„kulturMontag“: Neuer Schätzing-Roman als Bowie-Hommage, Kultur an Österreichs Schulen, Oscar-Anwärter Panahi im Exklusiv-Interview

Wien (OTS) – Am 12. Jänner 2026 meldet sich um 22.30 Uhr in ORF 2 und
auf ORF ON
der „kulturMontag“ zurück. Die von Clarissa Stadler präsentierte
erste Magazinausgabe des neuen Jahres befasst sich u. a. mit Frank
Schätzings neuestem Roman, für den dessen Jugendheld David Bowie eine
große Rolle spielte. Diesen stellt anlässlich seines zehnten
Todestages außerdem die an das Magazin anschließende Dokumentation
„David Bowie – Sein Weg zum Erfolg“ (23.15 Uhr) ins Rampenlicht.
Außerdem u. a. Thema der Sendung: die kulturelle Teilhabe und Bildung
an Österreichs Schulen und der Oscar-nominierte Film des vom Regime
verfolgten iranischen Filmemachers Jafar Panahi, der dem
„kulturMontag“ ein Exklusivinterview gegeben hat.

„Spaceboy“ – Frank Schätzings Jugendheld David Bowie

Über David Bowie ist schon so ziemlich alles gesagt wie geschrieben
worden. Dass sein legendärer Song und erster Hit „Space Oddity“ aus
dem Jahr 1969 auch lebensverändernd sein kann, das stellt
Bestsellerautor Frank Schätzing in seinem Buch „Spaceboy“ unter
Beweis. Der 68-jährige Kölner, der 2004 mit seinem Sci-Fi-Thriller
„Der Schwarm“ weltberühmt wurde, verwebt in seinem neuen Werk die
Biografie seines ganz persönlichen Jugendhelden David Bowie mit der
Geschichte des eigenen Aufwachsens. Das Buch „Spaceboy“ beginnt im
Jahr 1969, als Schätzings nonkonformistischer Musiklehrer Bowies Song
rund um Major Tom im Unterricht auflegt – und dem damals
zwölfjährigen Klassen-Nerd ein komplett neues Universum um die Ohren
fliegt. Schätzing, damals ein schüchterner Bub, der vollkommen
entmutigt war vom eisenharten, fantasiebefreiten Schulbetrieb, dessen
musische, bildende und vor allem literarischen Begabungen nicht
zählten, fand in David Bowie einen rettenden Anker. Während sich sein
Idol in Ziggy Stardust und den Thin White Duke verwandelte, kämpfte
der spätere Autor mit dem unglamourösen Alltag eines bieder erzogenen
westdeutschen Schülers und träumte von einer Rockstar-Karriere. Schon
als Kind fühlte sich Schätzing zu unbekannten Welten hingezogen. Mit
Bowie teilte er die Faszination für das Bedrohliche und die Lust,
Entertainment daraus zu machen. Wie der Musiker Pate für den scheuen
Burschen in seiner adoleszenten Selbstfindung stand, erzählt Frank
Schätzing im „kulturMontag“-Interview.

Zukunftsmusik – Kulturelle Teilhabe an Schulen

Wie kommen die Kinder zu mehr Kunst und Kultur? Dieses Thema will
Kulturminister Andreas Babler in Angriff nehmen und kulturelle
Teilhabe vermehrt im Regel-Schulsystem verankern. Und ist sich darin
mit seinen Koalitionspartnern einig, denn das Anliegen hat auch
Eingang in das gemeinsame Regierungsprogramm gefunden. Ein breiterer
Zugang zu kultureller Bildung und eine bessere Talenteförderung
sollen in Kooperation mit dem Regelschulwesen und Kulturinstitutionen
sowie der Kunstszene weiterentwickelt werden. Wie ist der Status quo
und welche Initiativen haben sich an Österreichs Schulen schon
bewährt? Wie kann kulturelle Bildung elementarer Bestandteil der
Allgemeinbildung werden? Elementares Musizieren, kurz ELEMU, heißt
ein vor zwölf Jahren in Wien gestartetes Projekt, das es schon in
ganz Österreich gibt. In Kooperation von Musikschulen und der
Bildungsdirektion richtet sich dieses Angebot an Volksschulklassen
und ist kostenfrei. Mit ein Grund dafür war und ist die veränderte
Ausbildung von Pädagoginnen und Pädagogen, denn die künstlerischen
Fächer wurden massiv reduziert. Eine erfolgreiche Initiative,
schließlich profitieren mittlerweile 27 Wiener Volksschulen von den
ausgebildeten Musikschullehrerinnen und -lehrern, die somit in den
Volksschulen qualitätsvollen Musikunterricht ermöglichen. Der
„kulturMontag“ hat sich auf Lokalaugenschein auf den Bildungscampus
Deutschordenstrasse in Wien Penzing begeben.

Wagemutig – Iranischer Filmemacher Jafar Panahi im „kulturMontag“-
Exklusiv-Interview

Wegen „Propaganda gegen das Regime“ saß er jahrelang im berüchtigten
Evin-Gefängnis in Teheran ein, ein jahrzehntelanges Berufs-, Ausreise
– und Interviewverbot wurde verhängt. Nichts davon hat Jafar Panahi
davon abgehalten weiterzumachen. Im Gegenteil, mit seinem jüngsten
Film „Ein einfacher Unfall“ hat der iranische Regisseur die
Filmfestspiele von Cannes gewonnen und ist für die Golden Globes
nominiert. Bei den „Gotham Awards“ Anfang Dezember in New York, einem
der ersten Oscar-Anzeiger der Saison, wurde der Streifen zum Abräumer
des Abends – mit drei Preisen für die beste Regie, das beste
Originaldrehbuch und den besten internationalen Film. Dass „Ein
einfacher Unfall“, der als Frankreichs Kandidat ins Oscar-Rennen
geschickt wurde, auch gewinnen könnte, liegt somit im Bereich des
Möglichen. Für Panahi wäre diese Trophäe ein weiterer Höhepunkt
seiner ungewöhnlichen Karriere, wurde er doch auch schon mit einem
Goldenen Löwen für seinen Film „Der Kreis“ aus dem Jahr 2000 und
einem Goldenen Bären 2015 für seine dokumentarische Filmkomödie „Taxi
Teheran“ ausgezeichnet. Ob er der Oscar-Gala im März beiwohnen wird
können, steht freilich noch in den Sternen. Zumal die aktuellen, neu
entflammten Proteste im Iran das Regime noch repressiver agieren
lassen. Jafar Panahi stellt für den Konflikt ein eindrückliches
Beispiel dar. Denn jener wird nicht nur auf dem politischen Parkett,
auf Öl- und Schlachtfeldern ausgetragen, sondern auch auf dem Rücken
der Kunst. Seine Kreativität wurde stets durch Repressionen
ausgebremst, aber umgekehrt auch angetrieben. Auch seinen jüngsten
Film „Ein einfacher Unfall“ hat er, aller Verfolgung und Zensur zum
Trotz, heimlich gedreht; Seine Handlung kann sich vielleicht nur
einer ausdenken, der in einem System von Unfreiheit und Unterdrückung
existieren muss: Sie erzählt von Schuld, Vergeltung, Gerechtigkeit,
Brutalisierung durch ein grausames Regime und Rache. Im ausführlichen
„kulturMontag“ Exklusivgespräch mit Christian Konrad zieht Jafar
Panahi Bilanz.

Dokumentation „David Bowie – Sein Weg zum Erfolg“ (23.15 Uhr)

David Bowie, scheinbar „der Mann, der vom Himmel fiel“ – so der Titel
eines Spielfilms mit ihm aus dem Jahr 1976 – ein androgynes,
schillerndes Alien im Rampenlicht. Tatsächlich hatte er seine
Karriere und sein Image sorgsam und intelligent geplant, sich immer
wieder neu erfunden. Nicht von ungefähr trug er das Emblem „Pop-
Chamäleon“: Er war Ziggy Stardust, Major Tom, Glam-Rock-Star und Pop-
Ikone, stets wandernd zwischen Geschlechterrollen und Grenzen
auslotend. Vor zehn Jahren, am 10. Jänner 2016, ist David Bowie
gestorben. Regisseur Francis Whately zeichnet in seinem Film den Weg
des Buben David „Davy“ Robert Jones aus der Londoner Vorstadt zur
globalen Pop- und Rock-Ikone nach. Es sind die frühen Jahre, die im
Fokus stehen: ein junger Mann, hungrig nach Erfolg, scheitert in neun
Bands in Serie. Mit „Space Oddity“ landet er 1969 schließlich seinen
ersten Hit – und mit der Erschaffung seines Bühnen-Alter Egos Ziggy
Stardust gelingt ihm der endgültige Durchbruch. Die Doku enthält
Archivaufnahmen von Interviews mit Bowie, Kommentare seiner frühen
Mitarbeiter, Exklusivinterviews mit zwei seiner ehemaligen
Freundinnen und bisher unveröffentlichte Aufnahmen der BBC.
Die internen Notizen, die sich BBC-Granden zu einem jungen Künstler
machten, der sich mit seiner Band 1965 für ein Vorsingen bewarb,
waren wenig vielversprechend: „Ein amateurhaft klingender Sänger, der
keine Noten trifft“, war da zu lesen. Besonders irritierte einer der
vorgetragenen Songs: „Chim-Chim-Cheree“ aus „Mary Poppins“. Doch sich
entmutigen zu lassen oder gar aufzugeben, war im Karriereplan des
Davy Jones nicht vorgesehen. Gerade erst hatte er sich als David
Bowie neu erfunden und saugte alles, was sich künstlerisch verwerten
ließ, in sich auf wie ein Schwamm. Wichtige Einflüsse waren für ihn
der Schauspieler und Sänger Anthony Newley, dessen Gesang er anfangs
imitierte. Vom Tänzer und Pantomimen Lindsay Kemp, der Elemente von
Ballett und Kabarett miteinander verknüpfte, war er nicht nur
künstlerisch angetan. Die beiden verband eine kurze Beziehung. Die
vielen Flops, die er sich mit seinen frühen Schallplattenaufnahmen
einhandelte, steckte Bowie lachend weg. „Wenn man jung ist, lacht man
viel, wir hatten viel Spaß“, sagt er in der Doku. Auch mangelte es
ihm nicht an Selbstwertgefühl: „Er hat sich selbst immer extrem
geliebt“, erzählt seine Ex-Freundin, die Sängerin Dana Gillespie.
Eigentlich verwunderlich, war doch Bowies Kindheit vergleichsweise
von Lieblosigkeit geprägt. Die Mutter brachte kein Lächeln über die
Lippen und war unfähig, Zuneigung zu zeigen. Sein Gefühl tiefer
Isolation verarbeitete er im Science-Fiction-Pop-Drama „Space
Oddity“, das zu seinem ersten Hit wurde. Und dann erfand die
Bühnenfigur David Bowie die Bühnenfigur Ziggy Stardust, durch die er
endgültig zum Superstar wurde.