Klimaschäden unversicherbar? WWF warnt Österreich

Redaktion

Am 15.01.2026 warnt der WWF: Klimaschäden werden teurer, Risiken steigen, und traditionelle Versicherungsmodelle geraten unter Druck. Was das für Österreich bedeutet, zeigt ein neuer Bericht – mit überraschenden Konsequenzen für Haushalte, Unternehmen und die öffentliche Hand. Zwischen Alpenraum und Donaubecken entscheidet sich, wie gut das Land auf häufigere Extremereignisse reagiert. Noch sind zentrale Fragen offen, doch die Richtung ist klar: Vorsorge, Natur und Transparenz werden über Kosten entscheiden – und darüber, wie viel Schutz Versicherungen künftig noch bieten können.

WWF-Bericht zur Versicherungslücke bei Klimaschäden

Der neue Bericht des WWF Österreich, veröffentlicht am 15.01.2026, rückt die wachsende Versicherungslücke bei Klimaschäden in den Fokus. Die Analyse, die Europa und die USA im Blick hat, zeichnet ein Bild, das Österreich direkt betrifft: Je häufiger und intensiver Überschwemmungen, Dürren und andere Extremwetter auftreten, desto stärker steigen die Gesamtkosten – und desto größer wird die Lücke zwischen versicherten und tatsächlichen Schäden. Der WWF warnt, dass Klimaschäden in Teilen künftig nicht mehr versicherbar sein könnten. Die Originalquelle ist öffentlich einsehbar: OTS-Presseaussendung des WWF Österreich. Ergänzende Informationen bietet WWF Österreich. Für Österreich verweist der Bericht auf alarmierende Eckdaten: Bis 2030 könnten sich die jährlichen klimabedingten Schäden auf bis zu 5 Milliarden Euro summieren, bis 2050 sogar verdoppeln. Zugleich sind laut Rechnungshof nur rund 5 Prozent der Werte gegen Hochwasser versichert, siehe Rechnungshof.

WWF-Expertin Teresa Gäckle bringt den Zusammenhang auf den Punkt: ‚Die Klimakrise wird immer teurer – und damit auch immer weniger versicherbar. Wir müssen jetzt entschlossen in unsere beste Verbündete investieren: eine intakte Natur.‘ Der vorgeschlagene 4-Punkte-Plan umfasst eine systematische Bewertung von Klimarisiken und Widerstandsfähigkeit, eine Offensive für Naturschutz und naturbasierte Lösungen sowie stärkere Prävention. Für Österreich bedeutet das: Schutz durch Ökosysteme und Planung wird genauso wichtig wie klassische Versicherungsprodukte. Klimaschäden sind nicht nur ein Thema für Versichererinnen und Versicherer, sondern für die gesamte Volkswirtschaft, die öffentlicher Hand und für alle Bürgerinnen und Bürger.

Fachbegriff erklärt: Versicherungslücke

Die Versicherungslücke beschreibt die Differenz zwischen den gesamtwirtschaftlichen Schäden eines Ereignisses und dem Anteil, der tatsächlich über Versicherungen gedeckt ist. Je größer die Lücke, desto mehr Kosten tragen private Haushalte, Unternehmen und die öffentliche Hand selbst. Bei Klimaschäden wächst diese Lücke, weil Extremereignisse häufiger und intensiver auftreten und Risikoprämien steigen. Gleichzeitig ziehen sich Versicherungen aus besonders gefährdeten Zonen zurück oder bieten nur noch Produkte mit hohen Selbstbehalten und Ausschlüssen an. Die Lücke ist somit ein Indikator dafür, wie belastbar ein Land gegenüber klimabedingten Verlusten ist – und wie stark Vorsorge, Bauleitplanung und Naturflächen als präventive Schutzschilde wirken.

Fachbegriff erklärt: Resilienz

Resilienz bezeichnet die Widerstandsfähigkeit eines Systems gegenüber Störungen – hier also die Fähigkeit von Gemeinden, Unternehmen und Infrastrukturen, Klimaschäden zu vermeiden, abzumildern und sich rasch zu erholen. Resilienz entsteht durch vorausschauende Planung, robuste Bauweisen, redundante Systeme und intakte Ökosysteme. In der Praxis heißt das: Flüsse bekommen Retentionsräume, Siedlungen werden nicht in Risikozonen verdichtet, Dächer werden begrünt, kritische Infrastruktur wird hochwassersicher gebaut, und es gibt Notfallpläne. Resilienz ist kein statischer Zustand, sondern ein kontinuierlicher Prozess des Lernens, Anpassens und Investierens – und damit ein zentraler Hebel gegen die Unversicherbarkeit wachsender Klimarisiken.

Fachbegriff erklärt: Naturbasierte Lösungen

Naturbasierte Lösungen sind Maßnahmen, die die Kraft der Natur gezielt für den Schutz von Menschen und Gütern nutzen. Beispiele sind Auwälder zur Hochwasserretention, wiedervernässte Moore zur Wasserspeicherung und Kühlung, Hecken und Agroforstsysteme zur Bodenerosionminderung oder Stadtgrün zur Hitzedämpfung. Im Unterschied zu rein technischen Maßnahmen kombinieren naturbasierte Lösungen Risiko- und Klimaschutz mit Biodiversität, Erholung und regionaler Wertschöpfung. Sie sind oft kosteneffizienter über den Lebenszyklus, weil sie mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen, die Pflege dezentral organisieren und sich an veränderte Bedingungen anpassen können. Für Klimaschäden bedeuten sie: Weniger Spitzenabflüsse, geringere Dürrefolgen, kühlere Städte – und damit niedrigere Schadenssummen und Prämien.

Fachbegriff erklärt: Rückversicherung

Rückversicherung ist die Versicherung der Versicherungen. Sie verteilt große Risiken, die ein einzelnes Unternehmen nicht tragen kann, auf internationale Kapitalpools. Steigen Klimaschäden, erhöhen Rückversicherer die Preise oder begrenzen Kapazitäten in besonders exponierten Regionen. Das wirkt sich unmittelbar auf Prämien, Selbstbehalte und Produktverfügbarkeit im Endkundengeschäft aus. Für Österreich bedeutet eine angespannte Rückversicherungslage, dass in Hochwasser- oder Muren-Hotspots Policen seltener angeboten werden oder nur zu Bedingungen, die viele Versicherungsnehmerinnen und Versicherungsnehmer nicht mehr akzeptieren können. Die Folge ist eine sich vergrößernde Versicherungslücke – und mehr Lasten für Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.

Fachbegriff erklärt: Risikomodellierung

Risikomodellierung ist die datengetriebene Schätzung von Eintrittswahrscheinlichkeiten und Schadenshöhen. Sie kombiniert historische Ereignisse, Klimaszenarien, Geländedaten, Bauinformationen und Exponiertheit, um zu berechnen, wie teuer ein Jahrzehnt-Starkregen oder ein Jahrhundert-Hochwasser werden könnte. Gute Modelle sind entscheidend für faire Prämien und wirksame Prävention. Doch wenn sich das Klima verändert, werden alte Daten weniger aussagekräftig. Modelle müssen dann häufiger aktualisiert werden, Unsicherheiten transparent ausweisen und Planung mit Vorsorge verknüpfen. Für Österreich heißt das: Regionale Risikokarten werden relevanter für Bauleitplanung, Kreditvergabe, Versicherungsangebote und staatliche Förderkulissen.

Fachbegriff erklärt: Elementarschadenversicherung

Die Elementarschadenversicherung ist eine Zusatzdeckung, die Naturgefahren wie Hochwasser, Muren, Lawinen, Erdbeben, Sturm oder Hagel abdeckt. In Österreich ist diese Deckung in vielen Policen freiwillig und wird je nach Standort, Gebäudewert und Risikoklasse bepreist. Je höher die Exponiertheit, desto teurer oder knapper wird der Schutz. In bestimmten Zonen sind Deckungen teilweise nur eingeschränkt erhältlich. Der WWF-Bericht sowie die Hinweise des Rechnungshofs, wonach nur rund 5 Prozent der Werte gegen Hochwasser versichert sind, legen nahe, dass die Absicherungslage bei Klimaschäden lückenhaft ist. Das erhöht die Bedeutung von Prävention, naturbasierten Maßnahmen und klaren Regeln im Risikomanagement.

Historischer Kontext: Wie Klimarisiken das Geschäft verändern

Versicherungen kalkulieren Risiken traditionell aus langen Zeitreihen: Wie oft passiert ein Schaden, wie groß ist er, wie verteilen sich Ereignisse regional und saisonal? Über Jahrzehnte funktionierte das gut, weil Schwankungen der Natur innerhalb bekannter Bandbreiten blieben. Mit der Klimakrise verschieben sich diese Bandbreiten. Extreme treten häufiger und intensiver auf, Summenereignisse häufen sich, und lokale Hotspots entstehen dort, wo Bebauung in sensible Räume gewandert ist. Dieser Strukturwandel verändert das Kerngeschäft der Versicherungen. Es genügt nicht mehr, nur Preise anzuheben; in manchen Lagen lässt sich das Risiko nicht mehr wirtschaftlich versichern, weil die erwarteten Klimaschäden den Rahmen der Kollektivfinanzierung sprengen.

Europaweit wurde nach großen Hochwässern der vergangenen Jahrzehnte die Prävention zwar ausgebaut, doch der Siedlungsdruck blieb hoch. Im Alpenraum kommt die Topografie hinzu: Steile Einzugsgebiete beschleunigen Abflüsse, Trockenphasen schwächen Böden, und Starkregen kann dann besonders viel Material mobilisieren. In Österreich zeigt sich ein doppelter Trend: Das Land erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt, wie der WWF unter Verweis auf den Sachstandsbericht Klimawandel betont, und die Werte in Risikozonen sind gestiegen. Das erhöht die Klimaschäden je Ereignis – und verschiebt die Grenze zwischen versicherbar und nicht mehr versicherbar. Der historische Kompromiss, in dem Versicherungen kalkulierbare Risiken tragen und der Staat nur Extremfälle stützt, gerät unter Druck und verlangt eine neue Balance aus Prävention, Markt, Regulierung und Natur.

Zahlen und Fakten: Was die Indikatoren bedeuten

Die zentrale Zahl des WWF für Österreich lautet: Bis 2030 könnten klimabedingte Schäden jährlich bis zu 5 Milliarden Euro erreichen; bis 2050 ist sogar eine Verdoppelung möglich. Das sind Summen, die spürbar auf Haushalte, Unternehmen und Budgets durchschlagen. Gleichzeitig meldet der Rechnungshof, dass derzeit nur rund 5 Prozent der Werte gegen Hochwasser versichert sind. Diese Diskrepanz ist die Versicherungslücke – ihr Wachstum deutet auf steigende Klimaschäden, unzureichende Deckung und wachsende Ausgaben der öffentlichen Hand hin.

Was folgt daraus für Produkte und Preise? Wenn die erwarteten Schadenskosten steigen, müssen Versichererinnen und Versicherer Prämien anheben, Selbstbehalte erhöhen oder Risikozonen aus dem Angebot nehmen. Rückversicherer verteuern Kapazitäten, wodurch Endkundenprämien weiter wachsen. In besonders exponierten Lagen werden neue Policen teils gar nicht mehr angeboten. Der WWF illustriert diese Entwicklung, indem er die internationale Lage und die Situation in Österreich zusammenführt: Wo naturbasierte Prävention fehlt, steigt die Belastung durch Klimaschäden schneller, und die Versicherungslücke klafft weiter auf. Dem lässt sich durch Risikobewertung, Anpassungsmaßnahmen und Naturflächen entgegenwirken.

Vergleich: Österreich, Deutschland und Schweiz

Österreich setzt stark auf individuelle Elementarschadendeckungen im Privatmarkt, ergänzt durch öffentliche Unterstützung nach Katastrophen. Die Angebotsbedingungen variieren je nach Lage und Risikoklasse, und der WWF verweist darauf, dass in manchen Hochwasser-Risikogebieten faktisch keine Deckungen mehr erhältlich sind. Das unterstreicht die Relevanz von Prävention, Raumordnung und naturbasierten Lösungen, um Klimaschäden überhaupt erst zu reduzieren.

In Deutschland wird seit Jahren diskutiert, wie die Absicherung gegen Elementargefahren flächendeckend gestärkt werden kann. In besonders betroffenen Regionen zeigen sich ähnliche Marktgrenzen wie in Österreich: Prämien steigen, Selbstbehalte wachsen, und in den höchsten Risikoklassen wird die Deckung knapper. Die Diskussion kreist um Prävention, Informationspflichten, bessere Risikokarten und die Frage, wie die Verantwortung zwischen Privatsektor und Staat auszubalancieren ist.

Die Schweiz verfügt in vielen Kantonen über obligatorische Gebäudeversicherungen, die Naturgefahren einschließen. Dieser Ansatz stabilisiert die Abdeckung in der Breite, setzt aber ebenfalls stark auf Prävention, klare Bauvorschriften und Risikoabwägung. Der Vergleich zeigt: Wo Prävention und kollektive Lösungen greifen, bleiben Klimaschäden zwar hoch, die Versicherungslücke wächst aber langsamer. Für Österreich lässt sich daraus ableiten, dass naturbasierte Maßnahmen, transparente Risikoinformationen und ein klarer Plan für sensible Zonen entscheidend sind, um die langfristige Versicherbarkeit zu sichern.

Auswirkungen auf Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen

Für private Haushalte sind die Folgen konkret: Immobilien in Risikozonen werden teurer in der Absicherung, manche Angebote lassen sich nicht mehr verlängern, und neue Policen kommen mit höheren Selbstbehalten oder Ausschlüssen. Wer einen Kredit für ein Haus aufnimmt, muss mit strengeren Anforderungen an die Risikovorsorge rechnen – etwa mit Nachweisen über Rückstauklappen, Schutzmauern, moderne Dachentwässerung oder Begrünung. Steigen die Klimaschäden, steigen zudem die Nebenkosten des Wohnens. Ohne Prävention wächst das finanzielle Risiko in Eigenverantwortung.

Für Mieterinnen und Mieter zählt der Gebäudestandort: Ob Keller trocken bleibt, ob Hausverwaltungen Vorsorge betreiben, ob die Hitze im Sommer durch Begrünung und Verschattung gedämpft wird. Bei Dürreperioden können Nebenkosten für Kühlung steigen, während Starkregen ohne Vorsorge die Hausgemeinschaft belastet. Eine vorausschauende Verwaltung senkt potenzielle Klimaschäden und hält Betriebskosten stabiler.

Unternehmen treffen Klimaschäden entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Produktionsstandorte, Logistik, Zulieferungen und Absatzmärkte sind anfällig für Überschwemmungen, Dürre, Hitzewellen und Erdrutsche. Versicherungsbedingungen werden strenger: Mehr Daten, mehr Prävention, mehr Kontrollen. Wer investiert, punktet bei Prämien und Verfügbarkeit. Wer nichts tut, riskiert Deckungslücken. Besonders für kleine und mittlere Betriebe kann eine einzelne Schadensserie existenzbedrohend sein. Investitionen in Kühlung, Wassermanagement, Gründächer, Beschattung, Rückhalteflächen und Notfallpläne sind betriebswirtschaftlich sinnvoll, weil sie langfristig Prämien und Ausfallzeiten senken.

Pflichten, Planung und Prävention: Der 4-Punkte-Plan im Alltag

Der WWF empfiehlt eine systematische Bewertung von Klimarisiken und Widerstandsfähigkeit, eine Naturschutz-Offensive und naturbasierte Lösungen zur Schadensprävention. Was heißt das konkret?

  • Risiken systematisch bewerten: Gemeinden, Unternehmen und Haushalte nutzen Risiko- und Gefahrenzonenpläne, prüfen Exponiertheit und legen Prioritäten fest.
  • Widerstandsfähigkeit erhöhen: Bauweisen anpassen, kritische Infrastruktur schützen, Notfall- und Wiederanlaufpläne testen.
  • Naturschutz-Offensive: Auen revitalisieren, Moore schützen, Stadtgrün ausbauen, Gewässer durchgängig machen – Klimaschäden dadurch senken.
  • Naturbasierte Lösungen vorziehen: Maßnahmen wählen, die Multiplenefits liefern – Kühlung, Retention, Erholung, Biodiversität.

Wenn diese Elemente zusammenspielen, schrumpfen erwartete Klimaschäden. Das stabilisiert Versicherbarkeit und dämpft Prämien. Entscheidend ist, dass Planung, Finanzierung und Umsetzung ineinandergreifen – von der kommunalen Raumordnung bis zur Kreditprüfung durch Banken, von der Förderpolitik bis zur Produktgestaltung der Versicherungen.

Rechtlicher Rahmen und Verantwortung

Die Frage, was versicherbar ist, hat auch eine rechtliche und regulatorische Dimension. Je klarer die Regeln im Baurecht und in der Raumordnung sind, desto planbarer werden Klimaschäden. Werden bekannte Risikozonen bebaut, steigen die künftigen Kosten – häufig ohne, dass Versicherungen diese vollständig tragen. Der WWF-Bericht betont, dass Politik und Unternehmen Verantwortung übernehmen müssen. Für die Versicherungswirtschaft heißt das: Transparenz über Risikomodelle, klare Bedingungen, Anreize für Prävention. Für die öffentliche Hand heißt das: Risikoarme Entwicklung, Schutz kritischer Naturflächen, und Unterstützung dort, wo Prävention volkswirtschaftlich günstiger ist als Wiederaufbau.

Warum naturbasierte Lösungen ökonomisch überzeugen

Naturbasierte Lösungen sind in vielen Fällen kosteneffizienter als rein technische Maßnahmen. Ein revitalisierter Auwald kann Hochwasserspitzen brechen, Sedimente binden und Lebensräume schaffen, ohne jährliche Abschreibungen wie massive Betonbauwerke. Wiedervernässte Moore speichern Wasser und Kohlenstoff, kühlen in Hitzewellen und verringern Dürrefolgen für Landwirtschaft und Städte. Diese Effekte sind handfest: Geringere Klimaschäden bedeuten weniger Ausfälle, niedrigere Wiederaufbaukosten und tendenziell stabilere Versicherungsprämien. Der WWF plädiert daher dafür, Natur als Teil der Infrastruktur zu begreifen – als Schutzsystem, das mit jedem Jahr wertvoller wird, wenn man es pflegt.

Produkttrends: Was Versicherungsnehmerinnen und Versicherungsnehmer erwartet

Die Produktwelt reagiert auf wachsende Klimaschäden mit einer Mischung aus Preisanpassungen, strengeren Bedingungen und Präventionsanreizen. Erwartbar sind:

  • Mehr risikogerechte Prämien nach Mikrolage, Bauweise und Vorsorgegrad.
  • Höhere Selbstbehalte bei wiederkehrenden Schäden, um Prävention zu stärken.
  • Bonifikationen für Begrünung, Retention, Rückstau- und Rückhalteanlagen.
  • Klarere Ausschlüsse in Hochrisikozonen, kombiniert mit Beratung zur Vorsorge.

Für Kundinnen und Kunden lohnt sich aktives Risikomanagement. Wer baulich vorsorgt, die Lage nüchtern prüft und Förderungen nutzt, verbessert seine Ausgangsposition. Kreditgebende Institute werden Präventionsnachweise stärker berücksichtigen, weil sich das Ausfallrisiko in Risikozonen erhöht. So entsteht ein Markt, in dem Prävention messbar und Klimaschäden kalkulierbarer werden.

Österreich im Fokus: Regionale Unterschiede verstehen

Österreichs Vielfalt ist Stärke und Herausforderung. Flussniederungen, Gebirgstäler und städtische Hitzeinseln reagieren unterschiedlich auf die Klimakrise. Wo Hochwassergefahr besteht, helfen Rückhalteflächen, Renaturierungen und kluge Raumordnung. In Hanglagen mindern Waldpflege, Erosionsschutz und gezielte Wasserführung Muren- und Rutschrisiken. In Städten senken Grünflächen, Entsiegelung und Dachbegrünung die Hitzebelastung und dämpfen Starkregenfolgen. Der WWF verweist darauf, dass in einigen Hochwasser-Risikogebieten Versicherungen schon heute kaum noch erhältlich sind. Prävention wird hier zur Voraussetzung, um Klimaschäden zu begrenzen und eine minimale Versicherbarkeit aufrechtzuerhalten.

Zukunftsperspektive: Weg zur resilienten Absicherung

Wie lässt sich verhindern, dass Klimaschäden großflächig unversicherbar werden? Erstens: Risiken offenlegen. Verlässliche Karten, Szenarien und Standards schaffen Planungssicherheit. Zweitens: Natur stärken. Auen, Moore, Wälder und Stadtgrün sind Schutzsysteme, die Klimaschäden messbar reduzieren. Drittens: Prävention belohnen. Versicherungen, die bauliche und organisatorische Vorsorge honorieren, machen sich und ihre Kundschaft resilienter. Viertens: Öffentliche Hand koordiniert. Raumordnung, Förderung und Infrastrukturinvestitionen müssen Klimarisiken systematisch berücksichtigen.

Die Prognose: Je schneller Österreich in Prävention und Natur investiert, desto geringer werden Schadenskurven und desto stabiler bleibt die Versicherbarkeit. Der WWF-Bericht versteht sich als Weckruf, die Klimaschäden präventiv zu senken, bevor Märkte in Hochrisikozonen austrocknen. Gelingt dieser Kurswechsel, profitieren alle: Haushalte durch tragbare Prämien, Unternehmen durch planbare Investitionen, Versicherungen durch kalkulierbare Risiken, und der Staat durch geringere Wiederaufbaukosten. Misslingt er, drohen wachsende Versicherungslücken und steigende fiskalische Belastungen.

Konkrete nächste Schritte für Österreich

Österreich kann kurzfristig handeln, um Klimaschäden zu begrenzen und die Versicherungslücke zu stabilisieren:

  • Transparente Risikoinformation: Leicht zugängliche Karten und Checklisten für Gemeinden, Betriebe und Haushalte.
  • Förderung von naturbasierten Lösungen: Priorität für Projekte mit messbarer Schadensminderung.
  • Vorsorge-Standards: Mindestanforderungen für Neubau, Sanierung und kritische Infrastruktur in Risikozonen.
  • Datenpartnerschaften: Versicherungen, Forschung, Gemeinden und Bund vernetzen Modelle, um Klimaschäden besser zu bewerten.

Diese Bausteine folgen dem Geist des WWF-4-Punkte-Plans und übersetzen ihn in praktische Schritte für Planung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Je konsequenter die Umsetzung, desto robuster wird das Land gegenüber Klimaschäden – und desto eher bleibt Schutz versicherbar.

Fazit und Ausblick

Österreich steht vor einer Weggabelung. Klimaschäden nehmen zu, und die Versicherungslücke wächst. Der WWF zeigt am 15.01.2026 mit klaren Zahlen und Empfehlungen, wie Prävention, naturbasierte Lösungen und transparente Risikobewertung die Trendwende ermöglichen. Bis 2030 drohen jährlich bis zu 5 Milliarden Euro Schäden, bis 2050 sogar mehr – doch jedes investierte Euro in Natur- und Klimaschutz zahlt sich mehrfach aus. Versicherbarkeit ist kein Naturgesetz, sondern Ergebnis politischer Entscheidungen, planerischer Weitsicht und marktwirtschaftlicher Anreize. Jetzt ist die Zeit, dieses Zusammenspiel zu stärken.

Was können Sie tun? Prüfen Sie Ihr persönliches Risiko, sprechen Sie mit Ihrer Versicherung über Präventionsanreize, achten Sie beim Wohnen und Bauen auf Lage und Vorsorge, unterstützen Sie naturbasierte Projekte vor Ort. Kommunen und Unternehmen sind eingeladen, die Empfehlungen des WWF in konkrete Maßnahmen zu übersetzen. Weiterführende Informationen finden Sie in der Quelle des WWF sowie bei WWF Österreich. Bleibt Österreich jetzt dran, können Klimaschäden gedämpft, die Versicherungslücke verkleinert und die Zukunftschancen gestärkt werden.