einem stadtweiten Rollout der effizientesten Sensor-Ausstattung. Entscheidend werden dabei die Ergebnisse der Testphase bis Ende 2026, die Bewährung der Technik im urbanen Dauerbetrieb und die ökonomische Skalierbarkeit.

Langfristig könnten kombinierte Daten aus Bodenfeuchte, Saftstrom und Wetterprognosen automatisierte Bewässerungsintervalle ermöglichen und so Personalressourcen freisetzen, die für andere Pflegeaufgaben genutzt werden. Forschungsergebnisse könnten außerdem zu Anpassungen im Pflanzmaterial, Pflanzzeiten (z. B. mögliche Sommerpflanzungen mit Air-Pot®) und neuen Pflegeprotokollen führen. Wichtig bleibt die kontinuierliche Evaluation, Datenschutzkonformität und Bürgerkommunikation, damit Transparenz und Vertrauen in die Technik gewährleistet sind.

Quellen und weiterführende Informationen

Dieser Bericht basiert auf der Presseaussendung der Stadt Wien – Kommunikation und Medien (KOM) vom 29. November 2025. Originalquelle: OTS: Smart Trees: Wiener Stadtgärten testen digitale Sensoren. Pressefotos: https://presse.wien.gv.at/bilder

Fazit

Das Projekt „Smart Trees“ kombiniert moderne IoT-Technik mit klassischer Baumpflege. Es hat das Potenzial, Wasser zu sparen, die Vitalität von Jungbäumen zu erhöhen und die Arbeitsabläufe der Wiener Stadtgärten zu optimieren. Die kommenden zwei Jahre bis Ende 2026 sind entscheidend für die Evaluation; die wissenschaftliche Begleitung soll sicherstellen, dass aus Messdaten praktikable Pflegekonzepte für ganz Wien erwachsen.

Wie stehen Sie zu sensorbasierter Stadtpflege? Mehr Informationen und laufende Updates finden Sie in der Presseaussendung der Stadt Wien und auf den Seiten der Wiener Stadtgärten.