Blick in die Zukunft der Gebäudesanierung trifft bei steirischer Landespolitik auf große Resonanz

Graz (OTS) – Bei einer exklusiven Baustellenbesichtigung in der Grüne
Gasse 48
präsentierten heute Partner aus dem Großforschungsprojekt RENVELOPE
die technologische Innovation „Serielle Sanierung“, die das Potenzial
hat, den Gebäudebestand rasch und nachhaltig zu erneuern.

Zwtl.: Neuartiges Modulsystem als Basis für serielle Sanierung

In dem von der steirischen Forschungseinrichtung AEE – Institut für
nachhaltige Technologien (AEE INTEC) geleiteten Großforschungsprojekt
(17 Partner aus Forschung und Bauindustrie) wurden modulare
Fassadenelemente in Vorfertigung entwickelt, die neben bautechnischen
Strukturen (Tragkonstruktion, Wärmedämmung, Fenster, etc.) auch
Komponenten der Gebäudetechnik (z.B. Photovoltaik, Lüftung,
Wärmeabgabesystem, Steigstränge) beinhalten. Je nach Bedarf des
betreffenden Gebäudes können die benötigten Elemente dabei aus einem
Modulsystem ausgewählt und, vergleichbar mit einem großen Puzzle,
zusammengefügt werden. Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades bei der
„Seriellen Sanierung“ nehmen die Montagearbeiten vor Ort nur wenige
Tage in Anspruch und sind aus der Sicht der Gebäudenutzer
minimalinvasiv. Das bedeutet keine Aussiedelung von Bewohner*innen,
weniger Lärm, weniger Staub, so gut wie keinen Müll auf der Baustelle
sowie eine gesichert hohe Ausführungsqualität. Dieses Prinzip wurde
im vergangenen Jahr in drei konkreten Umsetzungsprojekten
demonstriert.

Zwtl.: Beheizung und Kühlung von außen als besondere Innovation – Das
Produkt CEPA®

Ein besonders vielversprechender Baustein kommt dabei vom steirischen
Unternehmen TOWERN3000 , das ein in das Fassadenmodulsystem
integrierbares Wärmeabgabesystem für Beheizung und moderate Kühlung
entwickelt hat. Das Wärmeabgabesystem wird in Serie im Werk an das
Fassadenelement montiert und im Montageverfahren vor Ort automatisch
an die Bestandswand gepresst. Die dahinterliegenden Räume werden
somit also von außen über die Bestandswand beheizt und im
Sommerbetrieb von außen moderat gekühlt. Die flächige Anordnung des
Abgabesystems erlaubt ähnlich wie bei einer Wandheizung geringe
Vorlauftemperaturen und hohen Nutzungskomfort. Zusätzlich überzeugt
das System durch die einfache Anordnung der notwendigen
Rohrleitungen, die Nutzung der Außenwände als thermischer Speicher
und aufgrund der geringen Vorlauftemperaturen eine effiziente
Umstellung auf ein Heiz- und Kühlsystem basierend auf erneuerbaren
Energien. Mit CEPA® schafft TOWERN3000 eine bislang fehlende Lösung
für die Umstellung bestehender Hochtemperatursysteme auf effiziente
Niedertemperatursysteme, während gleichzeitig die Grundlage für
Heizen und Kühlen über ein System geschaffen wird.

Kurzvideo: Weltpremiere CEPA®-Energiefassade erstmals in Graz

Zwtl.: Aktuelle Umsetzung in einem Studentenwohnheim in Graz

Umgesetzt wird das hochinnovative Prinzip der seriellen Sanierung
inkl. der Beheizung/Kühlung von außen aktuell am Studentenwohnheim in
der Grüne Gasse in Graz. Das 1972 als sechsgeschossiges errichtete
Gebäude gehört mit seinen 34 Studentenwohnungen zum
Immobilienportfolio der Rottenmanner Siedlungsgenossenschaft . Im
Zuge der aktuell laufenden Erneuerung der Gebäudehülle und der
Gebäudetechnik werden insgesamt 84 vorgefertigte Vorhangmodule in 14
Werktagen montiert. Diese Module wurden in den letzten Wochen im Werk
des beauftragten Holzverarbeitungsunternehmens vorgefertigt und dabei
mit 14 cm Wärmedämmung plus ca. 10 cm Ausgleichsdämmung ausgestattet.
Neben der Seriellen Sanierung der Fassaden erfolgt die Dämmung der
Kellerdecke sowie die Umstellung der Wärmeversorgung von dezentralen
elektrischen Nachtspeicheröfen. Zusätzlich wird im Zuge der Sanierung
am Dach des Gebäudes eine Photovoltaikanlage mit 24 kWp installiert.
Insgesamt konnte durch die umgesetzten Maßnahmen der Wärmebedarf um
50 % reduziert werden.

Landeshauptmann-Stellvertreterin Manula Khom sowie Landesrätin
Simone Schmiedtbauer machten sich heute persönlich ein Bild vom
Prinzip der seriellen Sanierung, von der Innovation des Unternehmens
TOWERN3000 sowie deren Umsetzung im Sanierungsprojekt in der Grüne
Gasse.

Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom:
„Dieses Projekt zeigt beispielhaft, wie zukunftsweisende steirische
Entwicklungen unseren Wirtschaftsstandort stärken. Die serielle
Sanierung bündelt Forschung, heimische Produktion und Handwerk zu
einer marktfähigen Lösung. Das bedeutet: Arbeitsplätze für die
Steierinnen und Steirer, Wertschöpfung in unserer Region und die
Chance, Innovation ,made in Styria‘ zu exportieren und international
bekannt zu machen. Ein Musterbeispiel dafür, wie regionale steirische
Innovation internationale Wirkung entfalten kann.“

WohnbaulandesrätinSimone Schmiedtbauer:
„Innovationen wie diese sind entscheidend, um unsere Wohngebäude fit
für die Zukunft zu machen. Gebäude mit einer guten Isolierung und
einer effizienten Heizung helfen uns dabei, nachhaltiger zu werden
und bei den Heizkosten bares Geld zu sparen. Gerade die Verbindung
aus Energieeffizienz, sozialer Verträglichkeit und schneller
Umsetzung macht diese „Serielle Sanierung“ so attraktiv. Ich bin
stolz darauf, dass wir solche großartigen Innovationen ‚Made in
Styria‘ mit Mitteln aus dem Wohnbauressort unterstützen. Damit
leisten wir einen Beitrag zu einer energieeffizienteren und
nachhaltigeren Steiermark “

Uwe Nerwein, Rottenmanner Siedlungsgenossenschaft:
„Wenn wir vor einem Jahr folgende Worte an unsere Bewohnerinnen und
Bewohner gerichtet hätten: „Wir planen bei diesem Objekt sowohl die
Fassade zu sanieren als auch die Heizform umzustellen! Wir werden in
Ihren Wohnungen stemmen, fräsen und bohren – es wird notwendig sein,
dass Sie für Monate aus Ihren Wohnungen ausziehen!“

Diese „Begleitumstände“ einer herkömmlichen Sanierung sind den
Bewohnerinnen und Bewohnern nicht zumutbar, die Akzeptanz einer
solchen Sanierung wäre nicht gegeben und in weiterer Folge auch nicht
umsetzbar gewesen.

Darin lag die Motivation, gemeinsam mit steirischen Unternehmen
innovative Formen der thermischen Gebäudesanierung umzusetzen. Stark
reduzierte Bauzeiten bei größtmöglicher Aufrechterhaltung der
Wohnqualität während der Bauzeit machen die serielle
Fassadensanierung zum „Gamechanger“. Ein Projekt, welches Maßstäbe
für zukünftige Sanierungen setzt und das Multiplikations- und
Skalierungspotential für weitere Bauvorhaben eindrucksvoll aufzeigt.“

Ing. Christian Fink, Geschäftsführer AEE INTEC:
„Das Prinzip der ‚Erneuerung von Bestandgebäuden in Serie‘ eignet
sich insbesondere bei großvolumigen Gebäuden mit einfach
strukturierten Fassadenoberflächen. Eine im Projekt RENVELOPE
durchgeführte Studie zum Potenzial der “Sanierung von
Bestandsgebäuden in Serie“ kam zum Ergebnis, dass rund 70.000 Gebäude
alleine in Österreich für diese Methode geeignet wären. Um dieses
Potenzial und auch den Exportsektor rasch zu erschließen, muss noch
an mehreren Schrauben gedreht werden. Wichtig wäre insbesondere ein
Schulterschluss zwischen Industrie, Politik und Forschung, um
konkrete Zielsetzungen und Maßnahmen für ein umfangreiches “Roll-out“
festzulegen. Als notwendige Maßnahmen werden heute z.B. die
Steigerung des Automatisierungsgrades in der Modulherstellung, die
Standardisierung und vollständige Digitalisierung des gesamten
Prozesses (Digitaler Zwilling), Förderanreize sowie auch
entsprechende Begleitmaßnahmen gesehen.“

Thomas Buchsteiner, Geschäftsführer TOWERN3000 & Gründer von CEPA
®
„Dank unserer intensiven Entwicklungsarbeit an der CEPA®-Technology
in den letzten Jahren, können wir heute der Bauwirtschaft –
insbesondere Bauherren, Planern und Handwerksbetrieben – eine
praxisnahe und wirtschaftlich umsetzbare Lösung anbieten.

Die bisherigen Projekte zeigen: CEPA® wird von den Planern und
Handwerksbetrieben sehr gut angenommen. Das System lässt sich in
bestehende Fertigungsprozesse sehr gut integrieren und nach einer
Schulung der Techniker und Handwerker höchst effizient montieren.

Mit unseren jüngst erfolgreich abgeschlossenen Brandprüfungen für
Österreich und Deutschland, lassen sich nun auch Gebäudeklassen 4 und
5, also bis zu 32 Meter Höhe sicher realisieren. Diese weltweit
einzigartigen Ergebnisse schaffen Planungssicherheit, verkürzen
Projektlaufzeiten und reduzieren Zeit, Kosten und Risiken bei der
Bestandssanierung. Wir schulen und zertifizieren Betriebe –
entsprechend planen wir, unseren „Expertenstandort“ in Österreich (
Schladming) und Deutschland (Augsburg) auszubauen.“

Das Forschungsprojekt RENVELOPE
Das Großforschungsprojekt RENVELOPE wurde 2023 im Rahmen des vom
Klima- und Energiefonds finanzierten Programms „Vorzeigeregion
Energie (Green Energy Lab)“ des Klima- und Energiefonds gestartet und
biegt nun in das letzte Programmjahr. Um für die weitere Ausrollung
des Systems maximal zu lernen, begleitet das RENVELOPE-Projektteam
messtechnisch alle drei Demogebäude (Studentenwohnheim in Graz,
Geschoßwohnbau in Wien sowie die Landesberufsschule Knittelfeld) über
eine Winter- und Sommerperiode.

Weitere Informationen: www.renvelope.at

Steirische Innovation mit internationaler Strahlkraft
„Die steirische Innovationskraft zeigt eindrucksvoll, dass Lösungen
aus der Region heute österreichweit und zunehmend international
eingesetzt werden“, erklärt Thomas Buchsteiner , Geschäftsführer von
TOWERN3000 und Erfinder und Gründer von CEPA-Solutions. Gemeinsam mit
der Forschungseinrichtung AEE INTEC wurde die Technologie zur
Marktreife geführt und im österreichischen Markt etabliert. Das große
Interesse aus dem deutschen Markt führte bereits zur erfolgreichen
Marküberleitung.

Bedeutung für Energiesouveränität, Klimaziele und Wohnbau
Die Kombination aus Energieeffizienz, schneller Umsetzung und
minimalem Eingriff in den Wohnraum adressiert zentrale
Herausforderungen des Gebäudesektors: Klimaschutz, Komfort,
thermische Sanierung, soziale Verträglichkeit und Kostenreduktion.
Die Technologie gilt als relevanter Hebel, um Energiesouveränität
sowie die europäischen und österreichischen Klimaziele im
Gebäudebestand zu erreichen.

Über TOWERN3000
TOWERN3000 ist ein steirisches Innovationsunternehmen mit Sitz in
Schladming, das sich auf nachhaltige Technologien und smarte Lösungen
für Bau und Sanierung spezialisiert hat. Mit der CEPA®-Energiefassade
entwickelte TOWERN3000 ein System, das die Zukunft des Bauens neu
denkt – ressourcenschonend, effizient und digital vernetzt. Die CEPA®
Technologie findet Einsatz bei minimalinvasiven Bestandssanierungen
von Wohnanlagen bis hin zu Industriegebäuden. Seit 2023 ist die
TOWERN3000 Mitglied des größten österreichischen Forschungsprojekts
zur Seriellen Sanierung – RENVELOPE.

Über Rottenmanner Siedlungsgenossenschaft
Die Rottenmanner Siedlungsgenossenschaft wurde im Jahr 1949 gegründet
und ist seither Mitglied des Österreichischen Verbandes
gemeinnütziger Bauvereinigungen. Ihr Fokus liegt auf der Schaffung
und Erhaltung von leistbarem Wohnraum in der gesamten Steiermark. Mit
rund 20.000 Mitgliedern und rund 25.400 verwalteten Wohneinheiten
zählt sie zu den größten gemeinnützigen Bauträgern in Österreich.

Über AEE – Institut für Nachhaltige Technologien (AEE INTEC)
Das Institut ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit
Sitz im steirischen Gleisdorf und beschäftigt rund 100 Mitarbeiter*
innen aus über 15 Nationen. AEE INTEC ist eines der führenden
außeruniversitären Forschungseinrichtungen der angewandten Forschung
auf dem Gebiet erneuerbarer Energie, Bau- und Gebäudetechnik,
Energieinfrastrukturen, Energiespeicher, Kreislaufwirtschaft und
Bioraffinerien in Europa. Der Fokus der Arbeiten liegt dabei in der
Unterstützung von Unternehmen, neuartige Technologien und Systeme zu
entwickeln sowie in die Umsetzung zu bringen. Weitere Informationen:

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Link zu Pressefotos:
https://cloud.towern3000.at/index.php/s/T6fp4ZNNBejpNDx