ESSL-Studie: Sehr großer Hagel in Europa nimmt zu

Redaktion

Neue ESSL-Studie aus Wiener Neustadt zeigt steigende Häufigkeit sehr großen Hagels in Europa. Was das für Österreichs Gebäude, Wirtschaft und Versicherungen bedeutet. Am 12.01.2026 wurde eine international begutachtete Analyse veröffentlicht, die für Politik, Wirtschaft und Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer in Österreich hohe Relevanz hat. Sie verbindet naturwissenschaftliche Trends mit wirtschaftlichen Folgen und stellt klar: Die Entwicklung ist regional unterschiedlich, aber Europa ist besonders betroffen. Für den Standort Österreich stehen damit Fragen der Vorsorge, der Bauqualität und der Absicherung ganz oben auf der Agenda.

Sehr großer Hagel in Europa: Was die ESSL-Studie für Österreich bedeutet

Die neue Untersuchung des European Severe Storms Laboratory (ESSL) in Zusammenarbeit mit Forschenden der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań und Expertinnen und Experten der Rückversicherung Munich Re markiert einen Meilenstein: Erstmals wurde die weltweite Häufigkeit von Hagel mit Korndurchmessern größer als 5 Zentimeter modelliert. Die Analyse der vergangenen Jahrzehnte zeigt ein klares Bild: Während sehr großer Hagel in Südamerika, den Vereinigten Staaten und Südafrika häufig ist, verzeichnen gerade europäische Regionen den stärksten Anstieg der Häufigkeit. In Teilen der Südhemisphäre ist hingegen ein Rückgang zu beobachten. Als primärer meteorologischer Treiber gilt die Zunahme der Feuchte in Bodennähe, also die erhöhte Verfügbarkeit von Wasserdampf, der kräftige Gewitter mit starkem Aufwind fördert. Die wirtschaftlichen Schäden sind in Europa gestiegen. Allerdings sind meteorologische Veränderungen nur ein Teil der Erklärung. Ebenso entscheidend sind wachsende Exposition und Verwundbarkeit: Es stehen heute mehr Gebäude, Fahrzeuge und Infrastrukturen in Gefahrenzonen. Für Österreich mit seinem dichten Siedlungsnetz und seinen wertvollen Infrastrukturen ist das ein handfester Handlungsauftrag.

Die Originalveröffentlichung erschien in Nature Geoscience unter der Referenz Battaglioli, Taszarek, Groenemeijer et al. (2026). Neben globalen Karten enthält die Studie Trenddarstellungen über mehrere Jahrzehnte. Eine Karte zeigt die mittleren Trends der jährlichen Zahl sehr großer Hagelereignisse pro Dekade von 1950 bis 2023; dazu kommen Zeitreihen für große Metropolräume. Diese Kombination aus globalem Überblick und regionalen Details liefert einen Rahmen, um Risiken auch in Österreich neu zu bewerten.

Die Kernbotschaften in Kürze

  • Europa zeigt den stärksten Zuwachs der Häufigkeit von sehr großem Hagel laut der ausgewerteten Periode.
  • Veränderte Feuchteverhältnisse nahe der Oberfläche sind ein zentraler meteorologischer Treiber.
  • Wirtschaftliche Schäden steigen zusätzlich durch mehr Bebauung und höhere Werte in gefährdeten Lagen.
  • Rückversicherer und Sachversicherer beobachten mehrere Schäden in Milliardenhöhe in jüngeren Jahren.
  • Für Österreich ergeben sich Anforderungen an Baupraxis, Risikomanagement und Raumordnung.

Fachbegriffe verständlich erklärt

Sehr großer Hagel (Korndurchmesser größer als 5 cm)

Sehr großer Hagel bezeichnet Hagelkörner, die einen Durchmesser von mehr als 5 Zentimetern erreichen. Zum Vergleich: Ein Golfball hat etwa 4,3 Zentimeter. Solche Körner entstehen in sehr starken Gewitterwolken, in denen Aufwinde Eiskörner wiederholt durch Bereiche mit unterkühlten Wassertröpfchen tragen. So wachsen sie Schicht für Schicht. Treffen diese Körner auf Gebäude, Fahrzeuge oder Photovoltaikanlagen, wirken sie wie Geschosse. Das führt zu Dach- und Fassadenschäden, eingedrückten Dachziegeln, gebrochenen Dachflächenfenstern und durchlöcherten Markisen. Ab etwa 5 Zentimetern steigt die Schadenswahrscheinlichkeit rapide an, da die Einschlagsenergie quadratisch mit dem Durchmesser zunimmt.

Atmosphärische Feuchte in Bodennähe

Mit Feuchte in Bodennähe ist die Menge an Wasserdampf in den unteren Luftschichten gemeint, häufig beschrieben durch Parameter wie spezifische Feuchte, Taupunkt oder Mischungsverhältnis. Je feuchter die Luft, desto mehr latente Wärme steht beim Kondensieren zur Verfügung. Diese Energie treibt Aufwinde in Gewitterwolken an. Wenn zusätzlich Temperaturunterschiede und Windscherung passen, begünstigt hohe Bodenfeuchte die Bildung kräftiger Gewitter mit großem Hagel. In der Studie wird dieser Faktor als wichtiger Treiber von Trends herausgearbeitet. Praktisch heißt das: Regionen, in denen bodennahe Feuchte zunimmt, können häufiger Hagel mit großem Durchmesser erleben, sofern andere Gewitterzutaten ebenfalls vorhanden sind.

Exposition

Exposition beschreibt, wie stark Menschen und Sachwerte einem Naturgefahrenereignis ausgesetzt sind. Ein freistehendes Einfamilienhaus in einer Gewitterschneise hat eine höhere Exposition gegenüber Hagel als ein Gebäude in geschützter Lage. Wachstum am Stadtrand, mehr Flachdächer, größere Carports und die Verbreitung von Photovoltaik erhöhen die exponierte Fläche, die getroffen werden kann. Auch Infrastrukturen wie Umspannwerke, Logistikzentren oder Bahnhöfe tragen zu einem höheren Gesamtexpositionswert bei. Mit steigender Exposition nimmt die Schadenssumme zu, selbst wenn die meteorologische Gefahr unverändert bliebe.

Vulnerabilität (Verwundbarkeit)

Vulnerabilität bezeichnet die Anfälligkeit von Bauwerken, Anlagen und Objekten für Schäden, wenn sie von einem Ereignis getroffen werden. Sie hängt von Materialien, Konstruktion und Alter ab. Dünne Dachziegel, spröde Kunststoffverkleidungen oder ungeschützte Dachfenster sind anfälliger. Auch die Anordnung von Solarmodulen, ihre Glasqualität und Neigung beeinflussen die Verwundbarkeit. Maßnahmen wie hagelresistente Baustoffe, Verbundsicherheitsglas oder Schutzgitter an Oberlichtern senken die Vulnerabilität. Die Studie betont, dass steigende Schäden nicht nur am Wetter liegen, sondern auch daran, wie verwundbar unsere gebaute Umwelt ist.

Globale Modellierung von Hagelereignissen

Unter globaler Modellierung verstehen Forschende die Verwendung kombinierter Datensätze, statistischer Verfahren und physikalischer Annahmen, um die Häufigkeit und räumliche Verteilung eines Phänomens über den gesamten Globus abzuschätzen. Bei Hagel ist das anspruchsvoll, weil direkte Beobachtungen lückenhaft sind. Es werden unter anderem atmosphärische Reanalysen, Fernerkundung und Berichte zu Hagelereignissen zusammengeführt. Daraus entstehen Indikatoren für die Wahrscheinlichkeit sehr großen Hagels. Solche Modelle liefern keine perfekten Karten, aber belastbare Trends, die sich aus mehreren Datenquellen speisen.

Rückversicherung

Rückversicherungen sind Versicherungen für Versicherungen. Sie nehmen Risiken von Erstversicherern auf, um große Schadenereignisse finanziell abzufedern. Wenn Hagelserien Städte, Flotten oder Landwirtschaft treffen, helfen Rückversicherer, die Auszahlungen zu stemmen und die Solvenz der Erstversicherer zu sichern. Sie analysieren globale Trends, erstellen Szenarioverluste und bewerten, ob Prämien und Rücklagen ausreichen. Die Beteiligung einer großen Rückversicherung an der Studie zeigt, wie stark die Erkenntnisse in die Preisgestaltung, Deckungsgrenzen und Kapitalanforderungen einfließen können.

Trend pro Dekade

Ein Trend pro Dekade beschreibt, wie sich eine Kenngröße in jeweils zehn Jahren verändert. Bei Hagel geht es um die durchschnittliche Zunahme oder Abnahme der jährlichen Anzahl sehr großer Hagelereignisse pro Zehnjahreszeitraum. Eine Dekadenskala glättet Zufallsschwankungen einzelner Jahre und macht längerfristige Entwicklungen sichtbar. Die Studie zeigt solche Trends von 1950 bis 2023. Das erlaubt es, periodische Muster von robusten, lang anhaltenden Veränderungen zu unterscheiden und die aktuelle Entwicklung in historische Kontexte einzuordnen.

Gefahrenzonen (hazard-prone areas)

Gefahrenzonen sind Gebiete, in denen die Wahrscheinlichkeit bestimmter Naturereignisse erhöht ist. In Bezug auf Hagel sind das beispielsweise Regionen, in denen orografische Hebung, Windscherung und Feuchtezufuhr häufig zusammenkommen. Werden dort neue Siedlungen, Gewerbeparks oder Verkehrsknoten gebaut, steigt das Schadenpotenzial. Raumplanung, Widmungen und Bauvorschriften spielen daher eine zentrale Rolle: Sie entscheiden mit, ob wertvolle Infrastruktur in einem Streifen mit erhöhtem Hagelrisiko liegt oder ob Schutzmaßnahmen vorgeschrieben werden.

Historische Entwicklung: Von punktuellen Meldungen zu globalen Trendkarten

Historisch waren Hagelanalysen stark von lokalen Beobachtungen, Zeitungsberichten und Versicherungsakten geprägt. Einzelereignisse prägten das Gedächtnis einer Region, doch ein verlässliches Gesamtbild fehlte. Mit der Einführung von Wetterradar in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, später ergänzt durch Doppler- und Dual-Polarisationstechniken, verbesserte sich die Erkennung von Hagelsignaturen. Satelliten lieferten zusätzliche Hinweise auf Gewitterdynamik, Wolkentoptemperaturen und Feuchteverteilungen. In Europa entstand ein dichtes Netz aus Messstationen, und wissenschaftliche Initiativen bündelten Berichte über Unwetterereignisse. Parallel entwickelten sich Reanalysedatensätze, welche historische Wetterbedingungen konsistent rekonstruieren. Auf dieser Basis können Forschende heute globale Modelle kalibrieren, die nicht nur einzelne Berichte, sondern physikalisch begründete Muster bewerten.

Die jetzt veröffentlichte Arbeit, verortet in Wiener Neustadt, reiht sich in diese Entwicklung ein. Sie geht einen Schritt weiter, indem sie die Häufigkeit sehr großen Hagels explizit in den Blick nimmt und damit genau jene Korngrößen adressiert, die für hohe Sachschäden verantwortlich sind. Der Zeitraum von 1950 bis 2023 auf der Kartenseite bietet einen historischen Längsschnitt, während separate Auswertungen der letzten 30 Jahre Trends in jüngerer Vergangenheit beleuchten. Zusammen ergibt sich ein Bild, das für die Wirtschaft ebenso relevant ist wie für die öffentliche Hand: Risiken ändern sich nicht abrupt, aber sie verschieben sich.

Österreich im Vergleich: Bundesländer, Deutschland und die Schweiz

Österreich weist eine komplexe Topografie auf, die Gewitterentwicklung beeinflusst: Alpenhauptkamm, Beckenlagen und Vorländer formen lokale Strömungen, Hebung und Konvergenz. In Becken und Ebenen können im Sommer feuchte, labile Luftmassen zusammentreffen. Das begünstigt kräftige Gewitter, die sehr großen Hagel hervorbringen können. Regionen mit dichter Bebauung, vielen Industriehallen und großen Parkflächen verzeichnen tendenziell höhere potenzielle Schadenssummen, weil dort mehr angreifbare Werte stehen. Für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer bedeutet das: Nicht nur die Wetterlage zählt, sondern auch Bauweise und Standort.

Im Vergleich zu Deutschland zeigen sich ähnliche Muster: Süddeutsche Regionen mit alpinem und voralpenländischem Einfluss gelten als anfälliger für schwere Gewitter als der kühlere, küstennahe Norden. Der Wirtschaftsaufbau mit vielen mittelständischen Betrieben, Logistikflächen und Verkehrsinfrastruktur erhöht die Exposition in Ballungsräumen. Die Schweiz wiederum vereint hochalpine Verhältnisse mit dicht bebauten Tälern. Dort können orografische Effekte Gewitterlinien kanalisieren. In allen drei Ländern stehen damit Fragen der hagelresistenten Bauweise, der Risikoinformation und der Versicherungslösungen im Vordergrund.

Wichtig ist: Die Studie spricht von einem relativen Zuwachs der Häufigkeit sehr großer Hagelereignisse in Europa. Das bedeutet nicht, dass jede Region gleichermaßen betroffen ist. Lokale Unterschiede in Topografie, Landnutzung und Bebauung führen zu deutlichen Variationen. Wer Folgerungen für sein Bundesland zieht, sollte regionale Gefahrenhinweise, Bauberatungen und Versicherungsbedingungen kombinieren, um ein stimmiges Bild zu erhalten.

Konkrete Auswirkungen für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen

Für private Haushalte zeigt sich der Trend in alltäglichen Fragen: Wie robust ist die Dacheindeckung? Sind Dachfenster hagelgeprüft? Ist das Auto in einer Garage geschützt? Ein Unwetter mit sehr großem Hagel kann in wenigen Minuten Schäden an Dachziegeln, Dachflächenfenstern, Fassade, Rollläden, Markisen und Photovoltaikmodulen verursachen. Wassereintrag über beschädigte Dächer kann Innenräume, Dämmung und Elektrik beeinträchtigen. Wer hier vorsorgt, senkt nicht nur das Risiko, sondern beschleunigt im Ernstfall auch die Abwicklung mit der Versicherung, weil weniger Folgeschäden auftreten.

Für Unternehmen spielen Kontinuität und Lieferfähigkeit die Hauptrolle. Lagerhallen und Logistikzentren mit großen Dachflächen sind exponiert. Schäden an Gebäudehülle und Haustechnik können zu Betriebsunterbrechungen führen. Die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, Notabdichtungen und Fachkräften ist nach Großereignissen oft begrenzt. Prävention umfasst daher nicht nur die Wahl hagelresistenter Materialien, sondern auch Notfallpläne, wie etwa kurzfristige Abdeckungen, alternative Lagerkapazitäten und Back-up-IT. Kommunen wiederum müssen kritische Infrastrukturen wie Umspannwerke, Krankenhäuser und Leitstellen schützen, damit Grundversorgung und Sicherheit gewährleistet bleiben.

Die Studie weist zudem auf einen strukturellen Aspekt hin, der Versicherungsprämien und Selbstbehalte beeinflussen kann: Steigende Exposition und Vulnerabilität führen unabhängig vom Wetter zu höheren Schäden. In der Folge passen Versicherer ihre Produkte an, erhöhen Deckungssummen für bestimmte Komponenten oder verlangen Nachrüstungen, etwa widerstandsfähige Dachfenster. Für Österreich bedeutet das: Bauherren und Bauherrinnen, Hausverwaltungen und Betriebe sollten frühzeitig mit Versicherungen und Bauberatung klären, welche Standards als hagelfest gelten und wie sich Prämien durch bauliche Maßnahmen senken lassen.

Zahlen und Fakten aus der Studie: Einordnung für den Wirtschaftsstandort

Die Untersuchung modelliert weltweit Hagel mit Korndurchmesser größer als 5 Zentimeter und analysiert Trends über die letzten 30 Jahre. Darin zeigt sich eine eindeutige Aussage: Europa verzeichnet den stärksten Zuwachs in der Häufigkeit sehr großer Hagelereignisse. Eine ergänzende Karte stellt die mittleren Trends der jährlichen Ereigniszahl pro Dekade von 1950 bis 2023 dar. Diese Langzeitperspektive ist wichtig, um natürliche Schwankungen von strukturellen Veränderungen zu trennen. Die Arbeit stellt klar, dass meteorologische Faktoren – besonders die Zunahme der bodennahen Feuchte – eine zentrale Rolle spielen.

Gleichzeitig betont die Studie, dass finanzielle Verluste nicht allein durch das Wetter getrieben werden. Über Europa hinweg sind hagelbedingte Verluste gestiegen, darunter mehrere Schadensfälle mit Summen im Milliardenbereich in jüngeren Jahren. Dieser Anstieg ist wesentlich auch auf mehr Bebauung in gefährdeten Lagen und auf höhere Werte pro Quadratmeter zurückzuführen. Besonders in den Vereinigten Staaten und entlang australischer Küsten wird dieser Effekt als Haupttreiber steigender Verluste genannt. Für Österreich bedeutet das: Selbst wenn das lokale Hagelklima nur moderat anzieht, können wirtschaftliche Schäden zunehmen, wenn exponierte Werte wachsen und Bauweisen verwundbar bleiben.

Die Autorinnen und Autoren stammen aus renommierten Institutionen: dem ESSL mit Standorten in Österreich und Deutschland, der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań und der deutschen Rückversicherung Munich Re. Die Publikation in Nature Geoscience unterstreicht den wissenschaftlichen Anspruch und die Peer-Review-Qualität. Für den österreichischen Wirtschaftsstandort ist dies relevant: Investitionsentscheidungen, Standortbewertungen und Versicherungsportfolios stützen sich zunehmend auf evidenzbasierte Risikomodelle, wie sie die Studie bereitstellt.

So reagieren: Bauliche Standards, Versicherung und Planung

Bauliche Maßnahmen

  • Dacheindeckung mit hagelresistenten Materialien und geprüften Befestigungen wählen.
  • Dachfenster, Oberlichter und Glasflächen mit hagelfestem Verbundsicherheitsglas ausstatten.
  • Photovoltaikmodule mit geprüfter Schlagzähigkeit und geeigneter Neigung montieren.
  • Fassaden, Rollläden und Lüftungsgitter auf Stoßfestigkeit prüfen und gegebenenfalls nachrüsten.

Versicherung und Risikomanagement

  • Deckungsumfang für Hagelschäden prüfen, Dokumentation der Bauteile bereithalten.
  • Selbstbehalte und Sublimits kennen; Nachrüstungen können Prämien beeinflussen.
  • Notfallpläne erstellen: provisorische Abdeckung, Trocknung, Handwerkerkontakte.
  • Unternehmen: Betriebsunterbrechungsrisiken in Szenarien kalkulieren.

Raumordnung und öffentliche Hand

  • Gefahrenzonen in Widmungen berücksichtigen, kritische Infrastruktur schützen.
  • Information und Beratung für Bauherrinnen und Bauherren intensivieren.
  • Daten aus Forschung und Versicherungen in kommunale Resilienzstrategien integrieren.

Zukunftsperspektive: Was bis 2030 und darüber hinaus wichtig wird

Aus der Studie lässt sich ableiten, dass Europa mit einem erhöhten Auftreten sehr großen Hagels rechnen muss, wenn sich die Zunahme bodennaher Feuchte fortsetzt und andere Gewitterzutaten gegeben sind. Für Österreich ist entscheidend, dieses Risiko proaktiv zu managen. Drei Linien werden relevant: Erstens, bauliche Resilienz. Neue Projekte sollten hagelwiderstandsfähige Standards verankern, Bestandsgebäude schrittweise nachrüsten. Zweitens, Versicherungsdesign. Produkte werden differenzierter, Prämien stärker risikobasiert, Anreize für Prävention klarer. Drittens, Daten und Früherkennung. Bessere Warnketten und lokale Gefahrenkarten helfen, Schäden zu mindern, etwa durch rechtzeitiges Unterstellen von Fahrzeugen oder temporäre Sicherungen an Baustellen.

Langfristig können Wirtschaft und Kommunen profitieren, wenn Vorsorge Teil der Standortstrategie wird. Investitionen in robuste Gebäudehüllen, widerstandsfähige Infrastrukturen und transparente Risikokommunikation zahlen sich aus, weil sie Betriebsunterbrechungen verkürzen und Reparaturkosten begrenzen. Für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer gilt: Planung, Materialwahl und Versicherung sollten als Einheit betrachtet werden. So wird das verbleibende Restrisiko beherrschbar und finanzierbar. Die Ergebnisse aus Wiener Neustadt liefern dafür eine belastbare Grundlage.

Weiterführende Informationen und Quellen

Die hier dargestellten Aussagen basieren auf der Presseinformation und der Fachpublikation des ESSL und Partnerinstitutionen. Für detaillierte Einsicht empfehlen wir folgende Links:

Schluss: Vorsprung durch Wissen und Vorsorge

Die Kernaussage der neuen ESSL-Studie ist klar: Sehr großer Hagel nimmt in Europa zu, und wirtschaftliche Schäden steigen zusätzlich durch mehr Werte in gefährdeten Lagen. Für Österreich heißt das, jetzt konsequent zu handeln. Hagelresistente Bauweisen, kluges Versicherungsmanagement und eine vorausschauende Raumplanung machen den Unterschied, wenn die nächste Gewitterlinie kommt. Prüfen Sie Materialien, Polizzen und Notfallpläne, bevor es kracht. Wie gut ist Ihr Gebäude auf sehr großen Hagel vorbereitet? Weiterführende Informationen und Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner finden Sie über die verlinkten Quellen und bei regionalen Bauberatungen.