Umgang mit Klimaveränderungen: Beton und Zement als Schlüssel für Resilienz

Wien (OTS) – Zum Austausch von Wissenschaft und Praxis über
Zukunftsfragen der
Bauindustrie konnte die Vereinigung der Österreichischen
Zementindustrie, VÖZ, rund 300 Personen in der Wirtschaftskammer
Österreich in Wien begrüßen – ein Zeichen dafür, dass Forschung und
Entwicklung einen hohen Stellenwert in der Branche haben.

„Die Bauwirtschaft steht vor der Herausforderung, CO₂-Emissionen
so rasch als möglich zu senken und gleichzeitig Strukturen zu
schaffen, die den zunehmenden, klimawandelbedingten Extremereignissen
bestmöglich standhalten. Zement und der Baustoff Beton spielen dabei
eine zentrale Rolle: Mit dem regional verfügbaren, langlebigen und
widerstandsfähigen Baustoff werden Schutzbauten und Infrastrukturen
errichtet, die über Generationen bestehen und damit auch einen
wichtigen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel leisten“, so
Sebastian Spaun, Geschäftsführer der VÖZ. „Der fachliche und
persönliche Austausch über aktuelle Entwicklungen ist dabei zentral,
um für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet zu sein.“

Zwtl.: Stadt, Land, Fluss und Berge im Klimawandel

Klimawandel, Extremwetter, Naturgefahren – unsere Infrastruktur
steht unter Druck. Genau diesem Thema widmete sich Florian Rudolf-
Miklau, Leiter der Abteilung Wildbach- und Lawinenverbauung im
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und
Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, in seiner Keynote. „Die
Erderwärmung – Prognose für den Alpenraum: plus 3 Grad – setzt in den
österreichischen Gebirgsregionen Naturgefahrenprozesse von teilweise
extremem Ausmaß in Gang, die unsere Schutzsysteme an die Grenzen
ihrer Wirksamkeit führen, wie zuletzt die Bergsturzkatastrophe in
Blatten in der Schweiz“, so Rudolf-Miklau. „Das ‚Neue Normal‘ sind
häufigere Extremereignisse, die den Schutz vor Naturgefahren in den
Alpen vor große Herausforderungen stellen und neue Konzepte
erfordern, wenn das Sicherheitsniveau auch in den nächsten
Jahrzehnten auf dem aktuellen Stand gehalten werden soll.“

Im Anschluss diskutierte ein hochkarätig besetztes Podium die
erforderliche Anpassung von Gesellschaft und Infrastruktur an die
Herausforderungen des Klimawandels. Mit Florian Rudolf-Miklau
debattierten Judith Engel, Vorständin ÖBB Infrastruktur AG, Roman
Kohler, Verbund Hydro Power GmbH, Simon Tschannett, Meteorologe und
Stadtklimatologe bei Weatherpark und Daniel Zimmermann,
Landschaftsplaner und Experte für Schwammstadt-Konzepte bei 3:0
Landschaftsarchitektur. Einigkeit herrschte darüber, dass das
proaktive Handeln, Investitionen in die blau-grüne Infrastruktur und
Mut zu Veränderungen unumgänglich sein werden, für die Zukunft.

Zwtl.: Theorie trifft Praxis

Den Startschuss für den Vortragsthemenblock gab Christoph Stotter
von der Wietersdorf Alpacem GmbH, er berichtete über die Erfahrungen
mit klinkerreduziertem Zement im Tunnelbau in Slowenien. Beim Bau
eines Bahntunnels auf der Strecke Divača-Koper kam erfolgreich ein
klinkerreduzierter Zement der Sorte CEM II/C für die Tunnel-
Innenschale zum Einsatz.

Anschließend informierten Christoph Ressler und Martin Reymaier
vom Güteverband Transportverband über Wege, nachhaltige Betone
transparent auszuschreiben und zu bewerten. Eine Möglichkeit dafür
ist die Einführung der CSC-Zertifizierung des Concrete Sustainabilty
Council in Österreich, die zu mehr Transparenz in der Zement- und
Betonbranche führen soll.

Ein weiterer Vortragsblock widmete sich der nachhaltigen
Anwendung von Beton. Untersucht und in einer Ökobilanzierung über den
Lebenszyklus verglichen wurden zwei Brückenbauwerke in verschiedenen
Bauweisen. Aufgrund der längeren Lebensdauer schneiden die Brücken in
Stahlbetonbauweise besser ab als Holztragwerke.

Die Dauerhaftigkeit von Beton wurde anhand von Analysen von Beton
aus der Straßendecke des Arlbergtunnels gezeigt, der nach 45 Jahren
noch immer hervorragende Qualität aufwies.

Der krönende Abschluss des Kolloquiums war dem Thema
Bauteilaktivierung gewidmet. Vorgestellt wurde ein Monitoringprojekt,
in dem ein interdisziplinäres Team 16 bauteilaktivierte Gebäude,
verteilt auf ganz Österreich, vier Jahre auf Basis von Messdaten,
Befragungen und Interviews untersucht hat. Das Projekt bestätigt das
große Potenzial der Bauteilaktivierung zur thermischen
Energiespeicherung und zur Glättung von Lastspitzen. Dieses Potenzial
der Bewirtschaftung der Gebäude als Speicher wird allerdings bislang
aufgrund technischer und regulatorischer Hürden noch zu wenig
genutzt.

Das diesjährige Kolloquium hat einmal mehr gezeigt, dass Zement
und Beton zahlreiche wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft
übernehmen, die Branche aber nicht stillsteht und sich den
Herausforderungen der Zukunft stellt.

Die Vorträge stehen unter www.zement.at/kolloquium zum Download
zur Verfügung.