EU-Saatgutrecht: In Brüssel beginnt heute der abschließende Trilog

Schiltern, Wien, Brüssel (OTS) – Heute, am 3. Februar 2026, beginnen
in Brüssel die abschließenden
Trilog-Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht. Bereits jetzt
beherrschen nur drei Konzerne – Bayer, Corteva und Syngenta – mehr
als die Hälfte des globalen Saatgutmarkts. Das neue Saatgutrecht
könnte diese Machtkonzentration weiter erhöhen, auch zu Lasten der
österreichischen Konsument:innen. „Die großen Agrochemie-Konzerne
wollen ihre Kontrolle über Saatgut und Lebensmittel ausbauen“ , sagt
Paul Grabenberger, Experte für Saatgutrecht bei ARCHE NOAH in
Brüssel. „ Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig muss
dagegenhalten: Das neue Saatgutrecht muss die Diversifizierung des
Saatgutmarkts sicherstellen! Vielfalt macht unser Lebensmittelsystem
resilienter und erhöht unserer Unabhängigkeit. “

Der weltweite kommerzielle Saatgutmarkt ist rund 50 Milliarden US
-Dollar schwer, es dominieren Mais, Soja und Getreide. Der enge Fokus
auf nur wenige Sorten und Arten macht unser Lebensmittelsystem
krisenanfällig. Die neue EU-Verordnung über die Produktion und das
Inverkehrbringen von Pflanzenvermehrungsmaterial könnte die Arbeit
lokaler Produzent:innen unmöglich machen und die bedenkliche
Situation mit Oligopolen in wesentlichen Bereichen der Landwirtschaft
verstärken.

Die zypriotische Ratspräsidentschaft will die heute beginnende
Trilog-Verhandlungen bis Mitte April 2026 abschließen. „ Dieser
Fahrplan von nur wenigen Wochen ist angesichts der unterschiedlichen
Positionen kaum zu halten “, erklärt Paul Grabenberger von ARCHE
NOAH. In wichtigen Grundsatzfragen – lokale Saatgutproduktion oder
Rechte von Bäuer:innen – liegen das EU-Parlament und der Rat der
Landwirtschaftsminister:innen weit auseinander.

Nur mehr Gemüse und Obst? Kein Getreide oder Erdäpfel?

Ein Beispiel: Geht es nach den EU-Landwirtschaftsminister:innen
sollen Züchter:innen künftig nur noch neue Vielfaltssorten von Obst
und Gemüse verkaufen dürfen. Neue vielfältige Sorten von Getreide
oder Erdäpfeln wären verboten – zum Nachteil ländlicher Regionen und
der menschlichen Gesundheit. Der Rat will auch eine der Grundlagen
der heute existierenden Kulturpflanzenvielfalt verbieten: Bäuer:innen
sollen in Zukunft Saatgut nicht mehr über Regionengrenzen hinweg
weitergegeben dürfen. Ein Austausch auch nur von kleinen Mengen
lokaler Sorten zwischen Tirol und Südtirol oder zwischen Salzburg und
Bayern wäre somit illegal. Im Gegensatz dazu will das Parlament die
bäuerliche Saatgutweitergabe ermöglichen und den Geltungsbereich der
Verordnung auf kommerzielle Aktivitäten beschränken.

„ Das EU-Parlament hat sich für eine lokale Saatgutwirtschaft und
für bäuerliche Saatgut-Systeme ausgesprochen. Beides ist wichtig, um
unsere Traditionen zu schützen und unsere Landwirtschaft zu stärken
“, sagt Paul Grabenberger von ARCHE NOAH.

Entscheidende Wochen für die Ernährungssicherheit

In den kommenden Wochen werden sich die Verhandlungsteams von EU-
Kommission, Parlament und dem Rat der Landwirtschaftsminister:innen
fast wöchentlich treffen, um die endgültigen Vorschriften
festzulegen. ARCHE NOAH fordert Ausnahmen für die Weitergabe von
Saatgut zum Zweck der Erhaltung der landwirtschaftlichen Vielfalt
sowie vernünftige Vorschriften für kleinere Betriebe.

Nach Abschluss des Trilogs muss der Gesetzestext vom Rat der
Landwirtschaftsminister:innen und vom EU-Parlament endgültig
beschlossen werden, bevor das neue Saatgutrecht drei Jahre später in
Kraft tritt. „ Nachdem der Rat im Dezember absurde Restriktionen für
Bäuer:innen sowie für die lokale Saatgutproduktion in seine
Verhandlungsposition aufgenommen hat, muss Landwirtschaftsminister
Totschnig seine Kolleg:innen von einem vernünftigen und fairen
Kompromiss überzeugen “ , fordert Paul Grabenberger von ARCHE NOAH.
„Wir brauchen ein Saatgutrecht, das die landwirtschaftliche Vielfalt
schützt, unseren Anspruch auf gesunde und vielfältige Lebensmittel
sichert und die Rechte der Bäuer:innen respektiert – in Österreich
und in ganz Europa!“