Stromanbieter-Check: WWF und GLOBAL 2000 decken große Transparenzlücken bei österreichischen Stromanbietern auf – Folgen, Vergleich und Ausblick (2026-01-26). Die Analyse zeigt: Nur wenige Anbieter gelten als echte Treiber der Stromzukunft. Lesen Sie die Bewertung, die Auswirkungen für Kundinnen und Kunden in Österreich und was das für das Gelingen der Energiewende bedeutet.
Stromanbieter-Check: Ergebnisse und Bedeutung
Am 26.01.2026 präsentierten WWF Österreich und GLOBAL 2000 den neuen Stromanbieter-Check, in dem 129 österreichische Stromanbieter anhand von 16 ökologischen und sozialen Kriterien untersucht wurden. Nur drei Unternehmen – Alpe Adria Energie (AAE), W.E.B und Kraftwerk Glatzing-Rüstorf – erhalten die Höchstwertung „Treiber der Stromzukunft“, neun Anbieter sind als „solide Grünstrom-Anbieter“ eingestuft. Bemerkenswert ist, dass 84 Anbieter auf Fragen der Studienautorinnen und -autoren nicht geantwortet haben und daher nur anhand öffentlich zugänglicher Daten bewertet werden konnten, darunter namhafte Landesenergieversorger wie TIWAG und der teilstaatliche Verbund. Die Studienautoren Reinhard Uhrig (WWF) und Maximilian Hejda (GLOBAL 2000) warnen vor Defiziten vor allem bei Naturverträglichkeit und glaubwürdigen Strategien zum Ausstieg aus Gas.
Warum dieser Check für Österreich relevant ist
Der Stromanbieter-Check ist für Verbraucherinnen und Verbraucher in Österreich wichtig, weil Stromanbieter entscheiden, wie der künftige Energiemix aussieht. Die Bewertung hat konkrete Folgen für die Kaufentscheidung, das Vertrauen in regionale Versorger und für die politische Debatte um Förderinstrumente und regulatorische Vorgaben. Die Ergebnisse werden in Gemeinden, bei Stadtwerken und in politischen Gremien diskutiert werden, denn sie spiegeln die Frage wider: Wer treibt die notwendige Dekarbonisierung und Naturverträglichkeit beim Ausbau erneuerbarer Energien wirklich voran?
Fachbegriffe verständlich erklärt
Für die Lesbarkeit erklären wir zentrale Begriffe, die im Stromanbieter-Check eine Rolle spielen. Jede Definition umfasst mindestens 50 Wörter, damit auch Nicht-Fachleute die Bedeutung nachvollziehen können.
Grünstrom
Grünstrom bezeichnet elektrische Energie, die aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft, Wind, Solarenergie oder Biomasse stammt. Entscheidend ist, dass Grünstrom möglichst geringe Treibhausgas-Emissionen verursacht und idealerweise nachweisbar aus erneuerbaren Anlagen stammt. Für Kundinnen und Kunden ist wichtig, ob Anbieter echten Grünstrom liefern oder lediglich Herkunftsnachweise (RECs/GOs) handeln. In Bewertungssystemen wird Grünstrom oft zusätzlich nach Kriterien wie regionaler Erzeugung, Naturverträglichkeit und langfristiger Ausbauplanung bewertet. Ein reiner Papiertiger-Zertifikat ohne Ausbauambition trägt kaum zur Energiewende bei.
Naturverträglichkeit
Naturverträglichkeit bezieht sich auf die ökologischen Auswirkungen von Energieanlagen auf Landschaft, Biodiversität und Ökosystemfunktionen. Maßnahmen zur Naturverträglichkeit umfassen Standortwahl mit ökologischem Minderungsprinzip, zeitliche Bauplanung zur Vermeidung von Brutzeiten, Renaturierung von Standflächen und Monitoring nach Inbetriebnahme. Anbieter, die Naturverträglichkeit ernstnehmen, legen Studien vor, nutzen konfliktarme Standorte und haben klare Kompensationsstrategien. Fehlt diese Sorgfalt, können Projekte langfristig Akzeptanz verlieren und ökologische Schäden entstehen, die Kosten und Verzögerungen verursachen.
Fossile Energieträger
Fossile Energieträger sind Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas, die aus längst toten Pflanzen- und Tierresten entstanden sind und bei der Verbrennung CO2 freisetzen. In der Energiewirtschaft sind fossile Energieträger historisch dominant, verursachen jedoch die meisten klimaschädlichen Emissionen. Der Ausstieg aus fossilen Energieträgern ist zentral für das Erreichen der Klimaziele. Anbieter, die weiterhin stark auf Gas setzen, gelten in Nachhaltigkeitsbewertungen oft schlechter, weil Gasinfrastruktur langfristig zu Lock-in-Effekten führen kann, die eine rasche Umstellung auf erneuerbare Energien behindern.
Transparenz
Transparenz bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Stromanbieter offenlegen, wie ihre Energie erzeugt wird, welche Verträge, Investitionspläne und Nachhaltigkeitsstrategien sie verfolgen. Transparenz umfasst Angaben zu Erzeugungsanlagen, Herkunftsnachweisen, CO2-Emissionen und geplanten Ausstiegsstrategien aus fossilen Quellen. Fehlende Transparenz erschwert es Verbraucherinnen und Verbrauchern, fundierte Entscheidungen zu treffen, und schwächt Marktmechanismen, die Anbieter mit echten Klimastrategien belohnen würden.
Energiewende
Die Energiewende beschreibt den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozess, die Energieversorgung von fossilen auf erneuerbare Quellen umzustellen und gleichzeitig Energieeffizienz zu erhöhen. Sie umfasst neben technischer Umrüstung auch politische Maßnahmen, Netzausbau, Speicherung, Sektorkopplung und Verhaltensänderungen. Die Energiewende ist ein langfristiges Transformationsprojekt, das Investitionen, Planungssicherheit und Akzeptanz in der Bevölkerung erfordert. Stromanbieter spielen eine zentrale Rolle, weil ihre Investitionsentscheidungen beeinflussen, wie schnell und naturverträglich erneuerbare Kapazitäten ausgebaut werden.
Netzausbau
Netzausbau meint den Ausbau von Übertragungs- und Verteilnetzen, der notwendig ist, um fluktuierende erneuerbare Energiequellen ins System zu integrieren. Ohne Netzausbau entstehen Engpässe, die Erneuerbaren-Ausbau bremsen. Netzausbau umfasst auch digitale Steuerung, Speicherintegration und grenzüberschreitende Kapazitäten. Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie Bürgerbeteiligung sind zentrale Elemente, um Netzausbau sozialverträglich umzusetzen. Anbieter können durch ihre Investitionspläne und Kooperationen den Netzausbau unterstützen oder behindern.
Historische Entwicklung der Energieversorgung in Österreich
Die Energieversorgung in Österreich war lange durch einen Mix aus lokaler Wasserkraft, fossilen Importen und einem stark regulierten Markt geprägt. Seit den 1990er-Jahren haben Liberalisierung und EU-Richtlinien zu mehr Wettbewerb geführt, gleichzeitig wuchs das Bewusstsein für Klimaschutz. Die letzten Jahrzehnte sahen eine Politik, die Wasserkraft weiter nutzte und Förderungen für Wind und Solar aufbaute. Dennoch blieb der Ausbau oft regional verschieden: Einige Bundesländer investierten früh in Wind- und Solarprojekte, andere setzten stärker auf bestehende Großanlagen. In den 2010er- und frühen 2020er-Jahren rückte die Frage der Naturverträglichkeit stärker in den Fokus, nachdem Konflikte um neue Wasserkraft- und Windstandorte öffentlich wurden. Die jüngste Phase ist geprägt von ambitionierten Klimazielen, Debatten um Gasabhängigkeit nach geopolitischen Krisen und einem wachsenden Druck auf Stromanbieter, klare Strategien für die Dekarbonisierung vorzulegen. Der aktuelle Stromanbieter-Check setzt hier an, indem er Transparenz und Zukunftspläne systematisch bewertet und damit eine bisher weniger strukturierte Debatte professionalisiert.
Vergleich: Bundesländer in Österreich, Deutschland und Schweiz
Innerhalb Österreichs zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: Vorarlberg mit illwerke vkw, das im Check vergleichsweise gut abschnitt, hat eine lange Tradition in der Nutzung von Wasserkraft und setzt stärker auf dezentrale Lösungen. Im Osten Österreichs sind Wien Energie, Burgenland Energie und die EVN aktiv und punkten mit urbanen und regionalen Strategien; das Burgenland ist zudem als Windregion bekannt. In Bundesländern wie Tirol und Oberösterreich sind traditionelle Großprojekte stärker vertreten, was Debatten über Naturverträglichkeit anheizt. Im Vergleich zu Deutschland zeigen sich ähnliche Muster: Deutsche Bundesländer und Energieversorger variieren stark, von Vorreitern mit hohem Wind- und Solaranteil bis zu Regionen mit stärkeren Netz- und Speicherherausforderungen. Die Schweiz fokussiert sich aufgrund ihres hohen Anteils an Wasserkraft und ihrer föderalen Struktur auf fein abgestimmte kantonale Planung, wobei Genehmigungsverfahren und Landschaftsschutz dort oft strikte Regeln darstellen. Insgesamt lässt sich sagen: Vielfalt in der föderalen Struktur führt zu unterschiedlichen Pfaden der Energiewende; gemeinsame Standards für Transparenz und Naturverträglichkeit würden jedoch Vergleichbarkeit und Vertrauen stärken.
Bürger-Impact: Konkrete Folgen für Haushalte und Unternehmen
Die Ergebnisse des Stromanbieter-Checks betreffen Konsumentinnen und Konsumenten direkt. Wer seinen Stromanbieter wechselt oder einen neuen Vertrag abschließt, sollte wissen, ob der Lieferant aktiv in erneuerbare Projekte investiert oder primär mit Herkunftsnachweisen arbeitet. Für Haushalte bedeutet das: Transparente Anbieter, die in den Ausbau erneuerbarer Kapazitäten investieren, unterstützen eine langfristige Preisstabilität und Klimaschutzziele, während intransparente Anbieter kurzfristig günstige Angebote machen können, langfristig aber Investitionen in fossile Backups forcieren. Für Unternehmen ist die Lieferantenwahl Teil der Nachhaltigkeitsstrategie; besonders energieintensive Betriebe benötigen Verlässlichkeit und Planungssicherheit, die aus konkreten Ausbauplänen und netzverträglichen Konzepten entstehen.
Beispiele aus dem Alltag: Eine Gemeinde plant ein Nahwärme- und Photovoltaik-Projekt. Wenn der regionale Stromanbieter transparent Ausbaustrategien und Naturverträglichkeitskonzepte vorweist, steigt die Chance auf Kooperation und Finanzierung. Privatkunden, die auf regional erzeugten Grünstrom Wert legen, können gezielt Anbieter auswählen, die lokale Anlagen fördern. Fehlt diese Transparenz, sind Verbraucherinnen und Verbraucher auf öffentliche Ratings wie den WWF/GLOBAL 2000-Check angewiesen, um ihre Entscheidung abzusichern.
Zahlen & Fakten: Analyse der Bewertung
Die Studie umfasst 129 Anbieter. Aufgeteilt wurden die Unternehmen in sechs Kategorien: „Treiber der Stromzukunft“ (3 Anbieter), „solide Grünstrom-Anbieter“ (9 Anbieter), „Stromanbieter im Wandel“, „Stromanbieter vor Herausforderungen“, „intransparente Stromanbieter“ und „fossile Nachzügler“. Auffällig sind die 84 Anbieter, die auf die Fragebögen nicht antworteten. Das entspricht einem Anteil von rund 65 Prozent der untersuchten Firmen, die sich nicht aktiv an der Bewertung beteiligten. Diese Nichtbeteiligung wirkt sich erheblich auf die Vergleichbarkeit der Bewertung aus: Unternehmen ohne Antwort mussten allein nach öffentlichen Daten bewertet werden, was häufig zu schlechteren Einschätzungen führt.
Unter den Landesenergieversorgern gibt es deutliche Rangunterschiede: Illwerke vkw (Vorarlberg) schneiden laut Check am besten ab, gefolgt von Wien Energie, Burgenland Energie und EVN. Im Mittelfeld liegen KELAG, Energie Steiermark und Salzburg AG, während TIWAG und Energie AG am Ende der Skala stehen – beide beantworteten die Anfragen nicht. Die Studie nennt 16 Bewertungskriterien, die Bereiche wie Strategie, Ausbau, Transparenz und Naturverträglichkeit abdecken. Diese Kriterien sind praxisrelevant, weil sie sowohl kurzfristige Maßnahmen (z. B. Offenlegung von Emissionsdaten) als auch langfristige Investitionspläne (z. B. Ausstiegsstrategien aus Gas) berücksichtigen.
Die Methodik beruht auf Fragebögen und auf öffentlich zugänglichen Informationen. Dadurch ist die Studie transparent in ihrer Datengrundlage, aber auch abhängig von der Mitwirkung der Unternehmen. Die große Anzahl nicht antwortender Anbieter macht deutlich, dass Marktteilnehmer entweder Informationsdefizite haben oder strategisch keine Auskunft geben wollen – beides ist für eine ernsthafte Klimastrategie problematisch.
Zukunftsperspektive: Was muss passieren?
Für die kommenden fünf bis zehn Jahre ergeben sich klare Handlungsfelder: Erstens müssen Anbieter ihre Transparenz deutlich erhöhen und konkrete Ausstiegspläne aus fossilen Energieträgern vorlegen. Zweitens bedarf es verbindlicher Standards für Naturverträglichkeit, damit Ausbauvorhaben ökologisch vertretbar sind. Drittens sollte der Netzausbau beschleunigt werden, um neue erneuerbare Kapazitäten effizient einzubinden. Viertens sind Förder- und Vergütungsmodelle nötig, die nicht kurzfristige Zertifikatstransaktionen belohnen, sondern langfristige Investitionen in regionale Erzeugung und Speichertechnologien.
Prognose: Anbieter, die jetzt investieren und transparent auftreten, werden Marktanteile gewinnen und von politischen Förderrahmen profitieren. Intransparente Versorger riskieren Reputationsverlust, regulatorischen Druck und mögliche Marktanteilsverluste, insbesondere bei Kundinnen und Kunden mit hoher Klimabewusstheit. Auf Landesebene könnten die Unterschiede zu politischen Debatten führen: Regionen mit schwacher Performance werden verstärkt in Förderprogramme und Dialogprozesse einbezogen werden müssen, um soziale und wirtschaftliche Nachteile zu vermeiden.
Quellen und Weiterführendes
Die Grundlage dieses Artikels ist die Pressemitteilung und der Stromanbieter-Check von WWF Österreich und GLOBAL 2000 (2026). Weitere Details und die vollständige Studie finden Sie bei der Originalquelle: WWF/GLOBAL 2000 Stromanbieter-Check (OTS 26.01.2026). Für vertiefende Informationen zu Energiewende-Strategien und Regulierungsfragen verweisen wir auf die Publikationen des Umweltbundesamts, der Energie-Control Austria und einschlägige Fachliteratur.
Fazit
Der Stromanbieter-Check macht deutlich: In Österreich gibt es nur wenige echte Vorreiter, viele Anbieter sind intransparent oder schlecht aufgestellt für eine naturverträgliche Energiewende. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten die Ergebnisse nutzen, um informierte Entscheidungen zu treffen. Politik und Regulatoren sind gefordert, Standards für Transparenz und Naturverträglichkeit zu setzen. Welche Rolle sollen regionale Versorger künftig spielen: Investoren in die erneuerbare Zukunft oder Bewahrer fossiler Strukturen? Ihre Meinung ist gefragt.
- Lesen Sie den vollständigen Report: WWF/GLOBAL 2000 (26.01.2026)
- Überprüfen Sie Ihren Anbieter: Fragen Sie nach konkreten Ausbauplänen und Naturverträglichkeitskonzepten
- Bleiben Sie informiert: Regionale Unterschiede spielen eine Rolle – vergleichen lohnt sich






