Garten- und Landschaftsbau in Österreich „vorsichtig optimistisch“

Wien (OTS) – Der österreichische Garten- und Landschaftsbau blickt
nach
schwierigen Jahren „vorsichtig optimistisch“ in die Zukunft: „Seit
Mitte des Jahres 2025 hat sich die Auftragslage deutlich verbessert“,
stellt Herbert Eipeldauer , seit Sommer neuer Bundesinnungsmeister
der Gärtner und Floristen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ),
fest: „Der Wohnungsbau hat angezogen und auch die gehobene
Mittelschicht investiert wieder vermehrt in ihren privaten Garten.“

Diese Entwicklung schlägt sich allmählich auch in den
Konjunkturdaten nieder, die KMU Forschung Austria vierteljährlich im
WKÖ-Auftrag erhebt. So waren im Gesamtjahr 2024 die Branchenumsätze
nominell um 3,5 Prozent gestiegen – das bedeutete real (
preisbereinigt) aber ein Minus von 2,1 Prozent.

Entsprechend verhalten war die Stimmung noch Anfang 2025: Im
ersten Quartal beurteilten 19 % der Betriebe die Geschäftslage mit
„gut“ – immerhin 2 % mehr als im Vorquartal. „Saisonüblich“ schätzten
59 % der Firmeninhaber die Lage ein (Vorquartal 62 %) und als
„schlecht“ 22 % der Betriebe (Vorquartal 21 %). Bremsend wirkte unter
anderem die hohe Netto-Sparquote der privaten Haushalte, die im
vierten Quartal 2024 hohe 13,2 Prozent des verfügbaren Einkommens
betrug: „Wo mehr gespart wird, fließt weniger Geld in die
Gartengestaltung“, so Eipeldauer.

Wieder mehr Geld für den Garten

Seit dem 2. Quartal geht es langsam, aber spürbar aufwärts. Im 3.
Quartal 2025 stieg der Auftragsbestand verglichen mit dem
Vorjahresquartal um 13,5 % – wobei dieser Steigerung ein massiver
Auftragseinbruch von 27,5 % im Jahr 2024 vorausgegangen war.
Eipeldauers Fazit: „Der Pessimismus der Betriebsinhaber hat im
Jahresverlauf langsam abgenommen. Es deutet sich eine vorsichtige
Erholung an – zwar auf niedrigem Niveau, aber doch spürbar.“

Die Top-5-Herausforderungen

Unverändert die größte Herausforderung ist laut Umfrage der
Fachkräftemangel (für 51 % der Betriebe), gefolgt von
Preissteigerungen für Rohstoffe und Materialien (50 %) sowie Energie
(45 %). Auf Platz vier und fünf liegen Bürokratie (43 %) sowie
Arbeitskosten (41 %).

Ohne qualifizierte Fachkräfte geraten Unternehmen leicht an
Kapazitätsgrenzen – in einem Markt, der immer höhere Anforderungen an
Technik, Nachhaltigkeit und Planung stellt. „Es geht hier um
tatsächliches Fachpersonal mit gärtnerischer Ausbildung und
Pflanzenkenntnissen“, sagt Eipeldauer.

Klimagärtner: Ausbildung mit Signalwirkung

Eine Abhilfe bietet der Lehrberuf Klimagärtner:in, der Anfang
2025 gestartet ist und vermehrt natur- und umweltschutzinteressierte
Jugendliche für die Ausbildung begeistern soll. Denn der Beruf
wandelt sich von der klassischen Gartenpflege zusehends hin zur
Mitgestaltung urbaner Ökosysteme. Bauen im Einklang mit ökologischen
Funktionen wird immer wichtiger, begrünte Dächer, Fassaden und
Regenwassernutzung sind zentrale Bausteine moderner Stadtentwicklung.

Großes Potenzial

Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2022 arbeiteten 75 % der
befragten Städte an Strategien zur Klimaanpassung, 9 von 10 maßen der
Bauwerksbegrünung hohe Bedeutung zu. Dieser Markt könnte laut
Prognosen bis 2030 auf ein Volumen von 600 Mio. Euro anwachsen.

Diese positiven Aussichten könnten auch ein heißes Branchenthema
beeinflussen: die Betriebsnachfolge. „Es ist heute nicht mehr
selbstverständlich, dass Kinder den Betrieb übernehmen. Und viele
Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter sind hervorragende Fachkräfte,
fühlen sich jedoch in der zweiten Reihe wohler als an der Spitze“, so
Eipeldauer. Die Kombination aus neuen Ausbildungswegen, steigender
Nachfrage und wachsendem Umweltbewusstsein könnte überzeugende
Argumente für eine Betriebsübernahme liefern.

Daten zur Branche

Die Bundesinnung der Gärtner und Floristen in der WKÖ zählte Ende
2024 österreichweit mehr als 5.700 aktive Berufszweigmitglieder,
darunter sind 1.969 Landschaftsgärtner. Die „grünen Branchen“
beschäftigten insgesamt rund 13.800 Personen (unselbstständig, inkl.
geringfügig), darunter sind 751 Lehrlinge. (PWK456/HSP)