Wien setzt am 26. Jänner 2026 ein Signal: ROT-WEISS-ROT BAUEN fordert qualitätsorientierte Vergaben, regionale Wertschöpfung und faire Bedingungen. Der Appell kommt mitten in herausfordernden Zeiten für die Bauwirtschaft und richtet sich explizit an öffentliche Auftraggeber in Österreich. Mit über 200 Gästen beim Neujahrstreffen der Gewerkschaft BAU-HOLZ in Wien erhält die Initiative starke Aufmerksamkeit. Was bedeutet das konkret für Wien, die Bundesländer und für Bürgerinnen und Bürger? Und welche Spielräume gibt es tatsächlich im geltenden Vergaberecht? Dieser Überblick ordnet die Aussagen aus der Presseaussendung des ÖGB ein, erklärt zentrale Fachbegriffe und skizziert, welche Auswirkungen qualitätsorientierte Vergaben für die Bauwirtschaft und die Gesellschaft haben können.
Qualitätsorientierte Vergaben als Schlüssel für Österreichs Bauwirtschaft
Laut der Presseaussendung des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB) zur Initiative ROT-WEISS-ROT BAUEN wurde die Wiener Station der GBH-Neujahrstour 2026 zur bestbesuchten. Die Kernbotschaft: Öffentliche Aufträge sollen verstärkt regionalen Betrieben zugutekommen, die gute Arbeitsbedingungen bieten, ausbilden und langfristig Qualität sicherstellen. Die Verantwortlichen aus Gewerkschaft, öffentlichen Auftraggebern und Sozialpartnerschaft bekräftigen, dass das Vergaberecht bereits heute Spielräume für Regionalität, Ausbildung, soziale und ökologische Kriterien bietet. Nun sei die konsequente Nutzung dieser Spielräume gefragt. Die Presseaussendung ist hier abrufbar: OTS/ÖGB.
Für die Bundeshauptstadt Wien als größten öffentlichen Auftraggeber Österreichs hat die Debatte besondere Bedeutung. Wo Förderungen, Bauaufträge und Sanierungsprogramme vergeben werden, entscheidet sich, ob Lehrstellen entstehen, ob Malerinnen und Maler, Maurerinnen und Maurer sowie Technikerinnen und Techniker planbar beschäftigt sind und ob die regionale Wertschöpfung im Land bleibt. Damit rückt ein Grundsatz ins Zentrum: Qualität statt reiner Billigstlogik. Gemeint ist ein Vergabeansatz, der nicht nur den niedrigsten Preis honoriert, sondern die besten Gesamtergebnisse für Wirtschaft, Beschäftigung und Umwelt erzielt.
Was bedeutet qualitätsorientierte Vergabe konkret?
Qualitätsorientierte Vergaben sind Vergabeentscheidungen, bei denen nicht ausschließlich der niedrigste Preis, sondern das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im Mittelpunkt steht. Dazu zählen beispielsweise die Qualifikation des Personals, die Ausbildungsleistung eines Unternehmens, die Qualität der eingesetzten Materialien, die Zuverlässigkeit bei Terminen, garantierte Service- und Gewährleistungsstandards sowie ökologische und soziale Kriterien. Öffentliche Auftraggeber können in ihren Ausschreibungen solche Kriterien definieren, gewichten und in nachvollziehbaren Bewertungsmatrizen abbilden. Ziel ist es, Lebenszykluskosten, Risiken und gesellschaftliche Effekte einzubeziehen, statt nur die kurzfristige Ersparnis beim Einkaufspreis zu betrachten.
Fachbegriffe verständlich erklärt
Bundesvergabegesetz (BVergG): Das Bundesvergabegesetz ist der österreichische Rechtsrahmen, der regelt, wie Bund, Länder, Gemeinden und andere öffentliche Auftraggeber Bau-, Liefer- und Dienstleistungen einkaufen. Es setzt europäische Vorgaben um und definiert Verfahren, Schwellenwerte, Eignungs- und Zuschlagskriterien sowie Rechtsschutzmöglichkeiten. Für die Praxis bedeutet das: Auftraggeber müssen transparent, diskriminierungsfrei und wettbewerblich ausschreiben. Gleichzeitig erlaubt das BVergG, neben dem Preis auch Qualitätsmerkmale, soziale Aspekte und ökologische Anforderungen zu berücksichtigen. Die gesetzliche Grundlage ist öffentlich zugänglich, etwa über das Rechtsinformationssystem des Bundes: RIS.
Qualitätsorientierte Vergaben: Der Begriff beschreibt Vergaben, die auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis abzielen. Es geht um eine Gesamtbewertung, die Preis, Qualität, Nachhaltigkeit, Personalqualifikation, Ausbildung und regionale Verankerung in Relation setzt. So können etwa Referenzen, eine klare Personalplanung, qualitätssichernde Maßnahmen, geprüfte Lieferketten und Servicekonzepte in die Punktewertung einfließen. Langfristig wird dadurch die Ausfalls- und Mängelquote reduziert, die Projektsicherheit erhöht und die regionale Wirtschaft gestärkt. Die Initiative ROT-WEISS-ROT BAUEN fordert genau diese Denkrichtung.
Bestbieterprinzip vs. Billigstbieterprinzip: Beim Billigstbieterprinzip erhält das niedrigste Angebot den Zuschlag, unabhängig von Qualität oder Folgekosten. Das Bestbieterprinzip vergibt an den wirtschaftlich günstigsten Anbieter unter Berücksichtigung qualitativer Kriterien. In der Praxis bedeutet das: Nicht der erste Blick auf den Netto-Preis entscheidet, sondern die Summe aus Preis, Qualität, Terminsicherheit, Gewährleistung und Nachhaltigkeit. Viele Auftraggeber setzen heute bereits Elemente des Bestbieterprinzips ein, um spätere Mehrkosten durch Mängel, Verzögerungen oder Nachträge zu vermeiden.
Sozialdumping: Unter Sozialdumping versteht man Praktiken, bei denen Löhne, Sozialabgaben oder Arbeitsstandards unterlaufen werden, um Kosten zu drücken. Dazu gehören etwa falsche Meldungen, Scheinunternehmertum oder verschachtelte Subunternehmerketten, die die Verantwortung verschleiern. Für legitime Betriebe entsteht dadurch unlauterer Wettbewerb. Maßnahmen gegen Sozialdumping sind daher integraler Bestandteil qualitätsorientierter Vergaben, etwa durch strengere Eignungskriterien, Nachweispflichten und Kontrollen entlang der Liefer- und Leistungskette.
Subunternehmerkette: Eine Subunternehmerkette entsteht, wenn ein Hauptauftragnehmer Aufträge an Subunternehmen weitergibt, die ihrerseits wieder Subunternehmen beauftragen. Je länger und intransparenter diese Kette, desto schwerer wird es, Qualitätsstandards, Arbeitsrecht und Sicherheitsauflagen zu überwachen. Qualitätsorientierte Vergaben verlangen daher klare Offenlegungspflichten, Höchstgrenzen für die Subvergabe und wirksame Kontrollmechanismen, damit Standards bis auf die letzte Leistungsebene eingehalten werden.
Regionale Wertschöpfung: Regionale Wertschöpfung meint die wirtschaftlichen Effekte, die in einer Region entstehen, wenn Aufträge dort vergeben werden, wo Beschäftigte wohnen, Unternehmen Steuern zahlen und Betriebe Ausbildungsplätze anbieten. Das umfasst Löhne, Steuern, Abgaben, Investitionen in Maschinen und Gebäude sowie Konsum. Wenn öffentliche Aufträge regionale Wertschöpfung fördern, profitieren lokale Kreisläufe, was sich in stabileren Arbeitsplätzen, höheren Ausbildungsquoten und resilienteren Betrieben zeigt. ROT-WEISS-ROT BAUEN setzt hier bewusst an.
Green Public Procurement (Nachhaltigkeitskriterien): Green Public Procurement bezeichnet die Berücksichtigung ökologischer Kriterien in öffentlichen Vergaben. Dazu gehören energieeffiziente Bauweisen, langlebige Materialien, geringe Emissionen auf der Baustelle, regionale Lieferwege und Recyclingkonzepte. Der Vorteil: Über den Lebenszyklus eines Gebäudes können Betriebskosten und Umweltbelastungen reduziert werden. Qualitätsorientierte Vergaben kombinieren diese Aspekte mit sozialen Kriterien wie fairen Löhnen und Ausbildung, um eine ganzheitlich nachhaltige Beschaffung zu erreichen.
Sozialpartnerschaft: Die österreichische Sozialpartnerschaft ist die Zusammenarbeit von Interessensvertretungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit der Politik. Sie zielt auf konsensorientierte Lösungen und Stabilität ab. In der Bauwirtschaft spielt sie eine zentrale Rolle, etwa bei Kollektivverträgen, Qualifizierungsinitiativen oder Maßnahmen gegen unlauteren Wettbewerb. Dass Gewerkschaft, Arbeiterkammer, Wirtschaft und Politik die Grundsätze von ROT-WEISS-ROT BAUEN gemeinsam diskutieren, ist Ausdruck dieser Tradition.
Historische Entwicklung: Von der Preisfixierung zur Qualitätsorientierung
Historisch waren öffentliche Vergaben in vielen Ländern stark preisgetrieben. Das hatte nachvollziehbare Gründe: Budgets sollten geschont und Wettbewerbe offen gehalten werden. Gleichzeitig führte strikte Preisorientierung immer wieder zu Problemen, etwa zu Nachtragsspiralen, Qualitätsmängeln oder zu riskanten Subunternehmerketten. In Österreich setzte sich schrittweise die Erkenntnis durch, dass der rein niedrigste Preis nicht automatisch die beste wirtschaftliche Lösung ist. Daher wurden im Vergaberecht und in der Vergabepraxis über die Jahre Kriterien verankert, die Qualität, Nachhaltigkeit und soziale Aspekte stärker gewichten.
Parallel dazu wuchsen in der Bauwirtschaft die Anforderungen: Energieeffizienz, klimafitte Sanierung, leistbares Wohnen und nachhaltige Infrastruktur benötigen hochqualifizierte Fachkräfte, verlässliche Materialqualität und stabile Projektsteuerung. Gerade bei Gebäuden sind die Lebenszykluskosten entscheidend höher als der reine Errichtungspreis. Ein zunächst teureres, aber langlebigeres und energieeffizienteres Bauwerk kann über Jahrzehnte wirtschaftlicher sein. Diese Sichtweise prägt den Paradigmenwechsel hin zu qualitätsorientierten Vergaben. Die Presseaussendung des ÖGB spiegelt diesen Wandel wider, indem sie Qualität, Ausbildung, Regionalität und faire Bedingungen als zentrale Kriterien definiert und die konsequente Umsetzung einfordert.
Vergleich: Wien, andere Bundesländer, Deutschland und Schweiz
Wien ist als größter öffentlicher Auftraggeber in einer besonderen Verantwortung. Die Stadt investiert seit Jahren in Wohnbau, Sanierung und Infrastruktur. Qualitativ ausgerichtete Ausschreibungen können hier eine Hebelwirkung entfalten, die weit über einzelne Projekte hinausgeht. In anderen österreichischen Bundesländern sind ähnliche Debatten zu beobachten: Während traditionell stark bauaktive Länder wie Niederösterreich, Oberösterreich oder die Steiermark Infrastrukturzyklen unterschiedlich steuern, wächst überall das Interesse an klaren Qualitäts- und Kontrollkriterien, um die regionale Wertschöpfung zu erhöhen und Sozialdumping zu verhindern. Entscheidend ist die praktische Ausgestaltung der Kriterien und die Kontinuität in der Umsetzung.
Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass sich auch dort eine Entwicklung zum Bestbieterprinzip vollzieht. In mehreren Bundesländern existieren Tariftreue- und Vergabegesetze, die faire Arbeitsbedingungen als Voraussetzung für öffentliche Aufträge definieren. Diese Regelungen sollen verhindern, dass Anbieter durch Unterlaufen von Löhnen Wettbewerbsvorteile erzielen. Informationen zu Vergaberegeln stellt die Europäische Kommission bereit: EU-Kommission. Auch ohne in Details einzelner Landesgesetze zu gehen, ist die Tendenz erkennbar: Qualität und Fairness gewinnen an Gewicht.
In der Schweiz wurde das öffentliche Beschaffungsrecht in den letzten Jahren reformiert. Die revidierten Regelwerke betonen die Qualität und Nachhaltigkeit stärker als zuvor. Sie erlauben, neben dem Preis auch Aspekte wie Lebenszykluskosten, Innovation, ökologische Standards und soziale Faktoren zu bewerten. Damit nähert sich die Praxis der schweizerischen Kantone dem Grundgedanken qualitätsorientierter Vergaben an. Umfangreiche Informationen zum Beschaffungsrecht finden sich auf den Seiten der Schweizer Behörden; für Hintergrundrecherche können Leserinnen und Leser bei Bedarf bei Bundes- oder Kantonsportalen starten.
Bürger-Impact: Was bedeutet das im Alltag?
Qualitätsorientierte Vergaben sind kein abstraktes Jurathema. Sie betreffen den Alltag vieler Menschen in Österreich. Drei Beispiele zeigen die Bedeutung:
- Leistbares und gutes Wohnen: Wenn gemeinnützige Bauvereinigungen und öffentliche Auftraggeber nicht nur den Preis, sondern die Qualität, Langlebigkeit und Energieeffizienz von Bau- und Sanierungsleistungen bewerten, profitieren Mieterinnen und Mieter von geringeren Betriebskosten, mehr Komfort und weniger Schadensfällen. Eine wärmegedämmte Fassade, hochwertige Fenster und fachgerecht eingebaute Haustechnik senken Energieverbrauch und Instandhaltungskosten über Jahrzehnte.
- Verlässliche Infrastruktur: Bei Straßen, Schulen, Spitälern und Öffi-Projekten zählt Terminsicherheit genauso wie die Qualität der Ausführung. Wenn Anbieter nach überprüfbaren Qualitätskriterien ausgewählt werden, sinkt das Risiko von Verzögerungen, Nachträgen und Folgeschäden. Das bedeutet verlässlichere Öffnungszeiten bei Bildungseinrichtungen, sichere Verkehrswege und stabile Gesundheitsversorgung.
- Gute Jobs und Ausbildung: Unternehmen, die Lehrlinge ausbilden und Stammpersonal beschäftigen, investieren in Fachkräfte der Zukunft. Wenn solche Leistungen bei der Vergabe positiv bewertet werden, entstehen mehr Lehrstellen und langfristige Beschäftigungsperspektiven für junge Menschen. Malerinnen und Maler, Zimmererinnen und Zimmerer sowie Bauleiterinnen und Bauleiter profitieren von planbarer Arbeit und Weiterbildung.
Für die Region bedeutet das: Wertschöpfung bleibt vor Ort, Betriebe investieren in ihre Standorte, und Land und Gemeinden erhalten durch Steuern und Abgaben jene Mittel, die später wieder in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur fließen. Qualitativ beschaffte Bauleistungen erhöhen damit die Widerstandsfähigkeit der regionalen Wirtschaft vor allem in Phasen, in denen Budgets unter Druck stehen. Genau diesen Zusammenhang betonen Vertreterinnen und Vertreter aus Gewerkschaft, Arbeiterkammer und öffentlichen Auftraggebern in der Presseaussendung zur Initiative ROT-WEISS-ROT BAUEN.
Zahlen und Fakten aus der aktuellen Presseaussendung
Konkrete Zahlen in der Presseaussendung betreffen vor allem die Resonanz auf das Thema: Mit über 200 Gästen war Wien die bestbesuchte Station der GBH-Neujahrstour 2026. Dass die Bundeshauptstadt zugleich als größter öffentlicher Auftraggeber gilt, unterstreicht die Relevanz der Botschaft. Darüber hinaus verweist die Aussendung auf die rechtliche Möglichkeit, Qualität, Regionalität sowie soziale und ökologische Kriterien verbindlich zu verankern. Die Kernaussage: Die Instrumente sind vorhanden, es braucht den Willen, sie anzuwenden.
Als beteiligte Akteure werden Vertreterinnen und Vertreter aus Gewerkschaft, öffentlichen Auftraggebern und Sozialpartnerschaft genannt. In der Praxis heißt das, dass unterschiedliche Perspektiven – von der Bauverwaltung über Pensionsversicherungsträger bis zu gemeinnützigen Bauträgern und der Interessenvertretung der Bauunternehmen – die Zielrichtung unterstützen: weg von der reinen Billigstlogik, hin zu qualitätsorientierten Vergaben. Weitere Informationen bietet der ÖGB auf seinen Kanälen: ÖGB sowie die Gewerkschaft BAU-HOLZ: GBH.
Rechtlicher Rahmen und Spielräume in Österreich
Das österreichische Vergaberecht ermöglicht bereits heute die Berücksichtigung qualitativer, sozialer und ökologischer Aspekte. Auftraggeberinnen und Auftraggeber können diese Kriterien in Leistungsbeschreibungen, Eignungsanforderungen und Zuschlagskriterien verankern. Damit die Anwendung rechtssicher ist, müssen Kriterien transparent, sachlich gerechtfertigt und überprüfbar sein. Das Rechtsinformationssystem des Bundes stellt Grundlagen bereit: RIS.
Für die Praxis öffentlicher Bauprojekte in Österreich ist entscheidend, dass Kriterien klar definiert, nachvollziehbar gewichtet und im Verfahren dokumentiert werden. Dazu gehören unter anderem: Referenzen vergleichbarer Projekte, Qualifikation und Verfügbarkeit des Schlüsselpersonals, ein schlüssiges Bauablauf- und Qualitätskonzept, bindende Zusagen zur Ausbildung von Lehrlingen, Maßnahmen zur Vermeidung von Sozialdumping, eine transparente Darstellung von Subunternehmern sowie ökologische Standards. Institutionen wie die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) oder Sozialversicherungsträger wie die Pensionsversicherung (Pensionsversicherung) haben in der Presseaussendung den Stellenwert solcher Kriterien unterstrichen.
Praxisvergleich: Aufsicht, Kontrolle und Lieferketten
Qualitätsorientierte Vergaben entfalten nur dann ihre Wirkung, wenn Kontrolle und Aufsicht den gesamten Projektverlauf begleiten. Dazu zählen stichprobenartige Baustellenkontrollen, Nachweise über die Bezahlung vereinbarter Löhne, Plausibilitätsprüfungen von Subunternehmerlisten und die Möglichkeit, unzulässige Substitutionen zu untersagen. Gemeinnützige Bauvereinigungen und Baugewerbe-Vertretungen weisen regelmäßig darauf hin, dass intransparente Subunternehmerketten Risiken für Qualität und Fairness bergen. Dem kann mit klaren Obergrenzen für Subvergaben, mit Eignungsnachweisen und mit Ausschlussgründen entgegengewirkt werden.
Die Arbeiterkammer (AK) und die Wirtschaftskammer (WKO) bieten in der Regel Informationsmaterial, Beratung und Musterklauseln, die Auftraggeberinnen und Auftraggebern helfen, rechtssicher Qualitätskriterien zu formulieren und durchzusetzen. Die Presseaussendung zeigt die Linie: Qualität, Regionalität und Ausbildung sollen systematisch und verbindlich in Verfahren einfließen.
Wie Wien und Österreich das Momentum nutzen können
Wien hat die Chance, als größter öffentlicher Auftraggeber Standards zu setzen, die dann in anderen Bundesländern Schule machen. Drei kurzfristige Hebel sind zentral:
- Eindeutige Vergabekriterien: Bewertungsmatrizen, in denen Ausbildung, regionaler Bezug, Qualitätssicherung und ökologische Standards nachvollziehbar gewichtet werden.
- Transparente Kontrollen: Laufende Prüfungen auf der Baustelle und entlang der Subunternehmerkette, um Sozialdumping vorzubeugen.
- Planbare Investitionen: Verlässliche, mehrjährige Programme in Wohnbau, Sanierung und Infrastruktur steigern Beschäftigung und geben Betrieben Planungssicherheit.
Die Presseaussendung nennt gezielte Investitionen in Wohnbau, Sanierung und Infrastruktur als Mittel, um Beschäftigung zu sichern und Wertschöpfung im Land zu halten. Genau hier liegt der Hebel: Gute und verlässliche Auftragslagen ermöglichen Betrieben, Lehrlinge auszubilden, in Geräte zu investieren und Innovationsprojekte anzustoßen. So entsteht ein stabiler Kreislauf aus Qualität, regionaler Wertschöpfung und fairen Arbeitsbedingungen.
Zukunftsperspektive: Szenarien bis 2030
Wenn Auftraggeberinnen und Auftraggeber die vorhandenen rechtlichen Spielräume konsequent nützen, können sich bis 2030 mehrere positive Effekte einstellen. Erstens ist mit einer höheren Auslastung regionaler Betriebe zu rechnen, die auf Stammpersonal und Ausbildung setzen. Das stabilisiert Beschäftigung, vor allem in Zeiten konjunktureller Unsicherheit. Zweitens verbessern sich die Qualität und Termintreue bei Bauprojekten, wenn Fachkräfte, Qualitätssicherung und verlässliche Lieferketten stärker gewichtet werden. Drittens sinken Lebenszykluskosten öffentlicher Gebäude, wenn nachhaltige Materialien, energieeffiziente Systeme und langlebige Konstruktionen den Zuschlag bekommen. Viertens stärkt die Verknüpfung von sozialer und ökologischer Bewertung die Glaubwürdigkeit öffentlicher Investitionen.
Herausforderungen bleiben: Kriterien müssen rechtssicher formuliert sein, die Dokumentation ist aufwendig, und Auftraggeber benötigen ausreichend Kapazitäten für Prüfung und Kontrolle. Dennoch zeigt die Linie der Presseaussendung: Rechtlich ist qualitätsorientierte Vergabe möglich, politisch ist sie gewollt, und wirtschaftlich kann sie sich lohnen. Die kommenden Vergaberunden im Wohnbau, bei Sanierungen und in der Infrastruktur werden zeigen, ob das Momentum genutzt wird.
Konkrete Anwendungsbeispiele in Österreich
Ein Gemeindebau wird saniert: In der Ausschreibung werden neben dem Preis Punkte für geprüfte Energieeffizienz, eine verbindliche Ausbildungsquote für Lehrlinge am Projekt, die Offenlegung der Subunternehmerkette und ein zertifiziertes Qualitätsmanagement vergeben. Anbieter, die seit Jahren erfolgreich vergleichbare Projekte umgesetzt haben und das nachweisen, erhalten Bonuspunkte. Das Ergebnis ist ein wirtschaftlich günstiges Angebot mit hoher Qualität und nachvollziehbarer Ausführung.
Ein Schulzubau in einem Bundesland: Die Vergabe schreibt kurze Lieferwege für Baumaterialien vor, um Emissionen zu senken, und verlangt die Einhaltung einschlägiger kollektivvertraglicher Standards. Das führt dazu, dass regionale Produzentinnen und Produzenten sowie Betriebe mit solider Personalstruktur im Vorteil sind. Schülerinnen und Schüler profitieren von einem Gebäude, das pünktlich fertig wird, und die Gemeinde von geringeren Betriebskosten.
Ein Infrastrukturprojekt in Wien: Für eine Verkehrsanlage wird das Bestehen eines Bauablaufplans mit realistischen Pufferzeiten gefordert. Zudem ist eine Mindestquote qualifizierter Fachkräfte mit spezifischen Zertifizierungen Bedingung. Das reduziert Ausfallrisiken und vermeidet späte, teure Nachträge. Der öffentliche Verkehr rollt früher stabil, und Anrainerinnen und Anrainer werden weniger lange belastet.
Rolle der Institutionen und weiterführende Links
Die Presseaussendung verweist auf zentrale Akteure, die die Linie qualitätsorientierter Vergaben unterstützen. Für vertiefende Informationen können Leserinnen und Leser folgende Ressourcen nutzen:
- OTS-Presseaussendung zur Initiative ROT-WEISS-ROT BAUEN: ots.at
- Rechtsinformationssystem des Bundes (Vergaberecht): ris.bka.gv.at
- Österreichischer Gewerkschaftsbund: oegb.at
- Gewerkschaft BAU-HOLZ: gbh.at
- Bundesimmobiliengesellschaft: big.at
- Pensionsversicherung: pensionsversicherung.at
- Arbeiterkammer: arbeiterkammer.at
- Wirtschaftskammer Österreich: wko.at
- Öffentliche Auftragsvergabe in der EU (Hintergrund): EU-Kommission
Fazit: Qualität, Regionalität und Fairness als Leitmotiv
Die Presseaussendung des ÖGB vom 26. Jänner 2026 setzt eine klare Marke: Qualitativ ausgerichtete öffentliche Vergaben sind rechtlich möglich, politisch gewollt und wirtschaftlich sinnvoll. Wien als größter Auftraggeber kann hier vorangehen, indem Ausbildung, regionale Wertschöpfung, soziale Standards und ökologische Kriterien verbindlich in Ausschreibungen verankert werden. Davon profitieren Mieterinnen und Mieter, Pendlerinnen und Pendler, Betriebe und die öffentliche Hand gleichermaßen – durch langlebige Bauwerke, verlässliche Termine, gute Jobs und geringere Kosten über den Lebenszyklus.
Wie konsequent die Grundsätze von ROT-WEISS-ROT BAUEN umgesetzt werden, entscheidet sich in den nächsten Vergaberunden. Leserinnen und Leser, die sich vertiefend informieren möchten, finden die Details in der Presseaussendung: OTS/ÖGB und in den Grundlagen des Vergaberechts: RIS. Welche Qualitätskriterien wünschen Sie sich künftig bei öffentlichen Bauprojekten in Ihrem Umfeld? Schreiben Sie uns Ihre Meinungen und Beispiele – denn nur mit klaren Anforderungen wird aus einem Leitmotiv gelebte Praxis.






