Gift-Bumerang: 8 von 10 Bananen mit verbotenen Pestiziden belastet

Wien (OTS) – Mehr als 250 Pestizide sind in der EU verboten, weil sie
als zu
gefährlich für Mensch und Umwelt gelten. Dennoch kehren genau diese
Stoffe über importierte Lebensmittel zurück auf die Teller der
österreichischen Konsument:innen.

Ein neuer Report von foodwatch zeigt: Fast jedes fünfte
untersuchte pflanzliche Lebensmittel enthält Rückstände von in der EU
verbotenen Pestiziden.

Grundlage der Analyse sind Pestizid-Monitoringdaten der
Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aus dem Jahr
2023 – darunter 907 konventionelle Lebensmittelproben aus Österreich.
Das Ergebnis ist alarmierend:

– In über 75 Prozent der untersuchten Obst- und Gemüseproben wurden
Pestizidrückstände nachgewiesen.

– Mehr als 19 Prozent der unverarbeiteten pflanzlichen Lebensmittel
enthielten in der EU nicht zugelassene Pestizide.

– Besonders stark betroffen sind Bananen, Birnen und Langkornreis.
Über 50 Prozent dieser Produkte enthielten mindestens ein in der EU
nicht zugelassenes Pestizid.

Bei Bananen ist die Belastung besonders gravierend: Jede
getestete Probe enthielt Pestizidrückstände, 84 Prozent davon sogar
verbotene Pestizide.

„ Bananen mit verbotenen Insektenvernichtungsmitteln, Reis mit
hochproblematischen Fungiziden – und all das landet am Ende auf
unseren Tellern. Was in der EU aus guten Gründen verboten ist, darf
auch nicht über Umwege wieder in unseren Supermarktregalen landen.
Dieser Pestizid-Bumerang ist kein Versehen, sondern das Ergebnis
politischer Doppelmoral auf Kosten der Konsument:innen“, kritisiert
foodwatch-Chefin Indra Kley-Schöneich.

Zwtl.: Verboten und trotzdem exportiert

Pestizide wie Bifenthrin, Imidacloprid, Carbendazim oder
Chlorpyrifos sind in der EU verboten, weil sie unter anderem
krebserregend sein können, das Nervensystem schädigen, sowie
Ökosysteme und Nutzinsekten wie Bienen massiv gefährden. Trotzdem
werden diese Wirkstoffe weiterhin in EU-Staaten produziert und in
Drittstaaten exportiert. Von dort kehren sie als Rückstände in
importierten Lebensmitteln zurück – ein klassischer Pestizid-
Bumerang. Auswertungen der Ausfuhranmeldungen in der Europäischen
Chemikalienagentur (ECHA) belegen, dass 2022 und 2023 unter anderem
der in der EU verbotene Wirkstoff Bifenthrin aus Österreich nach
Belarus und in die Ukraine exportiert wurde. Gleichzeitig erlaubt die
EU den Import von Lebensmitteln, die mit genau diesem Pestizid
behandelt wurden. Der Grund: Für viele verbotene Pestizide gelten
weiterhin Rückstandshöchstwerte über der Nachweisgrenze.

Zwtl.: Cocktail-Effekt verschärft das Risiko

Besonders häufig wurden hierzulande verbotene Pestizide in
Lebensmitteln aus Costa Rica, Kolumbien, Pakistan, Ecuador, China und
Indien nachgewiesen. In mehreren Fällen enthielten Proben gleich
mehrere verbotene Wirkstoffe gleichzeitig – ein Risiko, das durch den
sogenannten Cocktail-Effekt zusätzlich steigt. „Die Behörden bewerten
Substanzen einzeln, verzehrt werden sie jedoch gemeinsam“ , warnt
Indra Kley-Schöneich. „Diese Mehrfachbelastung durch verschiedene
Pestizidrückstände wird politisch noch immer systematisch
unterschätzt – auf Kosten der Gesundheit der Konsument:innen.“

Zwtl.: foodwatch fordert ein entschlossenes politisches Umdenken auf
EU-Ebene :

– Schluss mit dem Gift-Export: Was in der EU verboten ist, darf weder
produziert noch exportiert werden.

– Stopp dem „Bumerang-Effekt“: Für verbotene Pestizide müssen
Rückstandshöchstwerte auf die Nachweisgrenze gesenkt werden.

– Keine Aufweichung durch EU-Omnibus: Schutzstandards dürfen nicht
weiter untergraben werden – ohne Ausnahmen und Übergangsregeln.

Rückenwind kommt derzeit aus Frankreich: Die französische
Regierung hat Anfang Januar ein Importverbot für Waren, die mit in
Europa verbotenen Pestiziden behandelt wurden, erlassen. Dieses soll
so lange in Kraft bleiben, bis die Europäische Kommission europaweit
entsprechende Regelungen trifft.

foodwatch appelliert an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der
Leyen, sich für echten Schutz statt Doppelmoral einzusetzen. Die
Organisation hat dafür eine Petition ins Leben gerufen, die bereits
über 100.000 Menschen unterzeichnet haben.

Weiterführende Informationen:

Petition

foodwatch Report „Verbotene Pestizide auf unseren Tellern“

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